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TEST Mittel gegen Gedächtnisstörungen/Stärkungsmittel: Vergiss es!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2013 vom 28.03.2013

Vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen fürchten sich fast alle Menschen. Gingkopräparate aus der Apotheke sollen Abhilfe schaffen. Doch unser Test ergab: Die Effekte sind eher bescheiden. Noch schlechter ist es um Ginsengpräparate bestellt.


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Wie heißen Sie?“ „Auguste.“ „Nachname?“ „Auguste.“ „Wie heißt Ihr Mann?“ „Ich glaube… Auguste.“ „Ihr Mann?“ „Ach so.“ So beginnt im November 1901 das Gespräch des Arztes Alois Alzheimer mit der zu diesem Zeitpunkt erst 51 Jahre alten Patientin Auguste Deter. Sie stirbt fünf Jahre später. Als Neuropathologe untersucht Alzheimer ihr ...

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... Gehirn und entdeckt eigenartige Knäuel von Nervenzellen. Er spricht von der „Krankheit des Vergessens“.


Wenn die Lesebrille in der Zuckerdose steckt, wird es Zeit, zum Arzt zu gehen.


Was Alois Alzheimer so neugierig machte, war das vergleichsweise junge Alter von Auguste Deter. Denn Demenzen – der Begriff leitet sich vom lateinischen dementia ab und bedeutet „ohne Verstand“ – sind Krankheiten des Alters. Ihre Häufigkeit nimmt vom 65. Lebensjahr an rasant zu: Während von den 65- bis 70-Jährigen etwa drei bis fünf Prozent betroffen sind, leiden von den 90- bis 95-Jährigen schon rund 30 Prozent darunter.

Zwei Drittel aller Demenzen gehen auf das Konto der Alzheimererkrankung, 15 Prozent werden den gefäßbedingten (vaskulären) Demenzen zugerechnet, weitere 15 Pro-zent nehmen Mischformen ein – ohne dass dies am Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen viel ändern würde. In der immer älter werdenden Bevölkerung wird die Zahl der Alzheimerpatienten explosionsartig zunehmen: Prognosen gehen von vier Betroffe-nen pro 100 Menschen im Jahr 2050 aus – mit enormen volkswirtschaftlichen Folgen: Kommen heute noch knapp 70 Erwerbstätige auf einen Erkrankten, werden es in 40 Jahren nur noch gut 20 sein.

Die Gedächtnisschwäche ist nur eine Seite der Erkrankung. Orientierungs- und Sprachprobleme kommen hinzu, ungewöhnliches Verhalten und später Persönlichkeitsveränderungen, die nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Angehörigen zu schaffen machen.

Wie Misstrauen „einen madig machen und außerdem die letzten Freundschaften zerstören kann“, erzählte Patientin Martina Peters auf einem internationalen Alzheimerkongress in Berlin. Eine Freundin hatte ihr 20 Euro zum Geburtstag geschenkt. Als sie einen Tag später davon Kuchen kaufen will, findet sie das Geld nicht. Sie fragt die Freundin, ob das Geld noch bei ihr liegt. Als die darauf beharrt, ihr das Geld gegeben zu haben, beginnt Martina Peters’ Misstrauen. Später findet sie die 20 Euro klein gefaltet in ihrem Portemonnaie. Sie hat es schlicht übersehen. „Somit bringe ich an-dere Menschen auch noch in eine missliche Lage.“

Doch was ist noch normale Altersvergesslichkeit, was schon Demenz? Gelegentlich mal die Lesebrille zu verlegen – kommt vor. Sie aber im Kühlschrank oder in der Zuckerdose zu verstauen, und das nicht nur einmal – sollte aufmerken lassen. Nun funktioniert das Gehirn nicht wie eine Maschine, es hat seine Tagesformen. Zu wenig Schlaf, zu viel Stress, Termindruck und psychische Belastungen schmälern die Gedächtnisleistung. Wer den Eindruck hat, Gedächtnis und Orientierungssinn haben im vergangenen halben Jahr insgesamt nachgelassen, sollte sich an einen Arzt oder eine Gedächtnissprechstunde wenden (siehe Kompakt, Seite 52).

