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TEST Nüsse und Ölsaaten Knackig


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 29.08.2014

Harte Schale, utter Kern: Wer regelmäßig Nüsse knabbert, tut etwas für seine Gesundheit. In unserem Test waren viele Produkte in Ordnung. Leider fanden die Labore aber auch allerlei Unerfreuliches.


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Foto: imago/blickwinkel

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung findet Nüsse so wichtig, dass sie im Rahmen der „5 am Tag“ Kampagne empfiehlt, eine Portion Obst durch eine Portion Nüsse zu ersetzen, täglich sollen es aber nicht mehr als 25 Gramm sein. Vor allem die darin enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirken sich positiv aus – sie senken das Risiko für koronare Herzerkrankungen, wie Studien ...

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... belegen.

Dennoch sind Nüsse in den vergangenen Jahren immer wieder in die Negativschlagzeilen gekommen. Vor allem deshalb, weil sich darauf gerne Schimmelpilzgifte, sogenannte Aflatoxine, tummeln. Sie gelten als krebserregend und können Nieren und Leber schädigen. Zudem reagieren einige Menschen auf Nüsse allergisch und müssen Lebensmittel, die die entsprechenden Nüsse enthalten, meiden.

Und noch einen Grund gibt es, warum Nüsse insbesondere bei figurbewussten Menschen nicht eben hoch im Kurs stehen: Sie sind recht kalorienreich: 100 Gramm enthalten bis zu 700 Kilokalorien. Zum Vergleich: In 100 Gramm Pralinen stecken „nur“ etwa 400 kcal. Deshalb sollte man Nüsse auch nur in kleinen Portionen genießen.

Übrigens dürfen aus botanischer Sicht streng genommen nur Hasel- und Walnüsse als echte Nüsse bezeichnet werden. Mandeln zählen zu den Steinfrüchten, die Paranuss ist eine Kapselund die Erdnuss eine Hülsenfrucht. Cashews gibt es – im Gegensatz zu den anderen Nüssen – ausschließlich geschält zu kaufen. Grund dafür: Die Schale enthält ein giftiges Öl.


Nüsse gelten als so gesund, dass sie eine Portion Obst am Tag ersetzen können


Nüsse werden sowohl in konventioneller als auch in ökologischer Landwirtschaft angebaut. Bio-Nüsse stammen häufig aus kleinbäuerlichen oder genossenschaftlichen Projekten, zum Beispiel in der Türkei. Im Unterschied zu konventionell erzeugter Ware ist bei Bio-Nüssen neben dem Einsatz von Pestiziden auch die Begasung mit Phosphorwasserstoffen – etwa Phosphin – verboten. Bio-Verarbeiter schützen die Nüsse während der Lagerung häufig durch die sogenannte Druckentwesung. Sie wird mit Kohlendioxid durchgeführt und ist technisch sehr aufwendig. Zudem ist im Bio-Anbau das Bleichen der Schalen mit Schwefel nicht erlaubt. Dieses Verfahren wird eingesetzt, weil das in der äußeren Nussschale enthaltene Tannin die Schalen unansehnlich dunkel färbt. Deshalb haben zum Beispiel Bio-Walnüsse oft eine fleckige Schale, was aber die Qualität nicht beeinträchtigt.

Foto: Dionisvera/©Shutterstock

Die Organisation Fairtrade engagiert sich dafür, dass auch im Nussanbau bestimmte Mindeststandards eingehalten werden. Weitere Maßnahmen betreffen den Arbeitsschutz. So werden Schulungen durchgeführt, wie etwa mit den giftigen Ölen in den Schalen der Cashewkerne umzugehen ist.

Wir haben verschiedene Nussproben – Pinien-, Sonnenblumen- und Cashewkerne, Mandeln, Hasel- und Walnüsse – in konventionellen und Bil-ueschäften gekauft und von unseren Laboren untersuchen lassen, ob wichtige Qualitätsmerkmale stimmen. Vor allem wollten wir natürlich wissen, ob Nüsse ihren Ruf als gesunde Lebensmittel wirklich verdienen.

Das Testergebnis

Das hat Biss: Für Nuss- und Kerl-ureunde gibt es gute Nachrichten. In fast allen Produktsparten gibt es „sehr gute“ Urteile von uns. Allein unter den Sonnenblumenkernen und den Pinienkernen schafft es kein Produkt auf das Siegertreppchen, sie sind bestenfalls „befriedigend“. Die Mandeln von Alnatura und die Pinienkerne von Aldi Süd schließen mit „mangelhaft“ ab.
Cadmium – ein Problem oder kein Problem? Nüsse, zum Beispiel Mandeln, Hasel- und Walnüsse, zählen lebensmittelrechtlich zum Schalenobst. In solchem Schalenobst darf per Gesetz nur eine bestimmte Menge Cadmium enthalten sein, denn Cadmium kann Nierenschäden verursachen. Vor acht Jahren, 2006, führte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Untersuchungen an Pinienkernen durch, die bestätigten, dass Pinienkerne besonderes viel Cadmium enthalten. Alle untersuchten Proben lagen damals sogar über dem Höchstwert von 0,05 mg/kg. Im gleichen Jahr wurden dann die Pinienkerne ausdrücklich aus der Verordnung der Höchstgehalte herausgenommen. Ein gesetzlicher Grenzwert für Cadmium in Pinienkernen existiert also nicht mehr.

