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TEST Muttermilchersatz, Pre und 1: Am besten stillen


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 13/2008 vom 08.12.2008

Industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung gilt als erste Wahl für nicht gestillte Kinder. Schlimm, dass alle Pulver hoch mit dem neuen Schadstoff 3-MCPD-Fettsäureester belastet sind. Was Sie dennoch tun können, lesen Sie hier.


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Foto: stockbyte

Wer sein Kind nicht oder nur kurz stillen kann oder will, greift überwiegend zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. Mit gutem Gefühl, ist sie doch als Muttermilchersatz laut Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erste Wahl. Das Pulver ist der Muttermilch nachempfunden und enthält sämtliche Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente, die ein Säugling ...

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Wer sein Kind nicht oder nur kurz stillen kann oder will, greift überwiegend zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. Mit gutem Gefühl, ist sie doch als Muttermilchersatz laut Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erste Wahl. Das Pulver ist der Muttermilch nachempfunden und enthält sämtliche Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente, die ein Säugling benötigt. Doch nun ist ein Problem aufgetaucht, von dem man bislang nichts wusste. In Muttermilchersatzprodukten können sogenannte 3-MCPD-Fettsäureester stecken.

Diese Substanzen entstehen bei der Raffination von pflanzlichen Fetten und Ölen. Freies 3-MCPD kann zu Veränderungen der Niere sowie in hohen Dosen zur Bildung gutartiger Tumore führen. Wir wollten uns ein genaues Bild über die 3-MCPD-Gehalte verschaffen und haben 23 Muttermilchersatznahrungen ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

• … ist ein Grund mehr zu stillen: Schnitten Säuglingsmilchnahrungen in vergangenen ÖKO-TESTs beinahe routinemäßig mit „sehr gut“ ab, sieht das Ergebnis dieses Mal düster aus. Das beste Testurteil ist ein „befriedigend“: Für die Pre-Milch erteilen wir es viermal, für die 1er-Nahrung sechsmal. Alle anderen Produkte können wir nur mit „mangelhaft“ bewerten.
• Schuld am miesen Abschneiden waren ausschließlich die hohen Gehalte an 3-MCPD-Fettsäureestern, die das von uns beauftragte Labor analysiert hat. Geht man – wie auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – davon aus, dass sich 3-MCPD bei der Verdauung vollständig aus 3-MCPDFettsäureestern freisetzt, dann wird die täglich tolerierbare Aufnahmemenge (TDI) bei einigen Produkten bis zum 35-fachen überschritten. Zugegeben: Wir haben einen strengen Maßstab angelegt und sind bei der Berechnung von einem Säugling in der zweiten Lebenswoche ausgegangen, der rund 3,5 Kilo wiegt und ausschließlich Säuglingsmilchnahrung erhält. Doch unrealistisch ist das nicht: Die meisten Neugeborenen werden nur kurz gestillt, sobald die Mütter aus dem Krankenhaus kommen, sinkt die Stillrate.
• Die Abwertungen sind erheblich: Zwei Minuspunkte gab es für Werte, die den TDI um weniger als das Zehnfache überschreiten, und vier Punkte Abzug, wenn sie darüberliegen. Dabei haben wir berücksichtigt, dass das BfR die 3-MCPD-Gehalte zwar als hoch einschätzt, ein akutes Gesundheitsrisiko aber ausschließt.
• Zwei Drittel der untersuchten Pre-Nahrungen sowie gut ein Drittel der 1er-Produkte sind pre- oder probiotisch – etwa mit Milchsäurebakterien – angereichert, um gesundheitsfördernde Effekte zu erzielen. Einiges spricht zwar dafür, dass diese Zusätze helfen, beispielsweise schweren Durchfallerkrankungen vorzubeugen, bestätigt auch Kinderernährungsexperte Professor Dr. Berthold Koletzko. Ob eine Anreicherung von Anfangsnahrung mit Pre- und Probiotika empfohlen werden sollte, werde allerdings zur Zeit noch in Fachkreisen diskutiert.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: siehe Seite 128.
Abkürzungen: TDI = tolerable daily intake (tolerierbare tägliche Aufnahme eines Stoffes).
Anmerkungen: 1) Produkt enthält weniger Eiweiß als die 0,45 Gramm pro 100 Kilojoule, die laut Diät-Verordnung für Säuglingsanfangsnahrung auf Basis von Kuhmilchproteinen als Mindestgehalt vorgeschrieben sind. Allerdings erreicht es den alternativen Wert von 1,8 Gramm Eiweiß pro 100 Kilokalorien. 2) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 3) Gehalt an 3-MCPD-Fettsäureestern pro empfohlener Tagestrinkmenge überschreitet den TDI für freies 3-MCPD um weniger als das Zehnfache. 4) Gehalt an 3-MCPD-Fettsäureestern pro empfohlener Tagestrinkmenge überschreitet den TDI für freies 3-MCPD um mehr als das Zehnfache.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Zur Abwertung um vier Stufen führt: ein Gehalt an 3-MCPD-Fettsäureestern pro empfohlener Tagestrinkmenge, der den TDI für freies 3-MCPD um mehr als das Zehnfache überschreitet. Die Berechnung des TDI bezieht sich auf ein Baby in der 2. Lebenswoche (mit einem Gewicht von 3,5 Kilogramm) und die vom Hersteller empfohlene Trinkmenge pro Tag (je nach Anbieter zwischen 500 und 690 Milliliter). Zur Abwertung um zwei Stufen führt: ein Gehalt an 3-MCPD-Fettsäureestern pro empfohlener Tagestrinkmenge, der den TDI für freies 3-MCPD um weniger als das Zehnfache überschreitet. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Stufe: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Stufe.
Testmethoden: 3-MCPD-Fettsäureester: Methode der CVUA Stuttgart mittels GC/MS „Bestimmung von 3-MCPD nach Freisetzung durch Umesterung mit Natriummethylat“. Enterobacteriaceen: ISO 21528-1:2004. Hefen und Schimmelpilze: ISO 7954:1987. Bacillus cereus: ASU L 00.00- 33. Mesophile sulfitreduzierende Clostridien: ASU L 06.00-39 modifiziert. Koagulase-positive Staphylokokken: ASU L 00.00-55. Salmonellen: ASU L 00.00-20 modifiziert. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST-Magazin 6/2008. Aktualisierungen der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/ zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 129.

