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TEST Öko-Strom-Tarife: Nicht ganz grün


ÖKO-TEST Spezial Umwelt & Energie - epaper ⋅ Ausgabe 10/2016 vom 06.10.2016

Das „Interesse an Öko-Strom erlahmt“ verkündete im Sommer die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Wirklich? Und wenn ja, woran liegt das? Vielleicht auch daran, dass völlig unklar ist, wie sich Öko-Strom überhaupt definiert. Wir haben geprüft, wie grün die Tarife tatsächlich sind.


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Foto: imago/Westend61

Die Zeiten sind vorbei, als die Kunden für einen wahren Boom bei der Öko-Strom-Nachfrage sorgten. Das war vor fünf Jahren nach dem Atommeilergau von Fukushima. Danach, im zweiten Halbjahr 2012, stellten Grünstromtarife noch 81 Prozent aller vom Onlineportal Verivox neu vermittelten Haushaltsstromverträge. Im ...

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... zweiten Halbjahr 2015 waren es nur noch 59 Prozent. In den ersten sechs Monaten 2016 sank der Anteil sogar auf 51 Prozent. „Das Wachstum hat sich in der Tat gegenüber dem Jahr nach der Fukushima-Katastrophe verlangsamt, als aufgeschreckte Kunden zu Hunderttausenden auf sauberen Strom umschalteten“, stellt auch Gero Lücking, Geschäftsführer beim Marktführer für grünen Strom Lichtblick in Hamburg, fest. Die Tendenz mag stimmen. Genauere Zahlen über das nachlassende Interesse an Öko-Strom sucht man allerdings vergebens.

Zudem mangelt es den Daten erheblich an Aktualität. So stammen bei der Bundesnetzagentur, die gemeinsam mit dem Bundeskartellamt jährlich einen umfangreichen Monitoringbericht über die Strom- und Gasmärkte in Deutschland veröffentlicht, die letzten Zahlen über die mit grünem Strom versorgten Haushalte aus dem Jahr 2013, da waren es 7,5 Millionen. Für 2014 liegen aufgrund eines Computerfehlers keine und für 2015 zu Redaktionsschluss noch keine Ergebnisse vor.

Aktuellere Zahlen liefert da die Vu-MA-Studie Touchpoints. Die Arbeitsgemeinschaft VuMA, die unter anderem für Fernsehanstalten Verbrauchs- und Medienanalyse betreibt, kennt aus repräsentativen Befragungen die Konsumgewohnheiten der Deutschen bestens: Danach ist die Zahl der Öko-Strombezieher von 2013 bis Mitte 2016 um eine Million auf 8,5 Millionen gestiegen. 2011, im Jahr von Fukushima, waren es noch 4,8 Millionen.


Geht die Nachfrage nach Öko-Strom zurück – oder sind die Zahlen fragwürdig?


Für Verwirrung sorgte allerdings in diesem Sommer eine Umfrage der Fachzeitschrift Energie & Management (E&M) gemeinsam mit dem Hamburg-Institut Consulting (HIC). Sie befragen seit elf Jahren regelmäßig Stromanbieter nach der Zahl ihrer Öko-Stromkunden. Die Untersuchung ist nach eigener Darstellung die bundesweit größte ihrer Art. Nach ihren neuesten Ergebnissen wäre die Zahl der Öko-Stromkunden gesunken. Das Ergebnis war so frappierend, dass die Tagespresse schlagzeilenträchtig unter Headlines wie „Öko-Stromtarife im Abwind“ oder „Interesse an Öko-Strom erlahmt“ berichtete. Nach der aktuellen E&M-Umfrage hatten 2013 rund 5,75 Millionen der etwa 40 Millionen deutschen Privathaushalte Öko-Stromtarife, 2015 waren es dann nur noch 4,4 Millionen. Der Pferdefuß der Erhebung, auf den die Verfasser selbst hinweisen: Die Zahlen sind nicht vergleichbar. So erfasste die Erhebung 2013 Öko-Stromkunden von 267 Stromanbietern. Bei der aktuellen Umfrage waren es nur noch 150 Unternehmen, da sich viele Versorger anscheinend nicht mehr in die Karten gucken lassen wollten. Fazit des Zahlensalats: Kein Rückgang der Kunden, aber der Zuwachs lahmt.

