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TEST: OLED-TV: DER KLÜGSTE RIESE


video - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 07.09.2018

Von den Vorzügen des neuen intelligenten alpha9- Prozessors von LG konnten wir uns in den vergangenen Wochen schon zweimal überzeugen. Jetzt tritt ein 77-Zöller aus der C-Serie an, der gestochen scharfe Bilder auf gigantische zwei Meter Bilddiagonale zaubern soll.


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Bildquelle: video, Ausgabe 10/2018

Für ein echtes Kino-Feeling zu Hause kann der TV-Bildschirm nicht groß genug sein. Besteht dessen Panel auch noch zufällig aus Millionen von organischen Leuchtdioden, erübrigt sich der Gang ins Lichtspielhaus sowieso. Keine Bild-Technik verspricht derzeit noch leuchtendere Farben, noch bessere Kontraste, ein noch schwärzeres Schwarz, ein noch ...

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... weißeres Weiß. Umso erfreulicher, dass wir als Testgerät den LG OLED 77C8 erhalten haben, der beide anfangs genannten Eigenschaften mitbringt. Es gilt also, einen ultradünnen Premium-TV mit knapp zwei Metern Bilddiagonale unseren Labortests zu unterziehen. Wobei die Bezeichnung „Premium“ schon fast etwas übertrieben zu sein scheint, lässt man den Aspekt der Größe einmal kurz außen vor. Denn die C-Serie im 2018er LG TV-Line-up verspricht bestmöglichste Bildqualität zum bezahlbaren Preis. (In konkreten Zahlen ausgedrückt: Bei 55 Zoll sprechen wir von 2500 Euro, für weitere 10 Zoll muss man dann bereits 1000 Euro mehr investieren.)

Die Magic Remote Fernbedienung wächst zwar nicht mit, bietet aber die identischen Funktionen samt Spracheingabe. Die Reaktionszeit ist vorbildlich.


Intelligenzbestie alpha9

Die besagte bestmögliche Bildqualität machen die Koreaner am neuen Prozessor fest. Dieser schimpft sich alpha9 und bringt gigantisch viel Rechenpower in künstlicher Intelligenz mit. Das verspricht nicht nur allgemein schnellere Reaktionszeiten, sondern äußerst komplexe Algorithmen zur Bildverbesserung. Genauer ausgedrückt sprechen wir über Aspekte wie Skalierung, Nachschärfung, Bewegungsglättung und Entrauschung. Diese kommen bei älterem Quellmaterial und weniger hochauflösenden Bildern besonders zum Einsatz. Schließlich ist UHD-Content seitens der TV-Industrie noch immer wenig verbreitet. Auch wenn die öffentlichrechtlichen sowie privaten Sender ab und an ausgewählte Inhalte in ihren Mediatheken anbieten, werden bis zum Regelbetrieb (geplant 2022) noch einige Jahre vergehen. Mit der UHD-Blu- ray-Disc ist man da schon besser dran. Denn selbstverständlich geht es insbesondere um die Farb- und Schärfe-Wiedergabe für neueste Materialien in 4K/HDR-Qualität. Und in puncto High Dynamic Range hat es LG hier faustdick hinter den Ohren. Doch dazu später mehr.

Optisch gefällt uns der in gebürstetem grauen Aluminium gehaltene Fuß ganz gut. An der Rückseite verdeckt viel Kunststoff die Elektronik-Einheit.


Optimale Einstellungen

Bildmodus: isf Experte heller Raum
OLED-Licht: 100
Kontrast: 87
Helligkeit: 51
Schärfe: 10
Farbe: 50
Farbtemperatur: warm2
RGB-Gain: 0, -1, -2
RGB-Offset: 0, 0, 0
Gamma: BT.1886

Empfohlener Sehabstand

TV: 4,6 m /DVD: 4,1 mHD: 2,7 m /UHD: 1,6 m

Besonders erfreulich ist eben die Tatsache, dass LG alle Serien (außer „B“) mit diesem neuen alpha9-Chip ausgestattet hat. Im Klartext heißt das: Ob man sich nun für den super flachen Flaggschiff-TV W8 (Test invideo 9/18) oder einen Vertreter der Einstiegsserie C8 entscheidet, die Bildqualität bleibt die gleiche. Die großen Unterschiede machen höherwertige Materialien wie Glas oder besseres Sound-Equipment aus. Vor einigen Monaten testeten wir bereits den kleinsten Bruder des 77-Zöllers, den 55C8. Wir waren schlichtweg begeistert. Mit im wahrsten Sinne umso größeren Erwartungen gingen wir also an den Test dieses Modells hier heran.

