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TEST Mittel für Frauen in den Wechseljahren: Hitzige Debatte


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2015 vom 26.06.2015

Frei erhältliche Präparate mit Isoflavonen oder anderen pflanzlichen Extrakten sollen für das Wohlbefinden von Frauen in den Wechseljahren sorgen oder typische Beschwerden lindern. Doch das Geld für solche Produkte können Sie sich sparen: Ihr Nutzen konnte nicht belegt werden.


Artikelbild für den Artikel "TEST Mittel für Frauen in den Wechseljahren: Hitzige Debatte" aus der Ausgabe 7/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Aaron Amat/Shutterstock

Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und nachlassende Lust auf Sex: Die Liste der körperlichen und seelischen Befindlichkeiten, die bei Frauen ab etwa Ende 40 mit einem sinkenden Östrogenspiegel in Verbindung gebracht werden, ist lang. Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Dresden ...

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... unter Leitung von Professorin Kerstin Weidner hat zwar jüngst in einer umfangreichen Studie festgestellt, dass lediglich Hitzewallungen und Schweißausbrüche tatsächlich auf die hormonellen Umstellungen in den Jahren vor und nach der Menopause zurückzuführen sind. Doch immerhin ein Drittel aller Frauen in dieser Lebensphase fühlt sich von den Veränderungen in ihrem Körper stark beeinträchtigt. Da die Hormonersatztherapie (HET) in Verruf geraten ist, suchen viele Frauen nach Alternativen und greifen zu Mitteln mit pflanzlichen Hormonen. Diese Phytoöstrogene sind in ihrer Struktur den natürlichen Östrogenen sehr ähnlich und entfalten auch eine hormonelle Wirkung – wenn auch eine deutlich geringere als das eigentliche Hormon. Zu den wirksamsten Phytohormonen gehören Isoflavone, die unter anderem in Sojabohnen und Rotklee vorkommen.

Derartige Präparate sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, sondern werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, die in Drogerien, Apotheken oder im Internet frei erhältlich sind.

Isoflavonpräparate kamen aufgrund der Beobachtung auf den Markt, dass Frauen in Asien deutlich weniger über Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen klagen als in westlichen Ländern. Die Ursache dafür wurde in den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten vermutet. So liegt die durchschnittliche tägliche Aufnahme an Isoflavonen in asiatischen Ländern bei etwa 50 bis 100 Milligramm; in westlichen sind es dagegen gerade mal ein bis drei Milligramm. Ob das unterschiedliche Empfinden der Wechseljahre aber tatsächlich dadurch begründet ist, dass man in Asien traditionell reichlich Sojaprodukte wie Tofu oder Tempeh verzehrt, ist nicht belegt. Ohnehin sind Phytoöstrogene, allen voran Isoflavone, alles andere als unumstritten.


Produkte mit Isoflavonen nicht einfach unkritisch hoch dosieren


Auf jeden Fall sollten Frauen nicht schlussfolgern, Isoflavone seien harmlos und könnten unkritisch hoch dosiert werden – nach dem Motto: viel hilft viel –, bloß weil sie pflanzlichen Ursprungs und frei erhältlich sind. Denn im Gegensatz zu Arzneimitteln, die vor der Zulassung in klinischen Studien streng überprüft werden, müssen Nahrungsergänzungsmittel keinerlei Belege für ihre Wirksamkeit und Sicherheit beibringen. Sie gelten rechtlich gesehen als Lebensmittel und müssen vor Inverkehrbringen lediglich angemeldet werden.

ÖKO-TEST wollte genauer wissen, ob die Mittel wirken und sicher sind, und hat 23 Präparate – darunter 21 Nahrungsergänzungsmittel und zwei ergänzend bilanzierte Diäten – die für Frauen in den Wechseljahren ausgelobt sind, genauer unter die Lupe genommen und pharmakologisch begutachten lassen. Ein Großteil enthält Isoflavone aus Soja- und/oder Rotkleeextrakten.

ÖKO-TEST rät

Gonnen Sie sich statt der Nahrungsergänzungsmittel lieber etwas Gutes, zum Beispiel eine Wellnessanwendung, die Körper und Seele nachweislich entspannt.

Frauen, die aufgrund eines östrogenabhängigen Tumors in Behandlung sind oder waren, sollten auf Nahrungsergänzungen mit Soja- oder Rotkleezubereitungen auf jeden Fall verzichten.

Wechseljahre sind keine Krankheit. Frauen, die in dieser neuen Lebensphase jedoch Orientierung und Unterstützung suchen, können sich an eine Wechseljahreberaterin wenden. Allerdings zahlen Kassen diese Dienstleistung nicht.

