Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

TEST Margarine und Streichfette: Streichliste


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2010 vom 29.10.2010

Schon wieder gibt es in Zusammenhang mit Margarine schlechte Nachrichten. Der neue Fettschadstoff Glycidyl-Ester ist den Behörden zwar bekannt. Eine Höchstmenge oder zumindest einen Anhaltspunkt, wie viel davon im Fett stecken darf, gibt es aber nicht. Das wäre jedoch dringend nötig – denn 16 Testprodukte enthalten den höchst problematischen Stoff.


Artikelbild für den Artikel "TEST Margarine und Streichfette: Streichliste" aus der Ausgabe 11/2010 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Monika Adamczyk/Fotolia.com

Glycidol ist giftig und erzeugt beim Menschen wahrscheinlich Krebs. So viel steht fest. Fest steht auch, dass eine mögliche Vorstufe des Glycidols, sogenannte Glycidyl-(Fettsäure)- Ester in der Margarine stecken. Sie können ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Rezepte Der Herbst wird bunt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rezepte Der Herbst wird bunt
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von TEST Mittel gegen Bindehautentzündung : Schaun mer mal. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Mittel gegen Bindehautentzündung : Schaun mer mal
Vorheriger Artikel
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Rezepte Der Herbst wird bunt
aus dieser Ausgabe

Glycidol ist giftig und erzeugt beim Menschen wahrscheinlich Krebs. So viel steht fest. Fest steht auch, dass eine mögliche Vorstufe des Glycidols, sogenannte Glycidyl-(Fettsäure)- Ester in der Margarine stecken. Sie können bei der industriellen Produktion von Fetten entstehen. Besonders viel von dem Stoff enthält offenbar Palmfett, das die Industrie besonders gerne in Margarine einsetzt.

Viel mehr weiß man nicht. Ob auch die Glycidyl-Ester eine Gefahr sind, werden die Forscher wohl erst in einigen Jahren wissen. Im günstigsten Fall scheidet der Körper den Stoff aus – ohne dass er Schaden anrichtet. Es könnte aber auch sein, dass sich Teile in das chemisch verwandte 3-MCPD umwandeln, das ÖKO-TEST schon seit Längerem kritisiert. Im schlimmsten Fall wandeln sich die Glycidyl-Ester aber in freies Glycidol um, das zumindest im Tierversuch zu Krebs geführt hat. Um die Risiken auf keinen Fall zu unterschätzen, gehen Risikobewerter stets vom schlimmsten Fall aus.

Krebsrisiko Margarine? Derzeit wäre es überstürzt, auf der Basis der noch sehr dünnen Erkenntnisse einen solchen Zusammenhang herzustellen. Aber die Behörden sollten trotzdem alarmiert sein. Schon vor anderthalb Jahren hat das Bundesinstitut für Risikobewertung auf Glycidyl-Ester in Lebensmitteln hingewiesen. Seitdem wird eifrig geforscht. Gesetze oder zumindest Anhaltspunkte, wie viel von dem Stoff in Margarine stecken darf, gibt es aber nicht. Ja, nicht einmal eine Orientierungsgröße, was als „eher viel“ oder als „eher wenig“ gelten kann. „Auf Basis der vorläufi gen Bewertung können wissenschaftlich begründet keine Empfehlungen für Grenzwerte, Warnwerte etc. gegeben werden“, heißt es von den Behörden.

Auch das Margarine-Institut für gesunde Ernährung, ein Zusammenschluss der Margarine-Industrie, kann keine Orientierungsgrößen nennen. Es gebe ja auch noch keine Belege dafür, dass Glycidyl-Ester wirklich gefährlich sind, heißt es von dem Institut auf Anfrage. Das stimmt zwar. Trotzdem würde ein Orientierungswert, der sich an den am wenigsten belasteten Produkten orientiert, die Verbraucher zumindestens etwas schützen. So verfährt man ja zum Beispiel mit dem Krebsschadstoff Acrylamid. Auch für Glycidyl-Ester sollte das Prinzip gelten: So niedrig wie vernünftigerweise erreichbar. Und erreichen ließe sich schon heute einiges: Wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart festgestellt hat, können Hersteller durch die Auswahl der Rohstoffe und eine Veränderung des Raffi nationsprozesses die Werte im Fett grundsätzlich herunterschrauben.