Lichtblick-Geschäftsführers Gero Lücking kommentiert: „Nicht die Zahl der Öko-Strom-Haushalte ist gesunken, sondern die Energieanbieter sind intransparenter geworden.“ Die mangelnde Transparenz beim Öko-Stromangebot verunsichert viele potenzielle Kunden in der Tat und lässt sie auf den Umstieg verzichten. Zur Verunsicherung trägt auch bei, dass immer mehr kleinere Anbieter vom Markt verschwinden. So ist beispielsweise beim reinen Öko-Stromanbieter Lichtblick inzwischen die Zahl der Haushaltskunden zwar auf 500.000 gestiegen – ein Ziel, das sich das Unternehmen schon für 2011 gesetzt hatte. „Das Wachstum ist in erster Linie auf Unternehmensübernahmen zurückzuführen“, so Lücking. Vor allem durch die Übernahme der 33.000 Tchibo-Öko-Stromkunden. Auch Oliver Hummel, Vorstandsmitglied bei der Düsseldorfer Naturstrom AG, die 220.000 Haushaltskunden zählt und weitere Unternehmensübernahmen prüft, glaubt an eine anhaltende Marktbereinigung. Seine Erwartung: Für kleinere Anbieter kann die Luft sehr schnell dünn werden, wenn das Wachstum ausbleibt. Denn Strombelieferung ist ein Massengeschäft, so der Naturstrom-Vorstand. Damit sich die nötigen IT-Strukturen rechnen, braucht man eine gewisse kritische Größe. Oliver Hummel: „Gut möglich, dass wir in Zukunft weitere Übernahmen sehen.“

Foto: ponsulak/shutterstock


Der Anteil von Öko-Strom steigt immer weiter. 2015 lag er schon bei 33 Prozent


Das Interesse an Grünstrom hat also nach der Boomphase nachgelassen, das liegt aber nicht nur an verunsicherten Kunden. Es wächst auch das Gefühl, der Ausstieg aus Atomenergie und Kohle sei durch die politische Entscheidung ohnehin ein Selbstläufer. „Heute glauben viele, die Energiewende sei bereits vollzogen“, so Lücking. Schließlich ist der regenerative Anteil am allgemeinen Strommix in den vergangenen Jahren ständig gestiegen und lag 2015 bei 33 Prozent. Für 2016 wird der Anteil auf 35 Prozent geschätzt.

Hinzu kommt: Da alle Stromkunden die Energiewende über die deutlich gestiegene EEG-Umlage auf der Stromrechnung mitfinanzieren, sinkt auch die Bereitschaft, auf Öko-Stromtarife umzusteigen, schätzt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW: „In der Kirche spenden Sie ja auch nur einmal, und nicht zweimal“, so der Energieexperte. Mehr noch: „Relevantes Wachstum haben seit 2013 lediglich Discountanbieter erzielt, deren Tarife keinen Nutzen für den Klimaschutz oder die Energiewende haben“, so Naturstrom-Vorstand Hummel. Die Discounter, ergänzt Sieverding, lockten Neukunden mit billigen Wasserkraft-Herkunftsnachweisen, ohne tatsächlich ausschließlich auf regenerative Energiequellen zu setzen: „Trittbrettfahrer haben leider leichtes Spiel.“

Auch die zahlreichen verschiedenen Öko-Stromlabels, unterschiedliche Qualitätsstandards und damit unklare Zertifizierungen öffnen den Stromanbietern Grauzonen, die ihre Marketingprofis geschickt zu nutzen wissen. Da ist es gut, wenn Forschungseinrichtungen wie das Öko-Institut die Spreu vom Weizen trennen. Die Freiburger untersuchen kontinuierlich, welche Öko-Stromangebote wirklich einen Fortschritt für die Verbraucher und die Umwelt bieten (siehe auch „So haben wir getestet“). Das gewährleisten das Ok-Power-Label und das Grüner Strom Label Gold mit ihren jeweiligen Kriterienkatalogen und den dazugehörigen Kontrollen. Stromtarife, die diese Prüfungen überstanden haben oder vergleichbare Zertifikate vorweisen und somit in die EcoTopTen aufgenommen sind, können alle als „sehr gut“ eingestuft werden.