Das Testergebnis

Miserabel: Gerade einmal drei Produkte kommen mit dem Gesamturteil „ausreichend“ davon, fünf sind „mangelhaft“, das Gros gar „ungenügend“. Der fehlende Nutzen für gesunde Anwenderinnen, überdosierte und nicht sinnvoll kombinierte Inhaltsstoffe sowie Mängel in der Deklaration sorgen für das miserable Abschneiden.
Nutzen nicht belegt: Es gibt vereinzelt Hinweise auf positive Effekte von Phytoöstrogenen bei der Linderung von bestimmten Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen. Zu diesem Schluss kam im Dezember 2013 die renommierte Cochrane Collaboration in einer Metaanalyse von 43 Studien, die den Einfluss von Phytoöstrogenen auf wechseljahresbedingte Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche untersucht hatten. Darin wiesen die Cochrane-Autoren zwar zumindest für das in Soja und Rotklee vorkommende Isoflavon Genistein eine eingeschränkte Wirkung nach. Ansonsten jedoch scheiterte die systematische Übersicht schlicht daran, dass die berücksichtigten Studien nicht miteinander vergleichbar waren. Das Urteil der Cochrane-Forscher fiel dementsprechend ernüchternd aus: Sie sahen aufgrund der methodischen Schwächen keine hinreichende Evidenz für die Wirkung der pflanzlichen Hormone. Ihr Nutzen zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden ist wissenschaftlich also nicht ausreichend belegt. Die Einschätzung unseres wissenschaftlichen Beraters Professor Manfred Schubert-Zsilavecz lässt an Deutlichkeit ebenfalls nichts zu wünschen übrig: „Ob Phytoöstrogene auf der Basis von Soja- und Rotkleeprodukten eine gleichwertige Alternative zur Hormonersatztherapie bei der Behandlung menopausaler Beschwerden sind, kann uneingeschränkt mit nein beantwortet werden.“

ÖKO-TEST rät

Gonnen Sie sich statt der Nahrungsergänzungsmittel lieber etwas Gutes, zum Beispiel eine Wellnessanwendung, die Körper und Seele nachweislich entspannt.

Frauen, die aufgrund eines östrogenabhängigen Tumors in Behandlung sind oder waren, sollten auf Nahrungsergänzungen mit Soja- oder Rotkleezubereitungen auf jeden Fall verzichten.

Wechseljahre sind keine Krankheit. Frauen, die in dieser neuen Lebensphase jedoch Orientierung und Unterstützung suchen, können sich an eine Wechseljahreberaterin wenden. Allerdings zahlen Kassen diese Dienstleistung nicht.

Kompakt

Alternativen von A bis Z …

Akupunktur: Das Nadeln an den klassischen Akupunkturpunkten ist in jedem Fall einen Versuch wert, wenn man unter Hitzewallungen leidet.

Bewegung: Frauen, die sich regelmäßig bewegen und Sport treiben, leiden seltener an Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Ängsten. Außerdem können sie so leichter das Gewicht halten. Wer Koordination und Beweglichkeit trainiert, beugt darüber hinaus Stürzen und damit auch Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen vor.Optimismus: Die eigene Einstellung zu der neuen Lebensphase spielt eine wichtige Rolle dabei, wie man die damit einhergehenden Veränderungen empfindet. Wer optimistisch und offen ist, sieht weniger die Einschränkungen als die Chancen der Wechseljahre.Sauna, Wechselduschen: Die Temperaturwechsel können helfen, Schweißausbrüche und Hitzewallungen besser in den Griff zu bekommen. Auch bei Schlafstörungen können Saunagänge hilfreich sein.

Wohlfühlen: Ob autogenes Training, Tai-Chi und Qigong, progressive Muskelentspannung, Meditation oder Yoga – probieren Sie aus, was Ihnen jetzt guttut und womit Sie am besten entspannen können. Speziell auf die Wechseljahre abgestimmt ist Hormonyoga – eine Kombination aus klassischen Yoga-Asanas und einer besonderen Atemtechnik.

Zwiebellook: Mehrere Kleidungsschichten, von denen man ein oder zwei bei plötzlichen Schweißausbrüchen schnell ablegen kann, sind äußerst praktisch. Zumal die meisten Frauen nach einer Hitzewallung plötzlich frösteln.

Viel hilft nicht viel – und im Fall der häufig überdosierten Nährstoffe schon gar nicht. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf daran und ist genussreicher als eine Tablette.


Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht keinen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Soja bzw. Soja-Isoflavonen und der Reduktion von wechseljahresbedingten Symptomen wie Hitzewallungen und Nachtschweiß. Auch behauptete Wirkungen wie die Aufrechterhaltung der normalen Hautspannkraft, der Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, der Knochenmineraldichte oder ein Beitrag zum normalen Haarwachstum oder der Herz-Kreislauf-Gesundheit fanden nicht den Segen der EFSA. In mehreren Gutachten lehnte die Behörde daher sämtliche gesundheitsbezogenen Aussagen für Soja-Isoflavone mit Bezug auf die Wechseljahre ab. Für Rotklee-Isoflavone ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Produktspezifische Studien gibt es nur sehr wenige. Wohl auch deshalb berufen sich etliche Anbieter bei der Frage nach der Wirksamkeit ihrer Produkte auf gesundheitsbezogene Angaben für einzelne Vitamine und Mineralstoffe, die die EFSA bereits für zulässig erklärt hat.
Riskant oder nicht? Neben der Frage um die positiven, lindernden (Aus-)Wirkungen von Isoflavonen auf Wechseljahresbeschwerden werden auch deren potenzielle Risiken kontrovers diskutiert, unter anderem ein möglicher Zusammenhang zwischen der Einnahme von Isoflavonen und der Erhöhung des Brustkrebsrisikos. 2007 kam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass für Frauen in und nach den Wechseljahren „die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen […] nicht ohne Risiko“ ist, zumal sie in dieser Phase ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. In der Zwischenzeit wurden Isoflavone vor allem mit Blick auf das Krebsrisiko intensiv erforscht. So zeigten die 2013 veröffentlichten Ergebnisse einer europäischen Kohortenstudie mit mehr als 330.000 Frauen, dass die Aufnahme von Isoflavonen keinen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hat. Eine von der EFSA bereits für das Jahr 2011 angekündigte Risikobewertung für Frauen in und nach den Wechseljahren, die isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, ist allerdings noch immer nicht abgeschlossen.

Für gesunde Frauen ist die Aufnahme von Isoflavonen also offenbar sicher, wie die große europäische Studie nahelegt. Anders sieht es aus, wenn bereits ein Tumor des Brustdrüsengewebes (Mammakarzinom) vorhanden ist oder war. Da ist die Studienlage nach wie vor uneinheitlich. Tierexperimentelle Studien kommen diesbezüglich zu widersprüchlichen Ergebnissen: Einige beobachteten ein beschleunigtes Wachstum der Tumorzellen durch Isoflavone, andere ein geringeres Risiko für das Wiederauftreten eines Tumors. Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz rät daher: „Patientinnen, die wegen eines östrogenabhängigen Tumors in ärztlicher Behandlung sind oder waren, sollten auf Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Soja- oder Rotkleezubereitungen verzichten.“ Dennoch werten wir nicht ab, wenn ein entsprechender Hinweis in den Packungsinformationen der isoflavonhaltigen Produkte fehlt, da sich Nahrungsergänzungsmittel nicht an Kranke richten.
Viel Rauch um nichts: Lediglich drei Nahrungsergänzungsmittel beschränken sich auf die namengebenden Isoflavone aus Soja oder Rotklee. In allen anderen sind pflanzliche Extrakte oder andere Inhaltsstoffe nach Gutdünken gemixt. Doch ob es sich dabei um Extrakte aus Früchten wie Ananas oder Papaya, aus Kräutern wie Salbei und Melisse oder gar aus exotischen Gewächsen wie Yamswurzel oder chinesischen Pilzen wie Cordyceps und Maitake handelt: Es gibt keine wissenschaftliche Belege für die positiven Effekte.
Vitamine und Mineralien im Übermaß: Die meisten Hersteller peppen ihre Produkte noch mit Vitaminen und/ oder Mineralstoffen auf – einzeln oder als Mischung, häufig sind die zugesetzten Mengen jedoch überdosiert. Wir orientieren uns bei der Bewertung an den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), da es eine entsprechende gesetzliche Regelung für Nahrungsergänzungsmittel nach wie vor nicht gibt. Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Mangan und Fluorid sollten laut BfR überhaupt nicht in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sein. Zum einen, weil die Versorgung der Bevölkerung – wie im Fall von Mangan und Kupfer – gesichert ist. Oder weil es – wie bei Fluorid – bei einer Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel zu einer ersind Wechselhöhten Knochendichte und zu Gelenksteifigkeit kommen kann. Bei Eisen wird diskutiert, ob eine erhöhte Zufuhr indirekt Vorstufen Krebs auslösender Stoffe aktiviert und das Risiko für das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Entsprechende Zusätze werten wir jeweils um zwei Noten ab. Betroffen ersind unter anderem die Trivital Meno, Kapseln, die Hübner Menofemina Vitamine & Soja-Isoflavone, Tabletten und die Alsiroyal Plus Klima-Aktiv-Kapseln Soja-Isoflavone.

