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TEST Öko-Stromtarife: Grüner wird’s nicht


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2015 vom 27.11.2015

Öko-Strom boomt. Aber sehr gute Tarife sind immer noch die Ausnahme. Doch selbst hinter ihnen stecken oft Anbieter, die gleichzeitig Atom- und Kohlestrom auf den Markt bringen. Wie grün sind die Angebote wirklich?


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Foto: zakaz86/iStock/Thinkstock

Echte Liebe. Auf den ersten Blick. Der Name klingt verlässlich: Naturenergie plus active – 100 Prozent Öko-Strom aus deutscher Wasserkraft. Der Tarif ist vom anspruchsvollen Grüner Strom Label zertifiziert. Und in den EcoTopTen, der Plattform für ökologische Spitzenprodukte, die vom Bundesministerium für Umwelt gefördert wird, ist er auch noch neu gelistet. Auch ...

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... der Internetauftritt des Anbieters ist informativ und sympathisch: „Wir von NaturEnergie Plus arbeiten in einem kleinen Team. Dabei stellen wir höchste Anforderungen an uns selbst und an alle Partner, mit denen wir zusammenarbeiten.“


Wer will schon Öko-Strom von einem Atomanbieter beziehen


Interessant. Aber wer sind diese Partner mit denen der kleine Öko-Stromanbieter zusammenarbeitet? Wer steckt dahinter? Auf den zweiten Blick finden unsere Rechercheure da keinen Hinweis in der Selbstdarstellung des Unternehmens. Auch nicht auf den dritten und vierten. Erst nach einem Fingerzeig des Produktmanagers werden wir unter „Service“ fündig. Es ist ein ganz großer „Partner“, denn Naturenergie+ Deutschland gehört zu 100 Prozent der EnBW, einem der großen deutschen Stromkonzerne, in dessen Energiemix jede Menge Atomenergie und Kohle enthalten sind.

Auch Susi Energie ist ein sympathischer Anbieter und gehört den Technischen Werken Schussental. An denen ist die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH zu 25,1 Prozent beteiligt. „Die EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH hat keine Kohle- und Atombeteiligungen“, schreibt uns Susi. Behauptet ja auch keiner. Die 100-Prozent-EnBW-Tochter steht im selben Geschäftsbericht wie Schussental oder auch EnBW Kernkraft. Solche Verbindungen verdrängt mancher Öko-Stromanbieter gerne schon mal.

Schade, mit der großen Liebe wird es in diesen beiden Fällen dann wohl nix. Denn wer als Kunde Öko-Strom bestellt, möchte nicht nur ein wirklich gutes Pro- dukt, auch der Anbieter sollte nicht mit Atom- oder Kohlestromern kooperieren oder einem solchen Unternehmen gar gehören. Drastischer formuliert es Heiko von Tschischwitz, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Öko- Stromanbieter Lichtblick: „Vegetarier kaufen ja auch nicht beim Metzger.“

Einen rundherum sauberen Anbieter zu finden ist also gar nicht so leicht, denn immer mehr Stromanbieter buhlen mit Öko-Versprechen um die Gunst umweltbewusster Kunden – egal ob als kleine regionale Einkaufgemeinschaften mit Stammtischcharakter oder große Unternehmen mit bundesweitem Angebot und Tausenden Mitarbeitern. Das besondere Merkmal vieler Öko-Stromanbieter: Als Beweis der Seriosität ihrer Versprechen lassen sie ihre Tarife oder auch ihre Geschäftspolitik von unabhängigen Zertifizierern prüfen. Doch die Vielzahl der Siegel macht den Markt eher undurchsichtig als überschaubarer. „Die Stromanbieter, die sich prüfen lassen, haben jeweils ihre eigene Öko-Philosophie und wählen sich die passende Zertifizierung aus. Andere Unternehmen stellen eigene Kriterien auf, deren Einhaltung sie sich von externen Prüfern bestätigen lassen“, sagt Markus Landau, Gutachter beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel. Den Kunden bleibt es überlassen, welchem Prüfsiegel sie trauen. Eine selbst für Fachleute kaum lösbare Aufgabe.