Es grünt so grün auf der Homepage von Susi-Energie. Das Angebot sei „eine echte Alternative zu herkömmlichen Angeboten“. Damit könne „jetzt jeder sparen und nebenbei einen Beitrag leisten zur Stärkung sinnvoller Energiequellen“. Was der User auf der Homepage nicht erfährt: Indirekt ist der Atomkonzern EnBW mit 25,1 Prozent an Susi beteiligt. Ob sich grüne Stromkunden eine „echte Alternative“ so vorstellen?


Doch auch bei diesen Toptarifen stellt sich die Frage: Gibt es im Firmenverbund des Anbieters Unternehmen, die konventionellen Strom aus Quellen wie Atomenergie oder Kohle verkaufen? Mit Firmenverbund meinen wir nicht nur im (aktien)rechtlichen Sinne „verbundene Unternehmen“, sondern auch Strukturen wie bei Susi-Energie. Die Firma ist eine 100-prozentige Tochter der Technischen Werke Schussental GmbH & Co. KG. Die gehören zu 42,7 Prozent den Stadtwerken Ravensburg, zu 32,2 Prozent den Stadtwerken Weingarten und zu 25,1 Prozent der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH, die 100-prozentige Tochter der EnBW ist. Der Atomkonzern ist mithin die Urgroßmutter.

Deshalb hat ÖKO-TEST alle bundesweit angebotenen Tarife der aktuellen EcoTopTen noch einmal genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis
Sehr gut reicht oft nicht. Von den 28 bundesweiten Öko-Stromangeboten der EcoTopTen, die im Tarif alle als „sehr gut“ eingestuft sind, erhalten 16 auch das Gesamturteil „sehr gut“. Nur diese Unternehmen verkaufen ausschließlich Öko-Strom nach den Qualitätskriterien der EcoTopTen und sind zudem nicht mit konventionellen Anbietern verflochten. Gegenüber dem Vorjahr fällt das Unternehmen Rewag aus dem Test. Sein Rewario.strom.natur, der 2015 das Gesamturteil ausreichend erreichte, wird nur noch regional angeboten.
Grün, Kohle, Atom: Sieben Anbieter führen neben dem sehr guten Öko-Tarif selbst auch konventionell produzierten Strom, wobei die Anteile von Atom und Kohle zusammen manchmal mehr als 50 Prozent ausmachen. Bei elf Anbietern ist es eine Firma aus dem Firmenverbund des Anbieters, die ein konventionelles Produkt auf den Markt bringt. Als einziges Unternehmen, das konventionellen Strom anbietet, erhält Entega immerhin die Gesamtnote „gut“, da das Unternehmen keinen Atomstrom im Energiemix führt. Auch der Anteil der Kohle ist bei Entega mit 11,10 Prozent vergleichsweise sehr gering.
Atomkonzerne im Firmenverbund: Vier Anbieter erhalten im Gesamturteil nur ein „ausreichend“, weil sich in ihrem Firmenverbund Produzenten von Atomstrom finden. Nur wegen ihrer sehr guten Öko-Tarife, die zu 50 Prozent im Gesamtergebnis gewichtet sind, werden sie nicht noch weiter abgewertet. Zu den Anbietern zählt Susi-Energie (siehe Kasten „Die Öko-Stromanbieter und ihre Eigentümer“). Nach unserem letzten Test im vergangenen Jahr hat uns die Firma verklagt. Sie wollte uns unter anderem verbieten lassen, zu sagen „Der Anbieter sollte nicht mit Atomoder Kohlestromern kooperieren oder einem solchen Unternehmen gar gehören“. Außer dem wollte Susi von uns nicht mit „ausreichend“ bewertet werden, weil die Firma nicht „direkt oder indirekt mit Produzenten von Atomstrom verbandelt“ sei. Doch auch im aktuellen Test bleibt es beim „ausreichend“. Erreicht hat die Firma lediglich, dass wir darauf hinweisen, dass „die Susi-Energie GmbH Wert auf die Feststellung legt, dass aufgrund der Beteiligungsverhältnisse kein Einfluss der EnBW Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) auf die Zusammensetzung des Stromprodukte genommen werden kann“. Was wir auch nie behauptet hatten. Wohl aber hatten wir geschrieben, dass grüne Stromkunden nicht wollen, dass ihr Geld am Ende bei einem Atomkonzern landet – nicht einmal teilweise. Daran dürfte sich auch 2016 nichts geändert haben.
Ganz klein bis ganz groß. Die Newcomer 2016: Die Solidarische Ökonomie Bremen ist eine kleine Arbeitsgruppe zu Alternativen im heutigen Wirtschaftssystem und vertreibt EWS-Strom. Ebenso die Heidelberger Ökostromer. Die Stadtwerke Müllheim-Staufen sind ein kommunaler Verbund in Baden-Württemberg. Und Greenpeace Energy vollzieht in diesem Jahr den Schulterschluss mit dem Öko-Institut, das dessen Tarif Ökostrom für Privatkunden in die EcoTopTen aufnimmt. Na endlich! Ein besseres Signal könnte es für den gemeinsamen Erfolg der Öko-Stromer nicht geben. Und vielleicht stößt im nächsten Jahr LichtBlick dazu. Prima!