Der neue Fettschadstoff Glycidyl-Ester steckt in fast allen Produkten


ÖKO-TEST interessiert sich schon lange dafür, wie viel Glycidyl-Ester in welchen Produkten enthalten sind. Das Problem: Bisher war es nicht möglich, diesem Stoff im Labor als Einzelsubstanz auf die Spur zu kommen. Gemessen wurde nur eine Summe, von der man wusste, dass sie sich aus 3-MCPD- und Glycidyl-Ester zusammensetzt. Durch eine neue Methode lassen sich die beiden Stoffe nun aufschlüsseln. Grund genug für uns, zu testen. Wir haben 19 Margarine- und Streichfettprodukte untersuchen lassen. Außerdem ließen wir die Fettzusammensetzung der Produkte untersuchen, des Weiteren wurde nach Weichmachern und PAKs gesucht und die Deklarationen genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

■ Kein Grund zum Jubeln: Die Produkte sind meist nur „befriedigend“. Und das liegt vor allem an den Fettschadstoffen.
■ In 16 der 19 Produkte sind Glycidyl-Ester nachweisbar. Wir werten bei 14 Produkten den Nachweis um eine Note ab. Zwei Produkte bekommen eine Abwertung um zwei Noten. Denn in derDeli Reform Das Original Die wertvolle Margarine und derEden Die Gute Pfl anzenmargarine mit Sonnenblumenöl steckt mehr als das Doppelte der Menge, die wir im Testfeld als Durchschnitt ermittelt haben. Für uns ist das zumindest eine Orientierungsgröße.


Margarine ist mit Vitaminen angereichert – die aber lieber aus Gemüse, Fisch und Vollkornbrot kommen sollten


■ Trotzdem haben die Hersteller offenbar gehandelt – was zeigt, dass Verbesserungen möglich sind: Die Summen an Fettschadstoffen, die bei unserem Margarine-Test im April 2008 zu vielen schlechten Noten führten, sind jetzt im Schnitt niedriger. Nur noch drei Produkte haben in puncto 3-MCPD-/Glycidyl-Ester-Summen erhöhte Werte.
■ Bei manchen Produkten weichen die Verhältnisse von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren bzw. von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren zu weit von den empfohlenen Werten ab. Dabei sind die richtigen Fettsäureverhältnisse besonders wichtig, um etwa Herzund Gefäßkrankheiten vorzubeugen.
■ Fast alle Hersteller setzen ihrer Margarine Vitamine zu. Wir sehen das kritisch. Denn wer sich gesund und abwechslungsreich ernährt, braucht keine zusätzlichen Vitaminschübe. Nur die Versorgung mit Vitamin D ist bei vielen Menschen nicht optimal. Alle Hersteller, die ihre Produkte vitaminisieren, setzen neben Vitamin D aber auch Vitamin A zu, teilweise auch die Vitamine E, B6, B12, an denen in Deutschland nun wirklich kein Mangel herrscht. Wir werten dies ab.

So reagierten die Hersteller

■ Walter Rau erklärte, man habe seit dem Einkauf der Testprodukte die Rezeptur weiter optimiert, sodass das Verhältnis Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren jetzt den Empfehlungen entspreche.
■ Edeka und Netto Marken-Discount wiesen uns darauf hin, dass es keinen wissenschaftlichen Grund gebe, 3-MCPD- und Glycidyl-Ester in der Summe zu bewerten. Es sei nicht gesichert, dass sich beide Stoffe im Körper gleich verhalten. Wir bewerten die Summe aber trotzdem. Und das nicht nur, damit ein Vergleich mit früheren Tests möglich ist: Beide Stoffe sind problematisch. Und solange noch völlig unklar ist, wie sie sich im Körper verhalten, beurteilen wir im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden sie auf S. 188.
Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Auslobung „Frei von Cholesterin“. Laut Hersteller wird nach Verbrauch alter Verpackungsbestände ab Oktober 2010 nur noch Ware ohne diese Auslobung produziert, zu erkennen an der Deklaration. 3) Laut Hersteller handelt es sich bei dem eingesetzten Aroma um Kräuterextrakt. 4) Laut Hersteller wurde die Rezeptur überarbeitet. Das Produkt erreiche nun ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, das unter 5:1 liegt. Dies gelte für Produkte mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 01.12.2010 und später.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: a) Eine Summe von 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl- Fettsäureestern (berechnet als 3-MCPD) von mehr als 60 μg je 30-g-Portion (in der Tabelle „erhöht“). Diese Menge entspricht mehr als 50 Prozent des TDI für freies 3-MCPD, bezogen auf einen Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 Kilogramm; b) ein Gehalt von Glycidyl-Ester (berechnet als Glycidol) von mehr als 0,48 mg/kg Produkt, was mehr als dem Doppelten des arithmetischen Mittels aller Produkte im Testfeld entspricht (in der Tabelle „erhöht“). Zur Abwertung um eine Note führt: a) ein Gehalt von Glycidyl-Ester (berechnet als Glycidol), der über der Bestimmungsgrenze von 0,1 mg/kg Produkt, aber unter 0,48 mg/kg Produkt liegt (in der Tabelle „leicht erhöht“), wenn nicht bereits wegen einer erhöhten Summe von 3-MCPD-/Glycidyl-Estern um zwei Noten abgewertet wurde; b) Vitaminzusatz. Unter dem Testergebnis Fettzusammensetzung führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: Ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, das deutlich (mehr als 5-fach) über dem wünschenswerten Verhältnis von „5:1 oder niedriger“ liegt (in der Tabelle „schlecht“). Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) Ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, das über dem wünschenswerten Verhältnis von „5:1 oder niedriger“ liegt (in der Tabelle „ungünstig“); b) ein Verhältnis von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren, das um mehr als 50 bis 100 Prozent über dem wünschenswerten Verhältnis von 1:2 liegt (in der Tabelle „ungünstig“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung; b) die Angabe „Frei von Cholesterin“ auf einem Produkt, das aus pflanzlichen Fetten besteht. In das Gesamturteil gehen die Testergebnisse Inhaltsstoffe und Fettzusammensetzung zu jeweils 50 Prozent ein; es wird kaufmännisch gerundet. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden: Gesamtfettgehalt: ASU L 13.05-3; Fettsäurespektrum (gesättigte Fett- säuren, einfach ungesättigte Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, Omega-3-Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren): DGF C-VI 10a und 11d. 3-MCPDFettsäureester, Glycidyl-Fettsäureester: DGF C-III 18 (09); Weichmacher: GC-MSD; polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MSD; 24 PAK nach EPA/EU; PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.

