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TEST Mittel gegen Schädlinge in Haus und Garten: Hausverbot


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2015 vom 26.06.2015

Mehr als 5.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel wurden 2013 an Hobbygärtner verkauft. Dabei sind viele Pestizide und Insektizide richtig gefährlich, wie unser Test zeigt. Die alternativen Mittel schnitten besser ab und konnten auch in puncto Wirksamkeit überzeugen.


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Foto: AlessandroZocc/iStock

Sie werden sehen – es geht ganz bequem. Saugende & beißende Insekten im Griff“, ist in der bunten Gartenbroschüre der Marke Dr. Stähler zu lesen. Empfohlene Mittel seien nicht bienengefährlich. Verschwiegen wird allerdings, dass andere nützliche Insekten gefährdet werden.

Die Absatzstatistik des Bundesamtes für ...

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... Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) belegt, dass in vielen Haushalten mit Garten Pestizide zum Einsatz kommen. Sage und Schreibe 5.230 Tonnen Spritzgifte und Co. wurden 2013 an nicht berufliche Anwender verkauft. Darunter hauptsächlich Mittel gegen Unkraut, Insekten und Schnecken.

Dabei sollte der Einsatz von Biozidprodukten nach Ansicht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nicht durch Laien erfolgen und der Griff zu Pestiziden laut BVL die Ausnahme sein. Denn im Haus sei es möglich, mit einfachen Mitteln oder vorsorgendem Verhalten Insekten in Schach zu halten. Und im Garten müsse nicht jeder Schädlingsbefall oder jede Pflanzenerkrankung bekämpft werden. Ist der Garten naturnah angelegt, können sich nützliche Insekten und Vögel ansiedeln und dafür sorgen, dass unerwünschte Bewohner im Zaum gehalten werden.

Wie das geht, zeigt etwa die Website www.biologischgaertnern. de des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL). Wer Nützlinge mithilfe von Insektenhotels anlocken will, findet kostenlose Bauanleitungen unter www.traunstein.bund-naturschutz.de→Artenschutz → Insektenhotel → Bauanleitung sowie unter www.gartenakademie.rlp.de → Pflanzengesundheit → biologischer Pflanzenschutz → Nützlinge → Insektenhotel und Nisthilfen. Auch die Autoren des „Statusbericht biologischer Pflanzenschutz 2013“ des Julius-Kühn-Instituts (JKI) sind der Ansicht, dass heute eine effiziente Bekämpfung von Schadorganismen durch biologischen Pflanzenschutz wie Naturstoffe, Nützlinge und Pheromone möglich ist. Gegen Blattläuse im Haus sind zum Beispiel Florfliegen erhältlich und winzige Fadenwürmer (Nematoden) helfen gegen Nacktschnecken im Garten.

Im Gegensatz zu biologischen Verfahren kann der Pestizideinsatz die Gesundheit gefährden. Daher wird die Zulassung und das Inverkehrbringen von Pestiziden kontrolliert.

Dafür gibt es seit Langem ein Pflanzenschutzmittelrecht. Darunter fallen Gifte gegen Blattläuse und Schnecken, während Mittel gegen Kleidermotten, Vorratsschädlinge und Ameisen lange Zeit nahezu unkontrolliert in den Handel gelangten. Mit der Biozidprodukterichtlinie von 1998 änderte sich das. Seitdem müssen Wirkstoffe für Insektensprays, Mottenpapier und Co. zugelassen werden. Derzeit werden die am Markt vorhandenen Wirkstoffe auf ihre Risiken für Menschen und die Umwelt und auf ihre Wirksamkeit hin geprüft. Diese Prüfung wird wahrscheinlich noch bis 2024 dauern. Derweil müssen alle angebotenen Biozidprodukte gemeldet werden. Bis Juli 2011 waren das sage und schreibe 35.000 Meldungen auf dem deutschen Markt! Sie sind an einer BAuA-Registriernummer erkennbar.

