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TEST Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden Perspektivel-uechsel


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2011 vom 25.02.2011

Wechseljahresbeschwerden können Frauen arg zu schaffen machen. Seit die Hormonersatztherapie in Verruf geraten ist, greifen viele zu pflanzlichen Mitteln. Während die meisten Arzneimittel mit Wirkstoffen aus der Traubensilberkerze mit „sehr gut“ abschneiden, ist von Nahrungsergänzungsmitteln mit Soja und Rotklee eher abzuraten.


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Heike Prüser aus Niedersachsen war 44 Jahre alt, als es von heute auf morgen mit höllischen Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern losging. Erst später klärte sie ein Arzt darüber auf, dass sich so Veränderungen im Unterleib bemerkbar machten. „Das ...

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Heike Prüser aus Niedersachsen war 44 Jahre alt, als es von heute auf morgen mit höllischen Rückenschmerzen zwischen den Schulterblättern losging. Erst später klärte sie ein Arzt darüber auf, dass sich so Veränderungen im Unterleib bemerkbar machten. „Das Schlimmste waren die psychischen Beschwerden, unerklärliche Angst- und Panikattacken gehörten zu meinem Tagesablauf“, erinnert sich die heute 51-Jährige. Dazu kamen Schwindel, Kopfschmerzen, Schwäche und Antriebslosigkeit.

Bis zur Diagnose „Wechseljahre“ vergingen eineinhalb leidvolle Jahre. Heike Prüser plagten bald auch noch Gelenk- und Muskelschmerzen, ihre Zyklen schlugen Kapriolen, sie befürchtete, schwer erkrankt zu sein. Auch Familie und Freunde waren überfordert. Es begann eine Ärzteodyssee. Dann machte ein Mediziner den entscheidenden Test: „Demnach hatte ich den Hormonstatus einer 70-Jährigen“, sagt Prüser. Für die Verwaltungsangestellte war die Diagnose eine Erleichterung. „Endlich wusste ich, was los ist.“ Der Arzt verordnete eine Hormonersatztherapie.

Heike Prüser nahm die Hormone allerdings nur einen Monat. Denn ihre Beschwerden wurden schlimmer und die Skepsis vor Nebenwirkungen war groß. „Ich hatte den Eindruck, dass Ärzte zu schnell synthetische Hormone verschreiben, ich wollte die chemische Keule nicht“, sagt die zweifache Mutter. Zwischenzeitlich hatte zudem die große WHI-Studie ergeben, dass bei langjähriger Anwendung einer Hormonersatztherapie Thrombosen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Brustkrebs als Nebenwirkungen auftreten können. Deshalb wurde auch ein Teil der Studie mit 16.608 Teilnehmerinnen 2002 vorzeitig abgebrochen.

Die Angst vor Hormonen kennt der seit 32 Jahren praktizierende Frauenarzt Klaus König aus dem hessischen Steinbach. „Die Ärzte haben, trotz eines Wandels in der Einstellung zur Hormonersatztherapie, den Ruf, dass sie Frauen mit Wechseljahresbeschwerden Hormone geben“, sagt Dr. König. Dabei, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, kämen diese heute aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nur noch bei schlimmen Wechseljahresbeschwerden zum Einsatz. Das betreffe etwa ein Drittel der Frauen. Ein weiteres Drittel leide unter leichten Wechseljahresbeschwerden. Bei Bedarf verschreibt Dr. König dann pflanzliche Mittel, mit denen er gute Erfahrungen gemacht hat.

Auch Heike Prüser versuchte mit der Einnahme von allerlei pflanzlichen Mitteln, Vitaminen und Elektrolyten ihre Wechseljahresbeschwerden in den Griffzu bekommen. Viel Geld gab sie dafür aus, doch es zeigte sich kein Nutzen. Da beschloss sie: „Ich nehme gar nichts mehr.“

Nach drei Jahren Beschwerden hatte Heike Prüser dann ein Schlüsselerlebnis: „Als ich mich wieder einmal bei meinem Mann ausheulte, nahm er mich lächelnd in den Arm und sagte: Trümmerlotte, du schaffst das schon – da wusste ich: Man muss das alles mit einem lachenden Auge sehen.“ Heike Prüser fand ein Ventil. „Meine Therapie waren das Schreiben und die Anerkennung nach der Veröffentlichung meines Büchleins, Wechseljahre? Ganz einfach!‘“, sagt sie. „Ich vergaß meine Beschwerden regelrecht.“

