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TEST PAK in Kinderartikeln: MogelPAKungen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2014 vom 25.07.2014

Nach jahrelanger Kritik hat die Politik endlich reagiert und Grenzwerte für krebserregende PAK festgelegt. Eine gute Nachricht? Leider nein. Denn die neue Verordnung sorgt nicht für ausreichenden Schutz. Zudem zeigt unser Test: Zig Kinderartikel sind geradezu mit PAK verseucht. Von Roman Goll


Artikelbild für den Artikel "TEST PAK in Kinderartikeln: MogelPAKungen" aus der Ausgabe 8/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Albert Schleich/Fotolia

Sie sind giftig, umweltschädlich und gelangen über Haut, Nahrung und Atemwege in den Körper: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Da PAK bei jeder Verbrennung auf natürliche Weise entstehen, lässt es sich kaum vermeiden, mit ihnen in Berührung zu kommen. Sie finden ...

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... sich in vielen Alltagsartikeln: Mousepads, Griffe, Schuhe, Spielzeug… Die Liste der Produkte, in denen ÖKO-TEST bereits PAK nachgewiesen hat, ist lang. Ursache sind meist kontaminierte Weichmacheröle, die Kunststoff oder Gummi zugesetzt werden, um die gewünschte Elastizität zu erreichen. So werden aus sprödem PVC-Kunststoff weiche Puppenköpfe oder aus einer harten Kautschukmischung flexible Gummistiefel. Zudem verwenden die Produzenten häufig Industrieruß, um Kunststoffe schwarz einzufärben.


Absurder EU-Vorschlag: Mehr PAK in Spielzeug als in Autoreifen


Der Hintergrund: PAK-haltige Weichmacheröle, etwa Teeröl, machen die Produkte billig. Sie sind ein Neben- oder Abfallprodukt bei der Kohle- oder Erdölverarbeitung. Alternativen sind wegen ihrer aufwendigeren Herstellung meist teurer. Auch fehlt der nötige Druck auf die Hersteller, diese zu nutzen.

Seit Langem ist bekannt, dass zahlreiche PAK Tumore auslösen können. Doch es gibt bislang kaum europa weite verbindliche Grenzwerte für PAK in Produkten. Die Folge: „Immer wieder kommt extrem belastete Ware, darunter auch jede Menge Spielzeug, auf den deutschen Markt, die wir nicht verbieten können“, sagt Dr. Jakob-Matthias Drossard vom Bundesumweltministerium. Meist handele es sich um Artikel aus dem Billigoder Importsegment. Den Preis dafür zahlen vor allem die Allerkleinsten. Untersuchungen im Urin bestätigten die Vermutung, dass Kinder stärker mit PAK belastet sind als Erwachsene (siehe „Steckbrief PAK“, Seite 87).

Um die vorhandenen Gesetzeslücken zu schließen, reichten deutsche Behörden im Jahr 2010 einen Beschränkungsvorschlag unter der europäischen Chemikalienverordnung Reach ein. Produkte sollten nicht mehr als 0,2 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) jeder einzelnen der bisher acht als krebserzeugend eingestuften PAK-Verbindungen enthalten – so die Forderung. Da hinsichtlich der krebserzeugenden Wirkung keine unbedenkliche Dosis für den Menschen abgeleitet werden kann, sprach sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dafür aus, das Alara-Prinzip (as low as reasonably achievable) anzuwenden, wonach die Belastung so weit zu senken ist, wie dies vernünftigerweise machbar ist.

Ein Jahr später präsentierte die Europäische Kommission einen eigenen Vorschlag. Spielzeug und Produkte für Kinder bis 14 Jahre sollten durch PAK-Grenzwerte beschränkt werden. Die dafür vorgeschlagene Obergrenze lag bei 1 mg/kg. Im Falle der gefährlichen Leitsubstanz Benzo[a]pyren ist das so viel, wie in Weichmacherölen für Autoreifen enthalten sein darf – im Reifen selbst würden dann, bei einem realistischen Mischverhältnis von eins zu zehn, maximal 0,1 mg/kg des Krebsgifts landen. Anders gesagt: Was die Hersteller von Autoreifen schaffen, sollte für Spielzeughersteller technisch nicht machbar sein.