Begründet wurde dieser Schritt mit der Berechnung des Risikos, das Verbraucher eingehen, wenn sie mit Cadmium belastete Pinienkerne verzehren. Die Menge sei einfach zu gering, so rechnete das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor. In diese Berechnung floss unter anderem ein Wert ein, der als „duldbare wöchentliche Aufnahmemenge“ bezeichnet wird, „die ein Leben lang ohne gesundheitliches Risiko aufgenommen werden kann“. Sie lag 2006 für einen 60 kg schweren Erwachsenen bei 0,42 mg. Nur drei Jahre später, 2009, befand die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass der 60 kg schwere Erwachsene ein Leben lang nur noch 0,15 mg Cadmium pro Woche aufnehmen sollte, um kein gesundheitliches Risiko einzugehen. Die Gefahr, die von Cadmium in Lebensmitteln ausgeht, wurde also als größer eingestuft als früher. Trotzdem gibt es weiterhin für Pinienkerne keine Höchstmengenregelung. Sie fehlt auch für Sonnenblumenkerne.

Auch sie enthalten vergleichsweise viel Cadmium, darauf machte das Bayerische Landesamt bereits im oben erwähnten Untersuchungsbericht aufmerksam. Doch die Sonnenblumenkerne zählen zu den Ölsaaten – und für die gibt es grundsätzlich keine Höchstmengenregelung für Cadmium. Was verwunderlich ist, schließlich hat das BfR 2006 den Konsum von Pinien- mit Sonnenblumenkernen verglichen und kam zu dem Schluss: „Die Verzehrsmengen (von Pinienkernen) liegen deutlich unter denen von Sonnenblumenkernen, da Pinienkerne nicht wie Sonnenblumenkerne als Zutat von Grundnahrungsmitteln wie beispielsweise Brot verwendet werden.“

Foto: matin/©Shutterstock

Nach derzeitigem Wissensstand stellt nun aber auch der Verzehr von belasteten Sonnenblumenkernen allein kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher dar – selbst wenn er überdurchschnittlich viel davon zu sich nimmt. Dafür bleiben die Mengen zu gering. Doch die fehlende Höchstmengenregulierung hat einen ganz entscheidenden Nachteil: Es fehlt an Motivation, sich um die Ursache der Cadmiumbelastung zu kümmern. Hierzu zählen unter anderem Düngemittel. Denn mineralischer Dünger enthält Phosphatsalze und Phosphate binden sich gerne an Cadmium. So gelangt das Schwermetall über die Böden in die Pflanze und schließlich auf unsere Teller.

Dass in unserem Test auch Bio-Produkte Cadmium enthalten, zeigt, wie weitverbreitet das Schwermetall vorkommt – denn Pflanzen in kontrolliert biologischem Anbau werden nicht mit mineralischem Dünger versorgt. Doch selbst Kompost kann Cadmium enthalten – wenn belastetes Pflanzenmaterial in den Kreislauf gelangt. Da Cadmium nicht nur in Nüssen und Ölsaaten vorkommt, sondern auch in Getreide oder Gemüse, werten wir Produkte ab, die die Menge von 0,05 Milligramm Cadmium pro Kilogramm übersteigen – das betrifft alle Sonnenblumenkerne im Test sowie die Real Quality Pinienkerne, naturbelassen.

Nussvielfalt: In unserem Test fielen vor allem Sonnenblumenund Pinienkerne negativ auf.


Foto: yangchao/iStock/©Thinkstock

Ursachen unklar: Weichmacher und Mineralöl. In den Dennree Cashewkernen wies das von uns beauftragte Labor so viel von dem Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) nach, dass wir abwerten. In sechs anderen Produkten führte der Gehalt an Kohlenwasserstoffen zur Abwertung. Diese Stoffe können zum Beispiel aus Mineralöl stammen, das in Druckfarben eingesetzt wird. Gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) können im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen. Unter den aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH) können sich Sub stanzen befinden, die schon in geringsten Mengen Krebs hervorrufen können. Woher die Weichmacher und die Kohlenwasserstoffe stammen, ist nicht unbedingt nachzuvollziehen – die Verpackung muss hier gar nicht die Quelle des Übels sein. Die Verunreinigungen können auch durch Lagerung oder Produktion entstanden sein. Das macht es für die Hersteller schwer, sie zu vermeiden. Der Nachweis von Kohlenwasserstoffen in plastikverpackten Lebensmitteln kann neben Mineralöl auch Kunststoff als Quelle haben. Über diese Art von gesättigten Kohlenwasserstoffen – die sogenannte POSH-Fraktion – ist noch wenig bekannt. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes behandeln wir die Stoffgruppe in unserer Bewertung daher wie MOSH.
Ursache klar: Mit Posphin wird begast. In zwei Produkten wies das beauftragte Labor das Begasungsmittel Phosphin nach, nämlich in den Seeberger und den Mary land Sonnenblumenkernen, beide stammen aus Argentinien. Die Firma Seeberger schreibt uns dazu: „Der Phosphingehalt liegt deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Höchstwert von 0,1 mg/kg“. Das stimmt, doch wir werten schon Gehalte ab, die mehr als zehn Prozent des Höchstwertes überschreiten.