Die Wechseljahresbeschwerden klingen jetzt bei Heike Prüser aus, manchmal hat sie Schmerzen, wacht nachts verschwitzt auf, ab und zu gibt es Verstimmungen, aber: „Damit kann ich leben.“ Sie hat die Chance auf eine Neufindung genutzt und schreibt weiter. Heute sagt sie: „Ich rate jeder Frau mit Wechseljahresbeschwerden, sich etwas zu suchen, das sie ganz in Beschlag nimmt.“ Das könne wie bei ihr das Schreiben sein oder der Hund oder ein anderes Hobby. „Man sollte nicht auf dem Sofa liegen und sich selbst bejammern“, so Prüser. „Und irgendwann werden die Beschwerden besser, denn allmählich stellt sich der Körper um.“

Wir wollten wissen, ob pflanzliche Mittel Linderung bei leichteren Wechseljahresbeschwerden bringen, und ob deren Einnahme unbedenklich ist. Bei den insgesamt 33 pflanzlichen Mitteln im Test handelt es sich um 19 Nahrungsergänzungsmittel mit Extrakten aus Soja und/oder Rotklee und 14 Arzneimittel mit Wirkstoffen aus der Traubensilberkerze.

Das Testergebnis

■ Fast alle Arzneimittel schneiden mit „sehr gut“ ab. Anders sieht es bei den Nahrungsergänzungsmitteln auf der Basis von Soja und Rotklee aus: Keines dieser Mittel erhält eine bessere Note als „befriedigend“.


Die Arzneimittel haben deutlich besser abgeschnitten als die Nahrungsergänzungsmittel


Die Arzneimittel: Wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte von Arzneimitteln mit Zubereitungen aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga) auf Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen. Es konnte gezeigt werden, dass die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe positiv auf das Zentralnervensystem wirken, gleichzeitig wurde keine negative Wirkung auf die Gebärmutter beobachtet. Cimicifugaextrakte werden bereits seit einigen Jahrzehnten in Europa bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, hauptsächlich um Hitzewallungen zu mildern und die Stimmungslage zu verbessern. Deshalb erhalten die Arzneimittel in der Pharmakologischen Begutachtung die Bestnote.
■ Laut den „Transparenzkriterien für pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel“ sind Monopräparate das Mittel der Wahl. In denRemifemin Plus, Filmtabletten wurde jedoch ein Extrakt der Traubensilberkerze mit einem des Johanniskrauts kombiniert. Auch weil nicht alle Wechseljahresgeplagten unter Depressionen leiden, werten wir diese Kombination um vier Noten ab. Für beide Extrakte ist zudem das Drogen-Extrakt-Verhältnis plus Auszugsmittel nicht angegeben, was für eine Beurteilung der Wirkstoffe unentbehrlich ist. Dafür gibt es eine weitere Note Abzug.
■ Bestimmte Formen von Brustkrebs wachsen östrogen abhängig. Da nicht be kannt ist, ob Cimicifugl-uurzelstock-Zubereitungenöstrogenabhängige Tumore fördern oder unbeeinflusst lassen, sollte ein entsprechender Warnhinweis im Beipackzettel zu finden sein. Dieser Hinweis fehlt jedoch bei denRemifemin, Tabletten und denRemifemin Plus, Filmtabletten , was wir um zwei Noten abwerten.
■ Umstrittene Hilfsstoffe wie Chinolingelb (E 104) in denFemi Sanol 6,5 mg Hartkapseln und Azorubin (E 122) in denFemi-Sabona Kapseln, Hartkapseln sind überflüssig. Für den Einsatz dieser Farbstoffe gibt es eine Note Abzug.


Überhöhte Vitamingehalte verursachen bis zu 18 Noten Abzug


Die Nahrungsergänzungsmittel: Sie enthalten Isoflavone aus Soja und Rotklee. Laut einer nach wie vor aktuellen Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung gibt es Hinweise darauf, dass Isoflavone, wenn sie in isolierter oder angereichter Form und in hoher Dosierung eingenommen werden, die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. Dabei sei nicht auszuschließen, dass diese als östrogenähnlich anzusehenden Effekte auch die Entstehung von Brustkrebs fördern können.

