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TEST NACHHALTIGE INDIZES UND INDEXFONDS : (K)EINE BESSERE WAHL


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2017 vom 28.09.2017

Einfacher, kostengünstiger, aber genauso leistungsstark wie aktiv gemanagte ÖKO-Fonds – so sollen Nachhaltigkeits-ETF sein. ÖKO-TEST hat geprüft, ob die neuen grünen Produkte wirklich halten, was sie versprechen.


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Foto: xijian/getty images

Keine Rüstungsgüter, keine Atomenergie, keine Firmen, die Probleme mit Menschen- und Arbeitsrechten sowie Umweltstandards haben oder die globale Klimaerwärmung befeuern – wer mit grünem Gewissen investieren will, kann ab sofort auch breit gestreut auf nachhaltige Indexfonds setzen. Diese börsennotierten Investmentfonds, im Fachjargon Exchange Traded Funds oder kurz ETF ...

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... genannt, haben die konventionelle Geldanlage längst revolutioniert. Denn im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds können sie auf teures Fondsmanagement und Research verzichten. ETF bilden lediglich den Börsenindex des jeweiligen Marktes nach, in den sie investieren. Dieses sogenannte passive Management macht ETF nicht nur extrem kostengünstig. Vielmehr bieten sie auch breite Risikostreuung. Obendrein gelten sie als transparent. Das macht die nachhaltige Geldanlage auf den ersten Blick deutlich einfacher und erleichtert die Auswahl der Fonds.

Keine Gentechnik: Der Verzicht auf grüne Gentechnik in der Landwirtschaft gehört zu den wichtigen Mindestkriterien bei der nachhaltigen Geldanlage. Doch nur wenige ETF beachten sie.


Foto: ranplett/getty images

ÖKO-TEST wollte daher genauer wissen, ob Nachhaltigkeits-ETF halten, was sich umweltbewusste Anleger davon versprechen. Dazu hat ÖKO-TEST 44 Indizes und ETF untersucht, darunter 38 Aktien- und sechs Renten-Indizes und -ETF. Geprüft wurde sowohl die Güte des Auswahlverfahrens beim Index als auch die praktische Umsetzung der Anlagepolitik beim Fonds.

DAS TESTERGEBNIS

Bestenfalls durchschnittliche grüne Performance. Der Blick auf die Nachhaltigkeitsperformance der grünen Indexfonds dürfte umweltbewusste Anleger ins Grübeln bringen. Denn gemessen an der Qualität aktiv gemanagter Öko-Fonds scheiden ETF deutlich schlechter ab. Mehr als eine durchschnittliche ESG-Performance ist bei den passiv gemanagten Fonds nicht drin. Das Gros der Nachhaltigkeits-ETF kommt sogar nur auf einen 4. Rang. Ein knappes Drittel landet glatt auf Rang 6. Sogar beim besten Aktien-ETF im Test, dem Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit, und den Spitzenreitern bei Renten-ETF reicht es nur für Rang drei.
Nicht besser als der Index. Der Grund für das bescheidene Abschneiden der nachhaltigen ETF ist simpel: Die passiv gemanagten Fonds kopieren nur das Muster der grünen Börsenindizes, nach deren Vorbild sie anlegen. Ein eigenes Nachhaltigkeitsresearch oder gar eine eigene Titelauswahl finden nicht statt. Besser als der Index können sie daher nicht abschneiden. Als Vorbilder dienen derzeit aber vor allem gängige marktbreite Nachhaltigkeitsindizes wie die Dow-Jones-Sustainability-Indizes oder die MSCI-Socially-Responsible-Indizes. Diese Indizes werden meist nach weichem Best-in-Class-Ansatz zusammengestellt. Ausschlusskriterien spielen entweder gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Kein Wunder daher, dass immerhin 70 Prozent der untersuchten Indizes beim Auswahlverfahren bestenfalls durchschnittlich abschneiden. Lediglich der Solactive-Eurozone-Sustainability-Index glänzt auf dem Papier mit einem sehr strengen, qualitativ hochstehenden Auswahlverfahren. Allerdings zeigt die praktische Umsetzung mit insgesamt fünf fragwürdigen Titeln erhebliche Mängel, so dass es insgesamt nur zum 3. Rang reicht.