So reagierten die Hersteller

Alnatura schickte uns ein Gegengutachten zu, in dem Mineralöl lediglich in Spuren und MOAH gar nicht nachgewiesen wurde. Die Firma kommentiert: „Mineralölbestandteile sind mittlerweile ubiquitär in der Umwelt vorhanden. Um eine Kontamination zu vermeiden, setzen wir für die Verpackung mineralölfreie Druckfarben ein sowie Folien mit Barriere gegenüber Mineralölbestandteilen, weil solche aufgrund des Recyclinganteils im Umkarton vorhanden sein können. Wir werden weiter umfassend prüfen, wie man auch diese unbeabsichtigten Einträge noch sicherer verhindern kann.“
Norma: Der Discounter nahm die von uns untersuchte Charge der Ardilla Kalifornische Walnusskerne (MHD 31.01.2015, Charge 131110) aus dem Verkauf. Wir hatten in ihnen Weichmachergehalte nachgewiesen, die aber noch nicht zur Abwertung führten.
Dennree: „Um unserer Verantwortung als Inverkehrbringer gerecht zu werden haben wir auf Grundlage der von Ihnen übermittelten Laborergebnisse umgehend eine Bewertung durch ein unabhängiges Sachverständigenbüro beauftragt. Diese kommt zu dem Schluss, dass den Cashewkernen aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Weichmacherfunde auf Grundlage der durchgeführten toxikologischen Gesundheitsgefährdung die Verkehrsfähigkeit nicht abgesprochen werden kann. Auch wenn wir uns nicht auf diese Minimalposition zurückziehen möchten, sehen wir dieses Gutachten als relativierenden Aspekt unter Berücksichtigung Ihrer bisherigen Analysen.“

ÖKO-TEST rät

• Nüsse und Ölsaaten müssen nicht aufwendig aus Übersee hierher transportiert werden. Vor allem Mandeln und Haselnüsse gibt es auch als europäische Ware. Walnüsse sind von Oktober bis März aus Frankreich erhältlich.
• Fair und Bio ist eine gute Kombination: Gepa beispielsweise bezieht die „sehr guten“ Cashewkerne von einer honduranischen Frauenkooperative. Die Frauen haben dadurch nicht nur ein eigenes Einkommen, sondern bekommen laut Gepa unter anderem auch technische Unterstützung beim Anbau. Mit einem solchen Kauf tun Sie Gutes für Mensch und Umwelt.

So haben wir getestet

So haben wir getestet

Der Einkauf
Je vier Produkte Wal- und Haselnüsse, Cashew-, Pinien- sowie Sonnenblumenkerne und Mandeln standen auf dem Einkaufszettel. Dabei steuerten wir Bil-uäden genauso an wie Supermarkt- und Discounterketten.

Für Gemüse und Früchte gilt bei Cadmium die Höchstmenge von 0,05 mg/ kg. Pinienkerne wurden 2006 jedoch komplett herausgenommen.


Die Inhaltsstoff e
Nüsse sind häufi g mit Schimmelpilzgiften, sogenannten Afl atoxinen, belastet. Selbstverständlich stand dies genauso auf unserem Prüfplan wie die Belastung mit krank machenden Keimen wie zum Beispiel Salmonellen. In fettreichen Lebensmitteln lagern sich gerne Schadstoff e wie Phthalatweichmacher an, außerdem sind Ölsaaten dafür bekannt, dass sie das giftige Schwermetall Cadmium anreichern. Um Schädlinge in Liefercontainern abzutöten, wird unter Umständen das Begasungsmittel Phosphin verwendet. Wir haben daher alle Proben auf diese Problemstoff e untersuchen lassen. War die Sensorik, die wir in einem Labor professionell durchführen ließen, auff ällig, rundeten chemische Untersuchungen auf Frischeparameter wie zum Beispiel die Säurezahl, die Peroxidzahl oder Hexanal das Untersuchungsspektrum ab.

Die Bewertung
Bei der Bewertung orientieren wir uns an bestehenden Richtlinien oder Grenzwerten. Fehlen diese aber oder gehen sie uns unter dem Aspekt der Vorsorge nicht weit genug, sind wir häufi g auch viel strenger als es der Gesetzgeber vorsieht. Nur Ware, die in der Qualität durch ihre Frische überzeugt sowie allenfalls Spuren von problematischen Inhaltsstoff en enthält, kann bei uns ein „sehr gut“ erhalten. Kommen mehrere Mängel zusammen, addieren sie sich zu einer immer schlechter werdenden Note auf.