Nur wenige Produkte aus unserem aktuellen Test sind bereits zugelassen, zum Beispiel das Naturkraft Fliegen Los mit dem Wirkstoff Spinosad. Für Mittel mit den Insektiziden Deltamethrin, Fipronil, Imidacloprid und weitere Spinosad-Produkte liegen Zulassungsanträge vor. Dagegen sind Fallen zur Befallskontrolle, die nicht explizit für eine Bekämpfung von Insekten ausgelobt sind, zulassungsfrei. „Wer Pflanzenschutzmittel verkauft, darf sie nicht zur Selbstbedienung anbie- ten und hat zudem eine Beratungspflicht, die auch für Internetshops gilt“, erklärt Wolfgang Willig vom Pflanzenschutzdezernat des Regierungspräsidiums Gießen.

Zudem dürfen an Hobbygärtner nur Verpackungsgrößen verkauft werden, die für die einmalige Behandlung einer Fläche von maximal 500 Quadratmeter reichen, ergänzt Willig. Der Laie darf grundsätzlich nur Mittel mit den Hinweisen „Für Haus und Kleingarten zulässig“ bzw. „Anwendung durch nicht berufliche Anwender zulässig“ benutzen.

Experte: Selbstbedienungsverbot für Biozidprodukte

Ingrid Nöh leitet das Biozid-Fachgebiet im Umweltbundesamt


„Biozidprodukte wie Insektizide sollten wie Pflanzenschutzmittel nicht in Selbstbedienung verkauft werden dürfen. Zudem sollte für solche Produkte eine Beratung durch sachkundiges Verkaufspersonal vor Abgabe an Privatanwender verpflichtend sein.“

Warum für Biozidprodukte, die teilweise die gleichen Wirkstoffe wie Pestizide enthalten, aber weder ein Selbstbedienungsverbot noch eine Beratungspflicht gilt, ist uns schleierhaft. Dies kritisiert auch Ingrid Nöh vom Umweltbundesamt (UBA): „Wir halten eine Regelung für die Abgabe und den Handel von Biozidprodukten unbedingt für erforderlich.“ Ebenso sollten Zahlen zum Absatz von bioziden Wirkstoffen – wie es bei Pestiziden bereits praktiziert wird – erfasst und veröffentlicht werden, ergänzt die UBA-Mitarbeiterin.

Foto: Andrey_Popov/Shutterstock

Professionelle Schädlingsbekämpfer …

■.… finden Sie über die Berufsverbände wie den Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung (VföS), www.vfoes. de und den Deutschen-Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV), www.dsvonline.de
■ Nur IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer oder Sachkundige nach TRGS 523 beauftragen.
■ Die Beratung sollte ausführlich sein und die Artbestimmung des Schädlings, die Stärke des Befalls und die Ursachenforschung, die vor der Bekämpfung steht, umfassen. Vorgeschlagene Maßnahmen sollten möglichst insektizidfrei sein und Verfahren wie Kälte, Wärme, bauliche Maßnahmen, Nützlinge, Köderdosen, Gele und Fallen berücksichtigen.
■ Fragen klären: Welche Vorbereitungen sind in der Wohnung zu treffen? Können empfindliche Möbelstücke unter einer Behandlung leiden? Hinterlassen die Schädlingsmittel Rückstände und wie lassen sich diese nach der Bekämpfung minimieren?
■ Einen detaillierten Kostenvoranschlag erstellen lassen. Nach dem Einsatz des Profis eine Kopie der Arbeitskarte mit Angaben wie Anzahl der Einsätze, eingesetzte Mittel und ihre Menge sowie der Methode aushändigen lassen.
■ Bei bestimmten Schädlingen wie Schaben die Hausverwaltung bzw. den Eigentümer informieren und eventuell die Nachbarwohnung ebenfalls behandeln.