Erst nachdem die Mitgliedsländer mehrheitlich abgelehnt hatten, besserte die Kommission nach. Die Ein-Milligramm-Grenze soll künftig für Verbraucherprodukte wie Sport- und Haushaltsgeräte, Werkzeuge oder Bekleidung gelten. Für Spielzeug und Babyartikel wurde ein Wert von 0,5 mg/kg festgesetzt. Ein großer Wurf ist das nicht. Zum Vergleich: Beim GS-Zeichen für Geprüfte Sicherheit liegt der Höchstgehalt für PAK in Babyartikeln zur Zeit noch bei niedrigeren 0,2 mg/kg. Allerdings gilt der Wert für die Summe von 18 PAK-Verbindungen und nicht für eine Einzelverbindung. ÖKO-TEST geht noch weiter und lässt auf 25 PAK-Verbindungen untersuchen. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes stufen wir bereits PAK-Einzelgehalte ab 0,1 mg/kg als erhöht ein und ab.

Giftige PAK-Verbindungen finden sich in zahlreichen Gegenständen des Alltags, vor allem in weichen Kunst stoff en. Besonders betroff en ist deshalb der Sport-, Spiel- und Freizeitbereich.


Foto: Zoonar RF/Thinkstock

Die Bundesregierung spricht hinsichtlich der am 27. Dezember 2015 in Kraft tretenden PAK-Verordnung „von einem guten Kompromiss“, wolle sich aber „weiter für einen niedrigeren Grenzwert einsetzen“. Eine Revisionsklausel verpflichtet die Kommission dazu, die festgelegten Werte bis Dezember 2017 zu überprüfen. Zudem plant das Umweltbundesamt (UBA) weitere Schritte: „Dazu gehört die Identifizierung von weiteren PAK als besonders besorgniserregende Stoffe im Sinne der europäischen Reach-Verordnung.“ Dann haben Verbraucher das Recht, sich beim Handel zu erkundigen, in welchen Produkten PAK in welchen Konzentrationen enthalten sind, heißt es in einem UBA-Hintergrundpapier.

Dass die deutschen Behörden solche Verfahren in Gang bringen, ist auch auf die jahrelange Kritik von ÖKO-TEST zurückzuführen. PAK-verseuchte Pro dukte sind vermeidbar, da längst alternative Materialien zur Verfügung stehen.

Halten die aktuell auf dem Markt befindlichen Kinderartikel die kommenden Grenzwerte schon ein? Und sorgen sie für ausreichend Sicherheit? Wir haben risikoorientiert eingekauft: übel riechende Artikel oder Produkte aus Gummi und Weich-PVC. 30 Produkte wurden ausschließlich auf PAK untersucht.

Das Testergebnis

…ist besorgniserregend: Zwei Kinderartikel würden nicht einmal die Vorgaben für „Erwachsenenprodukte“ aus der geplanten PAK-Verordnung erfüllen. Bis diese Ende 2015 in Kraft tritt, darf die belastete Ware weiter verkauft werden. Aber auch Produkte, die den künftigen Anforderungen entsprechen, sind teil weise geradezu mit PAK verseucht. Denn das Regelwerk berücksichtigt nur jene Verbindungen, die als nachweislich krebserzeugend eingestuft sind. Andere PAK, die laut Experten vermutlich ebenfalls Krebs auslösen können, wie das besonders häufig vorkommende Naphthalin, bleiben außen vor. Fazit: Ein ausreichendes Schutzniveau wird auch durch die neue Verordnung nicht erreicht.
Starke PAK-Belastung: 13 von 30 untersuchten Kinderartikeln enthalten PAK in stark erhöhten Mengen. In zwei Produkten ist der PAK-Anteil besonders hoch: Wäre der Flummi mit weißer Blume ein Straßenbelag, so müsste dieser als „pech-/teerartig“, also als gefährlicher Abfall, eingestuft werden, was erhöhte Anforderungen für eine umweltgerechte Weiterverwendung oder Entsorgung zur Folge hätte. Nachgewiesen wurde hauptsächlich Pyren, ein Stoff, der normalerweise in Steinkohleteer vorkommt. The Funkys Sticker sind uns schon im Laden durch ihren muffigen Geruch aufgefallen. In der Aufkleber-Stinkbombe steckt eine gehörige Portion an Naphthalin. Naphthalin war früher als Wirkstoff in Mottenkugeln enthalten, wird aber heute wegen seines unangenehmen Geruchs und der gesundheitsschädlichen Eigenschaften durch andere Substanzen ersetzt.
Mehr krebserzeugende PAK als künftig erlaubt: In vier Produkten wurden beträchtliche Mengen mehrerer krebserregender PAK-Verbindungen nachgewiesen. Daher stufen wir sie als „extrem belastet“ ein. Wie hoch die Belastung tatsächlich ist, zeigt ein Vergleich: Die betrof fenen Gummistiefel und Strandbälle enthalten etwa zwei bis neun Mal so viel Benzo[a]pyren, wie über Weichmacheröle in Autoreifen gelangen darf – und das ganz legal. Denn der Gesetzgeber erlaubt in Spielzeug hundertmal so viel Benzo[a]pyren wie in Weichmacher-ölen für Autoreifen. Auch mit Inkrafttreten der neuen PAK-Verordnung darf Spielzeug immer noch die fünffache Menge eines Autoreifens mit zehn Prozent Weichmacherölanteil enthalten – absurd! Als „Fehlschuss“ erweist sich der Best Sporting Beach Football. Der Hersteller des Balls schrieb uns, „dass es sich bei dem Artikel nicht um einen Kinderartikel handelt, sondern um einen Freizeitartikel, der überwiegend von Erwachsenen und Jugendlichen benutzt wird“. Auch wenn wir anderer Meinung sind, da gerade Kinder gerne mit solchen weichen Bällen spielen, würde dies an unserem Fazit nichts ändern: Der nachgewiesene PAK-Gehalt übersteigt nicht nur den künftigen Grenzwert für PAK in Kinderartikeln zirka um das Zwölffache, auch das Limit für andere Erzeugnisse, zum Beispiel Werkzeuggriffe, würde das Produkt noch etwa ums Sechsfache überschreiten.

