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TEST: Natur statt Plastik


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ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 10.06.2021

TEST Gesichtspeelings

Artikelbild für den Artikel "TEST: Natur statt Plastik" aus der Ausgabe 6/2021 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1 Rubbelsubstanzen aus Kunststoff werden kaum noch in Peelings eingesetzt. Frei von Kunststoffen sind die Produkte dennoch nicht. Wer ohne synthetische Polymere peelen möchte, achtet am besten auf unser Testurteil. „Sehr gut“ heißt: plastikfrei. 

Körperpeelings besser nicht im Gesicht anwenden: Die Partikel könnten zu scharfkantig und grob für die feine Haut im Gesicht sein. 

3 Keine Lust auf zu viele Produkte im Bad? Ein-, zweimal die Woche einfach ein bisschen Kaffeesatz unter die Reinigungslotion mischen, fertig.

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Kosmetikindustrie zur Reduzierung von Mikroplastik zeigt Wirkung (siehe Seite 86). Statt Polyethylen, Nylon oder Polyamid enthalten die meisten Gesichtspeelings inzwischen Schleifkörnchen aus Mineralien und Pflanzenbestandteilen. Und das ist auch gut so.

Aber was steckt sonst noch so drin in den peelenden Gels und ...

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... Lotionen fürs Gesicht? Wir haben 24 Gesichtspeelings eingekauft, darunter fünf Naturkosmetikprodukte und vier, die sich vor allem an die männliche Kundschaft richten.

Die Testergebnisse 

12 von 24 Peelings schneiden „sehr gut“ ab: fünf Naturkosmetikprodukte sowie sieben konventionell hergestellte Peelings. Die Schleifpartikelchen in Peelings waren in der Vergangenheit ins Gerede gekommen – als winzig kleine Kügelchen aus hartem Kunststoff, die wenige Sekunden im Gesicht verbringen und dann eine halbe Ewigkeit in den Meeren. Inzwischen sind die Peelings umweltfreundlicher geworden. Am häufigsten setzen die Hersteller mittlerweile gehärtetes Jojobaöl – auch schick „Jojobaperlen“ genannt –, Kieselsäure und Zellulosepulver ein. Auch gemahlene Aprikosenkerne oder Sand dienen als Rubbelteilchen. Was Schleifpartikel angeht, sind die Unternehmen erfinderisch geworden (siehe Kasten „Plastikfrei peelen“).

Mikroplastik: eine Frage der Definition 

Ganz plastikfrei sind die getesteten Peelings jedoch nicht. Mehr als die Hälfte der konventionellen Peelings enthält flüssige Kunststoffverbindungen. Denn die Branche will unter „Mikroplastik“ nur die festen Kunststoffteilchen verstehen. Dabei landen die flüssigen Kunststoffe, also synthetische Polymere wie Silikone und Acrylate, auch im Abwasser. Nicht alles können die Kläranlagen herausfiltern. Ein Teil landet im Klärschlamm und so teilweise als organischer Dünger direkt auf den Feldern.

WISSEN

Plastikfrei peelen

Ein Peeling mit feinen Sandkörnern ist der Klassiker. Sand und seine Verwandten, etwa Kieselsäure und Glimmer, finden sich in der Liste der deklarierten Inhaltsstoffe unter Begriffen wie „Silica“, „Quartz“ und „Mica“. Mineralischen Ursprungs ist auch „Pumice“, also fein gemahlener Bimsstein, und Aluminiumoxid („Alumina“).

Hinter „Hydrogenated Jojoba Oil“ verbirgt sich das Wachs der Jojobapflanze, „Hydrogenated Castor Oil“ heißt „gehärtetes Rizinusöl“. Fein gemahlen kommen Bambus („Bambusa Arundinacea Stem Powder“), Aprikosenkerne („Prunus Armeniaca Seed Powder“) und Mandelschalen („Prunus Amygdalus Dulcis Shell Powder“) zum Einsatz. Aus Holz wird Zellulosepulver („Microcrystalline Cellulose“) oder „Charcoal Powder“, also Holzkohle – sehr feiner Kohlenstoff, der nicht nur mechanisch arbeitet, sondern durch seinen adsorbierenden Charakter Schmutz und Ablagerungen an sich bindet. Auch chemisch peelende Substanzen werden in Peelings eingesetzt: Salicyl- und Glycolsäure („Salicylic / Glycolic Acid“) etwa. Diese lösen den Zellkitt der Hornschicht und sorgen so dafür, dass sich Hautschüppchen lösen und Poren öffnen. Allerdings sind sie häufig so zurückhaltend dosiert, dass sie vor allem antibakteriell und konservierend wirken.