Die Öko-Stromanbieter und ihre Eigentümer

■.123energie: Onlinemarke der Pfalzwerke AG Ludwigshafen. Diese gehört mit 52,1 Prozent zu mehr als der Hälfte dem Bezirksverband und damit indirekt den Kommunen der Region, zweitgrößter Einzelaktionär ist RWE mit 26,7 Prozent.
■.BayWa Ökoenergie GmbH: Eigentümer ist die BayWa AG. Deren Aktionäre sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG mit 35,34 Prozent, die Raiffeisen Agrar Invest GmbH mit 25,18 Prozent und freie Aktionäre mit 39,48 Prozent.
■.BS Energy: Gehört zu 74,9 Prozent der deutschen Firma Veolia-Wasser und zu 25,1 Prozent der Stadt Braunschweig GmbH. Die Mutter von Veolia-Wasser ist Veolia Environnement mit Sitz in Paris. Sie ist börsennotiert mit den Geschäftsschwerpunkten Wasser, Abwasser, Abfallwirtschaft, Energie und Transport.
■.Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU): Die BIU ist ein parteiunabhängiger eingetragener Verein, der seit 1971 besteht. Der Anbieter vertreibt Öko-Strom von Naturstrom und den Tarif Enercity Umweltstrom der Stadtwerke Hannover.
■.Die Edingen-Neckarhausener Ökostromer: Eine lokale Bürgerinitiative, die sich für die Energie- und Energiewirtschaftswende engagieren und gemeinsam mit der Heidelberger Klimaschutz+ Stiftung, Klimaschutz+ Energiegenossenschaft und der EWS den Gemeinwohl orientierten Ökostrom+ Edingen-Neckarhausen anbieten.
■.Die Heidelberger Ökostromer: Arbeiten in Kooperation mit den Partnern Klimaschutz+ Energiegenossenschaft, Klimaschutz+ Stiftung, Elektrizitätswerke Schönau (EWS).
■.Die Schriesheimer Ökostromer: Eine überparteiliche Initiative Schriesheimer Bürgerinnen und Bürger, die in Kooperation mit der Klimaschutz+ Stiftung und Energiegenossenschaft und den EWS Schriesheimer Ökostrom+ anbieten.
■.Energie GUT: 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Duisburg. Die sind zu 80 Prozent im Besitz der DVV Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH. 20 Prozent gehören dem Energiekonzern RWE.
■.Enspire-Energie: Gehört der Stadtwerke Konstanz GmbH. Die Gesellschaft ist im Eigentum der Stadt Konstanz.
■.Entega: Die GmbH ist die Vertriebstochter der Entega AG. Mit 93 Prozent ist die Stadt Darmstadt an der AG beteiligt, Landkreise, Städte und Gemeinden halten 7 Prozent.
■.EWS Elektrizitätswerke Schönau e. G: Ist genossenschaftlich organisiert mit rund 4.400 Gesellschaftern.
■.Geno-Energie: Verbund aus über 850 Genossenschaften (etwa Volks- und Raiffeisenbanken), reines Handelsunternehmen.
■.Greenpeace-Energy: Eine Genossenschaft mit zurzeit 23.000 Mitgliedern.