So reagierten die Hersteller

■ Offenbar hat unser Test einiges bewirkt, zwei Hersteller kündigten sofortige Maßnahmen an: Bertoy/Crocodile Creek schrieb uns, dass er seinen Kautschukball mit der betroffenen Chargennummer (FZ2172-FJ-1213) zurückrufen werde. Dieser stamme „aus einer älteren Produktion, die vor Aufsetzung der gesetzlichen Vorgaben für Dezember 2015 hergestellt wurde“. Gollnest & Kiesel teilte uns zu seinem Flummi mit: „Wir müssen leider feststellen, dass der Lieferant für die fragliche Charge offensichtlich von der freigegebenen Rezeptur abgewichen ist. Die betroffene Charge (112037) ist auch bei unseren Nachuntersuchungen als belastet getestet worden (…) und wird mit sofortiger Wirkung zurückgerufen und nicht mehr ausgeliefert.“
Einige Anbieter wandten ein, dass der neue Grenzwert für krebserregende PAK in Spielzeug und Babyprodukten ausreichend sei, da er deutlich strenger ist, als es die aktuelle Spielzeugrichtlinie vorsieht. Letzteres stimmt zwar. Allerdings taugt der Grenzwert der Spielzeugrichtlinie in keinster Weise als Vergleichsgröße. Denn er orientiert sich am Chemikalienrecht zu Gefahrstoffen und nicht an der PAK-Exposition von Kindern durch Spielzeug. Nur um eine Vorstellung zu bekommen, was das bedeutet, haben die Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung Folgendes errechnet: Geht man von dem nach der Spielzeugrichtlinie maximal zulässigen Gehalt der PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren aus, so kann ein Kind über einstündigen Hautkontakt beim Spielen eine Menge davon aufnehmen, die höher liegt als der PAK-Gehalt im Rauch von 40 Zigaretten.

