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TEST: Matschhosen: Praktisch mit Abstrichen


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 14.09.2017

Matschhosen sparen Zeit und schonen Nerven: Raus aus der Überhose, rein in die gute Stube. Eltern und Erzieher schwören auf das wasserdichte Stück Stoff an Kindesbeinen, das aber leider oft mit Schadstoffen belastet ist. Insgesamt sieben der 13 getesteten Hosen fallen durch.


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Foto: BrianAJackson/iStock/Thinkstock

Justus gluckst vergnügt. Gerade rennt er mit Simon einen kleinen Hang hinauf. Der matschige Pfad, den die beiden Fünfjährigen und die anderen Kinder der Kindertagesstätte „Wirbelwinde” inzwischen in den feuchten Waldboden getrampelt haben, verläuft in einem leichten Bogen. Oben angekommen ruft ...

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... Justus noch schnell und laut „Bahn frei”, schon sitzt er auf seinem Hosenboden und saust darauf schnurstracks den Abhang hinunter. Die vielen feuchten Blätter sind eine prima Rutschhilfe. Mit ordentlich Schwung kommt er unten an, wo ihn auch schon seine Erzieherin Trudie Weinel in Empfang nimmt. Justus klopft sich kurz ab, und schon rennt er wieder den Hang hinauf: „Noch mal!”


Matschhosen helfen Kindern dabei, Wald und Feld zu entdecken


Zurück in den Räumen der Kita im hessischen Spessart hat Trudie Weinel wenig Mühe, aus der abgekämpften, aber glücklichen Rasselbande eine ordentliche Gruppe zu machen. Der Dreck des Waldtags bleibt draußen. Die Kleinen streifen ihre Gummistiefel ab und schlüpfen aus den Matschhosen. Noch schnell die Händchen waschen, schon sind sie sauber genug für ihren Gruppenraum. „Das sah früher ganz anders aus”, berichtet die Erzieherin, die seit vielen Jahren den Nachwuchs in dem kleinen Ort Großenhausen beim Großwerden begleitet. Nach einem solch intensiven Tag im Wald, noch dazu in der kalten Jahreszeit, habe sie früher alle Kinder umziehen müssen. „Dreckige Hosen, durchweichte Schlüpfer, nasse Socken – damals völlig normal”, erinnert sie sich. Ihre Schützlinge aus den feuchten Klamotten zu pellen, machte viel Arbeit.

Die Matschhose erleichtert nun vieles. Etwa um die Jahrtausendwende setzte sie sich endgültig durch. Inzwischen hat sie fast jedes Kind, meist sogar in doppelter Ausführung – für Zuhause und die Kita. Sogar bei der Pädagogik helfe der wasserdichte Stoff, berichtet die Erzieherin. „Die sogenannten Helikoptereltern gab es auch früher schon”, sagt Trudie Weinel und meint damit Eltern, die ihre Kinder nicht in den Wald lassen wollten – aus Sorge vor Verletzungen, aber auch wegen der verdreckten Kleidung. „Da gab es Mamas und Papas, die wurden richtig fuchsig, wenn unsere Waldwoche auf dem Programm stand. Vor allem im Winter.” Manche ließen ihre Kinder dann zu Hause. Diese Zeiten seien aber inzwischen passé. Für die Vorschüler der Kita „Wirbelwinde” gehören die Exkursionen in die nahe Natur zum festen Programm. Mehrmals im Jahr erkunden sie Wälder, Felder und Bauernhöfe. Die Witterung ist dabei auch dank der Matschhosen fast egal. „Wir gehen immer raus. Bei Wind und Wetter, Regen und Schnee.”

Wasserdicht muss manchmal einfach sein. Wasserdichte Materialien in schadstoffarmer Qualität anzubieten, ist für die Hersteller herausfordernd.