■.Grünwelt-Energie: Marke der Stromio GmbH und von Gas.de. Mittelständischer, konzernunabhängiger Energieversorger.
■.Klimaschutz+ Energiegenossenschaft: Kooperation aus Klimaschutz+ Energiegenossenschaft, Klimaschutz+ Stiftung e. V. und den Elektrizitätswerken Schönau e. G.
■.Mann-Naturenergie: Im alleinigen Besitz von Markus Mann und Ehefrau Tanja.
■.Naturenergie+ Deutschland: Die GmbH gehört zu 100 Prozent dem Energiekonzern EnBW.
■.Naturstrom AG: 1.000 Aktionäre, darunter Kunden und Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien. Nicht an der Börse gehandelt.
■.Nord-Stadtwerke: Hinter der GmbH stehen die Stadtwerke Rendsburg und die Gemeindewerke Halstenbek, die auch konventionellen Strom vertreiben können. Beispiel Energiemix Halstenbek.
■.Polarstern: Die GmbH ist zu 80 Prozent im Besitz der drei Gründer Dr. Jakob Assmann, Florian Henle, Simon Stadler. 20 Prozent gehörten Energie 360°, einem kommunalem Wärmeversorgungsunternehmen aus der Schweiz.
■.Pro Engeno: Pro Engeno ist eine private konzern- und lieferantenunabhängige Initiative, früher Strommixer GmbH.
■.Rhoenstrom.de/Rhön-Energie Fulda: Gesellschafter sind die Stadt Fulda (40,9 Prozent), die Landkreise Fulda (40,9 Prozent) und Hersfeld-Rotenburg (0,7 Prozent) sowie das Stadtwerke-Netzwerk Thüga AG (17,5 Prozent).
■.Savero: Marke der Energieagenten Versorgungs-GmbH. Die Gesellschafter sind Konstantin Neven DuMont, Hans Sarpei, Karl-Heinz Nees, Francisco Comino Lopez und Tariq Abu-Naaj.
■.Solidarische Ökonomie Bremen: Eine Arbeitsgruppe des Allgemeinbildung – Natur Mensch Technik e. V., in der Bürgerinnen und Bürger theoretisch und praktisch an einer Alternative zum heutigen Wirtschaftssystem arbeiten.
■.Stadtwerke MüllheimStaufen GmbH: Eigentümer sind die Stadt Müllheim (48,9 Prozent), die Stadt Staufen (26 Prozent) und kommunale Partner (25,1 Prozent).
■.Strom-Manufaktur: Die Strom-Manufaktur ist eine eingetragene Marke der Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH. Diese gehört zu 90 Prozent der Stadt Dresden und zu 10 Prozent dem Stadtwerke-Netzwerk Thüga AG.
■.Susi-Energie: 100-prozentige Tochter der Technischen Werke Schussental GmbH & Co. KG. Die gehören zu 42,7 Prozent den Stadtwerken Ravensburg, zu 32,2 Prozent den Stadtwerken Weingarten und zu 25,1 Prozent der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH, die 100-prozentige Tochter der EnBW ist.
■.Wemag: Wemio ist eine Strommarke der Wemag AG. 74,9 Prozent hält ein Verband von rund 250 Kommunen und Gemeinden, 25,1 Prozent das Stadtwerke-Netz Thüga AG.