Abkürzungen: PAK = polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wurde der Artikel wegen Qualitätsverschlechterung aus dem Sortiment genommen. 2) Laut Anbieter wird die belastete Charge (FZ2172-FJ-1213) zurückgerufen. 3) Laut Anbie ter wird das Produkt nicht mehr hergestellt. 4) Laut Anbieter wird die belastete Charge (112037) zurückgerufen. 5) Laut Anbieter handelt es sich um eine Vorjahreslieferung, für die Saison 2014 sei das Material umgestellt worden. 6) Neuer Anbieter: Laut Firma Palm Beach hat sie seit Juni 2014 den Vertrieb der Marke Ipanema in Deutschland übernommen.
Legende: Produkte mit der gleichen Einstufung sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. PAK-Gehalt „erhöht“ steht bei Produkten, die mehr als 0,1 bis 1 mg/kg einer oder mehrerer Einzelverbindungen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe enthalten, soweit sie sich nicht auf mehr als 1 mg/kg addieren. Ein erhöhter PAK-Gehalt führt zur Einstufung „belastet“. Ein „stark erhöhter“ PAK-Gehalt von in der Summe mehr als 1 mg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) führt zur Einstufung „stark belastet“, falls nicht mehr als 0,1 mg/kg der PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren oder mehr als 0,5 mg/kg eineroder mehrerer der weiteren als krebserzeugend eingestuften PAK-Verbindungen (Benzo[e]pyren, Benzo[a]anthracen, Chrysen, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[j]fluoranthen, Benzo[k]fluoranthen und Dibenzo[a, h]anthracen) nachgewiesen wurden. „Mehr Benzo[a]pyren als über Weichmacheröle in Autoreifen gelangen darf“ steht bei Produkten, in denen ein Gehalt von mehr als 0,1 mg/kg Benzo[a]pyren nachgewiesen wurde. Diese Einstufung beruht auf dem gesetzlichen Benzo[a]pyren-Grenzwert in Weichmacherölen für Autoreifen (= 1 mg/kg) sowie auf Basis einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung, wonach der Anteil des Weichmacheröls im Autoreifen bei rund zehn Prozent liegt, woraus ein Benzo[a]pyren-Eintrag über Weichmacheröle in den fertigen Reifen von maximal 0,1 mg/kg resultiert. Ein Gehalt von mehr als 0,1 mg/kg Benzo[a]pyren oder ein Gehalt von mehr als 0,5 mg/kg einer oder mehrerer der weiteren als krebserzeugend eingestuften PAK-Verbindungen (siehe oben) führt zur Einstufung „extrem belastet“. Laut einer neuen EU-Verordnung dürfen ab dem 27. Dezember 2015 Spielzeuge sowie Artikel für Säuglinge und Kleinkinder nicht mehr als 0,5 mg/kg der genannten acht als krebserzeugend eingestuften PAK enthalten. Für andere Verbrauchererzeugnisse (zum Beispiel Werkzeuggriffe) gilt ein Grenzwert von 1 mg/ kg. Die Einstufung „PAK-Gehalt wie in pechartig einzustufendem Straßenbelag“ steht bei Produkten mit einem PAK-Gehalt von in der Summe mehr als 25 mg/kg PAK. Ab diesem Gehalt erfolgt laut „Richtlinien (RuVA-StB 01-2005) für die umweltverträgliche Verwertung von Ausbaustoffen mit teer-/pechtypischen Bestandteilen sowie für die Verwertung von Ausbauasphalt im Straßenbau“ eine Einstufung als „teer-/pechhaltiger Straßenaufbruch“, für dessen Verwertungsverfahren und Einbauweisen dann erhöhte Anforderungen zu beachten sind.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1408“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: April 2014.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/ oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

► Leider erkennt man PAK-haltige Produkte nicht so einfach, einige verströmen aber noch lange nach dem Kauf einen starken, öligen Geruch, den man von der Tankstelle kennt – also Finger weg von stinkenden Gummi- oder Plastikteilen.
► Verzichten Sie auf importiertes Billigspielzeug, darin werden am häufigsten PAK oder andere gesundheitsschädliche Stoffe festgestellt.
► Wenn Sie bereits eines der stark beziehungsweise extrem belasteten Produkte im Haushalt haben: am besten ins Geschäft zurückbringen oder entsorgen. Letzteres ist auch deshalb ärger lich, weil die belasteten Produkte so in die Müllverbrennung geraten.

Steckbrief PAK

Foto: Grzegorz Petrykowski/Hemera/Thinkstock

Wie entstehen sie?
PAK kommen in der Umwelt als Gemische aus geschätzten 10.000 Verbindungen vor, viele PAK sind krebserregend, können das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden. Sie entstehen, wenn organische Materialien wie Holz oder Öl unvollständig verbrannt werden oder mit Rauch und Verbrennungsgasen in Verbindung kommen. Die von Menschen verursachten Emissionen stammen vor allem aus Verbrennungs- und Industrieprozessen, Kaminöfen und anderen Feuerstellen. Auch sind PAK natürlicher Bestandteil der fossilen Rohstoffe Kohle und Erdöl, das bis zu 7 Prozent PAK enthält. Durch Veredlungsverfahren wie der Verkokung von Kohle oder der Raffination von Erdöl durch Kracken, entstehen Produkte wie Koks, Teer, Benzine, Wachse oder Öle.

Wo stecken PAK überall drin?
Mithilfe der Teeröle und bestimmter Öle aus der Erdölverarbeitung werden Gummi- und Kunststoffprodukte „weichgemacht“, zum Beispiel Mousepads, Spielzeug oder Badeschuhe. In Nahrungsmitteln können ebenfalls PAK enthalten sein, ÖKO-TEST wies PAK in diversen Speiseölen und Grillsaucen nach. Aber auch geräucherte Produkte, Kakao und Schokolade sind teil weise belastet. Darüber hinaus finden sich PAK in Reifen, Schutzanstrichen, Straßenbelägen für Asphalt, Kohlebriketts sowie in Tabakrauch und in den Dieselmotorabgasen von Autos, Zügen, Schiffen und großen Maschinen.