Lexikon der Wirkstoffe

Synthetisch-chemische Gifte

Carbamate sind nervengiftig, wobei Methiocarb akut sehr toxisch ist. Zudem gibt es Hinweise aus Tierversuchen an Mäusen, dass Methiocarb wie ein Hormon wirkt. Seit September 2014 dürfen Schneckenmittel mit Methiocarb nicht mehr verkauft und verwendet werden, da ihr Einsatz Vögel, Säugetiere und nützliche Insekten gefährdet. In Insektiziden darf der Wirkstoff aber weiterhin verwendet werden.Chlofenapyr ist nervengiftig. Nach Informationen des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN) steht die Substanz im Verdacht, Krebs zu erzeugen und ist hochgefährlich für Bienen.
Metaldehyd ist moderat giftig. Metaldehydhaltige Schneckenmittel haben schon häufig zu Vergiftungen bei Hunden und Katzen geführt.
Neonicotinoide wie Imidacloprid, Thiacloprid und Acetamipirid machten in Deutschland im Jahr 2013 mit 200 Tonnen rund 23 Prozent aller verkauften Insektizid- und Akarizidwirkstoffe aus. Wegen Resistenzen gegenüber den seit Langem eingesetzten Pyrethroiden, Organophosphaten und Carbamaten gewinnen sie an Bedeutung. Sie wirken ähnlich wie Nikotin und sind für Insekten mehrfach toxischer als für Vögel und Säugetiere. Symptome einer Vergiftung mit Imidacloprid sind Müdigkeit, Krämpfe und Muskelschwäche. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es für Acetamiprid und Imidacloprid Hinweise, dass sie die Entwicklung des menschlichen Nervensystems schädigen können. PAN stuft Thiacloprid als potenziell hormonell wirksames Biozid ein. Zudem ist Imidacloprid als toxisch und sehr persistent (sehr schwer abbaubar) eingestuft. Aufgrund der Giftigkeit für Bienen, bereits sehr geringe Mengen beeinträchtigen den Orientierungsinn von Honigbienen und Hummeln und das Koloniewachstum von Hummelvölkern, wurden 2013 die drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Pflanzenschutzmitteln vorläufig verboten. Ende 2015 wird über ihre Zulassung erneut entschieden.

Foto: imago/blickwinkel

Phenylpyrazole wie Fipronil sind nervengiftig. Die Wirkung ist bei Insekten höher, sie sind jedoch auch für Säugetiere giftig. Fipronil ist akut sehr toxisch, es ist persistent und sehr bienengiftig. PAN betrachtet Fipronil als potenziell hormonell wirksam.

Piperonylbutoxid ist ein Synergist, also eine Substanz, die die Wirkung eines Wirkstoffs verstärkt. Es verhindert im Insektenkörper, dass der Wirkstoff abgebaut wird und unschädlich gemacht werden kann. Nach Ansicht von PAN ist die Substanz potenziell hormonell wirksam.

Foto: sherwood/Shutterstock

Pyrethroide sind künstlich synthetisierte Nachbauten natürlicher Pyrethrine. Sie sind nervengiftig, aber stabiler als Pyrethrine. Mittel mit Pyrethroiden können mehrere Wochen bis Monate wirksam sein. Einige Vertreter dieser Gruppe wie Cypermethrin, Lambda-Cyhalothrin oder Tetramethrin zeigten in Zellversuchen eine hormonelle Wirkung. PAN stuft zudem Deltamethrin und Permethrin als potenziell hormonell wirksam ein. Beim Menschen können Pyrethroide nach Hautkontakt Taubheit, Jucken oder Brennen auslösen. Mit Permethrin werden auch Teppiche ausgerüstet, zudem steckt das Insektizid in Flohmitteln für Haustiere. Phenothrin und Transfluthrin sind als toxisch eingestuft, Deltamethrin darüber hinaus als persistent (schwer abbaubar) und Etofenprox und Lambda-Cyhalothrin als bioakkumulierend. Beide Substanzen können sich also im Körper anreichern.
Spinosad ist nervengiftig und wirkt bei Insekten ähnlich wie Neonicotinoide. Es ist sehr giftig für Bienen. Nach Auskunft der BAuA ist es als toxisch eingestuft. Gemäß der EG-Öko-Verordnung ist es erlaubt, sofern der Stoff nicht mithilfe genetisch veränderter Stämme erzeugt wurde. Der Einsatz ist nach den Richtlinien der Anbauverbände Demeter und Bioland nicht zugelassen und nach den Naturland-Richtlinien nur auf Antrag möglich. Nach Auskunft von Bioland gab es im Jahr 2014 jedoch „Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz, nachdem der neu erschienene Schädling Kirschessigfliege in Obstkulturen und bei Weintrauben existenzbedrohende Schäden anzurichten drohte“.