Auch Bio-Kunststoff ist Kunststoff 

Der Anbieter Müller-Drogeriemarkt wirbt auf seinem CV Cadea Vera Hydro Hautverfeinerndes Peeling Gel mit einem „Ohne Mikroplastik“-Siegel. Die Peelingkörper bestehen aus Polymilchsäure (Polylactic Acid), kurz PLA. Hört sich zunächst einmal gut an: Schleifpartikel aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr. Doch egal, woraus das Polymer im Labor zusammengebaut wird: PLA ist ein Kunststoff – ein Polyester, dessen Abbaubarkeit stark von der Umgebungstemperatur abhängig ist. In einer Kompostieranlage kein Problem. Aber gelangt es ins Wasser, gleich ob Süß-oder Salzwasser, so zeigte sich in Untersuchungen kaum ein Abbau. Das Umweltbundesamt stuft PLA zweifelsfrei als Mikroplastik ein. Was ist da passiert?

Auf der Verpackung finden Verbraucher einen Verweis auf die Website mueller.de/ mikroplastik. Dort erläutert Müller, dass das Unternehmen sich am Einkaufsratgeber Mikroplastik und andere Kunststoffe in Kosmetika der Umweltschutzorganisation BUND orientiert. Eine Liste, auf der PLA fehlt – noch. „Der BUND-Einkaufsratgeber wird in Zukunft in den ToxFox übergehen und im Rahmen dessen werden wir auch PLA aufnehmen“, sagt Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND-Meeresschutzbüros.

Insgesamt bemängeln wir kaum problematische Inhaltsstoffe. Störend finden wir, dass viele Hersteller weiterhin PEG/ PEG-Derivate verwenden, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Nano 

Eine wirklich winzig kleine Angelegenheit zum Schluss: Das Bioré Peeling Rosenquarz + Aktivkohle enthält Titandioxidpartikel im Nanogrößenbereich – mehr als 70 Prozent hat das von uns beauftragte Labor gemessen. Die EU empfiehlt in diesem Fall – also wenn die enthaltenen Teilchen zu mehr als 50 Prozent im Bereich von 1 bis 100 Nanometer liegen – einen „Nano“-Hinweis auf der Zutatenliste. Hätten wir auch sinnvoll gefunden, deshalb werten wir hier, weil noch nicht alle Risiken durch Nanopartikel geklärt sind, unter Weitere Mängel ab.

PLA in Naturkosmetik: Wie bio ist der Bio-Kunststoff?

Bio-Polyester: So was gibt es tatsächlich. Polymilchsäure, kurz PLA, wird aus Milchsäure hergestellt. Und diese kann nicht nur aus Erdöl, sondern unter anderem auch aus Maisstärke gewonnen werden. So entsteht Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen – und genau das ist der Grund, weshalb BDIH, Ecocert und Natrue Polymilchsäure in zertifizierter Naturkosmetik erlauben. Wo Cosmos draufsteht, Ecocert oder Natrue, kann also auch Bio-Polyester drin sein. Wobei uns Natrue mitgeteilt hat: „Die meisten Unternehmen, die sich für das Natrue-Siegel entschieden haben, verzichten bewusst auf die Verwendung von PLA.“ Wie schwer sich der Bio-Kunststoff abbaut, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die Experten, die hinter dem Neuform-Label für Naturkosmetik stehen, lehnen Polymilchsäure ab – weil es sich um ein synthetisch hergestelltes Polymer handele und die biologische Abbaubarkeit ein Problem sei.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128. 

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 3) Laut Anbieter ist die Rezeptur seit Mai überarbeitet, erkennbar an der neuen GTIN 4311501702406. 4) Laut Anbieter sind seit April 2021 Rezeptur und Verpackung verändert, erkennbar an dem neuen EAN-Code 402145 7639588. 5) Laut Anbieter ist das Produkt seit Mai überarbeitet, erkennbar an der neuen GTIN 4316268637923. 6) Laut Anbieter ist ab Juli 2021 eine Rezepturänderung ohne synthetische Polymere geplant. Die neue GTIN laute dann 4058172879609.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note: PEG/PEG-Derivate.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer-4, Polylactic Acid, Polyquaternium-4, Polyquaternium-39, Sodium Acrylates/C10–30 Alkyl Acrylate Crosspolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/N2106

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2020 und ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik für 2021. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.