Was richten sie in der Umwelt an?
PAK verbleiben sehr lange in der Umwelt und werden dort kaum abgebaut. Gebunden an Staub- oder Rußpartikel steigen sie auch in die Atmosphäre auf und können wegen ihrer Langlebigkeit über weite Strecken transportiert werden. Beim Kohleabbau gelangen PAK über Stäube in die Umwelt, auch das Haldenmaterial enthält teilweise PAK und belastet dadurch Böden, Gewässer und Grundwasser. Auf den Geländen ehemaliger Gaswerke und Koke reien sind die Böden und das Grundwasser meist stark mit PAK belastet. Durch Lecks oder Unfälle bei der Erdölförderung gelangen Tausende Tonnen hochgiftiger PAK in Flüsse, Seen und Meere, was die vorhandenen Ökosysteme auf Jahrzehnte schädigt.

Wie stark sind Kinder gefährdet?
Aufgrund ihrer besonderen Lebensweise sind Kinder den PAK am stärksten ausgesetzt. Denn Kinder stecken sich Produkte auch in den Mund, sie krabbeln oder spielen auf dem Boden und oft auch im Freien – dort haben sie häufiger direkten Kontakt mit belastetem Sand und Staub. Im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht nehmen Kinder wesentlich mehr Nahrung auf als Erwachsene, auch ist ihre Körper- und Lungenoberfläche im Verhältnis größer, was zu einer stärkeren Gesamtbelastung bei der Aufnahme von Stoffen über Hautkontakt und Atmung führt.
(Quellen: Umweltbundesamt, Bundesinstitut für Risikobewertung)

Foto: Stuart Monk/Shutterstock

So haben wir getestet

Der Einkauf
In unserem Einkaufswagen landeten nur Kinderartikel, die stark geruchsbehaftet waren und aus Materialien hergestellt sind, die erfahrungsgemäß besonders häufig mit PAK belastet sind: weiche Gummi- und Kunststoffteile oder schwarz eingefärbte Produkte. Das konnte Billigware sein, genauso wie Markenartikel aus gut sortierten Spielwarengeschäften oder Kaufhäusern.

Die Inhaltsstoffe
Da PAK fast immer als Gemische vieler Hunderter Einzelverbindungen auftreten, konzentrieren sich Labore bei der Analyse auf ausgewählte, bekannte Leitsubstanzen der PAK. ÖKO-TEST lässt auf insgesamt 25 PAK-Verbindungen prüfen, die es aufgrund ihrer krebserregenden Eigenschaften oder ihrer Umweltrelevanz auf die Prioritätslisten des EU-Lebensmittelausschusses und der US-Umweltbehörde (EPA) geschafft haben. Damit geht ÖKO-TEST weiter als Landesuntersuchungsämter, die deutlich weniger Verbindungen erfassen. Zudem ist das von ÖKOTEST beauftragte Labor in der Lage, PAK bereits in Spurenbereich ab 0.001 mg/kg nachzuweisen. Zum Vergleich: Beim Prüfverfahren für das GS-Zeichen liegt die Nachweisgrenze bei 0,2 mg/ kg, dem 200-fachen.

Mithilfe einer speziellen Apparatur und eines Lösemittels werden die PAK aus dem zerkleinerten Probenmaterial eines Kindergummistiefels herausgelöst.


Foto: Labor

Das Fazit
Da wir uns auf die PAK beschränkt haben, vergeben wir kein Gesamturteil. Wir zeigen aber auf, wie hoch die Belastung der Kinderartikel ist – von „belastet“ über „stark belastet“ bis „extrem belastet“. Da viele PAK krebserregend sind oder im Verdacht stehen, Krebs auszulösen, und es für solche Stoffe keine unbedenklichen Gehalte gibt, stuft ÖKO-TEST bereits einen Gehalt von mehr als 0,1 mg/kg einer PAK-Verbindung als „belastet“ ein. „Extrem belastet“ sind Produkte, deren PAK-Gehalt die künftigen Grenzwerte übersteigt, und Produkte, die mehr Benzo[a]pyren enthalten, als derzeit über Weichmacheröle in Autoreifen gelangen darf.