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TEST: Natürlich sauber


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ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 10.06.2021

TEST Flüssigseifen

Artikelbild für den Artikel "TEST: Natürlich sauber" aus der Ausgabe 6/2021 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1 Milde Tenside und keine schädlichen Konservierungsmittel oder Duftstoffe: Alle 14 Seifen mit Naturkosmetikzertifikat und fünf konventionelle Produkte sind „sehr gut“. 

Hände am besten mit kaltem Wasser waschen. In Verbindung mit Tensiden löst das Schmutz und Mikroorganismen ausreichend und schont den Hautschutzmantel. 

3 Wenn schon Flüssigseife, dann gern auch Nachfüllbeutel nutzen. Die sparen Plastik, sind besser recycelbar und kosten weniger.

Leer gefegte Seifenregale: Viele werden sich noch an diese Bilder vom Frühjahr 2020 erinnern. Mit Beginn der Coronapandemie explodierten die Seifenverkäufe. Die Hersteller kamen überhaupt nicht mehr nach mit dem Produzieren, und Verbraucherinnen und Verbraucher nahmen, was sie kriegen konnten: Hauptsache, Seife. Inzwischen sind die Regale wieder gefüllt, das Händewaschen aber ist geblieben. Fragt sich: Ist die eine Seife besser ...

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... als die andere, um damit x-mal am Tag die Hände einzuschäumen? Wir wollten es wissen und haben 52 Flüssigseifen getestet.

Ausreißer nach unten 

Unsere Antwort: Seife ist nicht gleich Seife – es gibt deutliche Unterschiede. Oben in der Tabelle finden sich in dunkelgrün 19 „sehr gute“ Seifen, darunter alle 14 Produkte mit Naturkosmetiksiegel. Am unteren Ende fallen allerdings auch vier Seifen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. In unserem vorigen Seifentest war keine Seife schlechter als „befriedigend“. Im aktuellen Test häufen die Rezepturen etliche Problemstoffe an – darunter den Konservierungsstoff Chlormethylisothiazolinon (CIT), der zu den halogenorganischen Verbindungen gehört und als starkes Allergen gilt. In Kosmetika, die auf der Haut verbleiben und nicht wieder abgewaschen werden, dürfen die Hersteller dieses Konservierungsmittel gar nicht mehr einsetzen. In Produkten, die zum Abspülen gedacht sind, ist die Menge gesetzlich immerhin stark reglementiert.

Umstrittene Duftstoffe 

Für Notenabzüge sorgen auch die Duftstoffe: Eine Flüssigseife enthält den synthetisch hergestellten Moschusduft Galaxolid. Er reichert sich im Gewebe von Menschen an und gefährdet Gewässer. Drei Seifen sind mit dem Duftstoff Lilial parfümiert. Die EU hat den Duftstoff im Mai 2020 offiziell als Gefahrstoff der Kategorie 1B eingestuft. Laut Einstufung kann er die Fruchtbarkeit beinträchtigen und steht im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen. Deshalb steuert Lilial derzeit auf ein Verbot in Kosmetik ab 2022 zu.

Punktabzug gab es überdies für jene beiden Produkte, die auf ihren Flaschen eine antibakterielle Wirkung versprechen: Der Zusatznutzen solcher Produkte ist keineswegs sicher erwiesen (siehe Seite 108).

Milde Tenside 

Flüssigseifen enthalten hauptsächlich Wasser und waschaktive Substanzen – sogenannte Tenside. Tenside entfernen jedoch nicht nur den Schmutz von der Haut, sie lösen auch hauteigene Fette aus der Hautschutzbarriere. Verbindungen aus der Gruppe der PEG/PEG-Derivate gehen dabei besonders hartnäckig zu Werke. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Immerhin 33 Seifen im Test enthalten PEG/PEG-Derivate, allen voran das Tensid Sodium Laureth Sulfate. Als kostengünstiger Rohstoff steckt es als Haupttensid in vielen der preiswerten Seifen. Aber auch die Handseife der teuren Lifestylemarke Rituals enthält den Stoff. Sehr viel milder reinigen Zuckertenside, etwa Coco-Glucoside, die in zahlreichen „sehr guten“ Seifen stecken. Wenige Produkte im Test, darunter die Marken Sodasan und Sonett, reinigen mit „echten“ Seifentensiden. Diese entstehen im traditionellen Siedeprozess aus Ölen und Fetten.