Aufgrund einer nach Ansicht unseres wissenschaftlichen Beraters Professor Manfred Schubert-Zsilavecz insgesamt nach wie vor widersprüchlichen und nicht ausreichenden Studienlage zu Wirkung und Unbedenklichkeit schneidet keines der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) besser als „befriedigend“ ab.
■ Fünf NEM enthalten neben Soja und/oder Rotklee weitere maßgebliche pflanzliche Inhaltsstoffe aus Melisse, Salbei, Grüntee, Borretsch oder Nachtkerze. Weil für diese keine positiven Effekte bei Wechseljahresbeschwerden belegt sind, werten wir den Zusatz um eine Note ab.
■ Fast alle Nahrungsergänzungsmittel setzen zusätzlich auf Vitamine und Mineralstoffe, ohne dass dies in irgendeiner Form bei Wechseljahresbeschwerden von Vorteil wäre. Sobald einzelne Vitamine die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Tageshöchstmengen überschreiten, werten wir dies um eine Note ab. Mineralstoffe, die laut BfR gar nicht in Nahrungsergänzungsmitteln vorhanden sein sollten, werten wir um zwei Noten ab. Ebenfalls zwei Noten Abzug gibt es für die Zugabe von Betacarotin (Provitamin A), weil sich die Aufnahme von isoliertem Betacarotin als gesundheitlich bedenklich erwiesen hat; für einen erhöhten Gehalt an Vitamin K, weil bei fettlöslichen Vitaminen die Gefahr der Anreicherung besteht; und für den MineralstoffSelen, da er die vom BfR empfohlene höchste Tagesdosis überschreitet und in sehr hohen Dosierungen giftig ist. Spitzenreiter in Sachen überhöhte Dosis von Vitaminen und Mineralstoffen sind dieEquimol Hormon Balance, Kapseln : Acht zu bemängelnde (Pro-)Vitamine und fünf Mineralstoffe ergeben in der Summe 18 Noten Abzug.


Hersteller unterstellen Experten, in Sachen Isoflavone nicht auf dem neuesten Stand zu sein


■ Bei einer Stichprobenuntersuchung fanden sich bei den Nahrungsergänzungsmitteln auf Sojabasis keine Hinweise auf gentechnisch verändertes Soja. Sie enthielten laut Labor entweder keine für Soja charakteristischen DNASequenzen oder der Anteil lag unterhalb der Nachweisgrenze des Verfahrens.

So reagierten die Hersteller

■ Einige Nahrungergänzungsmittelhersteller reichten Unterlagen ein, die die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der eingesetzten Isoflavone belegen sollen. So schickte der Hersteller derBad Heilbrunner Menostabil Rotklee Kapseln einen Bericht der „Isoflavol-uorschungs-Initiative“, laut dem sich die „Datenlage weiter zu Gunsten der Isoflavone verbessert“ habe. Die Hersteller derOmnivit Meno Soja-Isoflavone und derDas Gesunde Plus Meno Aktiv mit Isoflavonen, Kapseln sandten eine Stellungnahme, laut der das BfR mit seiner Veröffentlichung „Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko“ irre und „eine Wirkung von Phytoöstrogenen auf Wechseljahresbeschwerden unzweifelhaft“ nachgewiesen sei.

Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität Frankfurt, der Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft ist, sagt dazu: „Die Meinung der Experten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und des BfR ist klar und besteht nach wie vor: Eine abgeschlossene wissenschaftlich fundierte Bewertung ist nicht möglich, deshalb bleibt in Sachen Isoflavone eine kritische Haltung angezeigt.“ Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für dieses Jahr eine Stellungnahme zu Isoflavonen, wie sie in Nahrungsergänzungsmitteln mit Soja zu finden sind, angekündigt.

Unsere Empfehlungen

Wechseljahre sind keine Krankheit und müssen nicht in jedem Fall behandelt werden. Wer jedoch unter seinen Beschwerden leidet, sollte sich von seinem Frauenarzt hinsichtlich möglicher Therapien beraten lassen.
Bei leichteren Beschwerden sind die Arzneimittel mit Traubensilberkerze am ehesten zu empfehlen.
Frauen, die Sport treiben, leiden seltener an Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Ängsten. Außerdem kann frau so Erkrankungen nach den Wechseljahren vorbeugen.