Da ist man für jede Hilfe dankbar. Um die Entscheidung für einen Öko-Stromtarif zu erleichtern, veröffentlicht beispielsweise das Freiburger Öko-Institut kontinuierlich die EcoTopTen. In diese Stromtarifhitliste schaffen es nur Anbieter, deren Öko-Stromangebote einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die staatliche Förderung des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) hinausgeht.

Problem Stromnetz: Die Öko-Stromunternehmen müssen Lieferschwankungen von erneuerbaren Energien ausgleichen.


Foto: imago/McPHOTO

So weit, so gut. Die zurzeit gültigen Mindestkriterien der EcoTopTen sind allerdings heftig umstritten. So verzichtete Greenpeace Energy bisher auf eine entsprechende externe Prüfung für eine Aufnahme in die EcoTopTen. Und Deutschlands größter konzernunabhängiger Öko-Energieanbieter Lichtblick stellte sich erstmals 2015 nicht dem Aufnahmeverfahren. Das Hauptargument der beiden Öko-Strompioniere: Reine Produkt labels sind nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr müssten neben den angebotenen Tarifen auch die Strategie des Stromanbieters als Ganzes, sein Beitrag zur Energiewende und die unternehmerische Verflechtung mit anderen Unternehmen zur Prüfung gehören. „Die Zusammenarbeit der Stromlieferanten mit der Atom- und Braunkohleindustrie muss ausgeschlossen sein“, sagt Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann, der da mit das formuliert, was ÖKOTEST seit Jahren von „sehr guten“ Tarifen fordert.

Anstelle der EcoTopTen-Kriterien hat Greenpeace Energy deshalb eigene Qualitätskriterien für sein grünes Stromangebot aufgestellt. Die Genossenschaft lässt diese jährlich vom TÜV Nord und dem Gutachterunternehmen Omnicert überprüfen. Lichtblick vertraut auf die Zertifizierung durch den TÜV Süd, der dem Unternehmen das Siegel Wegbereiter der Energiewende attestiert. Das alles klingt anspruchsvoll, verwirrt den Kunden aber eher noch mehr, als ihm zu helfen. Wer ist denn noch grüner als grün: Greenpeace, Lichtblick, das Öko-Institut?

Im kommenden Jahr wird zumindest Ok-Power, eines der vom Öko-Institut akzep- tierten Prüfsiegel, auf die Kritiker zugehen. Ab 2016 gelten für das Label neue Kriterien. „Statt wie bisher die Förderung des Ausbaus von erneuerbaren Kraftwerken allein in den Mittelpunkt unserer Zertifizierung zu stellen, soll nunmehr der Bezug von gutem Öko-Strom die Energiewende als Ganzes beschleunigen und erfolgreich machen“, erklärt Veit Bürger, Vorstand beim Labelinitiator Energie- Vision. Kern der Kriterienreform ist die sichere und zügige Integration der erneuerbaren Energien in das Versorgungssystem. Dazu gehört die Förderung virtueller Kraftwerke, die mithilfe von Kraft-Wärme-Kopplung und innovativer Speichertechnologie Lieferschwankungen von erneuerbaren Energien ausgleichen. Anbieter, die an Atom- und Braunkohlekraftwerken mittel- oder unmittelbar beteiligt sind, würden dann keine Zertifizierung mehr erhalten.

Warum aber bleibt es trotz der Annäherung bei der Labelvielfalt? Die Antwort ist leider denkbar einfach: Im heiß umkämpften Strommarkt will jedes Unternehmen besonders glänzen – und verdienen. So stellte Greenpeace- Energy-Vorstand Tangermann noch im Sommer fest: „Die Kriterien, nach denen wir unsere Öko-Stromqualität definieren, sind den Kriterien des neuen Ok-Power- Labels aus ökologischer Sicht mindestens ebenbürtig.“ Zudem habe Greenpeace eine Selbstverpflichtung für die Integration steigender Anteile aus schwankenden erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne genau definiert. Auch Öko-Strompionier Lichtblick gibt sich noch reserviert. Geschäftsführer Gero Lücking: „Wir haben intern geprüft, ob wir die neuen Ok-Power-Kriterien erfüllen. Das ist der Fall.“ Seine Kritik: „Das neue Label ist immer noch eine Produktzertifizierung.“

Neue Maßstäbe gefordert: Der Anteil von Solar- und Windenergie im Öko-Strommix soll jedes Jahr wachsen.


