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TEST Margarine und Streichfette: Ölpest


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2013 vom 30.08.2013

Palmöl steckt in Fertigsuppen, Schokoriegeln – und Margarine. Die Anbauflächen für Ölpalmen wachsen stetig. Gleichzeitig schrumpft der Urwald. Menschen verlieren Heimat und Lebensgrundlage, Tiere und Pflanzen sterben aus. ÖKO-TEST wollte von den Anbietern wissen, ob die Palmölprodukte für ihre Margarine verantwortungsvoll hergestellt worden sind. Labore untersuchten die Produkte auf Schadstoffe und Fettzusammensetzung.


Artikelbild für den Artikel "TEST Margarine und Streichfette: Ölpest" aus der Ausgabe 9/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2013

Fünfzig Mal hat der Parteivorsitzende Philipp Rösler beim FDP-Dreikönigstreffen 2012 im Stuttgarter Staatstheater während seiner Rede das Wort „Wachstum“ benutzt. Wäre die FDP eine ...

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... Pflanze, sie wäre eine Ölpalme. Denn wie die marktgläubige Partei steht Elaeis guineensis für das Grundrauschen des Kapitalismus: Wachstum.

Die Ölpalme stammt aus Afrika. Ihre Heimat sind vermutlich die Breiten des Golfs von Guinea. Im Jahr 1848 brachten niederländische Seeleute die ersten Ölpalmen ins heutige Indonesien. Die Kolonialherren legten den Grundstein für eine einzigartige Wachstumsstory: 1980 betrug die weltweite Produktion von Palmöl 4,5 Millionen Tonnen. Im Jahr 2012 waren es laut dem US-Landwirtschaftsministerium 54 Millionen Tonnen. Indonesien und Malaysia produzieren rund 90 Prozent des weltweit gehandelten Palmöls.

Dass dies mittlerweile das meistverkaufte Pflanzenöl der Welt ist, hat einen einfachen Grund: Die Ölpalme ist ertragreicher als Raps, Soja oder Sonnenblume. Laut der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) produziert eine Ölpalme im Durchschnitt vier Tonnen Öl pro Hektar und Jahr. Bei guten Anbaumethoden sind sogar acht Tonnen möglich. Soja, Sonnenblume und Raps schaffen weniger als 800 Kilogramm. Ölpalmen benötigen auch weniger Land – mindestens sechsmal weniger als Soja.

Der Anbau ist zwar kaum mechanisiert – die Früchte müssen per Hand geerntet werden. Doch auch wenn laut UNCTAD 30-mal mehr Arbeitskräfte pro Pflanzung benötigt werden als beim Soja anbau, rechnet sich der Anbau für Plantagenbesitzer. Da die Frucht in tropischen Ländern gedeiht, in denen niedrige Arbeitsstandards vorherrschen, verfügen die Produzenten über billige Arbeitskräfte bei der Ernte. Die Weltbank gibt an, dass allein auf Plantagen in Indonesien, wo Firmen mehr als die Hälfte des weltweit vorhandenen Palmöls produzieren, rund drei Millionen Menschen arbeiten.


Plantagenarbeiter erhalten schlechtere Löhne als zur Kolonialzeit


Und wie die meisten von ihnen dort arbeiten, weiß Marianne Klute vom Verein Watch Indonesia. Dessen Mitglieder kämpfen für Demokratie, Menschenrechte und Umweltschutz in Indonesien und Osttimor. „Neben den angestellten Arbeitern gibt es die Kontraktarbeiter, die so gut wie keinen rechtlichen Schutz genießen“, weiß Klute. Erst gar nicht in die Lohnabrechnungen und Statistiken schaffen es die sogenannten „Helfer“. Das sind meist Familienangehörige, auch Kinder, die die Arbeiter unterstützen, damit sie das Arbeitspensum schaffen.

Nach Daten der indonesischen Nichtregierungsorganisation Lentera sind ein Drittel bis zur Hälfte aller Arbeitskräfte auf Ölpalmenplantagen solche unbezahlten, daher völlig rechtlosen Helfer. Günstig für die Firmen. Denn so haben sie keinerlei Verpflichtungen zu Sozialleistungen und Arbeitsschutz. Dass im Jargon des Kapitalismus Wachstum nicht Wachstum für alle bedeutet, zeigt die Studie The Loss of Reason – Human Rights Violations in the Oil-Palm Plantations in Indonesia, die Saurlin P. Siagian und Amin Siahaan für die Organisation „Brot für die Welt“ verfasst haben: Plantagenarbeiter leiden unter miserablen Arbeitsbedingungen.

Es fehlen beispielsweise Schutzbekleidungen beim Umgang mit Pestiziden. Gewerkschaftsmitglieder klagen über Benachteiligungen bis hin zu Repressionen. Und die Löhne sind auf den Ölpalmenplantagen im Vergleich zur Kolonialzeit gesunken: Während ein Arbeiter 1937 das Äquivalent zu 4,37 Kilogramm Reis pro Tag zuzüglich Sozialleistungen (etwa Rente) erhielt, entsprach der Tageslohn 2007 nur noch 3,7 Kilogramm Reis ohne Sozialleistungen. Auch das bedeutet Globalisierung: Die Gewinne des einen, sind die Einbußen vieler anderer.

ÖKO-TEST rät

Da die Lebensmittelindustrie erst 2014 alle verwendeten Öle und Fette auf Verpackungen deklarieren muss, erfährt der Verbraucher zurzeit oft nicht, dass Palmöl in der Margarine steckt und ob der Anbieter sich um eine nachhaltige Produktion kümmert. Wer im Geschäft darüber Auskunft verlangt, übt Druck aus.
Wer eine Margarine essen will, deren Anbieter sich um eine verantwortungsvolle Palmölproduktion bemüht haben, kann eines der drei Bio-Produkte im Test wählen, die auch beim Test Inhaltsstoffe ordentlich abgeschnitten haben.