Gerade bei leichten Stadien der Demenz stehen nicht medikamentöse Therapien im Vordergrund. Es geht darum, dass Gedächtnis auf Trab zu halten und im Alltag handlungsfähig zu bleiben. Dazu kann Ergotherapie beitragen. Angestrebt wird auch ein leichtes körperliches Training, um Stürzen vorzubeugen. Künstlerische Therapien (Malen, Musizieren, Tanzen) können helfen, Aufmerksamkeit und Konzentration zu fördern. Bei alledem geht es nicht ohne Zuwendung und die Einbeziehung der Angehörigen.

Das Spektrum möglicher Arzneimittel zur Behandlung von Demenzen ist vergleichsweise überschaubar. Da sind zum einen die auch in den Leitlinien der Neurologen je nach Schweregrad der Erkrankung empfohlenen chemischen Wirkstoffe (die Antidementiva Donepezil, Galantamin, Rivastigmin und Memantin). Sie wirken 12 bis 18 Monate gut – solan-ge noch intakte Nervenzellen da sind –, dann praktisch nicht mehr, wenn diese Zellen abgestorben sind. Die Liste möglicher Nebenwirkungen ist lang: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schlaflosigkeit, aggressives Verhalten, Krampfanfälle und Halluzinationen sind möglich. Bei Memantin stehen Unruhe, Schwindel und erhöhte Neigung zu Krämpfen im Vordergrund.

Vom Blatt zum Arzneimittel: Bei der Herstellung von Ginkgoextrakten wird das Gute an- und das Schlechte abgereichert.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Eine mögliche Alternative sind Zubereitungen aus Ginkgo. Anders als die chemischen Antidementiva sind Ginkgopräparate rezeptfrei erhältlich. Als eines von wenigen pflanzlichen Arzneimitteln darf Ginkgo auch zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden – vorausgesetzt, es dreht sich um die Behandlung einer Demenz und um einen „Ginkgo-biloba-Blätter-Extrakt (Aceton-Wasser-Auszug, standardisiert 240 mg Tagesdosis)“.

Häufig verwechselt wird Ginkgo mit Ginseng, sei es, weil der Pflanzenname so ähnlich klingt oder die Werbung die Anwendung bei nachlassender Leistungsund Konzentrationsfähigkeit nahelegt. So preist Anbieter Dr. Poehlmann das bekannte Tai Ginseng an als „ein bewährtes Energetikum zur Vitalisierung von Körper und Geist“. Verwendet wird zum einen der Koreanische oder Echte Ginseng. Dessen botanischer Name Panax ginseng weist auf die kraftspendende Eigenschaft der Wurzel hin, denn Panax bedeutet so viel wie „alles heilend“. Zum anderen ist der auch als Taigawurzel bezeichnete Sibirische Ginseng, botanisch Eleutherococcus, im Handel.

Im ÖKO-TEST: 24 pflanzliche Arzneimittel, davon zehn Ginkgopräparate zur Leistungsstärkung oder -steigerung des Gehirns und in einigen Fällen auch zur Durchblutung, die wir als Mittel gegen Gedächtnisstörungen bezeichnet haben. 14 Medikamente auf Basis von Ginseng oder Taigawurzel haben wir unter der Überschrift Stärkungsmittel zusammengefasst.

