Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

TEST Matetees: Teesaster


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2017 vom 26.01.2017

Die ersten Vorsätze sind schon wieder passé. Aber nicht der Wunsch, etwas Gewicht zu verlieren. Mate soll dabei helfen. Leider hat Matetee viel größere Probleme, als dass er eventuell falsche Hoffnungen macht. Von Sarah Jehle

Artikelbild für den Artikel "TEST Matetees: Teesaster" aus der Ausgabe 2/2017 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2017


Nicht zu lange und nicht zu viel.“ Dr. Erwin Häringer findet klare Worte zum Trinken von Matetee. Und das nicht, weil der Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren an Mate grundsätz-lich etwas auszusetzen hät-te. Es sei eben so, wie Pa-racelsus sagte: „Die Dosis macht das Gift.“ Und deshalb rät Häringer auch allen, die sich erhoffen, von Matetee schlanker zu werden, ihn nur ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2017 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 2/2017 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 2/2017 von TEST Reis: Voll Korn, voll Arsen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Reis: Voll Korn, voll Arsen
Titelbild der Ausgabe 2/2017 von Fermentierte Lebensmittel: Ferment im Trend. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fermentierte Lebensmittel: Ferment im Trend
Titelbild der Ausgabe 2/2017 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 2/2017 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Meldungen
aus dieser Ausgabe

... zur Unterstützung zu trinken, höchstens ein bis zwei Tassen am Tag. „Eine Tasse Mate kann durch-aus das Hungergefühl hemmen. ‚Viel hilft viel‘ ist aber in diesem Fall nicht richtig“, sagt er. Denn ob man tatsäch-lich ein paar überschüssige Pfunde ver-liert, liege an vielen anderen Faktoren wie etwa genug körperlicher Bewegung. Für Häringer gibt es auch einen großen Unterschied, wie und warum Matetee ge-trunken wird. „Mate wird in Südameri-ka häufig in Gesellschaft getrunken, die Menschen nehmen sich Zeit und kom-men dadurch auch zur Ruhe. Das allein schon ist gut für das eigene Wohlbefin-den“, betont er.


Sich bei der Zubereitung Zeit zu nehmen, ist schon die halbe Miete


Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel führt Matetee als traditionelles pflanzliches Medizinprodukt. Dabei gilt Mate als Muntermacher. Auch deshalb wird er gern getrunken. Verantwortlich für die anregende Wirkung ist vor allem die Inhaltsstoffkombination aus Coffein, Theobromin und Theophyllin. In Mate ist das Coffein gebunden und wird nur langsam freigesetzt. Die anregende Wirkung ist nicht so stark wie im Kaffee, hält aber länger an. Aber aufgrund dieser Inhaltsstoffe rät Häringer Schwangeren oder Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen von Matetee ab. Für alle anderen gilt laut Häringer: „Zu große Mengen Mate zu trinken ist auch deshalb nicht zu empfehlen, da Matetee häufig mit Schadstoffen belastet ist.“

Vor ein paar Jahren haben Labore das erste Mal Anthrachinon in Tee und Kräutertee nachgewiesen. Noch ist nicht abschließend geklärt, auf welch unter-schiedlichen Wegen der Stoff dort hi-neinkommt. Als Pflanzenschutzmittel ist Anthrachinon seit 2009 in der EU nicht mehr zugelassen. Denn Tierver-suchsstudien zeigen, dass Anthrachi-non krebserregend auf Niere und Leber wirken kann. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft die Sub-stanz als mögliches Kanzerogen für den Menschen ein. Anthrachinon entsteht aber auch bei der unvollständigen Ver-brennung fossiler Brennstoffe wie Kohle. Damit werden in Südamerika, wo Mate angebaut und meistens auch weiterver-arbeitet wird, die Trocknungsanlagen beheizt. Über die Abluft kann Anthra-chinon auf den Matetee übergehen. Im Handel werden gerösteter und grüner Mate angeboten, Letzterer entweder ge-räuchert oder ungeräuchert. Sowohl das Räuchern als auch das Rösten können die Anthrachinonbelastung erhöhen. Ge-rösteter Matetee wird zum Beispiel nach der Ernte in Drahttrommeln über offe-nem Feuer gedreht.