Kompakt

RSPO-Handelsmodelle

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) unterscheidet vier Handelsmodelle. Diese wurden eingeführt, um es der Industrie auf unterschiedlichem Niveau zu ermöglichen, für ihre Produkte Palmöl aus verantwortungsvollem Anbau zu beziehen. Es beginnt mit einer Plantage, der ein Zertifizierungsunternehmen bestätigt hat, das dort Palmöl nach den Prinzipien und Kriterien des RSPO produziert wird. Die Menge zertifizierten Palmöls wird festgeschrieben.

Identity Preserved (UTZ-Certified): Die Rückverfolgbarkeit von Öl bis zur konkreten Plantage ist möglich. Die niederländische Organisation UTZ-Certified bietet als Partner des RSPO einen Dienst an, mit dem sich der Weg von so zertifiziertem Öl bis zur letzten Raffinerie nachvollziehen lässt.

Segregation: In jeder Stufe entlang der Lieferkette bleibt zertifziertes Palmöl von nichtzertifiziertem getrennt. Das Endprodukt enthält nur zertifiziertes Palmöl, das allerdings aus verschiedenen Quellen stammen kann.

Mass Balance (Materialbilanz): Ein bestimmtes Mischungsverhältnis aus zertifiziertem und nichtzertifiziertem Palmöl entlang der Lieferkette bis zum Endprodukt soll sichergestellt sein.

Book and Claim (Greenpalm): Erzeuger verkaufen für zertifiziertes Palmöl Zertifikate; das Palmöl selbst geht dann wie nichtzertifiziertes in die weitere Verarbeitung. Unternehmen können die Zertifikate dann entsprechend ihrer verwendeten Menge an nichtzerti fiziertem Palmöl kaufen. Damit wäre sichergestellt, dass für das in einem Endprodukt verwendete Palmöl eine entsprechende Menge zertifiziertes Palmöl produziert wurde. Nachteil: Unternehmen, die Book and Claim nutzen, können für ihre Produkte nach wie vor Palmöl aus inakzeptablen Quellen nutzen und so skrupel lose Produzenten unterstützen.

Wie rasiert: Die Luftaufnahme zeigt einen zerstörten früheren Torfurwald bei Kuala Cenaku in der Provinz Riau (Indonesien).


Aber noch etwas schrumpft aufgrund der unvergleichlichen Wachstumsstory Palmöl: der Urwald. Forschungsergebnisse auf der Basis von Daten der Food and Agriculture Organisation (FAO) der Vereinten Nationen zeigen, dass zwischen 1990 und 2005 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als drei Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt wurden, von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von Wäldern entstand. Laut Germany Trade & Invest, der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, wuchs der Anteil der Palmölplantagen allein in Indonesien zwischen 2007 und 2012 flächenmäßig um 32 Prozent. Und es geht weiter: Die Indonesian Association of Palm Oil Companies (GAPKI) rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum der Anbaufläche für Ölpalmen um weitere 700.000 auf insgesamt 10,3 Millionen Hektar.


Wer Ölpalmen auf Torfflächen anbaut, verantwortet Klimaerwärmung


Experten der Weltbank schätzen, dass bereits im Jahr 2010 rund 70 Prozent der Plantagen Indonesiens auf zuvor bewaldeten Flächen, 25 Prozent auf Torfflächen angelegt worden waren. Abstrakte Zahlen für eine konkrete Umweltkatastrophe: Denn Regenwald, der auf Torfböden wächst, enthält bis zu 50-mal mehr Kohlenstoff als „normaler“ Regenwald. Werden solche Torfwälder für den Anbau von Ölpalmen gerodet, wird CO2 in Massen freigesetzt. Die Moorschutzorganisation Wetlands International hat errechnet, dass entwässerte Moore in Indonesien im Jahr 2008 rund 500 Millionen Tonnen CO2 emittiert haben. Und: Jede, auf ehemaligen Torfwaldflächen erzeugte Tonne Palmöl ist laut Wetlands International für den Ausstoß von 10 bis 30 Tonnen an CO2 verantwortlich. Für Marianne Klute von Watch Indonesia ist klar: „Es gibt in Indonesien keinen Ölpalmenanbau ohne Regenwaldzerstörung.“ Ihre Beobachtung: „In Sumatra gibt es so gut wie keinen Tieflandregenwald mehr, vernich-tet durch Logging-, Zellstoffund Ölpalmenunternehmen, die oftmals zum selben Konzern gehören.“ Die aktuelle Expansion finde auf Kalimantan und in Papua statt, weiß Klute. Nach ihren Informationen entstehen hier weitere 14 bis 17 Millionen Hektar Ölpalmenplantagen – und zwar meist in Regenwaldgebieten.

Aber auch das Anlegen von Plantagen auf degradierten Flächen ist für Klute nicht unproblematisch: „Auch degradierte oder marginalisierte Böden bilden die Lebensgrund lagen vieler Menschen.“ Das ist ein weiterer Skandal in Zusammenhang mit dem Ölpalmenanbau: die Vertreibungen von lokaler Bevölkerung für den Plantagenbau. Die erwähnte Studie The Loss of Reason – Human Rights Violations in the Oil-Palm Plantations in Indonesia kommt zum Schluss: Der Ölpalmenanbau verletzt massiv die politischen und zivilen Menschenrechte der örtlichen Bevölkerung. Durch die Vertreibung wird ihnen der Zugang zu Ressourcen verwehrt, ohne Alternativen zur Bildung einer neuen Lebensgrundlage zu bieten.