Das Testergebnis

■ Ernüchternd: Alle ginsengund taigawurzelhaltigen Stärkungsmittel fallen aufgrund fehlender belastbarer Untersuchungen durch. Allerdings erreicht auch nur ein Ginkgopräparat ein Gesamturteil „gut“. Das liegt vor allem an den zum Teil widersprüchlichen Wirksamkeitsnachweisen in der Behandlung von Demenzsymp tomen.
■ Bescheidene Hilfe für den Alltag: Alle zehn getesteten Ginkgopräparate beanspruchen die „symptomatische Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes bei Abnahme bzw. Verlust erworbener geistiger Fähigkeiten (demenzielles Syndrom)“. Die Studienlage ist jedoch widersprüchlich. In einer großen Analyse von 36 Studien wird die Ergebnislage hinsichtlich der klinisch relevanten Wirksamkeit im Jahr 2009 als inkonsistent und nicht überzeugend bezeichnet. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erkennt aber einen Nutzen für das Therapieziel „Aktivitäten des täglichen Lebens“: Die Patienten können alltägliche Tätigkeiten wie Haushaltsarbeiten oder die eigene Körperpffege wieder besser erledigen. Diese Aussage gilt für den Spezialextrakt EGb 761 (enthalten in den Filmtabletten Tebonin konzent 240 mg und Rökan novo 120 mg) in einer Dosierung von 240 Milligramm (mg) täglich. Damit erachten wir die Wirksamkeit von Ginkgopräparaten mit dem Extrakt EGb 761 für diesen Aspekt als „gut“ belegt.

Weniger gut untersucht ist der Spezialextrakt LI 1370 (Kaveri 120 mg), für den aber immerhin, im Gegensatz zu den übrigen Präparaten, produktspeziffsche Studien vorliegen. Wir stufen daher die Wirksamkeit des Spezialextraktes LI 1370 als teilweise belegt ein, die der anderen Extrakte als nur wenig überzeugend belegt. Denn obwohl sich die in den zehn Ginkgopräparaten steckenden Extrakte auf dem Papier gleichen, sind die in Studien gewonnenen Ergebnisse nicht vergleichbar – weil es sich jeweils um unterschiedliche Herstellungsverfahren handelt. Insgesamt gelten ginkgohaltige Arzneimittel als gut verträglich.

Die Craton comfort, Filmtablette von Anbieter Bioplanta ist zu niedrig dosiert. Als einziges Ginkgopräparat im Test erreicht man mit der im Beipackzettel empfohlenen Dosierung nur 120 mg Extrakt pro Tag. Effekte wurden in Studien aber vor allem bei Einnahme von täglich 240 mg Extrakt erreicht.
■ Keine Hilfe bei Tinnitus und Schaufensterkrankheit: Fünf der zehn getesteten Ginkgopräparate nennen zwei weitere Anwendungsgebiete: zum einen die Verlängerung der schmerzfreien Gehstrecke bei arterieller Verschlusskrankheit in den Gliedmaßen (die sogenannte Schaufensterkrankheit, weil die Betroffenen aufgrund von Schmerzen in den Beinen nach wenigen Schritten stehen bleiben), zum anderen die unterstützende Behandlung von Ohrgeräuschen (Tinnitus). Der Nutzen von Ginkgoextrakten bei diesen Erkrankungen ist jedoch mehr als fraglich. Zwar konnten Patienten mit Schaufensterkrankheit unter Ginkgo im Mittel gut 60 Meter weiter gehen als unter Placebo. Dieser Vorteil ist allerdings klinisch nicht bedeutsam.
■ Blutungsgefahr. In sehr seltenen Fällen kann es unter Ginkgo zu Blutungen kommen. Deshalb sollten Patienten mit erhöhter Neigung zu Blutungen vor der Einnahme ihren Arzt um Rat fragen. Darauf wird in allen Gebrauchsinformationen hingewiesen, ebenso auf die mögliche Wirkungsverstärkung von Arzneimitteln, die die Blutgerinnung hemmen (Phenprocoumon, Warfarin, Acetylsalicylsäure). Auch der koreanische Ginseng kann die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen oder bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel deren Wirksamkeit verstärken. Ein entsprechender Hinweis ist auf den Beipackzetteln vorhanden.
■ Wo bleibt die Stärkung? Ginseng- und Taigawurzel-(Sibirischer Ginseng-)präparate werden vor allem als „Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeitsund Schwächegefühl und bei nachlassender Leistungsund Konzentrationsfähigkeit“ angeboten. Als „traditionelle Arzneimittel zur Besserung des Allgemeinbefindens“ verstehen sich die Pharmaton Vital Kapseln N, Weichkapseln und die Tai Ginseng Dragees, die außer Ginseng noch Vitamine und Mineralstoffe oder einen Weißdornextrakt und Vitamine enthalten. Sie sollen bei „nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit“ helfen bzw. „die Leistungsfähigkeit von Körper und Geist erhalten“. Die aktuelle Datenlage rechtfertigt den Einsatz von Ginseng jedoch nicht, weder für Gesunde noch für Patienten mit Demenz. Auch die mit Ginseng zu erreichende Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit insbesondere bei älteren Menschen ist klinisch nicht relevant. Wir stufen daher die Wirksamkeit der Ginsengund Taigawurzelpräparate als nicht ausreichend belegt ein.
■ Überflüssig ist die Kombination von Ginseng mit anderen Wirkstoffen, etwa Weißdorn oder Vitaminen, da das Mittel dadurch auch nicht wirksamer wird. Weder Ginseng noch Vitamin C stärken die Abwehrkräfte. Entsprechende Auslobungen werten wir als Deklarationsmangel ab.
■ Bedenkliche und/oder umstrittene Hilfsstoffe kommen in einigen der getesteten Ginsengpräparate vor: Azo-Farbstoffe wie Gelborange S (E 110) oder das rote Ponceau 4R (E 124), der halogenorganische Farbstoffe Erythrosin, Alkohol und Paraffine.

