Lesezeit ca. 6 Min.

TEST OFCET 32: Ein Schiff für Sportfreunde


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 110/2018 vom 12.10.2018

DieOfcet 32 SC aus Frankreich bietet Segelspaß, einfaches Handling und ein innovatives Sichtkonzept unter Deck


Artikelbild für den Artikel "TEST OFCET 32: Ein Schiff für Sportfreunde" aus der Ausgabe 110/2018 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segeln, Ausgabe 110/2018

Das SC im Namen der Ofcet 32 SC steht für ‚Sport Cruiser‘. Die Geschichte der Werft lässt ahnen, dass sie es mit dem Sport durchaus ernst meint. Eigner Yann Dubé betreute mit seiner Vorgängerfirma Prepa Nautic ab 2008 Rennyachten an der französischen Atlantikküste. 2014 entwickelte er für die Mini-Transat 2015 mit dem Konstrukteur Etienne Bertrand die Ofcet 6.50. Das Resultat: Die Plätze 1 und 2 und ein neuer Geschwindigkeitsrekord für Minis mit einem Etmal von 277,41 Seemeilen.

Die ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von segeln. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 110/2018 von SZENE: MENSCHEN, REVIERE, EVENTS: Extrem, extremer, Charal. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE: MENSCHEN, REVIERE, EVENTS: Extrem, extremer, Charal
Titelbild der Ausgabe 110/2018 von SZENE: Bavaria gerettet – Wie geht es jetzt weiter?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE: Bavaria gerettet – Wie geht es jetzt weiter?
Titelbild der Ausgabe 110/2018 von Yachting Festival in Cannes wächst weiter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Yachting Festival in Cannes wächst weiter
Titelbild der Ausgabe 110/2018 von REPORTAGE JOLLENTÖRN NACH HELGOLAND: Mit dem Jollenkreuzer zur Langen Anna. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORTAGE JOLLENTÖRN NACH HELGOLAND: Mit dem Jollenkreuzer zur Langen Anna
Titelbild der Ausgabe 110/2018 von MESSE HAMBURG BOATS SHOW: Hamburg Boat Show zelebrier t den Wassersport. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MESSE HAMBURG BOATS SHOW: Hamburg Boat Show zelebrier t den Wassersport
Titelbild der Ausgabe 110/2018 von SEEMANNSCHAFT STURM »Vorbereitet sein!«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SEEMANNSCHAFT STURM »Vorbereitet sein!«
Vorheriger Artikel
BOOTSBAU BESONDERHEIT ALUMINIUM: DA S I N T E RV I E W: Warum Alu…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel AUSRUSTUNG: »Der Propeller ist dein Kumpel«
aus dieser Ausgabe

... Aufmerksamkeit der französischen Segelszene hatte Yann Dubé mit diesem Auftritt gewonnen. Im folgenden Jahr gründete er mit Chantier Ofcet eine neue Firma und präsentierte in Kooperation mit dem Designbüro Marc Lombard die Ofcet 32, optimiert für Regatten nach IRC. Das französische Segelmagazin Voile verlieh dem Boot sogleich den Innovationspreis 2017. Der voluminöse Bug, der negative Vorsteven und die einfallende Spantform geben der Yacht auf jeden Fall eine eigenständige Linie.

Die Ofcet 32 SC ist nun die fahrtentaugliche Weiterentwicklung der Ofcet 32. Die Werft bietet zwar auch die Ofcet 32 in einer Fahrtenvariante an, aber diese unterscheidet sich im Wesentlichen durch den Ausbau von der Regattaversion. Der Ofcet 32 SC hingegen hat die Werft ein komplett neues Deck verpasst. Ein längerer Bugspriet für asymmetrische Vorsegel und ein im Cockpitboden versenkter Traveller sind zwei markante Neuerungen des SC-Decks gegenüber dem Ur-Modell.

Die Werft Ofcet zielt mit der 32 SC auf ein Publikum, das von dem sportlichen Potenzial ihrer Boote angezogen wird, aber nicht unbedingt am Regattazirkus teilnehmen möchte. Es soll möglich sein, ohne viel Aufwand nach Feierabend ein paar Stunden segeln zu gehen. Der verlängerte Bugspriet beispielsweise dient zugleich als Ankerbeschlag, an dem das Geschirr fest angeschlagen bleibt. Für ein Boot, das unkompliziert viel Segelzeit verspricht, geben Leute vielleicht eher Geld aus, so das Kalkül.