Palmöl liefert das Fett für die wachsende Weltbevölkerung


An dieser Stelle könnte man aufhören, all das aufzuzählen, was im Zuge der Palmölproduktion vernichtet wird, wessen Rechte verletzt, wie viele Menschen ausgebeutet, welche Tier- und Pflanzenarten aufgrund des Verlusts ihres Lebensraumes aussterben werden. Der eine oder die andere, in dessen/ deren Brust ein Aktivistenherz schlägt, könnte an den Boykott von Palmölprodukten denken. Doch der ist unmöglich. Too big to fail – „zu groß, um zu scheitern“, lautet seit Beginn der Bankenund Finanzkrise im Jahr 2008 die Begründung, warum man Großbanken, die Milliarden verzockt haben, angeblich nicht pleitegehen lassen kann. „Too big to fail“ beschreibt auch die Palmölproduktion treffend: Schätzungen zufolge enthalten rund 50 Prozent der im Supermarkt angebotenen Produkte Palmöl oder Palmkernöl – von Nahrungsmitteln über Seife bis hin zu Kosmetikartikeln. Laut der OEDC 2010/2019 Agri cultural Forecasts wird der Verbrauch von pflanz lichen Ölen zwischen 2010 und 2019 um 30 Prozent steigen. Die Nach-frage steigt hauptsächlich durch das Bevölkerungswachstum und den Anstieg der Durchschnittseinkommen in den Entwicklungsländern. Große Teile der Weltbevölkerung decken ihren Grundbedarf an Fett durch Palmöl. So hatten im Jahr 2012 Indien mit 8,4 Millionen Tonnen, Indonesien mit 7,5 Millionen Tonnen und China mit 6,3 Millionen Tonnen den größten Inlands verbrauch an Palmöl. Die EU 27 verbrauchte dagegen „nur“ 5,4 Millionen Tonnen Palmöl.

Vertreibung gehört zum Tagesgeschäft der Palmölindustrie. Seit Polizeieinheiten das Dorf Sungai Beruang (Sumatra) im August 2011 zerstört haben, leben die Bewohner in Zelten.


Um den von der OECD prognostizierten zusätzlichen Bedarf an pflanzlichen Ölen zu decken, müsste auf weiteren rund 6,5 Millionen Hektar Ölpalmen angebaut werden – oder auf 42 Millionen Hektar Soja. Dazu kommt die Nachfrage nach Bio-Treibstoff. Schon heute lässt sich an den Rohstoffbörsen beobachten, dass der wachsende Verbrauch von pflanzlichen Ölen zur Energiegewinnung Preisdruck auf Palmöl verursacht und dass die Volatilität des Palmölpreises in Verbindung zur Instabilität des Ölpreises steht. Wenn also die Palmölproduktion die Umwelt zerstört, das Klima erwärmt, Menschen ihr Land und ihre Rechte nimmt, gleichzeitig aber die durch Bevölkerungswachstum stetig steigende Nachfrage nach günstigem pflanzlichem Öl nicht ohne die ertragreiche Ölpalme befriedigt werden kann, braucht es einen verantwortungsvollen Anbau von Ölpalmen. Den beansprucht der Round table on Sustainable Palm Oil (RSPO) für sich.

Gegründet im Jahr 2004 in Zürich auf Initiative von so unterschiedlichen Akteuren wie dem Schweizer Unternehmen Migros und dem WWF, versucht die Organisation nach eigener Aussage „nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschädigung zu begrenzen“. Der RSPO hat zurzeit 800 Mitglieder, darunter vor allem Produzenten, Mühlenbesitzer, Agrarund Handelsunternehmen, aber auch Banken und Umweltschutzorganisationen. Im Jahr 2005 hat der RSPO acht Prinzipien und 32 Kriterien entwickelt, die laut RSPO „nachhaltig“ produziertes Palmöl ausmachen.

Ein Zertifizierungssystem soll die Einhaltung der Prinzipien und Kriterien sicherstellen. Erzeuger werden bei der RSPO-Zertifizierung durch unabhängige Zertifizierungsunternehmen darauf hin geprüft, dass Palmöl entsprechend diesen Kriterien produziert wurde. Die RSPO-Zertifizierung von Händlern und anderen Unternehmen der Lieferkette soll sicherstellen, dass Angaben über die Verwendung zertifizierten Palmöls der Wahrheit entsprechen. Doch seitdem die erste Ladung RSPO-Palmöl im November 2008 den Hafen von Rotterdam erreichte, ist die Kritik an der Organisation nicht abgerissen.

Umweltorganisationen wie Greenpeace, Rettet den Regenwald oder Robin Wood werfen dem RSPO vor, „Greenwashing“ zu betreiben. Die RSPO-Kriterien seien schwach, wirkungsvolle Sanktionen nicht vorgesehen. Unerträglich finden einige die Tatsache, dass ein RSPO-Mitglied eine Vorzeigeplantage zertifizieren lassen kann und auf seinen übrigen Plantagen weiter gegen Menschenrechte verstößt, internationale Mindestarbeitsnormen nicht einhält und Regenwald vernichtet. Denn den RSPO-Mitgliedern wird eine Zeitspanne – in der Regel fünf Jahre – zugestanden, in der die Zertifizierung aller Plantagen erfolgen muss. Darüber hinaus gibt es die Fundamentalkritik: Riesige Plantagen aus Monokulturen von Ölpalmen können niemals nachhaltig sein. Solche Plantagen führten zur Entwaldung und in der Folge zum Verlust der biologischen Vielfalt, zu Überschwemmungen, Dürren, Bodenerosion und Gewässerverschmutzung.


Der RSPO: Kämpfen für Nachhaltigkeit oder nur „Greenwashing“?