So reagierten die Hersteller

Anbieter Schwabe betonte, in einer Auswertung von 320.644 Patientenverläufen sei keine Häufung von Blutungen bei Anwendern von Ginkgospezialextrakt EGb 761 gefunden worden. Man rate „jedoch grundsätzlich dazu, auch bei Kombination von Tebonin mit Marcumar den Gerinnungsstatus anfangs häufiger zu überprüfen. (…) Bei krankhaft erhöhter Blutungsneigung oder bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel mit Tebonin soll daher Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Tebonin sollte vorsichtshalber vor einer Operation abgesetzt werden und darf in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.“

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Laut Anbieter ist die Zulassung des Produktes seit Längerem erloschen. Der Artikel werde seit Längerem nicht mehr ausgeliefert. Die Verkehrsfähigkeit ende im Jahr 2013. 3) Deklarationsmangel: Auslobung „stärkt die Abwehrkräfte“. 4) Laut Anbieter wird der Artikel eingestellt. Es gibt nur noch Restbestände. 5) Traditionelles Arzneimittel.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung führt zur Abwertung um vier Noten: eine nicht ausreichend nachgewiesene Wirksamkeit für die Steigerung der Konzentrationsund Leistungsfähigkeit bei Ginseng- und Taigawurzel-(Eleutherococcus-)präparaten. Zur Abwertung um drei Noten führt: eine nur wenig überzeugend nachgewiesene Wirksamkeit zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen für Ginkgoextrakte, für die keine produktspezifischen Studien vorliegen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) eine teilweise nachgewiesene Wirksamkeit zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen für Ginkgospezialextrakte, für die produktspezifische Studien vorliegen (LI 1370); b) die nicht ausreichend nachgewiesene Wirksamkeit für Ginkgoextrakte für die weiteren Anwendungsgebiete Verlängerung der schmerzfreien Gehstrecke bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und/oder die (unterstützende) Behandlung von Ohrgeräuschen/Tinnitus; c) eine zu niedrige maximale Tagesdosis von 120 mg Ginkgo-biloba-Trockenextrakt; d) Deklarationsmangel: die Auslobung „stärkt die Abwehrkräfte“. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine nur unterstützend nachgewiesene Wirksamkeit des Ginkgospezialextraktes EGb 761. Diese bezieht sich auf den Erhalt von Aktivitäten des täglichen Lebens; b) die überflüssige Kombination von Wirkstoffen (hier Ginseng plus Vitamine und Mineralstoffe oder Ginseng plus Vitamine und Weißdornzubereitungen). Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führen zu Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Paraffine; b) der halogenorganische Farbstoff Erythrosin (E 127). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Farbstoffe Chinolingelb (E 104) und/oder Gelborange S (E 110) und/ oder Ponceau 4R (E 124); b) mehr als 10 Vol.-% Alkohol. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Test ergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Hilfsstoffe um eine Note.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1304“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: November – Dezember 2012.
Preisberechnung basiert auf dem kleinsten Produktangebot.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

