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TEST ORANGEN: BIO MACHT DAS RENNEN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 31.01.2019

Winterzeit ist Orangenzeit. Doch kann man die Früchte genießen – angesichts von Pestiziden und elenden Arbeitsbedingungen auf den Plantagen? Jein. Insgesamt können wir aber gut die Hälfte der Orangen empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST ORANGEN: BIO MACHT DAS RENNEN" aus der Ausgabe 2/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2019

Schon mit zwei mittelgroßen Orangen decken wir unseren Tagesbedarf an Vitamin C. Das bringt die Abwehrkräfte auf Trab, stärkt unser Bindegewebe und unterstützt die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Der fruchtig-frische Geschmack und der angenehme Duft tun ein Übriges, weshalb wir Orangen gerade in der kalten Jahreszeit besonders gern essen. Dennoch sind die Südfrüchte immer wieder ...

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Schon mit zwei mittelgroßen Orangen decken wir unseren Tagesbedarf an Vitamin C. Das bringt die Abwehrkräfte auf Trab, stärkt unser Bindegewebe und unterstützt die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Der fruchtig-frische Geschmack und der angenehme Duft tun ein Übriges, weshalb wir Orangen gerade in der kalten Jahreszeit besonders gern essen. Dennoch sind die Südfrüchte immer wieder in den Schlagzeilen. Aus mehreren Gründen: zum einen, weil unliebsame Chemie in ihnen stecken soll und zum anderen wegen Missständen auf den Plantagen (siehe ab Seite 52). Letzteres wurde auch in Spanien beobachtet. Um herauszufinden, inwieweit das aktuelle Angebot in den Supermärkten betroffen ist, haben wir nur Orangen aus Europa getestet.
Gefährliche Rückstände. Vor allem der Nachweis besonders bedenklicher Pestizide zieht etliche Noten nach unten. Als besonders bedenklich bewerten wir Pestizide, die internationale Organisationen etwa als krebserregend, schädlich für das Hormonsystem oder stark bienengiftig einstufen. In nahezu allen konventionellen Orangen fand das Labor einen oder mehrere dieser besonders gefährlichen Stoffe. Die Bio-Orangen sind gar nicht oder nur sehr gering belastet. Auch die Orangen von Aldi Nord sowie von Direktversender Fetasoller schneiden bezüglich der Pestizide mit „sehr gut” ab.
Krebsverdächtiger Konservierer auf der Schale. Konventionelle Orangen sind fast immer mit Imazalil behandelt. Das Pilzbekämpfungsmittel sorgt dafür, dass die Früchte auf dem Transport und in den Läden nicht frühzeitig verderben. Imazalil gilt als krebsverdächtig. Unschön, denn geringe Mengen dieser Substanz können beim Aufschneiden, Schälen oder Auspressen im essbaren Anteil landen. Positive Beispiele: Aldi Nord konserviert mit unbedenklichem Kaliumsorbat und Granini verzichtet ganz auf eine Konservierung.


„Es ist besorgniserregend, dass die EU die Neubewertung bedenklicher Pestizide, die eigentlich verboten werden müssten, immer wieder verschleppt.”

Foto: privat

Dr. Peter Clausing, Toxikologe und im Vorstand von PAN Germany


Umstrittenes Insektizid in neun Apfelsinen. Chlorpyrifos wird während des Anbaus gespritzt. Es soll die Früchte vor der Mittelmeerfliege schützen. Das Insektengift zählt zu den hormonell wirksamen Pestiziden. Es steht zudem im Verdacht, sich negativ auf die Hirnentwicklung von Kindern auszuwirken. Gut untersucht ist Foto: privat bislang Chlorpyrifos-Ethyl, es steckt in der Lidl-Orange. Bei den anderen Laborfunden handelt es sich um die weniger gut untersuchte, aber chemisch ähnliche Substanz Chlorpyrifos-Methyl. Ihr werden ebenfalls hormonschädliche Effekte nachgesagt. Umso unverständlicher ist die Entscheidung der EU, die veralteten Genehmigungen der beiden Insektizide bis zum 31. Januar 2020 erneut zu verlängern. Dazu Peter Clausing, Toxikologe und Vorstandsmitglied beim deutschen Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN): „Wenn es den Behörden an Ressourcen mangelt, müssten kritische Stoffe wie Chlorpyrifos prioritär behandelt werden.”
Nicht verkehrsfähig: die Orangen von Direktversender Orangesonline. Sie enthalten zwei Pestizide, deren Gehalte die gesetzlichen Grenzwerte deutlich überschreiten. Einer dieser Stoffe ist in der EU sogar verboten. Die beiden Pestizide sind überdies als besonders gefährlich einzustufen. Da sich Anbieter Orangesonline noch nicht einmal zum Testergebnis äußerte, ist zu befürchten, dass er die Tragweite nicht im Blick hat. Klares Fazit: nicht kaufen.
Produktion und Transparenz: von „sehr gut” bis „ungenügend”. Die meisten Anbieter schickten uns Auditberichte zu den Arbeitsbedingungen und zum Umgang mit Pestiziden. Die Audits basieren auf der Unternehmensinitiative Global Gap und Grasp. Grasp lässt dabei durch externe Zertifi zierungsorganisationen überprüfen, ob die Orangenbetriebe grundlegende ILO-Kernarbeitsnormen einhalten und Pfl ücker und Angestellte nach den gesetzlichen Mindeststandards, in Spanien auch nach Tarif, bezahlen. Wir legen die Audits für unsere Bewertung zugrunde, auch wenn es strengere Standards gibt, Fairtrade zum Beispiel. Fairtrade oder vergleichbare Organisationen sind jedoch in Südeuropa nicht aktiv. Insgesamt bemängelte Grasp nur kleinere Missstände. Hinweise auf illegale Beschäft igung haben wir nicht gefunden.
Blackbox Direktversender. Da die Direktvermarkter als zum Teil kleine Familienbetriebe nicht nach Global Gap zertifi ziert sind, konnten sie die Arbeitsbedingungen für ihre Pfl ücker nur unzureichend belegen. Das schmälert die teilweise guten Ergebnisse unter den Inhaltsstoffen.
Schutz vor Pestiziden. Fast alle Anbieter belegen, dass Pestizide sicher ausgebracht werden. Kein einziger verbietet jedoch alle nach Einschätzung von ÖKO-TEST besonders gefährlichen Pestizide und zieht sich meistens auf EU-Regelungen zurück.