WISSEN

Seife aus dem Spender

Hygienischer? 

Feste Seifenstücke sind ökologischer als Flüssigseifen – doch sind sie ausreichend hygienisch? Ja, für den Einsatz zu Hause schon. Denn Studien zeigen, dass sich auf den festen Stücken zwar mehr Bakterien tummeln, dass diese beim Händewaschen aber nicht auf die Haut übertragen werden.

Nachfüllen! 

Nachfüllbeutel sparen Verpackungsmüll. Sie bestehen zwar auch aus Kunststoff, doch das Umweltbundesamt rechnet vor: Ein 400-Milliliter-Nachfüllbeutel braucht 63 Prozent weniger Plastik als ein 500-Milliliter- Flüssigseifenspender. Zudem sind Beutel besser recycelbar, da sie aus weniger verschiedenen Materialien bestehen. Allein die Pumpe bei einem Seifenspender ist eine komplexe Konstruktion von über zehn verschiedenen Teilen. Viel zu schade, um sie nach einmaligen Gebrauch in die Tonne zu werfen. Und Nachfüllen schont auch den Geldbeutel. Ein Beispiel: Die 300-Milliliter-Flasche der Natürlich Handwaschseife by Evita kostet 2,99 Euro, der Nachfüllbeutel mit 600 Milliliter nur 1,99 Euro.

„Die ,sehr guten‘ Seifen kosten im Durchschnitt mehr. Denn mildere Tenside haben ihren Preis.“

INFO

Was bringen antibakterielle Seifen?

Antibakterielle Seifen wirken im Alltag im Allgemeinen nicht besser gegen Keime als herkömmliche Seifen. Unseres Wissens nach gibt es bisher keine Studie, die das Gegenteil beweist. Vielmehr stehen viele antibakteriell wirkende Substanzen wegen ihrer Risiken in der Kritik, und die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA verbot 2016 rund 20 antibakterielle Wirkstoffe. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung vertritt die Ansicht: Normale Hygienemaßnahmen wie häufiges und richtiges Händewaschen mit Seife schützen im Alltag ausreichend vor Schmierinfektionen, auch vor Viren wie SARS-CoV-2. Die beiden als antibakteriell ausgelobten Seifen in unserem Test wirken laut Hersteller durch den Inhaltsstoff Salicylsäure. Keiner der beiden hat uns jedoch die Effizienz dieses Wirkstoffs durch eine produktbezogene Studie überzeugend nachgewiesen.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128. 

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Anbieter hat keine vollständige, überzeugende Wirksamkeitsstudie zur antibakteriellen Wirkung für das Produkt vorgelegt. 2) Weiterer Mangel: nicht erkennbarer hygienischer Vorteil für den Verbraucher durch ein Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung. 3) Der deklarationspflichtige Duftstoff Citronellol ist deklariert, wurde im Labor aber nicht nachgewiesen. 4) Citronellol und Eugenol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 5) Laut Anbieter ist das Produkt nur über den I+M-Webshop erhältlich. 6) Laut Anbieter ist ein Nachfüllbeutel mit 600 ml seit November 2020 auf dem Markt. 7) Enthält den bedenklichen UV-Filter Benzophenone-1. Laut Anbieter wird das Produkt ab Mitte 2021 frei von Lilial und Diethylphthalat sein. Ebenfalls solle Benzophenone-1 aus der Rezeptur entfernt werden.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. 

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Chlormethylisothiazolinon (CIT) oder andere halogenorganische Verbindungen; b) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); c) bedenkliche UV-Filter (hier: Benzophenone-1); d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB; in der Tabelle: künstlicher Moschusduft). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) PEG/ PEG-Derivate; c) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylate Copolymer, Polyquaternium-7, Styrene/Acrylate Copolymer); b) bei einem Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung keine vollständige, überzeugende Wirksamkeitsstudie zur antibakteriellen Wirkung für das Produkt vorgelegt; c) bei einem Produkt mit ausgelobter antibakterieller Wirkung ein nicht erkennbarer hygienischer Vorteil für den Verbraucher. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte – außer bestimmte antibakterielle Wirkungsversprechen durch entsprechende Studien – nicht überprüft haben.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/N2106

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 1/2021. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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