■ Das mit „gut“ bewertete Tebonin kann einen Versuch Wert sein. Nach einer Einnahme über drei Monate sollte ein Arzt überprüfen, ob eine weiterführende Behandlung sinnvoll ist. Obwohl nicht verschreibungspflichtig, erstatten die Krankenkassen Ginkgopräparate zur Behandlung der Demenz.
■ Geistig rege bleiben und soziale Kontakte pflegen hilft, einer Demenz vorzubeugen. Und natürlich ein halbwegs gesunder Lebenswandel mit viel Bewegung, gutem Essen und nicht rauchen.
■ Mehr Informationen zu Hilfsangeboten für Betroffene und Angehörige finden Sie im ÖKO-TEST-Magazin 12/2012: Diagnose Demenz – Das langsame Vergessen. Sie können das Heft unter www.oekotest.de bestellen.

Kompakt

Gedächtnissprechstunden
Inzwischen gibt es eine Reihe von Memory-Kliniken, Gedächtnissprechstunden oder -ambulanzen, die in Kliniken, aber auch bei niedergelassenen Ärzten zu finden sind. Hier arbeiten Neurologen, Psychiater, Internisten, Geriater und Psychologen zusammen, um nach einer gründlichen Untersuchung des Patienten die genaue Ursache der Gedächtnisstörung abzuklären. Eine aktuelle Liste der Gedächtnissprechstunden in Deutschland hat die Hirnliga erstellt. Die Adressenliste steht im Internet unter www.hirnliga.de → Früherkennung. Weitere Informationen und Kontakt: Hirnliga, Geschäftsstelle, Postfach 13 66, 51657 Wiehl, Tel. 0 22 62 / 9 99 99 17 (montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr), E-Mail: buero@hirnliga.de

Warnzeichen einer Demenz Demenzen entwickeln sich schleichend. Bei diesen Warnzeichen sollten Betroff ene und ihre Angehörigen aufmerken:
■ das Kurzzeitgedächtnis lässt nach;
■ Wortfindungsstörungen und Orientierungsprobleme treten auf;
■ es fällt zunehmend schwer, Neues zu lernen;
■ Alltägliches gelingt nicht mehr: das Lösen einfacher Rechenaufgaben, handwerkliche Tätigkeiten;
■ die Persönlichkeit verändert sich: die Betroff enen werden antriebslos, depressiv, aggressiv oder erschöpft;
■ veränderte Wahrnehmung: Unwichtigem wird große Bedeutung beigemessen und umgekehrt.

Alzheimer im Internet
Informationen rund um das Thema Demenz (insbesondere zur Alzheimerkrankheit), hilfreiche Tipps und Adressen liefert die Deutsche Alzheimer Gesellschaft unter www.deutsche-alzheimer.de Besonders interessant und anregend ist der Alzheimer Blog (www.alzheimerblog.de), den Menschen mit Demenz, Angehörige und Profis mit Beiträgen bestücken

Buchtipp

Christian Zimmermann lebt seit Jahren mit der Diagnose Alzheimer. Seine Erfahrungen schildert er Peter Wißmann, Geschäftsführer der Demenz Support Stuttgart. Ein Buch für alle, die in Kontakt zu Betroff enen stehen oder ganz einfach Angst vor Alzheimer haben. Christian Zimmermann, Peter Wißmann, Auf dem Weg mit Alzheimer. Mabuse Verlag, Frankfurt/ Main 2011. 150 Seiten, 16,90 Euro (auch als Hörbuch).