Foto: franz_cesco/Shutterstock

Geschont werden die praktischen Textilien dabei nicht. Die meiste Zeit verbringen die Kleinen an ihrem Waldplatz auf den Knien. Je matschiger, desto besser. Ihr Essen nehmen sie auf Baumstümpfen und Stämmen sitzend ein. Die Kinder erklimmen Bäume, kriechen in kleine Erdlöcher und fallen auch schon mal beim Toben hin. Allein die Waldrutsche verlangt den Hosen einiges ab: Blätter, Erde, Wurzeln reiben und reißen am Stoff. Dabei kommen die Kinder meistens ordentlich ins Schwitzen – was zu Problemen mit Inhaltsstoffen in den Hosen führen kann. Denn gerade wasserdichte Textilien mit Beschichtungen, Membranen und Imprägnierungen sind mit Chemikalien behandelt, die für optimale Materialeigenschaften sorgen sollen, die manchmal aber von der schwitzenden Haut absorbiert werden. Die Eltern wünschen sich pflegeleichte Hosen, wollen ihre Kinder aber auch nicht in zweibeinige Schadstoffcocktails stecken.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, wie Hersteller diesen schmalen Grat meistern. 13 Matschhosen gängiger Anbieter schickten wir entsprechend in die Labore zum Praxistest und zur Prüfung der Inhaltsstoffe. Mit weit auseinandergehenden Ergebnissen.

Das Testergebnis

■ Licht und Schatten: Eine Matschhose ist „befriedigend”, immerhin fünf sind „ausreichend”, sie entsprechen unseren Mindestanforderungen. Von den drei „mangelhaften” und den vier „ungenügenden” raten wir ab.

Thema verfehlt: In erster Linie sollen Matschhosen Kinder vor Wetterkapriolen bewahren. Dafür müssen sie wasserdicht sein. Die Playshoes Regenlatzhose, flieder und die X-Mail Regenhose, pink von Kik erfüllen dieses Kriterium selbst im nagelneuen Zustand nicht. Daher bewerten wir sie unabhängig vom Schadstofftest nicht besser als „mangelhaft”, denn unserer Ansicht nach haben sie klar das Thema verfehlt.

Durchdringend. Hinter polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK, verbirgt sich eine Gruppe von Stoffen, von denen einige als krebserzeugend gelten. Sie können über die Nahrung, die Atemwege und die Haut in den Körper gelangen. Kinder sind PAKs besonders stark ausgesetzt. Spuren von PAK haben wir in allen Matschhosen gefunden. Übertrieben hat es unserer Ansicht nach die Celavi Regenhose, grün von Brands4kids. Nicht nur dass darin das als krebserregend eingestufte Chrysen stark erhöht ist, mit Benzo[a]anthracen ist zudem ein weiterer krebserregender PAK erhöht.

Leidiges Thema. Warum müssen insbesondere Etiketten mittels umweltschädigender optischer Aufheller weiß leuchten? Eine Frage, die ÖKO-TEST seit Jahren stellt und der wir in der Februarausgabe einen umfassenden Text gewidmet haben. Wir stellen sie auch diesmal und in Zukunft. Eine befriedigende Antwort gab uns noch kein Hersteller. Wir werten Aufheller in Produkten ab, wenn Hautkontakt besteht. Das ist bei zehn der 13 Matschhosen der Fall.
Falsche Sicherheit. Fünf Hosen ziert das Öko-Tex-Label. Also pochen die Hersteller darauf, dass ihre Hosen geprüft schadstofffrei sind. Wir aber bewerten viele Inhaltsstoffe deutlich strenger: So werten wir etwa Dibutylzinn bereits ab einer Konzentration von 0,1 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) ab, Öko-Tex legt 0,5 mg/kg für sein Label zugrunde – für unseren Anspruch deutlich zu hoch. Denn bereits sehr kleine Mengen genügen, um das Immun-und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen.