Foto: alphaspirit/Shutterstock

So bleibt es im Moment noch beim Label dschungel. Grund genug für ÖKO-TEST, auch in diesem Jahr das Öko- Stromtarifangebot und die Anbieter unter die Lupe zu nehmen. Dafür haben wir uns aus den Kriterien beider Philosophien bedient und uns sowohl Produkt- als auch Unternehmensqualität angeschaut. Ein Weg, den vielleicht auch die zerstrittenen Öko-Stromvorreiter gemeinsam gehen sollten, zumal Greenpeace und Lichtblick, die dieses Jahr nicht in der EcoTopTen-Liste stehen, nach Expertenmeinung wahrscheinlich mit „sehr gut“ abschneiden würden.

Dann vor einigen Wochen doch noch eine dicke Überraschung. Greenpeace Energy hat dem Verein EnergieVision seine umfangreichen Geschäfts- und Audit-Berichte vorgelegt. Das erste, unverbindliche Ergebnis einer Vorabprüfung gibt ein positives Signal für eine mögliche Zertifizierung im Jahr 2016. Na bitte, geht doch!

Das Testergebnis

Sehr gut ist nicht gut genug. Von den 26 Öko-Stromangeboten, die im Tarif alle als „sehr gut“ eingestuft sind, erhalten nur zwölf auch das Gesamtergebnis „sehr gut“. Nur diese Unternehmen verkaufen ausschließlich Öko- Strom nach den Qualitätskriterien der EcoTopTen. Zudem sind sie nicht mit konventionellen Anbietern verflochten oder gar im Eigentum von Atomkonzernen. Gegenüber dem Vorjahr fallen einige Unternehmen aus dem Test. So hat Vattenfall kein von den EcoTopTen akzeptiertes Siegel mehr, ebenso Lekker Energie. Die Tchibo Energie GmbH gehört jetzt zu Lichtblick und Grünhaus-Energie bietet den Tarif Tengelmann Ökostrom 12 nicht mehr an und leitet Interessenten weiter zum neuen 100-Prozent-Eigentümer Badenova, der kein vergleichbares Produkt führt. Zusätzlich dabei: Greenpeace.
Von grün bis Atom alles im Angebot. Sechs Anbieter führen neben dem sehr guten Öko-Tarif selbst auch konventionell produzierten Strom, wobei die Anteile von Atom und Kohle zusammen manchmal mehr als 50 Prozent ausmachen. Bei zwölf Anbietern ist es der Eigentümer oder ein Unternehmen aus dem Firmenverbund, der ein konventionelles Produkt auf den Markt bringt. Damit meinen wir nicht nur im (aktien) rechtlichen Sinne „verbundene Unternehmen“, sondern auch Strukturen wie bei Susi Energie. Die Firma ist eine 100-prozentige Tochter der Technischen Werke Schussental GmbH & Co. KG. Die gehören zu 42,7 Prozent den Stadtwerken Ravensburg, zu 32,2 Prozent den Stadtwerken Weingarten und zu 25,1 Prozent der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH, die 100prozentige Tochter der EnBW ist. Der Atomkonzern ist mithin die Urgroßmutter. Als einziges Unternehmen, das konventionellen Strom anbietet, erhält Entega wenigstens die Gesamtnote „gut“, da das Unternehmen keinen Atomstrom im Energiemix führt. Auch der Anteil der Kohle ist bei Entega mit 13,2 Prozent vergleichsweise sehr gering.
Öko-Strom vom Atomkonzern: Fünf Anbieter erhalten im Gesamturteil nur ein „ausreichend“, weil sie direkt oder indirekt mit Produzenten von Atomstrom verbandelt sind. Nur wegen ihrer sehr guten Öko-Tarife, die zu 50 Prozent gewichtet sind, werden sie nicht noch weiter abgewertet.