Arbeitsbedingungen: Keine ausbeuterische Kinderarbeit, keine systematische Verletzung von Arbeits- oder Menschenrechten – wer mit grünem Gewissen investieren will, achtet auch darauf.


Foto: imago/photothek

KOMPAKT

Grüne ETF sind der neue Renner bei der nachhaltigen Geldanlage. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele jedoch als Mogelpackungen mit sauberem Etikett und schmutzigem Inhalt.

Nur winzige grüne Tupfer. Bei elf Indizes ist schon das Auswahlverfahren so mangelhaft, dass die Frage erlaubt sein muss, ob es sich hier überhaupt um echte Nachhaltigkeits-Indizes handelt. Ausgeschlossen werden nur kontroverse Waffen wie Streubomben, Landminen, Atom-, chemische und biologische Waffen. Das ist zweifelsohne ein wichtiger Aspekt. Zudem herrscht bei institutionellen Anlegern rund um den Globus mittlerweile Einigkeit, solche schmutzigen Geschäfte nicht mehr zu finanzieren. Deren Bedürfnissen kommen solche Indizes daher entgegen. Doch anderweitiges umweltschädliches Verhalten, die Verletzung der Menschenund Arbeitsrechte sowie Verstöße gegen den UN Global Compact bleiben bei den MSCI Indizes ex controversial weapons völlig außer Acht. Eine wirklich rundum nachhaltige Anlage sieht anders aus. Daher reicht es beim Auswahlverfahren nur für Rang 5.
Geringe sozial-ökologische Wirkung. Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der grünen ETF im Vergleich zu aktiv gemanagten Öko-Fonds liegt in der Fondskonstruktion. Bei passiv gemanagten Fonds findet – anders als bei der aktiv gemanagten Konkurrenz – kein Dialog mit den Unternehmen statt, in die investiert wird. Auch die Nutzung der Stimmrechte auf Hauptversammlungen, um missliebige Aktivitäten abzustellen, oder die Drohung, den Titel sonst vielleicht ganz aus dem Fonds zu entfernen, unterbleibt. Diesen Verzicht auf sogenanntes „Engagement“ hat ÖKO-TEST bei der Bewertung der ETF zwar angemessen berücksichtigt. Er fällt aber trotzdem ins Gewicht, weil sich die Schwachstellen im Auswahlverfahren vieler Indizes ohne Engagement nicht mehr ausbügeln lassen.
Indextreu oder Mogelpackung? Die meisten Fonds bilden ihren Index 1:1 nach. Das heißt, sie investieren genau in die gleichen Titel wie der Index selbst und geben den jeweiligen Aktien oder Anleihen auch das gleiche Gewicht. Bei dieser vollständigen Nachbildung des Index sind die ETF genauso hell- oder dunkelgrün wie der jeweilige Index. Sieben der untersuchten ETF bilden den Index aber synthetisch mit sogenannten Swap-Tauschgeschäften nach. Dann bekommt der Anleger letztlich nur die Wertentwicklung des jeweiligen Index geliefert. Im Fondstopf selbst muss dagegen kein einziger Titel aus dem Index enthalten sein. Im Gegenteil. Die Fonds von BNP Paribas auf den MSCI-World-ex-Controversial-Weapons-Index legen zum Beispiel gar nicht in Aktien, sondern schwerpunktmäßig in kurz laufende amerikanische Staatsanleihen an. Bisweilen kann es sogar passieren, dass im ETF-Anlagetopf ökologisch höchst fragwürdige Aktien stecken, die obendrein dem Auswahlverfahren des Index komplett widersprechen. So fanden wir unter den Top-Ten-Titeln des ETF von Lyxor auf den World-Alternative-Energy-Index sogar Aktien von BP, einem der größten Öl- und Gasunternehmen der Welt, und der Deutschen Bank, die unter anderem zu den größten Kohle-Finanzierern der Welt gehört. Ähnlich sieht es beim Lyxor-ETF auf den World-Water-Index aus. Kurz: Swap-ETF können sich als reine Mogelpackungen entpuppen. Aus diesem Grund haben wir sie im Test durchweg um einen Rang abgewertet.
Sauberes Etikett, schmutziger Inhalt. Ein sauberes Depot ist aber auch bei den Indizes selbst oft Glückssache. Allein beim Blick auf die Top-Ten-Titel, also die Schwergewichte im Index, entdeckten wir höchst fragwürdige Investments: Aktien von Unternehmen, die zu den 100 größten Luft- oder Wasserverschmutzern der Welt zählen oder auf der Liste der 100 größten Verursacher von Treibhausgaseffekten zu finden sind. Außerdem Titel von Investmentbanken, die tief in die Finanzierung kohleintensiver fossiler Brennstoffe oder gar von Streubombenherstellern involviert sind. Unterm Strich entpuppten sich daher fast 90 Prozent der untersuchten Indizes mehr oder weniger als Mogelpackung, die nicht hält, was sie verspricht.
Nicht ohne Risiko. Üblicherweise will jeder ETF seinen Anlegern möglichst die gleiche Rendite bringen, die sein Index erzielt. Einzig die internen Fondskosten schmälern den Ertrag. Als Ausgleich betreiben manche ETF Wertpapier-Leihgeschäfte. Dann sucht sich der Fonds einen Partner, der die Wertpapiere aus dem ETF für kurze Zeit ausleiht. Anschließend erhält der ETF die Wertpapiere zurück und zusätzlich die zuvor ausgehandelte Leihgebühr. Das kann die internen Fondskosten reduzieren, dem ETF bisweilen sogar einen Mehrertrag bescheren. Doch Leihgeschäfte bergen ein Risiko. Schließlich kommt ein externer Partner hinzu. Wird der zahlungsunfähig, kommt es allein auf die Güte der hinterlegten Sicherheiten an, ob Anleger wirklich die Indexrendite erhalten oder schlimmstenfalls sogar Geld verlieren.
Tatsächlich günstig: Die grünen ETF in unserem Test kosten im Schnitt nur ein Fünftel so viel wie aktiv gemanagte. Vereinzelt sind aktive gemanagte grüne Aktienfonds sogar siebenmal so teuer wie die Indexnachbilder, wie ein Vergleich mit den Testsiegern vom Vorjahr zeigt (siehe ÖKO-TEST-Magazin 10/2016). Das ist zweifelsohne ein dicker Pluspunkt für ETF.