So haben wir getestet

Natürliche Hilfe gegen Hitzewallungen erhoffen sich Frauen in den Wechseljahren von Pflanzen wie Rotklee oder Sojabohnen.


Foto: imago/blickwinkel

Der Einkauf

Wir haben Nahrungsergänzungsmittel eingekauft, die speziell für Frauen in den Wechseljahren ausgelobt sind oder deren Produktnamen das nahelegt. Zusätzlich sind zwei ergänzend bilanzierte Diäten im Test, die zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder innere Unruhe eingesetzt werden. Fündig wurden wir in Drogeriemärkten, Reformhäusern und (Versand-)Apotheken.

Der Nutzen

Seitdem die Hormonersatztherapie in Verruf gekommen ist, setzen viele Frauen auf pflanzliche Mittel, die Isoflavone aus Soja oder Rotklee enthalten. Wir wollten wissen, ob diese pflanzlichen Hormone tatsächlich gegen Wechseljahresbeschwerden helfen, und haben die Hersteller nach produktspezifischen Studien gefragt, die den Nutzen ihrer Präparate belegen können. Parallel dazu hat unser pharmakologischer Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz die Studienlage zu Isoflavonen ausgewertet. Sein Gutachten umfasst darüber hinaus auch jene Nahrungsergänzungsmittel im Test, die anstelle von Isoflavonen andere pflanzliche Extrakte mit Vitamin- und/oder Mineralstoffmischungen enthalten.

Inhaltsstoffe und Deklaration

Anhand der Deklaration ließen wir überprüfen, ob die angegebenen Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Einklang stehen und ob die gesundheitsbezogenen Angaben auf den Verpackungen bzw. in den Packungsbeilagen sich mit den Vorgaben der EU-Kommission decken und somit zulässig sind. Darüber hinaus ließen wir Mittel, die Algen- bzw. Fischöl enthalten, im Labor auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) untersuchen. Ein weiteres Präparat enthält u.a. chinesische Vitalpilze – ob es dadurch mit Schwermetallen belastet ist, hat ein Labor ebenfalls in unserem Auftrag analysiert.

Die Bewertung

Nahrungsergänzungsmittel sind von ihrem Bestimmungszweck her nicht für Kranke gedacht. Daher steht für uns die Frage im Vordergrund, inwieweit sie der gesunden Verbraucherin nutzen. Ist das nicht der Fall, kann ein Produkt bestenfalls mit „befriedigend“ abschneiden. Überflüssige weitere maßgebliche Inhaltsstoffe, zu hoch dosierte Vitamine oder Mineralstoffe sowie fragwürdige Auslobungen sorgen jedoch dafür, dass der Großteil der Mittel im Test mit „ungenügend“ abschneidet.

Mit zwei Noten Abzug bewerten wir auch Selenzusätze, die die vom BfR empfohlenen 30 Mikrogramm (μg) pro Tagesdosis überschreiten. Eine neuere Studie hat gezeigt, dass bei täglicher Selenzufuhr über Nahrungsergänzungsmittel ein knapp 50 Prozent höheres Risiko besteht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Zwei Mittel im Test überschreiten die BfREmpfehlungen: die Ellafem, Kapseln von Köhler Pharma sowie die Sinekrin Wechselhöhten jahre, Tabletten von Kyberg Pharma. Letztere liegen mit 170 μg pro Tagesdosis deutlich darüber.

Wortklauberei: Mehrere Anbieter werben mit der Aussage, dass Calcium und Vitamin D wichtig sind für gesunde Knochen, Zink und Biotin für gesunde Haut und Haare. Die Stellungnahmen der EFSA zur Health-Claims-Verordnung sehen entsprechende Aussagen jedoch nur als zulässig an, wenn vom Erhalt „normaler“ Knochen, Haare, Haut etc. die Rede ist. Wir werten entsprechende Hinweise auf die Gesundheit als Deklarationsmangel um zwei Noten ab. Ebenso wenn suggeriert wird, dass die Verbraucherin mit dem Produkt ihre Gesundheit aktiv in die Hand nimmt oder in der Phase der Wechseljahre ihre Gesundheit gezielt unterstützen sollte.

So reagierten die Hersteller

■ Die Anbieter von Hübner Menofemina Vitamine & Soja-Isoflavone, Tabletten, Dr. Wolz Langzeit-Soja-Isoflavone, Kapseln, Alsiroyal Klima-Aktiv mit Salbei und Alfalfa Plus Balance, Kapseln sowie Verla Sérélys, Tabletten teilten uns mit, dass sie ihr Produkt aus dem Sortiment nehmen bzw. den Lizenzvertrieb einstellen. Sie sehen offenbar selbst keinen Markt mehr für ihre Mittel.