Welche Schadstoffe zusätzlich in den Matetee gelangen können, haben wir in unserem Test anhand von 14 Produkten untersucht, darunter eine Hälfte aus konventionellem, die andere Hälfte aus ökologischem Anbau.

Das Testergebnis

Einseitiger geht kaum. Leider aber ein-seitig schlecht. Zwölf von 14 Matetees sind „ungenügend“. Umso erfreulicher, dass eins der besseren Produkte sogar „sehr gut“ ist.

Nicht verkehrsfähig sind gleich zehn Matetees. Und das, weil zu viel Anthrachinon enthalten ist. Trotz der Miteinberechnung einer Messtoleranz von 50 Prozent überschreiten alle zehn die gesetzliche Rückstandshöchstmenge von 0,02 mg/kg. Die von uns getesteten Produkte dürften deshalb nicht in Deutschland verkauft werden. Auch in zwei weiteren Produkten hat das beauftragte Labor Gehalte über dem Grenzwert nachgewiesen. Wird die Messtoleranz einbezogen, liegen diese aber noch im gesetzlichen Rahmen. Wie der als potenziell krebserregend eingestufte Stoff aber überhaupt in diesen hohen Mengen in den Matetee hineinkommt, ist nicht abschließend geklärt. Naheliegend ist, dass der Stoff bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht und über die Abluft von Trocknungsanlagen auf den Tee übergeht. Für die Einordnung als „Pestizidrückstand“ ist es laut EUVerordnung unerheblich, ob Anthrachinon als Pflanzenschutzmittelwirkstoff eingesetzt wird oder auf anderen Wegen in das Lebensmittel gelangt.
Gleich zwei Pestizide über dem Grenzwert sind im Pajarito Yerba Mate Elaborada. Beide aber – unter Berücksichtigung der Messtoleranz – im erlaubten Rahmen. Aber „erlaubt“ bedeutet nicht automatisch „unbedenklich“. Für das hier eingesetzte Insektizid Imidacloprid gibt es laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Hinweise, dass es die Entwicklung des menschlichen Nervensystems schädigen kann.
Orientierung: Der BioMate Amanda Yerba Mate, Orgánica weist Spuren des Pestizids Biphenyl auf. Biphenyl ist nicht zur Anwendung im ökologischen Anbau zugelassen. Aber selbst bei Einhaltung aller Rechtsvorschriften könnten Spuren von Biphenyl im Kräutertee und Tee zufällig und technisch unvermeidbar auftreten, schreibt der Bundesverband Naturkost Naturhandel (BNN). Für Biphenyl in BioLebensmitteln gilt daher ein BNN-Orientierungswert von 0,05 mg/kg Ausgangsprodukt. Diesen Wert überschreitet der Matetee nicht.


Konventioneller Mate ist zum Teil sehr stark mit Pestiziden belastet


So reagierten die Hersteller

Tee Gschwendner teilt mit, aufgrund unserer Resultate vorsorglich den Verkauf von Mate in ihren Geschäften unmittelbar auszusetzen.
Salus scheint die Anthrachinonproblematik bekannt zu sein. Die Firma habe vor zwei Jahren beschlossen, den gerösteten Matetee deshalb aus dem Sortiment zu nehmen. Es sei nur noch eine Charge (Mindesthaltbarkeitsdatum Anfang 2017) im Verkehr. Den grünen Matetee, den wir getestet haben, hätten sie jedoch im Sortiment belassen, da dieser aufgrund der schonenderen Trocknung deutlich niedriger belastet sei als gerösteter. Ganz aufzugehen scheint dies im Hinblick auf unser Testergebnis aber nicht.

Die Mateblätter wachsen auf Sträuchern, die in natürlicher Umgebung bis zu 15 Meter hoch werden können.