Immerhin: Der RSPO hat auf die Kritik reagiert. Ein bisschen reagiert. Im April dieses Jahres hat die RSPO-Generalversammlung eine Überarbeitung der viel kritisierten Prinzipien und Kriterien verabschiedet. Ein großer Wurf ist es selbst in den Augen des RSPO-Gründungsmitglieds WWF nicht geworden. Auch Ilka Petersen, beim WWF Deutschland für Kommunikation, Landnutzung und nachhaltige Bio-Masse zuständig, ist enttäuscht: „Die Überarbeitung geht dem WWF Deutschland nicht weit genug. Im Vorfeld hatten sowohl der WWF International als auch der WWF Deutschland umfangrei-che Änderungswünsche geäußert.“ Damit habe man sich aber nicht durchgesetzt. Die Hauptkritikpunkte des WWF Deutschland am neuen Prinzipien/ Kriterien-Katalog: 1. Es gibt immer noch kein klares Verbot für den Anbau von Ölpalmen auf Torfböden. Laut dem neuen Kriterium 7.4 sollen neue Plantagen auf Torfböden lediglich „vermieden“ werden. 2. Hochgiftige Pestizide der WHO-Kategorien 1A und 1B sind immer noch nicht verboten. Nur wurde die Formulierung des entsprechenden Kriteriums leicht geändert. Es heißt jetzt, dass diese Pestizide reduziert und eliminiert werden sollen. Früher hieß es: reduziert „oder“ eliminiert. Allerdings fehlt eine klare Zeitangabe, bis wann dies erfolgen soll. 3. Bei den Treibhausgasemissionen hat man sich auf kein Reduk tionsziel geeinigt. Treibhausgasemissionen müssen zwar erfasst, aber erst ab 2016 veröffentlicht werden.

Erst kommt der Kahlschlag: Um Platz für die Palmölplantage zu schaffen, wird Urwald gerodet – wie hier auf Borneo. Dabei entweicht klimaschädliches CO2.


Unternehmen müssen Druck auf die Palmölproduzenten ausüben


Aber Ilka Petersen ist pragmatisch: „Der RSPO-Standard ist kein Öko-Siegel, aber er ist ein Mindeststandard, der signalisiert, dass auf Plantagen mehr getan wird, als die Gesetze in vielen Produktionsländern vorschreiben.“

Der WWF will nun eine Kampagne starten und deutsche Unternehmen auffordern, bei ihren Lieferanten Druck zu machen: Unternehmen sollten nur noch Palmöl von Produzenten kaufen, die nachweisen können, dass ihre Plantagen nicht auf Torfböden angelegt worden sind, die auf gefährliche Pestizide verzichten und die Treibhausgasemissionen ihrer Plantagen und Ölmühlen öffentlich machen sowie Reduktionsziele aufweisen.

Verbrauchern wird es zurzeit zumindest beim Produkt Margarine noch schwer gemacht, bewusst zu Artikeln zu greifen, die RSPO-zertifiziertes Palmöl enthalten. Die meisten enthalten Palmöl, das nach einem der vier RSPO-Handelsmodelle zertifiziert ist, aber ein RSPO-Siegel findet man sehr selten. Ilka Petersen vermutet: „Weil Palmöl negativ besetzt ist und von Verbrauchern mit Urwald rodung in Verbindung gebracht wird, verzichten die Anbieter darauf, durch das RSPO-Siegel auf Palmöl in ihrem Produkt hinzuweisen.“

Ab 2014 wird sich das ändern. Denn dann gilt EU-weit eine Deklarationspflicht für Öle. Der Hinweis „enthält pflanzliche Öle und Fette“ reicht dann nicht mehr aus. Vielleicht steigt dann auch die Nachfrage nach zertifiziertem Öl seitens der Unternehmen. Denn zurzeit können die Produzenten nur die Hälfte ihres nach den RSPO-Kriterien hergestellten Öls als solches verkaufen. Dazu Ilka Petersen: „Indonesien und Malaysia sagen uns: Warum sollen wir härtere Kriterien einführen, wenn nicht mal zu den jetzigen Bedingungen gekauft wird?“ Dagegen ist nicht leicht zu argumentieren. Petersen schätzt, dass eine Tonne RSPO-zertifiziertes Palmöl je nach Handelsmodell zwei bis vier Euro teurer ist als konventionell produzier-tes Öl. Eine 500-Gramm-Packung Margarine würde bei einem gängigen Palmölanteil von rund 20 Prozent also um 0,02 bis 0,04 Cent teurer.

Für Greenpeace Deutschland bleibt der Standard auch nach der Neufassung schwach. „Die Überarbeitung enttäuscht auf ganzer Linie“, kommentiert Gesche Jürgens, Kampaignerin für den Bereich Wälder und Bio-Diversität. Aus ihrer Sicht müssen jetzt Produzenten, Händler und Abnehmer individuell voranschreiten und bessere Standards fordern. Ein Beispiel: Der indonesische Palmölproduzent Golden Agri-Resources verbietet in seiner Unternehmensrichtlinie das Anlegen von Plantagen auf Torfböden. Das Roden von Wäldern, die mehr als 35 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar (so viel Kohlenstoff lagert in degradierten Wäldern) speichern, ist tabu. Unternehmen sollten von solchen Vorzeigelieferanten Palmöl beziehen, um Druck auf die anderen auszuüben, rät Jürgens.