So haben wir getestet

Die Auswahl
Grundlage für den Test waren die bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die EcoTopTen des Öko-Instituts empfiehlt.

Die Ökologie
Der Tarif soll einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label Gold erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung durch unabhängige und fachkundige Gutachter zertifiziert werden.

Die Ökonomie
Die jährlichen Gesamtkosten der Öko-Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. Die Preisangaben basieren auf Herstellerangaben. Die Preise können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren.

Das konventionelle Stromangebot
Hier wurde erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/oder das bei einer Firma aus seinem Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote.

Die Unternehmensstruktur
Hier wurde untersucht, ob die Anbieter unabhängig oder im Eigentum oder Miteigentum anderer Unternehmen sind. Ebenso, welche Unternehmen zum Firmenverbund gehören.

Die Bewertung
Wer sich für grünen Strom entscheidet, will etwas für die Umwelt tun. Daher soll das Geld – auch nicht zum Teil – nicht bei Firmen landen, die nebenbei oder sogar hauptsächlich konventionellen Strom verkaufen oder konventionellen Anbietern (teilweise) gehören. Für die Angebote solcher Firmen kann es kein „sehr gut“ geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt wird oder ein AKW-Eigner/-Betreiber Teil des Firmenverbunds des Anbieters ist.

Abkürzungen: EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Anmerkung: 1) Strommix des konventionellen Angebots am Beispiel der Gemeindewerke Halstenbek.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge der Anbieter aufgeführt. Zur Abwertung des Testergebnisses konventionelles Stromangebot um zwei Noten führt: Atomstrom in einem Angebot des Anbieters und/oder einem Unternehmen im Firmenverbund. Zur Abwertung um je eine Note führen: a) Kohlestrom in einem Angebot des Anbieters und/ oder einem Unternehmen im Firmenverbund; b) ein Anteil von Atomund Kohlestrom von zusammen mehr als 50 Prozent in diesem Angebot. In das Gesamturteil fließen das Testergebnis Tarif und das Testergebnis konventionelles Stromangebot zu gleichen Teilen ein. Ist ein AKW-Eigner/-Betreiber Teil des Firmenverbunds des Anbieters, verschlechtert sich das Gesamturteil um eine Note.
Stand: Produkt- und Unternehmensdaten: Ende September 2016; Preise: 8. September 2016 bei einem Jahresverbrauch von 4.940 kWh/Jahr am Beispiel Köln-Innenstadt. Boni nicht eingerechnet. Strommix der Unternehmen, letzter ausgewiesener Stand: August 2016.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

■.Genau aufpassen beim Vertragsabschluss: Einige Unternehmen offerieren gleichzeitig auch Öko-Tarife, die den EcoTopTen-Ansprüchen nicht gerecht werden. Vorsicht: Manchmal sind die Namen der Tarife zum Verwechseln ähnlich.
■.Es gibt auch sehr gute Tarife, die nur regional angeboten werden und hier nicht getestet werden konnten. Wer sie unterstützen will, sollte sich deren Qualität, zum Beispiel anhand der Labels Ok-Power oder Grüner Strom Label Gold, nachweisen lassen. Und der Anbieter sollte dem neuen Kunden seine Verflechtungen in der Branche offenlegen.

Wechselwillig? So klappt es

Ummeldung: Welche Kündigungsfrist einzuhalten ist, steht im alten Vertrag. Bei Preisänderungen besteht sogar ein Sonderkündigungsrecht. Anbieter findet man in Vergleichsportalen wiewww.verivox.de undwww.toptarif.de Dort sind auch regionale Anbieter gelistet. Es reicht, per Brief, telefonisch oder E-Mail unter Angabe von Anschrift, Zähler- und Kundennummer des bisherigen Stromversorgers und des gewünschten Wechseltermins sich beim neuen Anbieter zu melden. Der übernimmt den Rest inklusive der Kündigung des bestehenden Vertrags.
Versorgungssicherheit: Keine Angst, während der Übergangszeit keinen Strom mehr zu bekommen – da ist das Gesetz vor. Im schlimmsten Fall, zum Beispiel wenn der neue Anbieter nicht liefern kann, springt immer der örtliche Grundversorger ein. Dazu ist er verpflichtet.
Vorkasse: Solche Angebote sollte man besser meiden, auch wenn der Anbieter einen Preisvorteil verspricht. Da gab es zu viele Pleiten, bei denen das Geld anschließend weg war. Außerdem ist zusätzlich benötigter Strom deutlich teurer als der im vereinbarten Vorkassepaket, und zu viel bezahlter Strom verfällt sogar.
Bonuszahlungen: Solche Prämien sollen zum Wechsel verlocken und verschleiern den wirklichen Preis. Das Angebot erscheint im ersten Jahr dann vergleichsweise preiswert. Oft verpflichtet man sich damit aber, auch das zweite Jahr zu bleiben, um den Vorteil nicht zu verlieren. Am besten klickt man in Vergleichsportalen die Option „Bonus“ gleich weg. Das lässt die Preise realistischer betrachten. Wir haben Bonusangebote in der Testtabelle deshalb herausgerechnet.
Vertragslaufzeit: Sich länger zu binden als ein Jahr, sollte man nur mitmachen, wenn man dafür eine Preisgarantie erhält. Viele Versorger in unserer Liste bieten das an.