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TEST Mascara: Giftige Blicke


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 28.01.2021

Augen auf beim Mascarakauf: Denn in einigen Produkten stecken giftiges Arsen und andere Problemstoffe. Von acht Wimperntuschen raten wir dringend ab.


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Foto: Darren Robb/getty images

Die Augen morgens mit einem dunklen Wimpernkranz umrahmen: Anders mögen viele Frauen gar nicht in den Tag gehen. Mascara ist und bleibt das liebste Schminkprodukt der deutschen Kosmetiknutzerinnen - das bestätigen Umfragen immer wieder. Seit vor rund 100 Jahren die erste Wimperntusche aus Kohlestaub und Vaseline auf den Markt kam, verändern sich die Rezepturen ständig. Wir testen die Topseller deshalb regelmäßig: Dieses Mal ...

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... haben wir 18 schwarze Mascaras eingekauft, die alle mehr Volumen für die Wimpern versprechen und nicht als wasserfest ausgelobt sind.

Sieben sehen Dunkelrot

Fazit: Das lief schon mal besser. In unserem vorigen Test vor zwei Jahren war ein Großteil der Mascaras in Ordnung gewesen. Doch dieses Mal fällt fast die Hälfte der Produkte durch: Von 18 Wimperntuschen ist eine „mangelhaft“, und sieben sind „ungenügend“. Guten Gewissens empfehlen können wir nur sechs „sehr gute“ Mascaras mit Naturkosmetikzertifikat und ein konventionelles Produkt: Die Wimperntusche der Rossmann-Eigenmarke Rival de Loop schneidet mit „gut“ ab, obwohl sie zu den günstigeren gehört.


„Problematische Konservierer, Arsen oder künstliche Fette in der Mascara? Der perfekte Augenaufschlag sieht anders aus.“


Heike Baier, ÖKO-TEST-Redakteurin

Schwarze Schafe: zwei mit Arsen

Alle von uns getesteten Mascaras sind schwarz, enthalten also einen hohen Anteil an Farbpigmenten. Meistens handelt es sich bei den Produkten im Test um schwarzes Eisenoxid. Weil die eisenhaltigen Ausgangsstoffe dafür aus der Natur stammen, können sie mit Schwermetallen oder Elementen verunreinigt sein, die natürlicherweise in der Erdkruste und im Boden vorkommen. Wir haben alle Mascaras auf solche Elemente analysieren lassen. In zweien fanden sich erhöhte Mengen an Arsen: In der Artdeco Volume Supreme Mascara und der Terra Naturi Gold Bigger Volume Mascara. Arsen ist hochgiftig und krebserregend. Die EU verbietet das Schwermetall grundsätzlich in Kosmetik, toleriert es allerdings in Mengen, die in der Herstellung als „technisch nicht vermeidbar“ gelten. Was technisch vermeidbar ist und was nicht - dafür hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Richtwerte ermittelt, an denen wir uns orientiert haben. Beide Mascaras liegen oberhalb dieser Schwelle, und wir ziehen dafür zwei Noten ab. Mit Terra Naturi landet damit auch eine der Naturkosmetikmascaras außerhalb des grünen Bereichs.

Konservierung geht ins Auge

Die Konservierung von Mascaras ist eine heikle Sache. Sie muss wirkungsvoll sein, denn das Bürstchen trägt über den Wimpernkontakt immer wieder Keime in die Emulsion. Gerade in der Nähe der Augenschleimhaut ist aber eine besondere Verträglichkeit gefragt - und in diesem Punkt sind wir mit zahlreichen Mascaras gar nicht einverstanden. Die Wimperntusche der Marke Max Factor ist mit Propylparaben konserviert, das im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken. Das gleiche gilt für Butylhydroxytoluol (BHT), das als Antioxidans in drei Produkten steckt. Tierversuche gaben Hinweise, dass BHT die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt.

Bei zwei Problemstoffen können wir nur vermuten, dass sie mit der Konservierung in Verbindung stehen: In der Liftscara von Nyx hat das beauftragte Labor Formalde hyd/-abspalter nachgewiesen. In Augennähe sind die jedoch grob fehl am Platz. Denn Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute und gilt als Kontaktallergen.