»Es soll möglich sein, ohne viel Aufwand nach Feierabend ein paar Stunden segeln zu gehen.«


DECKSLAYOUT: Fürs Segeln optimimiert

1. Fußrasten:
Bieten Halt bei viel Krängung


2. Großes Cockpit:
Viel Platz für Segelmanöver, weniger für lange Abende


3. Bugspriet:
Langer Rüssel für den Gennaker mit Ankerhalterung


4. Fenster:
Gewähren auch einen Blick nach vor anstatt nur zur Seite


UNTERDECK Viele Fensterflächen:

1. Salon:
Lange Sofabänke und eine gute Mischung aus weißen und Holzflächen


2. Kartentisch:
Ungewöhnlich für ein moderns Boot ist der große Kartentisch


3. Pantry:
Kein großer Luxus, aber funktionell. Der Gaskocher sitzt recht weit unten


4. Achterkoje:
Doppelkoje mit Staumöglichkeiten an der Seite


5. Nasszelle:
Nach hinten öffnet sich ein großer Stauraum


6. Vorschiff:
Nicht die größte Liegewiese, aber ausreichend für bequeme Nächte. Staumöglichkeiten nur in kleinen Ablagen längs der Koje


Dennoch merkt man der Ofcet 32 SC ihre Wurzeln im Regattasegeln deutlich an. Da sind zum einen beispielsweise die nüchternen, aber praktischen klappbaren Fußrasten aus Stahlrohr und die Pinne aus demselben Material. Zum anderen sind da die per Trimmleine verstellbaren Thimbles zur Verstellung des Genuaholepunktes. Auch der Segelplan mit dem ausgestellten Großsegel und der schmale T-Kiel mit Bombe versprechen Geschwindigkeitspotenzial.

Alles in allem ist das Deck der Ofcet 32 SC jedoch eine gelungene Vereinfachung und ein Plus an Komfort gegenüber der Ofcet 32 in der Urversion. So hat die Werft beispielsweise die Position der Wanten verändert.

Die Oberwanten enden nun auf dem Setzbord, die Unterwanten knapp am Aufbau. Das macht das Laufdeck frei. Zudem sitzt der Traveller weiter achtern und auf dem Cockpitboden. Dadurch ist das geräumige Cockpit voll nutzbar – die Pinne ist senkrecht nach oben zu klappen.

Leider erlaubt das Wetter uns nicht, das volle Geschwindigkeitspotenzial der Ofcet 32 SC zu untersuchen. Vor dem Yachthafen von Pornic an der Mündung der Loire in Westfrankreich weht nur ein laues Lüftchen. Bei vier bis sechs Knoten wahrer Windgeschwindigkeit kommen wir an der Kreuz mit Genua auf eine Bootsgeschwindigkeit von drei bis fünf Knoten. Immerhin, das lässt erahnen, was bei mehr Wind drin wäre.

Auf Halbwindkurs rollen wir später den Gennaker aus und erreichen mit sieben Knoten die theoretische Rumpfgeschwindigkeit. Es spricht für das Boot, dass es selbst bei leichten Winden so gut in Fahrt kommt. Doch die eigentliche Stärke der Ofcet 32 SC liegt darin, dass sie dank ihrer Rumpfform, Segelfläche und Verdrängung bei etwas mehr Wind als unseren zwei Beaufort die theoretische Grenze der Rumpfgeschwindigkeit überschreiten und in Gleitfahrt übergehen kann wie eine große Jolle.

Ähnlich wie bei einer Jolle ist allerdings auch auf der Ofcet 32 SC der Gewichtstrimm zu beachten. Jedenfalls wird das am Testtag wegen des leichten Winds ziemlich deutlich. Die Yacht reagiert empfindlich auf falschen Längstrimm, also wenn zu viel Crew zu weit achtern sitzt. Kommt der Spiegel frei, reagiert sie schnell. Auch von aktivem Quertrimm profitiert das Boot. Mit der flachen Spantkurve und den Kimmkanten kann man die Yacht fast wie einen Knickspanter auf die Leeseite legen.

Segeln lässt sich die Ofcet 32 SC sehr gut. Der Rudergänger hat das Achterstag, den Traveller, die Großschot und ihren Feintrimm in Reichweite. Dank der Doppelruderanlage und den vorbalancierten Ruderblättern ist kaum Druck am Ruder zu spüren – bei dem leichten Wind am Testtag ist das aber auch kein Wunder. Die Schotwinschen liegen etwas weiter vorne auf dem Süll, sind aber so positioniert, dass die Crew sich problemlos daran anlehnen kann.


»Dank der Doppelruderanlage und den vorbalancierten Ruderblättern ist kaum Druck am Ruder zu spüren«


Auf der Höhe des Rudergängers gibt es kein Süll – er hätte dafür ein paar Relingpolster verdient. Sie nachzurüsten, ist allerdings kein großer Aufwand. Eine Sprayhood gibt es nicht serienmäßig. das ist typisch sowohl für sportliche als auch für französische Boote. Ein guter Kniff ist es, die Aufbaurückwand mit einem Knick auszuführen. Oberhalb des Knicks ist Platz für Instrumente, an die untere Fläche kann man sich anlehnen, ohne dass diese Instrumente in den Rücken drücken.

Das Deck der Ofcet 32 SC verfügt über zwei große Backskisten achtern im Cockpitboden, die Fender und Festmacher aufnehmen können. Genau am Spiegel sind sie ergonomisch vielleicht nicht ganz perfekt positioniert. In der Mitte dazwischen ist Platz für die Rettungsinsel, die nicht nur von oben, sondern auch von achtern – also vom Wasser aus – zugänglich ist, genau so wie die Badeleiter backbord am Spiegel.

Der Niedergang ist durch Brückendeck und Schott so hochgezogen, dass kaum Wasser einsteigen kann.

Unter Deck fällt vor allem die ungewöhnliche Fensterausstattung auf. Die Fenster im Aufbau prägen durch ihre kantige Würfelform schon das äußere Erscheinungsbild der Ofcet 32 SC. Vom Salon aus zeigt sich dann, wofür sie gut sind. Eine Seitenfläche zeigt nach vorne, die zweite nach oben und die dritte ganz normal zur Seite. Damit kann man unter Deck sowohl direkt voraus als auch nach oben ins Rigg peilen. Zudem lässt diese Fensterform auch noch viel Licht in die Yacht.

Licht gibt es außerdem durch die Seitenfenster im Rumpf. Von außen verbergen sich je zwei Seitenfenster in einer weit vorn liegenden Fensterfläche. Von innen wird deutlich: eines der Seitenfenster liegt im Salon, das andere im Vorschiff. Im Schott, das die beiden Räume trennt, liegen auf gleicher Höhe ebenfalls zwei Fenster. Das ermöglicht unter Deck einen Rundumblick auf Augenhöhe, sowohl vom Vorschiff als auch vom Salon aus. Verdunkeln lassen sich die Fenster durch Querrollos. Die Raumaufteilung unter Deck ist ansonsten mehr oder weniger klassisch: Der Niedergang führt zur Pantry an Backbord und zur Navi an Steuerbord. Davor liegt der Salon, der zum Vorschiff führt.

An Backbord achtern befindet sich eine Achterkabine, an Steuerbord achtern die Nasszelle mit dem Durchgang zu einem großzügigen Stauraum. In den zentralen Bereichen kommt man auf eine Stehhöhe von 1,80 Metern. In einigen Bereichen drohen abgedeckte Hutmuttern mit dem einen oder anderen blauen Fleck.

Die Ausrüstung unter Deck ist relativ spartanisch gehalten. Stauräume und Staufächer sind vorhanden, aber mit Schränken oder Schapps in den Kabinen sieht es knapp aus. Auf der Optionsliste stehen textile Kleiderschränke, die per Druckknöpfen an den Flächen befestigt werden können. In der Pantry und in der Navigationsecke sind Schubfächer und Schapps für Ausrüstung vorgesehen. Das Küchenmöbel am Salontisch macht aus der Raumnot eine Tugend und Geschirr sowie Besteck sind am rechten Ort platziert.

Die Anzahl der Schlafplätze lässt sich erweitern. Neben den Kabinen können zwei Personen im Salon nächtigen, wobei die Salonkojen mit 70 Zentimetern schmal sind. Der Stauraum an Steuerbord achtern lässt sich zudem mit zusätzlichen Kojen aufrüsten. Es gibt die Variante mit Rohrkoje, um sich die Flexibilität zu erhalten, und die Möglichkeit einer festen Koje. Dabei ist zu bedenken, dass der Zugang durch die Nasszelle erfolgt und keine Tür vorgesehen ist.

DAS FAZIT

PRO

● vielversprechende Segeleigenschaften
● aufgeräumtes fahrtentaugliches Deck
● innovatives Sichtkonzept unter Deck

CONTRA

● ungünstig platzierte Hutmuttern
● sehr spartanischer Ausbau

KOMMENTAR

segeln -Tester Jan Maas

Innovativ

Einen ‚Sport Cruiser‘ hat Chantier Ofcet versprochen, einen Sportkreuzer hat sie geliefert. Wobei die Ofcet 32 SC eindeutig mehr Sportler als Kreuzer ist. Um sich häuslich einzurichten, fehlen einfach die Stauräume und Möbel, vor allem in den Kabinen. Man lebt aus der Tasche oder dem textilen Kleiderschrank.

Das muss man wissen und mögen. Wenn das kein Problem ist, erhält man mit der Ofcet 32 SC eine höchst fahrtentaugliche Variante einer schnellen Regattayacht. Die Idee eines eigenen Deckslayouts geht vollkommen auf. Der lange Bugspriet macht den Umgang sowohl mit dem Anker als auch mit dem Gennaker für die kleine Crew einfach.

Das Cockpit ist frei von Stolperfallen und lässt keine Wünsche offen: Dösen auf der Ducht oder aktiv mitsegeln – beides kein Problem. Das innovative Sichtkonzept lässt die Crew unter Deck sowohl beim Segeln als auch im Hafen oder beim Ankern am Leben auf dem Wasser teilhaben.

Die nominell sieben möglichen Schlafplätze dürften in der Realität wohl nur selten und wenn, dann übers Wochenende oder auf einer Regatta ausgeschöpft werden. Mit voller Ferienausrüstung wird wahrscheinlich eher eine maximal vierköpfige Familie Platz finden. Aber die kann dann viel Spaß haben, wenn sie gerne sportlich segelt.


Fotos: Jan Maas

Fotos: Jan Maas