Unsere Empfehlungen

• Zur industriell hergestellten Säuglingsmilchnahrung gibt es – außer Muttermilch von anderen Frauen – keine Alternative, wenn das Kind nicht gestillt wird. Daher raten wir, trotz der Ergebnisse weiterzufüttern. Im Kasten auf Seite 62 informieren wir Sie ausführlich zu 3-MCPD.
• Wer Fläschen zubereitet, sollte stets frisches Trinkwasser verwenden, die Milch sofort füttern und Reste wegschütten. Denn nicht konsequent gekühlte Milch ist ein idealer Nährboden für Keime.
• Tipps bei Stillproblemen bietet das Internetportalwww.stillen-info.de

3-MCPD – was Sie jetzt wissen müssen

Foto: Banana Stock

Warum ist 3-MCPD gefährlich?
Freies 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) ist als Schadstoff seit Langem bekannt. Es hat in Tierversuchen zu Veränderungen der Nierentubuli (dünne Kanäle in der Niere) geführt und in hohen Dosen gutartige Tumore ausgelöst. 3-MCPD-Ester dagegen – Verbindungen aus 3-MCPD und verschiedenen Fettsäuren, die bei hohen Temperaturen gebildet werden – wurden vor Kurzem erstmals analysiert. Sie liegen in allen raffinierten Pflanzenölen und -fetten vor. Und da auch Säuglingsanfangs- und Folgenahrung raffinierte pflanzliche Öle enthält, ist sie hoch belastet. Nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) so hoch, dass „im ungünstigsten Fall der Sicherheitsabstand zu den im Tierversuch beobachteten Wirkungen als zu gering angesehen wird“. Zwar liegen zu 3-MCPD-Estern keine toxikologischen Daten vor, doch Experten gehen davon aus, dass bei der Verdauung aus 3-MCPDFettsäureestern toxikologisch relevantes 3-MCPD freigesetzt wird.

Was kann ich tun, um mein Kind nicht unnötig mit dem Schadstoff zu belasten?
Im Moment haben Sie nur zwei Möglichkeiten: Stillen oder die Verwendung der weniger belasteten Testprodukte. Das BfR geht nicht von einer akuten Gesundheitsgefahr aus und rät, den Säugling wie gewohnt zu füttern. Doch wie hoch das gesundheitliche Risiko tatsächlich ist, kann bislang nicht abschließend geklärt werden. Ist Ihr Baby alt genug, können Sie den Milch-Getreide-Brei mit handelsüblicher Kuhmilch (nicht mehr als 200 Gramm pro Tag) zubereiten. Sie sollte allerdings im ersten Lebensjahr nicht als Getränk verwendet werden.

Ist selbst hergestellte Babymilch eine Alternative?
Nein. Selbst hergestellte Säuglingsmilch ist aus hygienischen und ernährungsphysiologischen Gründen nicht zu empfehlen – weder mit Kuhmilch noch mit anderen Arten von Tiermilch (z. B. Stute, Schaf oder Ziege). Auch pflanzliche Milch (aus Mandeln, Reis oder anderen Getreidesorten) ist keine Alternative, da ihr Nährstoffgehalt für Säuglinge völlig unzureichend ist. Die Folge können Wachstumsstörungen oder schwerwiegende Mangelerscheinungen sein.

Und wie sieht es mit industriell hergestellter Säuglingsnahrung auf Sojabasis aus?
Auch davon halten Experten nichts. Denn Säuglingsnahrung auf Basis von Sojaeiweiß enthält hohe Mengen an Isoflavonen. Diese Pflanzeninhaltsstoffe ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Hormon Estrogen. In Tierversuchen gab es Hinweise darauf, dass sich eine hohe Zufuhr von Isoflavonen auf die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane, auf das Immunsystem sowie auf die Schilddrüse auswirkt. Sojasäuglingsmilch sollte daher nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen gegeben werden. Darüber hinaus käme man – was das 3-MCPD-Problem angeht – höchstwahrscheinlich vom Regen in die Traufe, denn auch diese Säuglingsnahrung enthält raffinierte pflanzliche Öle.