Doch es gibt bereits heute gute Nachrichten: Indonesien hat das im Mai ausgelaufene Moratorium auf das Abholzen von Regenwald und das Umwandeln dieser Rodungen sowie von Torfflächen in Plantagen verlängert. Zum Hintergrund: Indonesien hatte sich im Mai 2011 im Kampf um die Reduzierung seiner gewaltigen CO2-Emissionen verpflichtet, die Umwandlung von 55 Millionen Hektarn Primärwald und 17 Millionen Hektarn Torfflächen in Plantagen für zwei Jahre zu verbieten. Im Gegenzug stellte die norwegische Regierung eine Milliarde US-Dollar für Waldschutzmaßnahmen zur Verfügung. Dieses Umwandlungsverbot gilt nun zwei weitere Jahre. Nur: Zenzi Suhadi, Kampaigner von Friends of the Earth, rät im Gespräch mit der Zeitung Jakarta Globe, dass das Moratorium nicht überbewertet werden darf: „Unternehmen und lokale Regierungen haben auch in der Vergangenheit genügend Wege gefunden, das Moratorium zu umgehen.“


Minimalziel Moratorium ist keine Garantie für Abholzungsstopp


Was tun? Wenn immer größere Teile der Weltbevölkerung auf Palmöl als Fettlieferant in der Nahrung angewiesen sind und gleichzeitig in den Haupterzeugerländern die aktuelle Gesetzgebung aus Sicht vieler Experten nicht ausreicht, um Menschen, Tiere und Umwelt angesichts einer expandierenden Palmölproduktion zu schützen, ist ein Mindeststandard wie RSPO allein aus Mangel an Alternativen unterstützenswert. Er ist eben – wie vergleichbare Standards für andere Rohstoffe oft – besser als nichts. Alternativen zu Palmöl sind nicht in Sicht: Soja, Raps oder Sonnenblume bringen zu wenig Ertrag und verbrauchen deutlich mehr Fläche als Ölpalmen. Und angesichts der Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Gesundheit kann niemand ernsthaft wollen, dass Menschen mehr tierische Fette produzieren und konsumieren. Die Handelsunternehmen müssen ihrerseits Verantwortung übernehmen und nur Palmöl verwenden, das weitgehend umweltschonend und fair produziert worden ist.

Um zu prüfen, wie umweltschonend und fair das Palmöl produziert worden ist, welches die 20 Margarinen enthalten, die ÖKO-TEST ein-gekauft hat, haben wir den Anbietern einen umfangreichen Fragebogen zugeschickt. Wir wollten wissen, ob bei der Palmölproduktion Mindestlöhne gezahlt und die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation eingehalten werden. Beim Thema Umweltschutz interessierte uns der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden sowie der Schutz für Urwald und Torfböden beim Plantagenbau.


Problematische Fettschadstoffe stecken oft in raffiniertem Palmöl


Neben den Fragebögen durchliefen die Margarinen und Streichfette in einem weiteren Teil unseres umfangreichen Produkttests aufwendige Laboranalysen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf den Fettschadstoffen 3-MCPD-Ester sowie Glycidylester, die besonders in raffiniertem Palmöl und Produkten, die Palmöl enthalten, etwa Margarine, in größeren Mengen vorkommen können.

Das Problem: Die Fettsäureester können sich während der Verdauung im menschlichen Körper zu freiem 3-MCPD bzw. freiem Glycidol abspalten. Freies 3-MCPD hat sich in Tierversuchen als tumorbildend erwiesen. Grund genug für die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC der WHO, 2011 das freie 3-MCPD als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ einzustufen.

Nicht weniger gefährlich ist freies Glycidol. Dieser Stoff wurde von wissenschaftlichen Gremien als erbgutschädigend und krebsauslösend beurteilt. Allerdings ist noch unklar, in welchem Ausmaß sich die Glycidylester tatsächlich in freies Glycidol umwandeln. Für die 3-MCPD-Ester haben Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) eine nahezu vollständige Umwandlung in freies 3-MCPD inzwischen bestätigt. Zum Glück hat sich auf der Herstellungs seite aber einiges getan: So lassen sich die Fettschadstoffe unter anderem durch verringerte Temperaturen und Erhitzungszeiten bei der Raffina tion der Öle minimieren.

Außer den Fettschadstoffen interessierte uns auch die Fettzusammensetzung der Produkte. Daneben warfen wir einen genauen Blick auf die deklarierten Inhaltsstoffe. Und natürlich waren wir möglicherweise überzogenen Versprechungen der Margarineindustrie auf der Spur.

Das Testergebnis

■ … fällt ziemlich schlecht aus. So erreichte nur ein Produkt das beste Urteil „gut“, etwas mehr als die Hälfte schnitt mit „befriedigend“ ab. Drei Produkte erreichten nur ein „mangelhaft“ und eine Margarine bekam sogar nur die Note „ungenügend“. Der wichtigste Abwertungsgrund bei den konventionellen Produkten waren schlechte Ergebnisse im Testbereich Palmölproduktion und Transparenz. Außerdem enthalten fast alle Marken Vitamine und Aromen, die das Gesamtergebnis noch einmal drückten. Die schlechten Noten bei den Bio-Marken kamen hingegen durch erhöhte Fettschadstoffwerte und durch eine ungünstige Fettzusammensetzung zustande.

Rund 50 Prozent Palmöl enthalten die Einzelfrüchte der Ölpalme, die Kerne sogar bis zu 52 Prozent Palmkernöl.