Grüne ETF gelten als kostengünstig und transparent – die Nachhaltigkeitsperformance lässt aber zu wünschen übrig.


Manche ETF ahmen den Index nur nach. Dann können sogar zusätzliche fragwürdige Titel im Fondskorb stecken.


Anmerkungen: 1) Spezielles Positivkriterium: Sustainable Leader.2) Spezielles Positivkriterium: Green Companies, beste Bewertung im Carbon Disclosure Project.3) Indexziel: Reduktion des Carbon Footprints um ca. 50 Prozent gegenüber dem MSCI-World-Index.4) Investition ausschließlich in erneuerbare, alternative Energien.5) Investition ausschließlich in Unternehmen der Agrar-, Fortwirtschaft etc.6) Investitionen ausschließlich in Unternehmen der Wasserwirtschaft, -infrastruktur, -versorgung.7) Spezielle Positivkriterien: CO2-Emissionen, Energieeffizienz, soziale und Governancekriterien.8) Best in Class ESG Rating von MSCI.9) Investition ausschließlich in Green Bonds (nach Climate Bond Standard), deren Mittel ausschließlich für Regenerative Energie, Energieeffizienz, klimafreundlichen Transport, Wassermanagement, Abfallwirtschaft, Forstwirtschaft, Projekte zur Anpassung an Klimawandel verwendet werden.