Bestens ausgestattet

Trotz einigen Zentimetern und Kilogramm mehr gestaltet sich der Aufbau ebenso unkompliziert wie beim kleinen Modell. Der Fuß ist binnen weniger Sekunden zusammengeschraubt und macht optisch wie haptisch einen sehr massiven Eindruck. Im zweiten Schritt wird das Display aufgesetzt und mittels einiger Schrauben befestigt. Schon kann es losgehen. Was die Ausstattung der Elektronikeinheit betrifft (siehe Kasten unten rechts), gibt es keinerlei Abänderungen zum 55-Zöller. Auch die Inbetriebnahme verläuft identisch. Das Bohnenvögelchen erscheint und leitet uns durch die ersten Installationsschritte wie Länderauswahl, Sendersuche oder WLAN-Verbindung. Löblich ist hierbei die ac-Dualband Unterstützung, die insbesondere für das Streamen von 4K/HDR-Inhalten über VoD-Anbieter von großer Bedeutung ist.

Gefahr laufend, dass wir uns wiederholen, verlieren wir hier nur wenige Worte zur Bedienphilosophie. Diese ist bei LG durchaus mustergültig. Ob via Tastendruck per interaktiver Magic Remote Fernbedienung oder Sprachbefehl über das darin eingebaute Mikrofon, die Reaktionszeit ist vorbildlich und man findet sich in Version 4.0 des Systems WebOS überaus gut zurecht, auch als LG-Neuling. Teil des sogenannten ThinQ Smart Home Konzepts, das sich wie ein roter Faden durch sämtliche Produktkategorien zieht, ist die baldige Integration von Googles Assistant und Amazons Alexa. Während wir auf diese beiden Sprachassistenten noch warten müssen, funktioniert die LG-eigene Steuerung per Stimme wirklich erstaunlich zuverlässig und präzise. Man hält einfach die entsprechende Taste gedrückt und spricht den Befehl aus. Im Vergleich zum Vorjahr sind hier deutliche Verbesserungen zu erkennen und weitere Funktionen integriert worden. Cool! Im klassischen Menü sowie im Content-Store findet man sich gut zurecht und auch die automatische Sendersortierung gefällt gut.

Ultraflach: Gerade einmal 85 Millimeter dünn ist das OLED-Panel des 77C8. Der Aufbau gestaltet sich aber unkompliziert. Zu zweit ist das gut zu meistern.


Das brisante Thema „Einbrennen“ greift LG mit einem neuen Feature auf. Statische Bilder wie Senderlogos werden automatisch erkannt und deren Intensität abgemildert. Cool! Dennoch muss man lange Standbilder auf jeden Fall vermeiden.


Im Dolby-Fieber: Vorbildlich ist die Ausstattung mit Atmos und Vision. Bei ausgewählten Netflix-Inhalten (hier: „The Punisher“) kommen wir in den audiovisuellen Genuss beider Techniken. Atmos gibt es auch bei maxdome.


Im LG Content Store steht eine riesige Auswahl an Apps und Inhalten zur Verfügung. Dabei kann man Filme auch nach Genre auswählen.


Für Dolby Atmos Content sollte man den entsprechenden Modus aktivieren. Dann profitiert man von noch etwas räumlicheren Klängen.


Ein Bilder-Traum

Im Galerie-Modus stehen äußerst ansehnliche Bilder als Schoner oder Design-Upgrade fürs Wohnzimmer zur Verfügung. Doch wir sprechen in der Zwischenüberschrift nicht (nur) von diesen traumhaften Landschaftsund Kunstaufnahmen. Vielmehr geht es um das generelle visuelle Erlebnis mit diesem TV-Riesen. Auch wenn man von der Autokalibrierung Gebrauch machen könnte oder wir uns auf unsere isf-geschulten manuellen Einstellungen verlassen, ist das für Otto-Normalverbraucher eigentlich gar nicht nötig. Bereits ab Werk liegt man mit „isf-Experte“ (heller Raum) oder „Kino“ auf Norm-Niveau, was Farbraumabdeckung und Gamma-Kurve anbelangt. Wir basteln nur hier und da noch minimal an der idealen Helligkeits- und Kontrast-Einstellung und an Gain und Offset. Dann offenbaren sich uns bereits mit 1080p-Signalen in SDR-Qualität scharfe Bilder mit sattesten, natürlichen Farben, was der intelligenten Hochrechnung zu verdanken ist. Unsere Messungen (siehe Grafiken S. 38) belegen den visuellen Eindruck mit 100 Prozent BT.709- Farbraumabdeckung und tollen Luminanz- und Sättigungswerten. Das sollte aber inzwischen fast als selbstverständlich angenommen werden. So richtig spannend wird es dann erst beim Thema UHD/HDR-Messung. Neben HDR10 bietet LG hier die größte Auswahl an High Dynamic Range Modi: HLG, Dolby Vision und Technicolor. Letzterer gleichnamiger Bild-Modus empfiehlt sich für die Wiedergabe. Dann kommen auch so vorbildliche Messgrafiken wie oben heraus. Die Maximalhelligkeit von 723 Candela/Quadratmeter kommt zwar nicht ganz an die des 55-Zöllers (756) heran, reicht aber auch bei sehr hellen Umgebungsräumen völlig aus, vom immensen Kontrastumfang ganz zu schweigen. Selbst die Helligkeitsvorgaben für den Eingangspegel (EOTF-Kurve) stimmen perfekt.

Ein massiver Standfuß (6,5 kg) sorgt für stabilen Halt und bietet durch eine spezielle Umlenkung des Schalls nach vorne zugleich akustische Vorteile.


Besonders hervorzuheben ist gerade bei einem TV-Gerät dieser Größe die phänomenale Ausleuchtung sowie Farbverteilung des 171 x 98 Zentimeter großen Displays. Und dank selbstleuchtender Pixel liegt diese bei 98 bzw. 97 Prozent. Sämtliche Zuspiel-Optionen, via UHD-BD, USB (dann sogar mit 120 Hz!), linearem TV-Programm oder per Video-on-Demand meistert der 77-Zöller bravourös und setzt das jeweilige Maximum an Bildqualität gekonnt um. Gerade was die 4K/HDR-Verarbeitung entsprechender Netflix-/Amazon-Inhalte angeht, ist das nicht selbstverständlich. Bildfehler oder Artefakte schleichen sich nur selten ein.

Ein schöner Rücken…

Der LG OLED 77C8 bringt alle wichtigen Anschlüsse für die gängigen Empfangswege (DVBT2 HD, Kabel und Satellit) und entsprechende Zuspiel-sowie externe Audio-Geräte mit. Ein doppelter Vierwege-Tuner lässt Aufzeichnungen (auf eine externe Festplatte) zu, während man gleichzeitig ein anderes Programm anschauen kann. Insgesamt vier HDMI-Buchsen mit Version 2.0b stehen für UHD-Player, Settop-Boxen oder Gaming-Konsolen bereit. Für Letztere sollen sogar 120 Hz in Full-HD möglich sein. Wer eine Soundbar anschließen möchte, wählt den HDMI-Audio-Rückkanal und genießt sämtliche Vorzüge über die CEC-Steuerung (Simplink). Sollte diese zufällig auch Dolby Atmos beherrschen, erfolgt die Weitergabe der Signale vom TV- zur Soundbar dank eARC. USB-Anschlüsse zählen wir drei. Außerdem steht die obligatorische Toslink-Verbindung sowie ein Kopfhörer-Ausgang und ein LAN-Anschluss zur Verfügung.

Aus dem Messlabor

Exzellente Farben

Mit 100% Farbraumabdeckung und perfekt positionierten Farben gibt es im SDR-Modus nichts zu meckern. Die Gamma-Norm hätte noch minimal besser eingehalten werden können. Bei isf oder Kino bedarf es fast keiner Kalibrierung.

Nahezu perfektes HDR

Gemessen im technicolor-Modus ergeben sich auch für HDR-Filme beeindruckend korrekte Messbilder. Die EOTF-Kurve wird mustergültig eingehalten. 74 Prozent Farbraumabdeckung gehen auch völlig in Ordnung.

Damit haben wir getestet

I Kill Giants VoD-Netflix
Unser 2-Meter Bild-Gigant wird aber nicht getötet, sondern spielt sein OLED-Können bei diesem Science-Fiction Streifen voll aus.

• = ja // – = nein
*Abkürzungen für Smart-TV-Dienste:
A=Amazon, Ap=Ampya,
D=Deezer, G=Google,
M=Maxdome,
Mg=Magine, N=Netflix,
R=Rakuten-TV, S=Sky,
Sv=Save.TV, So=Sony
E.N., Sp=Spotify,
Vc=Videociety,
Vl=Videoload,
W=Webbrowser,
Y=Youtube, Z=Zattoo

Welche Atmo-Sphäre

Zum faszinierenden visuellen Eindruck gesellt sich ein tolles auditives Erlebnis, das wir so auch schon vom 55-Zöller kennen- und schätzen gelernt haben. Das liegt am 40- Watt -2.2-Soundsystem mit integriertem Subwoofer, der für akkurate und verhältnismäßig tiefe Bässe sorgt. Gehäuseresonanzen Fehlanzeige. Der Schall wird durch den Fuß als eine Art Trichter nach vorne umgelenkt, was dem sonst so „flachen“ TV-Sound zu mehr Audruckskraft und erstaunlich viel Räumlichkeit verhilft. Dabei sollte man entweder die Dolby-Klangverbesserung inklusive Dolby Atmos oder „adaptive Sound Control“ aktivieren. Beides zusammen verfälscht das ansonsten sehr natürliche und detailgetreue Klangbild zu sehr.

Der Stromverbrauch für ein TV-Gerät dieser Größe geht mit durchschnittlichen 143 Watt im Filmbetrieb übrigens völlig in Ordnung. Von der Verwendung des Sparmodus (ab Werk eingestellt) ist aber eher abzuraten, da gerade OLEDs ihre größten Stärken dann nur bedingt ausspielen können. Und das wäre bei diesem Prachtexpemplar nun wirklich mehr als schade.

Fazit

Da hat LG wirklich „Großes“ vollbracht: Faszinierende Bilderwelten gepaart mit einem tollen Bedienkonzept und allerlei smarten Features. Der OLED77C8 ist wahrlich kein Schnäppchen, aber jeden Euro wert.


Bilder: Hersteller, Antonia Laier