Einkauf der Testprodukte: August 2010.

Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

Unsere Empfehlungen

• Sie müssen Margarine nicht vom Speiseplan streichen. Dennoch: Produkte mit weniger Glycidyl-Estern bevorzugen.
• Auf Testprodukte mit einer günstigen Fettsäurezusammensetzung achten. Neben Margarine sollte man seine Fettzufuhr aber auch durch andere Fette decken, etwa durch kalt gepresste Öle.
• Auch fette Fische wie Hering und Lachs sind gute Quellen für wertvolle Fette. Hier bekommen sie außerdem Vitamin D auf ganz natürlichem Wege mit.

Nachgefragt: Wo kommt Ihr Palmfett her?

Nicht immer geht aus der Zutatenliste klar hervor, welches Fett eine Margarine enthält. Steht auf der Zutatenliste schlicht „Pflanzliche Öle und Fette“, steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Palmfett drin. ÖKO-TEST hat nachgefragt. Alle Hersteller im Test haben uns geantwortet. Und bis auf dasSojola Streichfett steckt das Tropenfett in allen untersuchten Produkten. Nicht ganz so klar waren die Aussagen zur Herkunft des Rohstoffes: Teils verwies man auf den „Weltmarkt“ oder auf „die bekannten Anbauländer Asiens und Südamerikas“. Das sagt alles und nichts! Auch der Hinweis auf „zertifizierte Betriebe“ oder „nachhaltige Produktion“ ohne jede weitere Angabe ist schwammig.

Edeka wie auch Unilever und Walter Rau sowie die Hersteller der Margarinen von Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Netto Marken- Discount und Penny teilten mit, dass sie zertifiziertes Palmöl über Green-Palm bzw. Mitglieder des RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) beschaffen, einer Organisation, in der die Industrie, aber auch etwa der WWF zusammensitzen, um die Gewinnung von nachhaltigem Palmöl zu fördern. Dies ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Über die konkret gekaufte Ware muss ein Zertifikat aber nichts sagen. Denn diese Scheine sind handelbar. Das heißt: Ein Fass Öl mit Zertifikat kann durchaus von einer problematischen Plantage kommen, wenn nur anderswo jemand die gleiche Menge Öl von einer unproblematischen Plantage ohne Zertifikat gekauft hat.
Fazit: Wo genau das Fett für die Margarine, die ich gekauft habe herkommt, bleibt offen. Auch im Labor können wir dies nicht nachprüfen. Aus diesem Grund haben wir die Herkunft des Palmfetts auch nicht bewertet.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer waren in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden unterwegs und haben eingekauft, was landläufig als Margarine bezeichnet wird. Bei einzelnen Produkten handelt es sich aber genau genommen um Streichfette oder Diät-Margarine, die niedrigere Fettgehalte haben. Halbfettmargarinen haben wir nicht berücksichtigt. Die großen Marken landeten dabei genauso im Einkaufswagen wie die Eigenmarken von Discountern und Supermärkten.