■ Mindestlohn und Kernarbeitsnormen. Alle Produkte im Test enthalten Palmöl oder Palmölprodukte wie Palmbutter, Palmstearin oder Palmolein, die einem der vier RSPO-Handelsmodelle entstammen. Das RSPO-Kriterium 6.5 fordert, dass die Bezahlung für Mitarbeiter und für Mitarbeiter von Auftragnehmern immer mindestens gesetzlichen oder Mindeststandards der Branche entsprechen muss und ausreichend sein soll, um menschenwür dige Lebensbedingungen zu bieten. Auch fordert der RSPO die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen. Für uns ist das ein Nachweis dafür, dass die an der Produktion Beteiligten sich bemühen, Mindestlohn und Kernarbeitsnormen bei der Produktion und Verarbeitung von Palmöl einzuhalten. Das gilt aber nur, wenn ein Nachweis vorliegt, dass auch wirklich nur RSP-Ozertifiziertes Palmöl oder Palmölprodukte in der Margarine enthalten sind. Das trifft auf die RSPO-Handelsmo delle Identity Preserved und Segregation zu. Entsprechende Nachweise haben die Anbieter der Produkte von Alnatura, Alsan-Bio, Landkrone Bio-Margarine und Rapunzel vorgelegt. Produkte, die Palmöl und Palmölprodukte der Qualität Mass Balance enthalten, erfüllen den Nachweis von Mindestlohn und Einhaltung der Kernarbeitsnormen in der Produktionskette nur teilweise, da auch konventionelles Palmöl im Produkt enthalten ist. Dafür gibt es Notenabzug. Denn über die Produktionsbedingungen des konventionellen Palmölanteils machten die Anbieter keine Angaben. Schlicht keine Aussage über die verarbeiteten Palmölprodukte ist möglich, wenn sich Anbieter nur am Zertifikatenhandel Book and Claim beteiligen. Denn in dem jeweiligen Produkt kann dann auch zu 100 Prozent rein konventionelles Palmöl enthalten sein, bei dessen Produktion weder Mindestlohn gezahlt, noch die Kernarbeitsnormen eingehalten worden sind.
■ Unilever: In Zukunft grün? Anbieter Unilver gab an, dass das seit Ende 2012 vom Unternehmen eingesetzte Palmöl komplett durch Greenpalm-Zertifikate (Book and Claim) abgedeckt ist. Mit anderen Worten: Für jede von Unilever eingesetzte Tonne Palmöl ist eine Tonne RSPO-zertifiziertes Palmöl produziert worden. Schrittweise wolle man ab 2020 nur noch segregiertes (getrennt hergestelltes) Palmöl in den Produkten verwenden. Bereits heute enthielten Produkte segregiertes Palmöl. Über Anteil und Umfang will das Unternehmen „zurzeit“ aber noch keine Angaben machen. Fazit: Auch wenn ein Zertifikatenhandel im Umfang, wie Unilever ihn betreibt, das RSPO-System unterstützt: Die von uns eingekauften Produkte Rama, Homa Gold und Flora Soft können trotzdem Palmöl und Palmölprodukte enthalten, bei deren Produktion man keinen Wert auf Mindestlohn und Mindestarbeitsstandards gelegt hat. Deshalb werten wir ab. Dem Argument, dass gewisse Palmölderivate, die zur Margarineproduktion benötigt werden, noch nicht in RSPO-Qualität vorliegen, kann leicht widersprochen werden: Andere große deutsche Margarinehersteller verwenden für ihre Produkte alle aus Palmöl gewonnenen Rohstoffe zumindest in Mass-Balance-Qualität.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer legten 20 Margarinen und Streichfette in den Warenkorb – darunter vier Bio-Marken; die restlichen Produkte sind bekannte konventionelle Marken sowie Eigenmarken der Discounter und Supermärkte.

Die Inhaltsstoffe

In den Laboren wurden die Margarine und Streichfette auf die Fettschadstoffe 3-MCPD-Ester und Glycidylester untersucht. Diese entstehen während des Herstellungsprozesses unter Hitze einwirkung und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Besonders viele Fettschadstoffe entstehen bei der Herstellung von Palmöl – einem wichtigen Stoff in der Margarineherstellung. Außerdem interessierte uns, ob Aromen oder Vitamine zugesetzt werden.

Die Fettzusammensetzung

Auf das Verhältnis kommt es an. Deshalb haben wir die von den Laboren ermittelten Mengen an Fettsäuren einander gegenübergestellt. Ideal ist ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von nicht mehr als 5:1. Zudem achteten wir auf ein ausgewogenes Verhältnis der ungesättigten zu den gesättigten Fettsäuren. Dieses sollte nicht kleiner als 2:1 sein, so die Empfehlungen von Fachgesellschaften.Weitere Mängel Als weiteren Punkt nahmen wir die Auslobung der Margarinepackungen genau unter die Lupe. Fanden wir irreführende oder falsche Aussagen vor, werteten wir diese ab.Palmölproduktion und Transparenz In allen Testprodukten stecken Palmöl und/oder Palmölbestandteile. Da der Anbau der Ölpalme in der Regel mit Umweltzerstörung und Ausbeutung der Plantagenarbeiter einhergeht, haben wir bei den Margarineanbietern konkret nachgefragt, ob die Plantagenarbeiter einen Mindestlohn erhalten und ob grundlegende internationale Arbeitsnormen eingehalten werden. Zu allen Antworten verlangten wir von den Anbietern Nachweise, die die Richtigkeit der Angaben belegen.

Rund 20 Prozent Palmöl oder Palmölprodukte stecken in Margarinen und Streichfetten.


Die Bewertung

Da die Fettschadstoffe Glycidol und 3-MCPD möglicherweise krebserregend sind, werten wir ab, wenn deren Summe oder die gefundene Menge an Glycidol erhöht sind. Je höher die Werte umso schlechter die Note. Zugesetzte Aromen und Vitamine gehören unserer Meinung ebenfalls nicht in Lebensmittel. Und auch bei einer ungünstigen Fettzusammensetzung fällt unser Urteil streng aus. Das Testergebnis Inhaltstoffe und das Testergebnis Fettzusammensetzung haben insgesamt eine vorrangige Stellung bei der Bildung des Gesamturteils. Dieses wird darüber hinaus aber auch vom Testergebnis Palmölproduktion und Transparenz beeinflusst, wodurch in den meisten Fällen die schlechten Noten zustande gekommen sind.