Foto: Pablo Sebastian Rodriguez/Shutterstock; Foto: Pablo Sebastian Rodriguez/Shutterstock (Einklinker)

ÖKO-TEST rät

• Matetee in großer Menge zu trinken, können wir nicht empfehlen. Vom „sehr guten“ Produkt können Sie aber täglich eine Tasse genießen. Dieser ist auch bei regelmäßigem Verzehr unbedenklich.
• Trinken Sie Mate – wie auch andere Getränke – nicht zu heiß. Dies erhöht das Risi-ko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Lassen Sie Heißgetränke vor dem Trinken auf unter 65 Grad abkühlen.
• Grüner, ungeräucherter Matetee ist in der Regel weniger stark belastet als geräucher-ter oder gerösteter. Bei Letzterem werden die Blätter samt Stielen über dem Feuer ge-dreht. Die Gehalte von Verbrennungsrückständen sind daher meist höher.

Erstaunliches über Mate

Foto: imago/ZUMA Press

• Der Fußballer Messi trinkt ihn, Papst Franziskus trinkt ihn und Che Guevara lag Mate besonders am Herzen. Denn der Revolutionsführer ist auf einer Mateteeplantage geboren. Und was haben die drei Herren sonst so gemeinsam? Sie alle kommen aus Südamerika. Dort wo Matetee in vielen Ländern als Nationalgetränk gilt.
• Mate-„Tee“ ist eigentlich nicht ganz richtig. Denn die Mateblätter stammen nicht von der Teepfianze, sondern werden von einem immergrünen Strauch geerntet. Den Namen Mate hat die Pfianze von dem speziellen Trinkgefäß, aus dem man Matetee traditionell trinkt. Ein anderes Wort für dieses Trinkgefäß ist Kalabasse, also ein ausgehöhlter Flaschenkürbis. Heute werden Kalabassen auch aus Holz, Horn oder Porzellan hergestellt.
• In Südamerika trinken die Menschen Matetee nicht nur morgens anstelle von Kaffee, sondern er ist auch wie die tea time in Großbritannien ein kulturelles Ereignis. Dafür wird die Kalabasse mit dem Bombilla, eine Art Trinkhalm aus Metall mit einem feinen Sieb am unteren Ende, in der Gesellschaftsrunde herumgereicht. Der Gastgeber gießt den Mate mehrmals wieder auf, trinkt aber selbst den ersten Aufguss, da dieser in der Regel der bitterste ist.

So haben wir getestet

Der Einkauf

15 Filterbeutel zu je 1,8 Gramm oder lose im Ein-Kilo-Pack: Matetee wird ganz unterschiedlich angeboten. Den „Trank der Götter“ oder das „grüne Gold der Indios“ haben wir in Reform- häusern, Weltläden und Bio-Märkten eingekauft. Ein größeres Angebot gibt es online oder in Geschäften, die hauptsächlich südamerikanische Waren verkaufen.

Die Inhaltsstoffe

Pestizide, PAK, PA: Hinter den drei „P“ stehen Schadstoffe, die besonders häufig in verschiedenen Tees zu finden sind. Während Pestizide vorsätzlich ausgebracht werden, handelt es sich bei polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Pyrrolizidinalkaloiden um unbeabsichtigte Kontaminanten. In den Matetee gehören sie trotzdem nicht. Dasselbe gilt für Anthrachinon. Der als potenziell krebserregend eingestufte Stoff kann in der Abluft von Trocknungsanlagen enthalten sein. Auch auf Perchlorat und Aluminium haben wir alle Produkte untersucht.

Die Bewertung

Gäbe es schlechtere Noten als „ungenügend“, sähe das Ergebnis noch erschreckender aus. Denn allein durch die Höchstmengenüberschreitungen bei Anthrachinon fallen 85 Prozent aller Produkte durch. Und da spiegeln sich die zu hohen Pestizidwerte noch gar nicht wider.

Matetee traditionell zuzubereiten ist etwas kompliziert. Auf den Verpackungen ist die Anleitung meist nur auf Spanisch. Erklärbildchen wie beim Kraus Organic & Fair Trade Yerba Mate, Orgánica können helfen.


Foto: ÖKO-TEST


Foto: Alexandr Vorobev/Shutterstock