Anmerkungen: 1) Sparplanfähig.2) Ausschluss von kontroversen Waffen wie Streubomben, Minen, Waffen mit abgereichertem Uran, chemische und biologische Waffen, keine Beteiligung an Waffen- und Komponentenherstellern zu mehr als 20 Prozent, Rendite auf Euro-Basis.3) Fonds bildet seit 1. Februar 2017 den Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate Sustainable and SRI Index ab und wurde daraufhin zu db x-trackers II ESG EUR Corporate Bond UCITS ETF (DR) umbenannt. Zuvor bildete der Teilfonds den IBOXX EUR Liquid Corporate 100 Financials Sub-Index ab.4) Sparplanfähig. ETF auf den Kursindex.5) ETF auf den Persormanceindex.
Legende: Indizes und ETF mit gleichem Gesamturteil sind nach der Note Nachhaltigkeit sortiert.
ETF, die den Index lediglich mit Tauschgeschäften abbilden, wurden beim Ranking Nachhaltigkeit um eine Note abgewertet.
Stand:
31. Juli 2017 DieTestmethoden finden Sie unter oekotest.de → Suchen → „M1710“ eingeben.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikro
filme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST RÄT

► Greifen Sie nur zu ETF, wenn die Auswahlkriterien des Index Ihren Vorstellungen entsprechen. Ansonsten sind erstklassige aktiv gemanagte ÖKO-Fonds im Zweifel die bessere Wahl.
► Bevorzugen Sie ETF, die den Index vollständig nachbilden. So meiden Sie Risiken, die durch Swap-Tauschgeschäfte entstehen.
► Setzen Sie nicht nur auf grüne Aktien-ETF. Denn hier gleicht kein Fondsmanager etwaige Marktschwankungen aus. Federn Sie das Verlustrisiko durch Beimischung von Renten-ETF ab.

GLOSSAR

ETF = Exchange Traded Funds
Bei ETF handelt es sich um börsennotierte Investmentfonds, die den Börsenindex eines Aktien- oder Rentenmarktes abbilden. Sie investieren wie klassische Fonds in einen Korb von Wertpapieren, beispielsweise Aktien oder Anleihen. Da sie nur den Index nachbilden, benötigen sie jedoch kein herkömmliches Fondsmanagement und kein Research. Diese sogenannte passive Anlagestrategie spart einerseits Kosten. Andererseits verdienen Anleger immer genauso viel, wie der jeweilige Markt abwirft, in den sie investieren. Das verspricht langfristig den besten Ertrag. Denn selbst der beste Fondsmanager schafft es nicht, den Markt wirklich dauerhaft zu schlagen.

Indexnachbildung
In der Praxis gibt es für ETF drei Möglichkeiten, um den Index nachzubilden, in den sie investieren. Bei der sogenanntenphysischen Nachbildung, im Fachjargon auchphysische Replikation genannt, investiert der ETF entweder 1:1 genau in die gleichen Werte, die auch im Index enthalten sind. Das wird im Fachjargonvollständige Nachbildung odervollständige Replikation genannt. Ist der Index sehr groß, kann es dagegen schon aus Kostengründen sinnvoll sein, den Index nur mit jenen Werten nachzubilden, die für seine Wertentwicklung maßgeblich sind. Diese Variante der physischen Nachbildung wird alsSampling bezeichnet. Wird die Titelauswahl mit Computerhilfe unter Nutzung quantitativer Analysemodelle getroffen, spricht man auch von einemoptimized sampling oder Nachbildung mit den wichtigsten Mustertiteln.
Bei der sogenanntensynthetischen oderindirekten Replikation erfolgt die Indexnachbildung dagegen über Tauschgeschäfte (Swaps ). Dabei schließt der ETF einen Vertrag mit einem Finanzinstitut ab, meist dem Mutterkonzern des ETF-Anbieters, das sich dazu verpflichtet, dem ETF im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu „liefern“. Als Sicherheit wird dafür ein Wertpapierkorb hinterlegt. Der kann aber vollkommen andere Werte enthalten als der Index. Anders als es der Name verspricht, investieren Anleger bei Swap-ETF daher oft gar nicht in die Indextitel. Sie bekommen letztlich nur dessen Wertentwicklung geliefert. Zudem birgt das Tauschgeschäft Verlustrisiken.