■ Umwelt- und Gesundheitsschutz: Nein, danke! Gewaltige Monokulturen wie Ölpalmenplantagen sind anfällig für Schädlinge. Deswegen lassen die Plantagenbesitzer aggressive Chemikalien spritzen, um die Ernte nicht zu gefährden. Dafür gefährdet der Einsatz Mensch und Umwelt. Nur die Anbieter der vier Bio-Margarinen erbrachten den Nachweis, dass die Verwendung hochgiftiger Chemikalien der WHO-Kategorien 1A und 1B während der Produktion verboten sind. Alle anderen erbrachten diesen Nachweis nicht. Und auch der RSPO verbietet den Einsatz dieser Agrochemikalien zurzeit nicht.
■ Rodungsverbot seit 2006. Der RSPO schreibt vor: Nach 2005 dürfen Neupflanzungen keinen Primärwald ersetzen. Analog zur Forderung nach Mindestlohn und den Kernarbeitsnormen sehen wir das Bemühen um den Schutz des Urwaldes bei Produkten, die Palmöl in Mass-Balance-Qualität enthalten, nur teilweise, und bei Produkten, deren Anbieter nur Greenpalm-Zertifikate kaufen, gar nicht gegeben.
■ Lausige CO2-Bilanz. In den Hauptanbaugebieten Indonesien und Malaysia werden Ölpalmenplantagen oft auf Torfböden angelegt. Werden die Moore für den Plantagenbau entwässert, entweicht aus dem Torf CO2 und trägt zur Klimaerwärmung bei. Der RSPO verbietet den Plantagenbau auf Torfböden nicht. Im Test konnten nur die Anbieter der Bio-Margarinen glaubhaft nachweisen, dass der Ölpalmenanbau für ihr Palmöl nicht auf Torfböden erfolgte. Alle anderen Margarinen können prinzipiell auch Palmölprodukte enthalten, die aus Früchten stammen, die auf Torfböden angebaut und geerntet worden sind.
■ Unnötige Zusätze. Fast alle konventionellen Hersteller setzen ihren Produkten Aromen und Vitamine zu. Beides werten wir ab. Denn zugesetzte Aromen dienen lediglich der geschmacklichen Veränderung. Die Produkte von Alnatura, Alsan, Rapunzel und Eden zeigen, dass es auch ohne Aromenzusatz geht. Überflüssig ist aus unserer Sicht auch der Zusatz von Vitaminen in 13 von 20 Margarinen. Zugegeben werden meist die fettlöslichen Vitamine A und D und manchmal auch Vitamin E. Statt Nahrungsmittel mit angereicherten Vitaminen zu essen, sollten diese dem Körper besser auf natürlichem Wege zugeführt werden, also durch viel Obst, Gemüse, Fisch und einen ausreichenden Aufenthalt im Freien.
■ Weniger Fettschadstoffe. Im ÖKO-TEST Margarine von 2008 hatte noch jedes zweite Produkt zu hohe Werte an 3-MCPD-Estern. Seitdem hat sich, offenbar besonders bei den konventionellen Herstellern, einiges getan. Nur vier von 20 Produkten disqualifizieren sich noch wegen erhöhter Gehalte an Fettschadstoffen, darunter leider drei Bio-Hersteller. So wiesen die Margarinen Alsan-Bio, Rapunzel Prima Reine Pflanzenmargarine und Landkrone Bio-Margarine erhöhte oder sogar stark erhöhte 3-MCPD-Werte auf. Nur einem konventionellen Produkt, der Vitaquell Vitasieg Pflanzen-Margarine, wurden deshalb ebenfalls Punkte abgezogen.

Wie die Kulisse für einen Endzeitfilm wirkt diese Aufnahme. Entwässerungskanäle dienen dem Austrocknen von Torfwäldern – der Voraussetzung für den Ölpalmenanbau.


■ Fettzusammensetzung teilweise schlecht. Eine optimale Fettzusammensetzung ist gut für Herz und Kreislauf. Insgesamt werten wir acht Margarinen im Test wegen einer ungünstigen oder schlechten Fettzusammensetzung ab. Vor allem die Bio-Produkte haben hier Probleme. Bei der Alsan-Bio, Margarine ist dafür neben dem verwendeten Palmöl auch das enthaltene Kokosfett verantwortlich. Beide Fettkomponenten liefern von Natur aus einen relativ hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Ernährungsexperten empfehlen jedoch, deutlich mehr ungesättigte als gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen. Weiterhin sollte das Verhältnis der Omega-6-Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren ausgewogen sein. Dies fördert die Bildung von entzündungshemmenden Botenstoffen, was sich insgesamt günstig auf die Gesundheit der Blutgefäße auswirkt.
■ Verpackungsangaben mit Fragezeichen. Alnatura wirbt auf der Packung für ein „besonders ausgewogenes Verhältnis von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren“. Dies konnte die Laboranalyse jedoch nicht bestätigen. Fragwürdig finden wir die Auslobung auf der Rama: „enthält essentielle Fettsäuren, die wichtig für das gesunde Wachstum und die Entwicklung von Kindern sind“. Hersteller Unilever erfüllt zwar die dafür erforderlichen Vorgaben, wirbt aber mit einer Gesundheitsaussage für Kinder. Das ist an sich schon zweifelhaft, auf einem Allerweltsprodukt wie einer Margarine umso mehr.