Experte

Professor Walter E. Müller, Pharmakologisches Institut für Naturwissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt/Main


Keine Alternativen
„Vor dem Hintergrund, dass wir keine Alternativen haben, kann man denen zu Ginkgo raten, die sich Sorgen machen und vorsorgend etwas tun wollen – mit der Einschränkung, dass der Effekt nicht sicher belegt ist.“

Mehr zum Thema

Was tun gegen Alzheimer? Was die Forschung unternimmt, um die Erkrankung aufzuhalten, finden Abonnenten kostenlos im Internet unter http://abo.oekotest.de

So haben wir getestet

Der Einkauf
Um dem nachlassenden Gedächtnis im Alter entgegenzuwirken, erfreuen sich Naturheilmittel aus Ginkgoblättern großer Beliebtheit – gilt der Baum doch als Symbol für ein langes Leben. Als Stärkungsmittel und gegen Alterserscheinungen aller Art haben sich die Wurzeln des Echten oder Koreanischen Ginsengs sowie des Sibirischen Ginsengs schon vor langer Zeit einen Ruf erworben. Wir haben eine Auswahl gängiger daraus hergestellter Arzneimittel vor allem in der Apotheke eingekauft, einige Ginsengpräparate auch im Reformhaus oder Naturwarenladen.

Auf der Suche nach Studien: Die PubMed-Datenbank liefert derzeit mehr als 22 Millionen Einträge.


Die Begutachtung
Helfen Ginkgoextrakte, um dem fortschreitender Verlust geistiger Fähigkeiten entgegenzuwirken? Wurden Spezialextrakte in Studien getestet? Kann man sich mit einem Ginsengtonikum gegen nachlassende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit stärken? Wir haben unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für pharmazeutische Chemie an der Universität Frankfurt am Main, um eine Begutachtung gebeten.

Die Hilfsstoff e
Anhand der Deklaration suchten wir nach bedenklichen oder umstrittenen Hilfsstoff en. Dabei kann es sich zum Beispiel um synthetische Farbstoff e handeln, auf die der Anwender allergisch reagieren kann, oder Alkohol, der für Menschen mit Alkoholkrankheit, Epilepsie und Schwangere ein gesundheitliches Risiko bedeutet.

Die Bewertung
Die Pharmakologische Begutachtung konzentriert sich vor allem darauf, ob sich ein Arzneimittel in gut durchgeführten Studien für die beanspruchten Anwendungsgebiete als wirksam erwiesen hat. Widersprüchliche Ergebnisse bewerten wir als „teilweise“ oder nur „wenig überzeugend“ belegte Wirksamkeit. Bei pflanzlichen Arzneimitteln kann das davon abhängen, ob die Resultate mit Spezialextrakten gewonnen wurden oder nicht. Denn schließlich beeinflusst die Herstellung maßgeblich die Eigenschaften eines Extraktes. Nicht alles ist aus Erfahrung gut. Daher sollten auch Stärkungsmittel in Studien untersucht sein. Sind sie dies nicht, können wir sie nicht empfehlen.

Vorbeugen mit Ginkgo?

Ob die vorbeugende Einnahme von Ginkgo dem geistigen Abbau entgegenwirken kann, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Tebonin-Anbieter Schwabe verkündet im Januar dieses Jahres: „20-Jahres-Studie zeigt: EGb 761 verlangsamt das Fortschreiten von Gedächtnisstörungen.“ Er beruft sich dabei auf die sogenannte Paquid-Studie mit 3.777 Südfranzosen. Tatsächlich konnte der Extrakt den geistigen Abbau zwar nicht verhindern, verglichen mit der Nichteinnahme aber immerhin verlangsamen.
Dem steht allerdings die im Oktober 2012 veröffentlichte Guid-Age-Studie mit 2.854 Teilnehmern entgegen, von denen die eine Hälfte Ginkgo (EGb 761) einnahm, die andere ein Placebo. Die Teilnehmer waren mindestens 70 Jahre alt und hatten beim Hausarzt über Gedächtnisprobleme geklagt. Nach fünf Jahren gab es 61 Alzheimerdiagnosen in der Ginkgogruppe und 73 in der Placebogruppe. Die Unterschiede waren nach Ansicht der Autoren statistisch nicht signifikant.