Kompakt

Letzte Blutung mit 50 Jahren
Die Regelblutung bleibt laut Dr. Klaus König, hessischer Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte, im Durchschnittsalter von 50 Jahren aus. „Aber ich habe auch Patientinnen, bei denen das mit 38 oder 58 Jahren der Fall ist.“ Die ersten Symptome der Wechseljahre sind Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, später auch Knochenbeschwerden. Wenn die Blutungen unregelmäßig werden oder die Regel ausbleibt, die Frau ein entsprechendes Alter hat und zusätzliche Beschwerden dazukommen, sei die Diagnose klar.

Test sagt Wechseljahre voraus
Bislang wissen Frauen nicht, wie lange sie noch fruchtbar sind. Laut einem Medical-Tribune-Bericht wurde auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology nun ein Bluttest präsentiert, der Abhilfe schaffen könnte. Durch einen bestimmten Hormonwert in Kombination mit dem Alter könne der Beginn der Wechseljahre vorausgesagt werden. In einer Zwölfjahresstudie mit 266 Frauen habe die Prophezeiung durchschnittlich nur um vier Monate vom tatsächlichen Beginn des Klimakteriums abgewichen.

Brustkrebsrisiko und Sport
Etwa 30 Prozent aller Fälle von Brustkrebs nach den Wechseljahren ließen sich durch mehr Bewegung und den Verzicht auf Hormonersatztherapie vermeiden, errechneten Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum. In der MARIE-Studie mit mehr als 9.400 Teilnehmerinnen wurde nach Risikofaktoren gefahndet, die durch Änderungen im Lebensstil und Verhalten beeinflusst werden können.

Traubensilberkerze
Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) stammt aus Nordamerika und wurde bereits von den Ureinwohnern medizinisch genutzt. Der in Scheiben geschnittene Wurzelstock wurde unter anderem in der Geburtshilfe und bei klimakterischen Beschwerden eingesetzt. Wegen ihres üblen Geruchs wurde die Pflanze auch zum Vertreiben von Wanzen genutzt, woraus sich der Name ableitet (cimex = Wanze, fuga = Flucht).

So haben wir getestet

Der Einkauf
Etwa ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren bleibt von Beschwerden verschont, während die restlichen zwei Drittel in unterschiedlichem Maß von Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Nervosität, Reizbarkeit und mehr geplagt werden. Früher wurden in erster Linie Östrogene oder Östrogene in Kombination mit Gestagenen eingesetzt, heute verordnen Ärzte aufgrund von Nebenwirkungen wie einem erhöhten Brustkrebsrisiko nur noch in schweren Fällen und für einen kurzen Zeitraum eine Hormonersatztherapie. Als Alternative gelten pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel mit Soja beziehungsweise Rotklee oder Arzneimittel mit Extrakten aus der Traubensilberkerze. Wir haben insgesamt 33 Mittel in Apotheken, Drogerien, Discountern und Reformhäusern eingekauft und unter die Lupe genommen.

Die Begutachtung
Sind die pflanzlichen Mittel eine wirksame Alternative zur Hormonersatztherapie – und sind sie sicher? Unser wissenschaftlicher Berater Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft hat die Mittel begutachtet. Zudem haben wir einen Blick auf die Unbedenklichkeit der eingesetzten Hilfsstoffe geworfen und nachgeschaut, ob sich wichtige Warnhinweise in den Beipackzetteln der Arzneimittel finden. Da fast alle Nahrungsergänzungsmittel auch Vitamine und Mineralstoffe enthalten, prüften wir, ob das sinnvoll und ob an deren Dosis etwas auszusetzen ist. Zudem ließen wir stichprobenartig untersuchen, ob sich gentechnisch verändertes Soja in den Nahrungsergänzungsmitteln auf Sojabasis findet.

Die Bewertung
Wer zu einem Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden greift, erwartet Linderung. Gleichzeitig sollte es gesundheitlich unbedenklich sein. Während Arzneimittel für die Zulassung Studien vorlegen müssen, die ihre Wirksamkeit, Sicherheit und Unbedenklichkeit belegen, unterliegen die frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel nicht dieser Regelung. Unser wissenschaftlicher Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz hält die Studienlage zu Isoflavonen aus Soja und Rotklee nach wie vor für unzureichend und führt neben Sicherheitsbedenken auch fehlende Langzeitergebnisse als Kritikpunkt an. Deshalb gibt es bei den Nahrungsergänzungsmitteln keine „sehr guten“ oder „guten“ Produkte. Abzüge gibt es zudem bei Arzneimitteln für fehlende Warnhinweise und umstrittene Farbstoffe.