In den Wimperntuschen der Marken L’Oréal und Maybelline hat das beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Um welche Verbindung es sich genau handelt, lässt sich mit der verwendeten Methode nicht sagen. Viele halogenorganische Verbindungen gelten als allergieauslösend. Meist werden halogenorganische Verbindungen ebenso wie Formaldehyd/-abspalter als Konservierungsstoffe eingesetzt. Auf den Verpackungen der beiden oben geannten Produkte sind diese Stoffe nicht deklariert. Es ist denkbar, dass sie aus der Konservierung der Rohstoffe stammen.

Paraffine sind häufig verunreinigt

Die meisten konventionellen Mascaras enthalten Paraffine. Diese synthetischen Fette sind aus Erdöl hergestellt und können, wenn sie nicht gut aufgereinigt sind, mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) belastet sein. In insgesamt sieben Mascaras wies das beauftragte Labor solche MOAH-Verbindungen nach. Zu ihnen können auch krebserregende Substanzen gehören.

Ob die erste flüssige Mascara aus dem Jahr 1915 hier gut weggekommen wäre? Wohl kaum. Denn ihr Grundstoff Vaseline ist nichts anderes als Paraffinöl - und wie gut damals aufgereinigt wurde, wollen wir gar nicht wissen. Der Amerikaner Tom Lyle Williams verkaufte seine Erfindung jedenfalls schon wenige Jahre später unter dem Namen Maybelline. Die Marke gehört heute zum L’Oréal-Konzern und ist noch immer gut im Geschäft. Die Maybelline The Colossal Go Extreme Mascara übrigens schmiert in diesem Test ab und landet bei „ungenügend“.

TEST

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 18 Mascaras der Farbe Schwarz eingekauft, darunter siebenmal zertifizierte Naturkosmetik. Dabei haben wir sowohl Drogeriemärkte als auch Parfümerien und Bio-Märkte berücksichtigt. Die Preisspanne reicht von 2,32 Euro bis zu beachtlichen 24,38 Euro pro zehn Milliliter. Wir haben überprüfen lassen, ob die Hersteller PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, eingesetzt haben. Ebenso haben Experten für uns erfasst, welche synthetischen Kunststoffverbindungen in den Produkten stecken. Sie sind zum Teil schwer abbaubar und belasten die Umwelt. Im Labor ließen wir die Mascaras auf allergisierende Duftstoffe untersuchen. Außerdem standen Analysen auf aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), Formaldehyd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen sowie auf Schwermetalle wie Arsen, Blei und Quecksilber auf dem Programm.

RATGEBER

1 Ordentliche Mascara muss nicht viel kosten: Unter den „sehr guten“ Wimperntuschen ist das günstigste Produkt im Test - allerdings auch das teuerste.

2 24-Stunden-Mascara rund um die Uhr drauflassen? Lieber nicht - denn auf Dauer führt das zu Wimpernbruch.

3 In Mascara-Bürstchen sammeln sich mit der Zeit Keime an. Angebrochene Röhrchen deshalb nach spätestens sechs Monaten entsorgen.

Gut getuscht

UNENTBEHRLICH
Wimperntusche gehört für 56 Prozent der deutschen Frauen über 16 Jahren zu den drei wichtigsten Utensilien im Schminkkoffer, wie eine Statista-Umfrage von 2019 ergab. Damit landet sie auf Platz eins der Rangliste, gefolgt von Make-up und Lippenstift mit jeweils 33 Prozent .

MEHR VOLUMEN
Je dickflüssiger eine Mascaraemulsion, desto mehr Volumen liefert sie. Zur Grundmasse aller Wimperntuschen gehören neben Pigmenten hauptsächlich Wachse, Öle und Emulgatoren. Bei fast allen konventionellen Produkten in unserem Test kommen auch noch synthetische Polymere hinzu, die als Filmbildner die einzelnen Wimpern umhüllen und auf diese Weise verdichten können. Auch die Bürstchen spielen eine Rolle: Längere Borsten bringen mehr Mascara und damit mehr Volumen in den Wimpernkranz.

LÄNGER, AM LÄNGSTEN
Jede Mascara verlängert die Wimpern optisch, indem sie deren farblose Spitzen verdunkelt. Manche Produkte erzeugen eine zusätzliche Verlängerung durch Microfasern, die sich ans Wimpernende lagern. In unserem Test verspricht sogar ein Naturkosmetikprodukt mit Bambusfasern einen „falsche-Wimpern-Effekt“. Kontaktlinsenträgerinnen sollten jedoch vorsichtig sein: Denn die Härchen können unter die Linsen rutschen und die Augen irritieren.


Foto: Thomas W.Cheney

Illustrationen: noun project; Kovalov Anatolii/Shutterstock