Die Inhaltsstoffe
Der Schadstoff 3-MCPD-(Fettsäure)-Ester, der vor einigen Jahren in raffinierten Fetten entdeckt wurde, beschäftigt Forscher wie Hersteller gleichermaßen. Ob er im Körper in giftiges freies 3-MCPD umgewandelt wird, ist nach wie vor unklar. Chemisch verwandt mit 3-MCPD-Estern sind die Glycidyl-Ester, die als noch problematischer gelten, weil sich aus ihnen Glycidol bilden könnte, eine beim Menschen wahrscheinlich krebserzeugende Substanz. Das Problem bei der Messung: Bislang konnten 3- MCPD- und Glycidyl-Ester nur in der Summe bestimmt werden. In komplizierten Versuchen ist es einer Gruppe von Laboren – darunter auch dem von uns beauftragten – gelungen, 3-MCPDEster einzeln zu bestimmen. Damit lässt sich jetzt auch der Gehalt an Glycidyl-Estern berechnen. Weiter haben wir unter anderem auf Weichmacher untersucht, die aus Tanks, Schläuchen oder auch der Verpackung in die Margarine übergehen können. Auch auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) wurde analysiert. Diese können entstehen, wenn fetthaltige Zutaten zum Beispiel bei der Verarbeitung stark erhitzt werden. Einzelne Inhaltsstoffe wie Vitamine lassen sich schon über die Deklaration, also die Zutatenliste, bestimmen.

Die Fettzusammensetzung
Fett setzt sich aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Fettsäuren zusammen. Im Vergleich zu tierischen Fetten wie Butter gelten pflanzliche Fette, wie auch Margarine, als besonders gesund. Der Grund: Sie enthalten viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren, die das Risiko von Herz- Kreislauf-Erkrankungen verringern können. Aber wie viele dieser wertvollen Fette stecken tatsächlich im einzelnen Produkt? Im Labor kann das Fett in seine einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Wie gut sich eine Margarine für die tägliche Ernährung eignet, hängt unter anderem davon ab, in welchem Verhältnis die einzelnen Fettsäuren zueinander stehen. Optimalerweise sollten doppelt so viele ungesättige wie gesättigte Fettsäuren in einem Fett stecken. Bei Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren sollte das Verhältnis höchstens bei 5:1 liegen.

Die Bewertung
Glycidol ist gefährlich, da es beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen kann. Deshalb ist auch höchste Vorsicht geboten, wenn in einem Lebensmittel Glycidyl-Ester gefunden werden. Solange es keine Orientierungswerte gibt, wie viel Glycidyl-Ester in einer Margarine enthalten sein darf, werten wir den Nachweis dieses Stoffes ab. Produkte mit einem vergleichsweise hohen Wert werden dabei stärker abgewertet. Gleiches gilt, wenn die Summe der problematischen Stoffe 3-MCPD-/Glycidyl-Ester erhöht ist. Beim Aroma weichen wir ausnahmsweise von unserer üblichen Bewertung ab – und werten den Zusatz nicht ab. Margarine ist nun mal ein Produkt, das der Butter möglichst nahe kommen soll. Und ohne Aroma würde sie einfach nur neutral schmecken, ähnlich der Fettgrundlage für Handcremes oder Fieberzäpfchen. Inhaltsstoffe und Fettzusammensetzung bewerten wir 50 zu 50. Da aber unter den Inhaltsstoffen auch potenziell gefährliche Stoffe sind, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Schadstoffe in Margarine: Eine Chronologie

März 1986: ÖKO-TEST weist in jeder fünften Margarine das für Allergiker problematische Metall Nickel nach. Offenbar stammt es aus Katalysatoren, die man bei der Fetthärtung braucht.
Februar 1996: ÖKO-TEST testet auf ungesunde Transfettsäuren. Die Mehrzahl der Proben fällt durch hohe Gehalte auf. Die Industrie handelt: In den Jahren 2005 und 2008 finden wir nur noch einzelne auffällige Proben. Heute sind Transfettsäuren in Margarine kein Thema mehr.
April 2008: Wir weisen in fast jedem zweiten Produkt zu hohe Werte an 3-MCPD-Estern nach. Man befürchtet, dass sich der Stoff im Körper in freies 3-MCPD umwandelt, das im Tierversuch die Nieren schädigt.

Fragen und Antworten zu Margarine und Butter finden Sie unter www.oekotest.de (siehe auch Service Seite 190).

Die Industrie muss handeln

„Wie gefährlich Glycidyl-Ester wirklich sind, weiß heute niemand. Es kann sein, dass sie sich als harmlos herausstellen – oder aber als Krebsrisiko. Auf jeden Fall sollte die Industrie schon heute alles tun, was sinnvoll und realisierbar ist, um die Gehalte zu reduzieren.“

Dr. Rüdiger Weißhaar , Experte für Speisefette und prozessbedingte Kontaminanten am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart