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TEST Olivenöl: Abgeschmiert


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 21.04.2022
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RATGEBER

1

Das Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ extra ist das einzige ohne Mineralöl im Test und schneidet auch insgesamt am besten ab.

2

Immerhin: Zwei Olivenöle schneiden mit „befriedigend“ ab – ein konventionelles und ein ökologisches.

3

In vier konventionellen Ölen stecken Spuren des bienentoxischen Pestizids Deltamethrin – die Bios sind alle frei von Spritzgiften.

Die Regale, in denen sonst Flasche an Flasche aufgereiht jede Menge Sonnenblumenöl steht, sind weitgehend leer – umso wichtiger wäre jetzt die Alternative Olivenöl. Wir bleiben hier aber im Konjunktiv: wäre. Denn die allermeisten Olivenöle in unserem Test sind alles andere als eine Alternative. Fast alle Produkte rasseln gnadenlos durch, ein einziges schneidet mit „sehr gut“ ab, zwei weitere mit „befriedigend“ – immerhin, muss man in diesem Vergleichsfeld sagen. Was läuft bei den anderen falsch?

Eine Menge. Wir haben zwei Hauptkritikpunkte: ...

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... zum einen eine teils extrem hohe Belastung mit Mineralöl, zum anderen ein Geruch und/oder Geschmack, der in drei Fällen gleich so fehlerhaft ist, dass die angegebene Qualitätsklasse „nativ extra“ nicht stimmt. Und damit kommen wir zu Alnatura. Das Alnatura Natives Olivenöl Extra schmeckte unseren geschulten Sensorik-Prüfern ranzig, den Gesamteindruck beschrieben sie mit fehlerhaft. Von wegen „nativ extra“ – das Olivenöl gehört in die Qualitätsklasse „lampant“. Nie gehört? Das liegt daran, dass Lampantöl als Speiseöl in Deutschland überhaupt nicht verkauft werden darf. Die Europäische Kommission schreibt dazu: „Oliven-Lampantöl ist nicht für die Vermarktung im Einzelhandel bestimmt. Es wird raffiniert und für industrielle Zwecke verwendet.“Immerhin: Alnatura hat nach unseren Ergebnissen sofort angekündigt, die Charge aus dem Verkauf zu nehmen.

Zwei weitere Olivenöle erfüllen nach unserer Untersuchung die Bedingungen für „nativ extra“ nicht, obwohl sie auf den Flaschen damit werben: das Ener Bio Spanisches Olivenöl Extra und das La Española Natives Olivenöl Extra. Sie gehören dem Sensorikurteil unserer Expertinnen und Experten nach in die Qualitätsklasse „nativ“ – bei ersterem lautete das Geschmacksurteil „ranzig“, bei dem anderen „stichig, schlammig“. Ein ranziger Fehleindruck ist für gewöhnlich auf Fehler bei der Lagerung zurückzuführen, ein stichiger und schlammiger Eindruck eher auf schlechte Erntebedingungen oder mangelnde Reinigung der Maschinen etwa. Apropos Maschinen. Kommen wir zum Thema Mineralöl.

Mineralöl im Öl

Bis auf ein einziges Produkt sind alle (!)Olivenöle mit Mineralölbestandteilen verunreinigt. Wie das? Ein Eintragsweg sind Schmieröle, mit denen die Oliven schon während der Ernte in Kontakt kommen – etwa über Erntemaschinen, die die Oliven vom Baum rütteln, oder über Kettensägen, mit denen die Bauern die Bäume während der Ernte zurückschneiden. Auch während der Produktion kommen die Oliven mit Maschinen und Förderbändern – und somit auch mit Schmierölen – in Kontakt.

Und was heißt das? Unter Mineralölkohlenwasserstoffen versteht man eine sehr große Gruppe vieler verschiedener Stoffe. Besonders bedenklich sind die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), von denen einige krebserregend sind. In gut einem Drittel der Produkte fand das beauftragte Labor MOAH. Selten sind sich Verbraucherschützer wie wir, die Politik und die Industrie so einig wie in diesem Punkt: MOAH haben in Lebensmitteln nichts zu suchen.

„Was sich in Sachen Mineralöl-Belastung seit unserem letzten Test Olivenöl 2019 getan hat? Gar nichts!“

Lisa-Marie Karl Projektleiterin

Neben den MOAH, die in sieben Produkten gefunden wurden, ist fast jedes Öl unterschiedlich stark mit den gesättigten Kohlenwasserstoffen MOSH/MOSH-Analoge verunreinigt. MOSH reichern sich im Körper an – was das für die menschliche Gesundheit bedeutet, ist bisher noch völlig unklar. Die höchste Belastung im Test –MOSH wie MOAH – steckt im Filippo Berio Classico Natives Olivenöl Extra.

Wenn nun fast alle Olivenöle ein Mineralölproblem haben, kann es dann vielleicht einfach sein, dass das in die Kategorie „blöd, aber geht halt nicht anders“ fällt? Nein. Denn der Anbieter Rapunzel hat das Problem ganz offenbar im Griff.

Das Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ Extra ist das einzige im Test, in dem das von uns beauftragte Labor nicht einmal Spuren von Mineralöl nachwies. Und das nicht nur dieses Mal. Auch in unserem vorigen Test Olivenöl vor drei Jahren fiel das Produkt so positiv auf.

Wer allerdings in unserem Testfeld ein Olivenöl erwartet, das allerhöchsten Geschmackskriterien entspricht, der wird enttäuscht. „Vollkommen harmonisch“ – so nennen das die professionellen Olivenölverkoster – kann so ein handelsübliches Öl ihrer Meinung nach kaum schmecken. Und das bestätigte sich auch in unserem Testfeld. Die Ergebnisse lagen zwischen „eher harmonisch“ und „ranzig“ oder „stichig/ schlammig“, wobei wir nur wirkliche Fehler im Geschmack abwerten, die auch zu einer Herabstufung der Qualitätsklasse führen.

Wer ein „vollkommen harmonisch“ schmeckendes Öl haben will, der muss wohl in speziellen Fachgeschäften und im Onlinehandel ein Premium-Öl kaufen – und deutlich tiefer in die Tasche greifen.

ZAHLEN rund ums Olivenöl

5

Kilogramm Oliven benötigt man in etwa, um einen Liter Olivenöl herzustellen. Das sind etwa 750 Stück. Ob mehrheitlich grüne oder schwarze Oliven verwendet werden, bestimmt neben der Olivensorte den Geschmack – grüne (also wenig reife) sorgen für etwas bittereren, schwarze (vollreife) für eher süßliche Noten.

4.000

Jahre alt ist der älteste Olivenbaum der Welt laut Schätzungen.Er steht auf Kreta.

8,1

Millionen Tonnen Oliven wurden 2020 in Spanien geerntet. Damit ist Spanien mit großem Abstand vor Italien und Griechenland das größte Anbauland für Oliven.

67

Prozent des weltweit produzierten Olivenöls stammt aus der EU.

Quellen: Statista, FAO, Europäische Kommission

So haben wir getestet

19 Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ sind in unserem Einkaufskorb gelandet, darunter neun Bio-Produkte. Wir haben uns für die Eigenmarken der großen Supermärkte, Discounter und Bioketten und bekannte Marken wie De Cecco und Filippo Berio entschieden.

Ein von uns beauftragtes Labor hat die Olivenöle auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen untersucht, die etwa durch Schmieröle in die Produkte gelangen können. Außerdem auf der Prüfliste der von uns beauftragten Labore: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die beim starken Erhitzen während der Herstellung oder Behandlung der Öle entstehen können, Weichmacher, die sich etwa aus ungeeigneten Schläuchen während Herstellung und Abfüllung herauslösen können, und Pestizide.

Die höchste Güteklasse von Olivenöl unterliegt strengen Vorgaben: Neben der Sensorik müssen auch gewisse Qualitätsparameter die gesetzlichen Grenzen einhalten. Auch diese haben wir überprüfen lassen. Einige Öle loben zudem eine besondere Herkunft aus. Diese Angaben ließen wir uns von den Herstellern bis zur untersuchten Charge zurück belegen. Im Zweifel haben wir die ausgelobte Herkunft im Labor überprüfen lassen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: MOAH = aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe; g.g.A. = geschützte geografische Angabe; g.U. = geschützte Ursprungsbezeichnung

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der äußeren Deckelbeschichtung beziehungsweise in der Siegelfolie. 2) Weiterer Mangel: Enthält den Weichmacher Diisononylphthalat (DINP) in einem gemessenen Gehalt über 1 mg/kg, ab welchem der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) für Bio-Ware aus der EU dringend eine Ursachenrecherche empfiehlt, um Eintragswege abzustellen. 3) Deklarationsmangel: Angabe „leicht bitter“ bei einem ermittelten Bitterkeitsmedian von größer 3,0 gemäß Verordnung (EWG)Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen. 4) Deklarationsmangel: Angabe „intensiv fruchtig“ bei einem ermittelten Fruchtigkeitsmedian von kleiner 6,0 gemäß Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen. 5) Abweichendes Qualitätsmerkmal: ein von der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen abweichendes Qualitätsmerkmal für die deklarierte Güteklasse nativ extra (hier: ein gemessener K232-Wert von größer 2,50). 6) Laut chargenähnlichem Anbietergutachten wurden keine Mineralölbestandteile nachgewiesen. 7) Laut Anbietergutachten sowohl der getesteten Charge als auch dessen Mutterlot wurden keine aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) bestimmt. Laut Anbieter werde sich für die stetige Minimierung von Mineralölbestandteilen eingesetzt und im Rahmen eines Aktionsplanes zur Reduktion bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. 8) Laut Anbietergutachten wurden für das Mutterlot, aus dem die von uns getestete Charge des Produkts stammt, keine aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) bestimmt sowie kein sensorischer Fehler „ranzig“ festgestellt. 9) Laut Anbietergutachten wurden für das Mutterlot, aus dem die von uns getestete Charge des Produkts stammt, keine aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) bestimmt. 10) Laut Anbietergutachten wurden für das Mutterlot, aus dem die von uns getestete Charge des Produkts stammt, ein Gehalt an Mineralölbestandteilen (MOSH/MOSH-Analogen) von 3,0 mg/kg bestimmt, welche wir als „erhöht“ einstufen. 11) Laut Anbieter wird die getestete Charge vorsorglich aus dem Verkauf genommen. 12) Laut chargengleichem Anbietergutachten wurde kein Fehler in der Sensorik festgestellt und die Güteklasse nativ extra bestätigt.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik führt zur Abwertung um fünf Noten: ein „fehlerhafter“ sensorischer Gesamteindruck, der bei einem Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“ zur Abstufung in die Güteklasse „lampant“ führt; Angabe des Fehlers „ranzig“ bei „Geruch und Geschmack“; der ermittelte Fehlermedian ist größer 3,5. Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) ein „fehlerhafter“ sensorischer Gesamteindruck, der bei einem Olivenöl der Güteklasse „nativ extra“ zur Abstufung in die Güteklasse „nativ“ führt; Angabe des Fehlers „ranzig“ oder „stichig, schlammig“ bei „Geruch und Geschmack“; der ermittelte Fehlermedian ist größer 1,0 und kleiner gleich 3,5; b) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analoge der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle: „stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analoge der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: „erhöht“); b) ein gemessener Gehalt von 1 mg/kg und mehr an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH), sofern nicht schon für einen Gehalt von MOSH/MOSH-Analoga um vierNoten abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in gemessenen Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Deltamethrin). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (Pestizid-Aktionsnetzwerk); b) ein von der Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen abweichendes Qualitätsmerkmal für die deklarierte Güteklasse nativ extra (hier: gemessener K232-Wert von größer 2,50); c) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analoge der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: „leicht erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Deklarationsmangel: eine Angabe „leicht bitter“ bei einem ermittelten Bitterkeitsmedian von größer 3,0 bzw. eine Angabe „intensiv fruchtig“ bei einem ermittelten Fruchtigkeitsmedian von kleiner 6,0 gemäß Verordnung (EWG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenölen; c) ein Weichmacher in einem gemessenen Gehalt über 1 mg/kg, ab welchem der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) für Bio-Ware aus der EU dringend eine Ursachenrecherche empfiehlt, um Eintragswege abzustellen.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/2205.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2022.

Dieser Test löst den Test Olivenöl aus dem ÖKO-TEST Magazin 5/2019 ab und dessen Wiederveröffentlichung im ÖKO-TEST Jahrbuch für 2020.

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