SRI
SRI steht für „Socially Responsible Investment“, also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen. Dies ist ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Anlagekonzepte. Darunter fallen einerseits nachhaltige Geldanlagen, die strenge ökologische, soziale und ethische Kriterien überprüfen, aber auch Investments, bei denen nur einzelne umstrittene Branchen wie die Rüstungsindustrie oder fossile Energieträger (Carbon Free) ausgeschlossen sind. Im Englischen wird der Begriff SRI inhaltlich bisweilen auch auf „Sustainable and Responsible Investment“, also „nachhaltiges und verantwortliches Investieren“ erweitert.

ESG
ESG ist der Oberbegriff für alle Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) einbeziehen. Dabei gibt es diverse Auswahlverfahren. Beim Best-in-Class-Ansatz werden lediglich Unternehmen herausgefiltert, die bezüglich der ESG-Kriterien im Vergleich zu den Konkurrenten ihrer Branche besonders führend sind. Beim Best-of-Class-Verfahren werden besonders umweltbelastende Branchen dagegen von vornherein ausgeschlossen oder es werden höhere Anforderungen an Titel aus diesen Branchen gestellt. Bei der Auswahl nach Negativkriterien werden Titel ausgeschlossen, weil sie einzelne oder mehrere ESG-Kriterien nicht erfüllen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen. Bei Positivkriterien werden dagegen Titel von Unternehmen ausgewählt oder bevorzugt, die in besonders umweltfreundlichen oder sozialverantwortlichen Geschäftsfeldern tätig sind.

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Die detaillierten Testergebnisse finden Sie unter oekotest.de → Suchen → „M1710“ eingeben. Dort finden Sie auch eine Liste der fragwürdigen Titel in den Fonds.

DIE MINDESTKRITERIEN

Wenn Anleger nach einer grünen Geldanlage suchen, wollen sie zugleich die Gewissheit haben, dass sie mit ihrem Geld keine fragwürdigen Geschäfte finanzieren. ÖKO-TEST hat daher folgende Mindest-Ausschlusskriterien definiert.

Ausgeschlossen sind bei Aktienfonds
► Waffen und Rüstung: Geächtete Waffen, wie Streubomben und Landminen. (0 Prozent vom Umsatzanteil); konventionelle Waffen/ Rüstung (Umsatzanteil max. 5 Prozent).
► Atomenergie: Produktion von Atomenergie, Kernkomponenten für Atomkraftwerke (max. 5 Prozent Umsatzanteil)
► Gentechnik: Gentechnisch verändertes Saatgut oder Tiere (grüne Gentechnik: 0 Prozent Umsatzanteil)
► Verletzung der zehn Prinzipien des Global Compact, insbesondere systematische Verletzung von Menschenrechten; systematische Verletzungen von Arbeitsrechten (massive Verletzung der vier grundlegenden Prinzipien der ILO-Deklaration)
► Ausbeuterische Kinderarbeit
► Umweltschädliches Verhalten, massive Umweltzerstörung
► Korruption und Bestechung
► Verstöße gegen Gesetze, wie Umweltrecht, Bilanzbetrug,

Bei Rentenfonds sind nicht zulässig
► Atomenergie: Ausschluss von Ländern, deren Anteil am Atomstrom mindestens 10 Prozent des Primärenergieverbrauchs beträgt und die keinen Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen haben
► Ausbeuterische Kinderarbeit
► Systematische Verletzung von Menschenrechten
► Systematische Verletzungen von Arbeitsrechten (massive Verletzung der vier grundlegenden
Prinzipien der ILO-Deklaration) ► Korruption und Bestechung
► Verstöße gegen Atomwaffensperrvertrag
► Nicht-Ratifizierung des Kyoto-Protokolls
► Verstöße gegen das Bio-Diversitätsabkommen bzw. keine Ratifizierung der UNKonvention zur biologischen Vielfalt
► Unfreie Staaten (gemäß Freedom House Ranking).