ÖKO-TEST RÄT

► Die meisten Bio-Orangen sind einwandfrei. Mit geringen Abstrichen können wir die Bio-Orangen von Alnatura und Kaufland sowie die konventionellen Marken von Norma, Edeka, Netto und Aldi empfehlen.
► Behandelte Orangen vor dem Schälen oder Pressen warm abwaschen und gut abtrocknen. Nach dem Schälen die Hände nochmals waschen. Abgeriebene Orangenschale nur von Bio-Früchten verwenden, da diese nach der Ernte nicht konserviert werden dürfen.
► Orangen nicht im Kühlschrank lagern. Sie können trotzdem verderben und verlieren an Aroma.

ÖKO-TEST

„Für den Test haben wir bevorzugt Netzware gekauft, weil man diese den Anbietern eindeutig zuordnen kann. Lose Orangen wären natürlich besser. Oft kann man aber nicht erkennen, woher unverpacktes Obst kommt. Darauf sollte der Handel verstärkt achten.”

Birgit Hinsch, ÖKO-TEST-Redakteurin


Foto: Anja Wägele

DREI FRAGEN – DREI ANTWORTEN

1 Warum werden Orangen gewachst?

Weil die natürliche Wachsschicht durch die Reinigung nach der Ernte verloren geht und die Früchte austrocknen könnten. Konventionelle Hersteller verwenden in der Regel künstliche Polyethylenwachsoxidate und Schellack, das Sekret der Gummischildlaus. Für Bio ist nur das Wachs der Carnaubapalme erlaubt. Apropos Schellack: Orangen mit diesem Wachs sind nicht vegan!

2 Sind grüne Orangen sauer?

Nicht unbedingt. Orangen sind reif, wenn sie ein ausgewogenes Verhältnis von Fruchtsäure und Zucker entwickelt haben. Die orange Farbe entsteht erst bei niedrigen Temperaturen. Werden die Früchte geerntet, bevor die Nächte ausreichend kühl sind, bleibt die Schale grün. Die Hersteller helfen dann nach, indem sie die Früchte mit dem Reifehormon Ethylen begasen.

3 Warum Orangen bei Direktversendern bestellen?

Weil man damit kleine Erzeuger unterstützt, die ansonsten aufgeben müssten. Orangenbauern in Südeuropa leiden zunehmend unter dem Preisdruck und der Marktmacht der großen Handelsketten. Direktversender liefern „direkt”, also ohne Zwischenhändler. Nachteil: externe Kontrollen fehlen oftmals.

SO TESTET ÖKO-TEST

Dieses Mal sollten ausschließlich europäische Orangen in den Test. Sie waren ab November in den Läden erhältlich. Insgesamt kauften wir 25 Früchte, darunter acht Bio-Orangen und drei Orangen von Direktversendern. Im Labor untersuchten Spezialisten die Proben auf mehr als 600 verschiedene Pestizide. Mit dieser Analyse konnten sie auch feststellen, ob die Schalen mit Konservierungsmitteln behandelt sind. Bei konventionellen Orangen ist das fast immer der Fall. Wir befragten die Hersteller außerdem zu den Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen. Die Antworten sollten sie durch unabhängige Nachweise, etwa Auditberichte oder Zertifi kate, belegen können.
Das Gesamturteil basiert vorrangig auf den Ergebnissen der Pestizidanalysen.Überschreitet ein Gehalt den gesetzlichen Grenzwert, lautet das Urteil „ungenügend”. Auch für besonders bedenkliche Pestizide haben wir Abzüge vorgenommen. Das Testergebnis Produktion und Transparenz kann das Gesamturteil nur verschlechtern. Wir kritisieren unter anderem fehlende oder unzureichende Belege.


Foto: Egor Rodynchenko/Shutterstock