Abkürzungen: EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz. Zertifikat = kein allgemeines Label vorhanden, aber labelunabhängige Zertifizierung, dass die EcoTopTen-Mindestkriterien für Stromangebote eingehalten werden.
Anmerkungen: 1) Strommix des konventionellen Angebots am Beispiel der Gemeindewerke Halstenbek.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge der Anbieter aufgeführt. Zur Abwertung des Testergebnisses konventionelles Stromangebot um zwei Noten führt: Atomstrom in einem Angebot des Anbieters und/oder eines Unternehmen aus dem Firmenverbund. Zur Abwertung um je eine Note führen: a) Kohlestrom in einem Angebot des Anbieters und/oder eines Unternehmen aus dem Firmenverbund; b) ein Anteil von Atom- und Kohlestrom von zusammen mehr als 50 Prozent. In das Gesamturteil fließen das Testergebnis Tarif und das Testergebnis konventionelles Stromangebot zu glei- chen Teilen ein. Ist ein AKW-Eigner/-Betreiber Eigentümer oder ein Unternehmen aus dem Firmenverbund des Anbieters ist, verschlechtert sich das Gesamturteil um eine Note.
Stand: Produkt- und Unternehmensdaten: Juli 2015;Preis e: 4. August 2015 bei einem Jahresverbrauch von 4.940 kWh/Jahr. Boni nicht eingerechnet. Strommix der Unternehmen letzter ausgewiesener Stand: Juli 2015.

DieTestmethode finden Sie unterwww.oekotest.de  Suchen  „M1512“ eingeben.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werd

ÖKO-TEST rät

• Genau aufpassen beim Vertragsabschluss: Einige Unternehmen offerieren gleichzeitig auch Öko-Tarife, die den EcoTopTen-Ansprüchen nicht gerecht werden. Vorsicht: Manchmal sind die Namen der Tarife zum Verwechseln ähnlich.

• Es gibt auch sehr gute Tarife, die nur regional angeboten werden und hier nicht getestet werden konnten. Wer sie unterstützen will, sollte sich deren Qualität zum Beispiel anhand der Labels Ok-Power oder Grüner Strom Label Gold nachweisen lassen. Und der Anbieter sollte dem neuen Kunden seine Verflechtungen in der Branche offenlegen.

Wechselwillig? So klappt es

Ummeldung: Welche Kündigungsfrist einzuhalten ist, steht im alten Vertrag. BeiPreis änderungen besteht sogar ein Sonderkündigungsrecht. Anbieter findet man in Vergleichsportalen wiewww.verivox.de undwww.toptarif.de . Dort sind auch regionale Anbieter gelistet. Es reicht, per Brief, telefonisch oder E-Mail unter Angabe von Anschrift, Zähler- und Kundennummer des bisherigen Stromversorgers und des gewünschten Wechseltermins sich beim neuen Anbieter zu melden. Der übernimmt den Rest inklusive der Kündigung des bestehenden Vertrags.
Versorgungssicherheit: Keine Angst, während der Übergangszeit keinen Strom mehr zu bekommen – da ist das Gesetz vor. Im schlimmsten Fall, zum Beispiel wenn der neue Anbieter nicht liefern könnte, springt immer der örtliche Grundversorger ein. Dazu ist er verpflichtet.
Vorkasse: Solche Angebote sollte man besser meiden, auch wenn der Anbieter einenPreis vorteil verspricht. Da gab es zu viele Pleiten, bei denen das Geld anschließend weg war. Außerdem ist zusätzlich benötigter Strom deutlich teurer als der im vereinbarten Vorkassepaket und zu viel bezahlter Strom verfällt sogar.
Bonuszahlungen: Solche Prämien sollen zum Wechsel verlocken und verschleiern den wirklichenPreis . Das Angebot erscheint im ersten Jahr dann vergleichsweise preiswert. Oft verpflichtet man sich damit aber, auch das zweite Jahr zu bleiben, um den Vorteil nicht zu verlieren. Am besten man klickt bei Vergleichsportalen die Option „Bonus“ gleich weg. Das lässt diePreis e realistischer betrachten. Wir haben Bonusangebote in der Testtabelle deshalb herausgerechnet.
Vertragslaufzeit: Sich länger zu binden als ein Jahr sollte man nur mitmachen, wenn man dafür einePreis garantie erhält. Viele Versorger in unserer Liste bieten das an.