■ Bewegungsdrang. Die Branche bewegt sich: Im Vergleich zum Test vor neun Jahren sind die Gehalte an bedenklichen/umstrittenen Inhaltsstoffen zurückgegangen – bei den spezifischen Stoffen und insgesamt. So fanden unsere Tester weder Cadmium oder Blei noch PVC. Phthalat-Weichmacher spielen ebenfalls keine Rolle mehr. Einige abgewertete Hosen liegen außerdem meist nur knapp über den Grenzen, die ÖKO-TEST im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes festgelegt hat. Der Vergleich mit von ÖKO-TEST untersuchten Matschhosen des Jahrgangs 2008 zeigt aber auch: Die Materialeigenschaften haben gelitten. Damals waren von 13 Hosen immerhin vier auch nach dem Scheuertest noch wasserundurchlässig, heute keine einzige. Wegen ihrer hohen Schadstoffbelastung waren die dichten Hosen des Jahrgangs 2008 aber trotzdem „ungenügend”. Die Bewertung bleibt somit ein schmaler Grat. Die Branche zeigt deutliche Anzeichen, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Der Weg hin zu schadstofffreien, wasserdichten Matschhosen ist noch weit.

ÖKO-TEST rät

■ Die Polyurethanbeschichtung der meisten Hosen verträgt sich nicht mit Weichspülern. Waschen aber darf sein, denn einige der Inhaltsstoffe sind wasserlöslich, die Belastung der Textilien nimmt mit jeder Wäsche ab – die des Abwassers allerdings zu.
■ Alle Matschhosen sind mit Reflektoren ausgestattet. Die aber sind unterschiedlich groß. Achten Sie beim Kauf für ein Plus an Sicherheit auf große rückleuchtende Flächen, wenn Sie mit Ihren Kleinen oft im Dunkeln unterwegs sind.
■ Manche der Reflektoren sind aufgedruckt, andere aufgenäht. Nähte sind bei wasserdichten Stoffen immer eine potenzielle Schwachstelle. Auch darauf sollten Sie achten.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 222.

Anmerkungen: 1) Optische Aufheller in Etiketten/ Namensschildern, die möglicherweise Hautkontakt haben. 2) Laut Anbieter werden derzeit mit seinen Zulieferern Lösungen entwickelt, „damit zukünftig kein Chrom mehr verwendet wird”. 3) Laut Anbieter handelt es sich bei der getesteten Hose „um eine Matschhose aus der Sommersaison 2015”. Wir haben sie im September 2016 gekauft (style nr 102913). 4) Laut Anbieter sind die nachgewiesenen halogenorganischen Verbindungen als „Spurenverunreinigung nicht näher definierter Substanzen zu werten”. 5) Laut Anbieter wird die Materialzusammensetzung der Hose wie folgt wiedergegeben: „100 % Polyester, mit 100 % Polyurethan beschichtet.” 6) Laut Anbieter ist sein interner Grenzwert für Triphenylphosphat überschritten. Er geht von Verunreinigungen im Herstellungsprozess aus. 7) Der Preis bezieht sich auf den Einkauf bei babymarkt.de. Der Anbieter gibt keine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) vor.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um vier Noten: Hosen, die vor und nach dem Scheuertest nicht wasserdicht sind. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Hosen, die vor dem Scheuertest, nicht aber danach wasserdicht sind. Mängel, die beim Scheuertest auftreten, werden angemerkt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 200 μg/kg einer krebserregenden oder krebsverdächtigen Einzelverbindung an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 200 μg/kg PAK in Summe weiterer, derzeit nicht als krebserregend oder krebsverdächtig eingestufter Einzelverbindungen über 100 μg/kg; b) mehr als 16 mg/kg freier Formaldehyd; c) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) optische Aufheller in Etiketten/Namensschildern mit möglichem Hautkontakt; b) mehr als 10 und bis 1.000 mg/kg Triphenylphosphat; c) mehr als 100 mg/kg Chrom; d) halogenorganische Verbindungen; e) mehr als 1 mg/kg Antimon im Eluat. Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Praxisprüfung, das „befriedigend” oder „ausreichend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Hosen, die vor und nach dem Scheuertest nicht wasserdicht sind, werden im Gesamturteil nicht besser bewertet als „mangelhaft”.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de Suchen → „N1709” eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 4/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.