Biologische und alternative Mittel

Ätherische Öle wie Lavandinöl oder Geraniol sind im ökologischen Landbau zugelassen und haben eine repellierende (vertreibende) Wirkung.
Eisen-III-Phosphat ist ein Mineralsalz und im ökologischen Landbau erlaubt. Auch nach den Richtlinien der Anbauverbände wie Demeter, Bioland oder Naturland darf es eingesetzt werden. Es verursacht bei Schnecken Veränderungen im Kropf und in der Mitteldarmdrüse.Kaliseife ist im ökologischen Landbau zugelassen. Es verstopft die Atemwege von Insekten. Die Tiere krümmen sich ein und sterben.
Kieselgur beschädigt den Chitinpanzer der Insekten, die Tiere trocknen aus. Auch können Insekten beim Fressen von Kieselgur ersticken. Problematisch ist Kieselgur, wenn es beim Ausbringen staubt. Es ist nach der EG-Öko-Verordnung zugelassen.
Natur-Pyrethrum oder Pyrethrine sind ein Gemisch aus Wirkstoffen, das aus Chrysanthemenblüten gewonnen wird. Natur-Pyrethrum ist nervengiftig. Wird es eingeatmet, kann es Brechreiz und Kopfschmerzen auslösen. Gelangt es ins Blut, wirkt es stark giftig. Aufgrund enthaltener allergener Stoffe sind Pyrethrine nach der MAK-Liste als hautsensibilisierend eingestuft. Natur-Pyrethrum baut sich in der Umwelt rasch ab, besonders unter Sonnenlicht. Häufig wird es mit Piperonylbutoxid kombiniert. Nach der EG-Öko-Verordnung ist es zugelassen. Die Anbauverbände Demeter und Bioland untersagen die Kombination mit Piperonylbutoxid.Neem , das auch als Margosaextrakt bezeichnet wird, hat eine insektizide Wirkung und ist nach der EG-Öko-Verordnung und nach den Richtlinien der Anbauverbände erlaubt. Es wird aus den Samen des Neembaums gewonnen, Hauptbestandteil ist Azadirachtin, dass sich auch künstlich synthetisieren lässt. Die Substanz wirkt toxisch auf die Larvalentwicklung vieler Insekten. Zudem hat es einen repellierenden und fraßhemmenden Effekt bei Mottenlarven. Gegenüber Wirbeltieren ist es relativ ungiftig. Margosaextrakt ist als toxisch eingestuft.
Pheromone sind Sexuallockstoffe für Lebensmittel- und Kleidermotten oder die Stubenfliege. Dazu zählen Stoffe mit so komplizierten Namen wie Z, E-Tetradeca-9,12-dienylacetat und cis-Tricos-9-en. Der Einsatz von Pheromonen ist im ökologischen Landbau erlaubt.


Rapsöl ist im ökologischen Landbau erlaubt. Es überzieht die Tiere mit einem Ölfilm. Insekten wie Blattläuse ersticken, weil ihre Atemwege verstopft sind.

Pheromon-Mottenfalle


Foto: Ingo Bartussek/Fotolia