Experte

Produktlabels bleiben weiter hilfreich

Foto: Öko-Institut e.V.

„Auch wenn das Engagement der Energieversorger zukünftig an Bedeutung gewinnt, bietet die Zertifizierung von Stromprodukten auch weiterhin eine wichtige Orientierung. Hochwertige Produktlabels stellen nach wie vor einen Beitrag zur Förderung der Energiewende sicher und leisten damit die notwendige Abgrenzung zu den zahlreichen Produkten am Markt ohne ökologischen Mehrwert.“

Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut Freiburg, sie leitet dort das Projekt EcoTopTen und forscht mit dem Schwerpunkt nachhaltiger Konsum und Produkte.

So haben wir getestet

Die Auswahl

Grundlage für den Test waren die bundesweit verfügbaren Öko-Stromangebote, die EcoTopTen empfiehlt.

Die Ökologie

Der Tarif soll einen ökologischen Zusatznutzen aufweisen, der über die Anforderungen des EEG hinausgeht. Das bedeutet beispielsweise, dass die Anbieter rund ein Drittel des verkauften Öko-Stroms aus Erneuerbare- Energien-Anlagen beziehen, die nicht älter als sechs Jahre sind. Alternativ können sie auch einen bestimmten Teil des Strompreises in den Ausbau von regenerativer Stromerzeugung investieren. Der Nachweis zur Einhaltung der ökologischen Mindestkriterien kann durch eine gültige Zertifizierung mit dem Ok-Power-Label oder dem Grüner Strom Label Gold erfolgen. Alternativ kann die Einhaltung durch unabhängige und fachkundige Gutachter zertifiziert werden.

Die Ökonomie

Die jährlichen Gesamtkosten der Öko- Stromangebote dürfen maximal 20 Prozent teurer als der Durchschnittspreis für konventionelle Stromangebote sein. DiePreis angaben basieren auf Herstellerangaben. DiePreis e können teilweise, je nach Verbrauchsmenge und Postleitzahlengebiet, variieren.

Das konventionelle Stromangebot

Hier wurde erfasst, ob der Anbieter selbst neben zertifiziertem Öko-Strom noch mit konventionellen Produkten am Markt ist und/ oder das bei einem einem Unternehmen aus dem Firmenverbund der Fall ist. Zudem interessierte uns der Strommix dieser Angebote.

Die Unternehmensstruktur

Hier wurde untersucht, ob die Anbieter unabhängig sind oder im Eigen tum anderer Unternehmen. Ebenso ob Produzenten von Atomstrom zum Firmenverbund gehören.

Die Bewertung

Wer sich für grünen Strom entscheidet, will etwas für die Umwelt tun. Daher soll das Geld nicht bei Firmen landen, die nebenbei oder sogar hauptsächlich konventionellen Strom verkaufen oder konventionellen Anbietern gehören. Für die Angebote solcher Firmen kann es kein „sehr gut“ geben. Noch strenger sind wir, wenn dem konventionellen Angebot Atomstrom beigemixt wird oder ein AKW-Eigner/-Betreiber Eigentümer oder ein Unternehmen aus dem Firmenverbund des Anbieters ist.

Die Öko-Stromanbieter und ihre Eigentümer

Foto: ponsulak/Shutterstock

123energie: Onlinemarke der Pfalzwerke AG Ludwigshafen. Diese gehört mit 52,1 Prozent zu mehr als der Hälfte dem Bezirksverband und damit indirekt den Kommunen der Region, zweitgrößter Einzelaktionär ist RWE mit 26,7 Prozent.

BayWa: Aktionäre sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG mit 35,34 Prozent, die Raiffeisen Agrar Invest GmbH mit 25,18 Prozent und freie Aktionäre mit 39,48 Prozent.

BS Energy: Gehört zu 74,9 Prozent der deutschen Firma Veolia-Wasser und zu 25,1 Prozent der Stadt Braunschweig GmbH. Die Mutter von Veolia-Wasser ist Veolia Environnement mit Sitz in Paris. Sie ist börsennotiert mit den Geschäftsschwerpunkten Wasser/Abwasser, Abfallwirtschaft, Energie und Transport.

Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU): Die BIU ist ein parteiunabhängiger eingetragener Verein, der seit 1971 besteht. Der Anbieter vertreibt Öko-Strom von Naturstrom und den Tarif Enercity Umweltstrom der Stadtwerke Hannover.

Die Edingen-Neckarhausener Ökostromer: überparteiliche Initiative von Edingen- Neckarhausener Bürgerinnen und Bürgern.

Die Schriesheimer Ökostromer: überparteiliche Initiative von Schriesheimer Bürgerinnen und Bürgern.

Elektrizitätswerke Schönau: Die Netzkauf EWS eG ist 100-prozentige Mutter der EWS Schönau Vertriebs-GmbH mit rund 4.400 Gesellschaftern.

Energie GUT: 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Duisburg. Die sind zu 80 Prozent im Besitz der DVV Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH. 20 Prozent gehören dem Kohle- und Atomkonzern RWE AG.

Enspire-Energie: Enspire-Energie gehört der Stadtwerke Konstanz GmbH. Die Gesellschaft ist im Eigentum der Stadt Konstanz.

Entega: Vertriebstochter der HEAG Südhessische Energie AG (HSE). Mit 93 Prozent ist die Stadt Darmstadt an der HSE beteiligt, Landkreise, Städte und Gemeinden halten sieben Prozent.

Geno-Energie: Verbund aus über 850 Genossenschaften (etwa Volks- und Raiffeisenbanken), reines Handelsunternehmen.

Greenpeace-Energy: Genossenschaft mit 23.000 Mitgliedern.

Grünwelt-Energie: Marke der Stromio GmbH und von Gas.de. Mittelständischer, konzernunabhängiger Energieversorger.

Klimaschutz+ Energiegenossenschaft: Kooperation aus Klimaschutz+ Energiegenossenschaft, Klimaschutz+ Stiftung e. V. und den Elektrizitätswerken Schönau Vertriebs-GmbH.

Mann-Naturenergie: Im alleinigen Besitz von Markus Mann und Ehefrau Tanja.

Naturenergie+ Deutschland: Die GmbH gehört zu 100 Prozent dem Atomstromkonzern EnBW.

Naturstrom : 950 Aktionäre, darunter Kunden, und Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien.

Nord-Stadtwerke: Dahinter stehen die Stadtwerke Rendsburg und die Gemeindewerke Halstenbek, die auch konventionellen Strom vertreiben können. Beispiel Energiemix Halstenbek.

Polarstern: Die Polarstern GmbH ist zu 100 Prozent im Besitz der drei Gründer Jakob Assmann, Florian Henle, Simon Stadler.

Pro Engeno: Pro Engeno ist eine private konzern- und lieferantenunabhängige Initiative, früher Strommixer GmbH.

Rewag: 64,52 Prozent gehören der Stadt Regensburg, 35,48 Prozent der Bayernwerk AG, einer 100-Prozent-Tochter der Eon AG.

Rhoenstrom.de/Rhön-Energie Fulda: Gesellschafter sind die Stadt Fulda (40,9 Prozent), die Landkreise Fulda (40,9) und Hersfeld-Rotenburg (0,7) sowie das Stadtwerke-Netzwerk Thüga AG (17,5).

Savero: Marke der Energieagenten Versorgungs- GmbH. Die Gesellschafter sind Konstantin Neven DuMont, Hans Sarpei, Karl-Heinz Nees, Francisco Comino Lopez.

Strom-Manufaktur: Die Strom-Manufaktur ist eine eingetragene Marke der Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH. Diese gehört zu 90 Prozent der Stadt Dresden und zu 10 Prozent dem Stadtwerke- Netzwerk Thüga AG.

Susi-Energie: 100-prozentige Tochter der Technischen Werke Schussental GmbH & Co. KG. Die gehören zu 42,7 Prozent den Stadtwerken Ravensburg, zu 32,2 Prozent den Stadtwerken Weingarten und zu 25,1 Prozent der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH, die 100prozentige Tochter der EnBW ist.

Wemag: Wemio ist eine Strommarke der Wemag AG. 74,9 Prozent hält ein Verband von rund 250 Kommunen und Gemeinden, 25,1 Prozent das Stadtwerke- Netzwerk Thüga AG.