Mitarbeit: Uta Gensichen

Die Ölpalme: eine für alle

Ölpalmen können bis zu 30 Metern hoch wachsen. Das Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch, das Palmkernöl aus den Kernen der Früchte gewonnen. Der Grund für die außerordentliche Flächenproduktivität von Palmöl liegt auch im hohen Palmölanteil des Fruchtfleischs: Es enthält 45 bis 50 Prozent Palmöl; die Kerne rund 50 Prozent Palmkernöl. Nach der Ernte müssen die Früchte innerhalb von 24 Stunden weiterverarbeitet werden. Sonst verderben fettspaltende Enzyme im Fruchtfleisch die Ernte. Rund 60 Prozent des Rohpalmöls wird raffiniert. Man erhält ein fast weißes bis leicht gelbliches Fett. Bei Zimmertemperatur ist es von fester Konsistenz. Es macht Margarine streichzart und zerrinnt angenehm im Mund. Der große Vorteil von Palmöl: Es muss nicht erst gehärtet, also chemisch umgebaut werden. Bei dieser Fetthärtung entstehen Transfettsäuren, die als gesundheitsschädlich eingestuft werden. Umesterung und Fraktionierung sind weitere Verfahrensschritte zur Herstellung von Palmölprodukten. Zwischen- und Endprodukte, die bei diesen industriellen Verfahren entstehen, finden auch Verwendung in der Margarineproduktion (Palmbutter). Mit der Fraktionierung gewinnt man die Palmölderivate Palmstearin und Palmolein.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.Anmerkungen: 1) Anbieter Prima Vita GmbH (Eden) beantwortete unseren Fragebogen und gab an, dass das Produkt Eden Die gute Pflanzenmargarine mit Sonnenblumenöl Palmölprodukte der Qualität Mass Balance enthält. Allerdings sendete uns das Unternehmen im Gegensatz zu den Mitbewerbern „aus Gründen des Betriebsgeheimnisses“ keinen Nachweis, der die Angaben bestätigt. 2) Weiterer Mangel: fragwürdige Werbung mit der Gesundheit von Kindern auf einem Grundnahrungsmittel. 3) Laut Anbieter bezieht dieser seit Mai 2013 sein Produkt von einem anderen Lieferanten. Die Rezeptur sei jedoch vergleichbar mit dem getesteten Produkt. 4) Weiterer Mangel: Laut Anbieter sorgt die Kombination der verwendeten pflanzlichen Öle für ein „besonders ausgewogenes Verhältnis“ von Omega-6- und Omega- 3-Fettsäuren. Dem widerspricht jedoch das im Test ermittelte ungünstige Verhältnis der beiden Omega-Fettsäuren. 5) Die Bezeichnung „Fettschadstoff 3-MCPD“ in der Tabelle bezeichnet die Summe der gemessenen 3-MCPD- und Glycidylester, berechnet als 3-MCPD. 6) Die Bezeichnung „Fettschadstoff Glycidol“ in der Tabelle bezeichnet den gemessenen Gehalt an Glycidylestern, berechnet als Glycidol.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: eine Summe von 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl-Fettsäureestern (berechnet als 3-MCPD) von mehr als 120 μg je 30-g-Portion (in der Tabelle „3-MCPD stark erhöht“). Diese Menge entspricht mehr als 100 Prozent des TDI für freies 3-MCPD, bezogen auf einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führt: a) eine Summe von 3-MCPD-Estern und Glycidylestern (berechnet als 3-MCPD) von mehr als 60 μg je 30-g-Portion (in der Tabelle „3-MCPD erhöht“). Diese Menge entspricht mehr als 50 Prozent des TDI für freies 3-MCPD, bezogen auf einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm. b) ein Gehalt von Glycidyl-Ester (berechnet als Glycidol) von mehr als 30 μg je 30-g-Portion („Glycidol erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: a) Vitaminzusatz; b) Aroma/natürliches Aroma zugesetzt. Unter dem Testergebnis Fettzusammensetzung führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Verhältnis von Omega-6-zu Omega-3-Fettsäuren, das deutlich (mehr als fünffach) über dem wünschenswerten Verhältnis von „5:1 oder niedriger“ liegt (in der Tabelle „schlecht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Verhältnis von Omega-6-zu Omega-3-Fettsäuren, das über dem wünschenswerten Verhältnis von „5:1 oder niedriger“ liegt (in der Tabelle „ungünstig“); b) ein Verhältnis von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren, das um mehr als 50 bis 100 Prozent über dem wünschenswerten Verhältnis von höchstens 1:2 liegt (in der Tabelle „ungünstig“). Unter dem Test ergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: fragwürdige Auslobung. Zur Abwertung um eine Note führt: Werbeaussage zur Fettzusammensetzung, die nicht mit den im Labor gemessenen Werten übereinstimmt.
Unter dem Testergebnis Palmölproduktion und Transparenz führt zur Abwertung um fünf Noten: keine Nachweise für die Angaben zu Mindestlohn, Kernarbeitsnormen, Pestizideinsatz, Urwaldrodung für Plantagenbau sowie Plantagenbau auf Torfböden vorhanden. Zur Abwertung um vier Noten führen: hochgiftige Pestizide auf den Plantagen, die Urwaldrodung für Plantagenbau und der Plantagenbau auf Torfböden sind nicht verboten sowie Mindestlohn und Kernarbeitsnormen sind nicht geregelt (allerdings nimmt das Unternehmen am Zertifikatenhandel Book & Claim teil, unterstützt somit den Anbau von Ölpalmen nach einem Mindeststandard). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mindestens einer der drei Parameter 1. Regelungen zum Mindestlohn, 2. Regelungen zu Kernarbeitsnormen oder 3. Urwaldrodung für Plantagenbau verboten ist nur teilweise erfüllt; b) der Einsatz von Agrochemikalien der WHO-Kategorien 1A und 1B auf Ölpalmenplantagen ist nicht verboten; c) der Plantagenbau auf Torfböden ist nicht verboten.
In das Gesamturteil gehen die Testergebnisse Inhaltsstoffe und Fettzusammensetzung zu je 50 Prozent ein; es wird kaufmännisch gerundet. Wenn das Testergebnis Inhaltsstoffe „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, kann das Gesamturteil nicht besser sein. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Palmölproduktion und Transparenz, das „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Palmölproduktion und Transparenz, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten, wobei ein solches Produkt grundsätzlich nicht besser als „ausreichend“ sein kann.Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de Suchen → „M1309“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Februar 2013.
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