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TEST Parfüms Das riecht nach Ärger


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2011 vom 25.11.2011

Ob frische Zitrusnote, blumiger, holziger oder orientalischer Duft: Bei der Wahl eines Parfüms lassen wir uns meist von der Nase leiten und weniger von den Inhaltsstoffen. Das ist allerdings häufig keine gute Entscheidung, wie unser aktueller Test zeigt.


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Foto: Eric Isselée/Fotolia.com

Ein Mann verliebt sich in eine Frau, er verliebt sich in ihren Duft. Mit einer klassischen Liebesgeschichte, in der die Schauspielerin Emma Watson die Hauptrolle spielt, bewirbt das Kosmetikunternehmen Lancôme seinen aktuellen Duft Trésor Midnight Rose. Das Modelabel Diesel geht es weniger romantisch an: Hier haut der neue ...

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Ein Mann verliebt sich in eine Frau, er verliebt sich in ihren Duft. Mit einer klassischen Liebesgeschichte, in der die Schauspielerin Emma Watson die Hauptrolle spielt, bewirbt das Kosmetikunternehmen Lancôme seinen aktuellen Duft Trésor Midnight Rose. Das Modelabel Diesel geht es weniger romantisch an: Hier haut der neue Duft Loverdose die Männer im wahren Sinn des Wortes reihenweise um. Beiden TVSpots gemeinsam ist die Botschaft, dass Frauen, die Parfüms tragen, anziehend auf Männer wirken. Auch wenn das Thema ein alter Hut ist, die Duftindustrie trifft damit immer noch ins Schwarze: Begehrenswert ist neben trendig, sympathisch und niveauvoll die mit Abstand am häufigsten genannte Eigenschaft, die Frauen für ihre Parfümmarke wählen. Dazu passt, dass fast ein Viertel der Verbraucherinnen zwei oder drei Düfte benutzen.


Jeder vierte neue Damenduft verschwindet nach einer Saison wieder


Rund eine Milliarde Euro gaben die Deutschen 2010 für Damendüfte und -parfüms aus. Um neue Kaufanreize zu schaffen, werden Jahr für Jahr mehr als 200 neue Düfte auf den Markt gebracht. „Weniger wäre mehr“, sagt Elmar Keldenich, Geschäftsführer des Bundesverbands Parfüme- rien. Denn rund ein Viertel der 158 neu lancierten Damendüfte im vergangenen Jahr sind nur für eine Saison bestimmt. „Viele Kundinnen verärgert es, wenn sie den Duft, der ihnen gefällt, schon eine Saison später nicht mehr erhalten“, ist Keldenichs Erfahrung. Aber noch aus einem anderen Grund wünscht er sich mehr Klasse statt Masse: „Unter den längerfristig geplanten Neuheiten ist die Flopquote sehr hoch. Nur ein Prozent schafft es, sich über fünf Jahre auf dem Markt zu halten und sich als Klassiker zu etablieren.“

ÖKO-TEST rät

•Allergene Duftstoffe müssen deklariert werden. Nicht alle Substanzen wirken gleichermaßen allergen, ein besonders starkes Potenzial haben aber Eichenmoos (Evernia prunastri extract) und Baummoos (Evernia Furuacea extract), Isoeugenol und Cinnamal.

•Auch Duftstoffe, die über Jahre hinweg anscheinend problemlos vertragen wurden, können Allergien auslösen. Ob das Lieblingsparfüm der Auslöser dafür ist, kann nur ein Allergietest klären.

•Wenn Sie auf Parfüms nicht verzichten mögen, sprühen Sie den Duft lieber auf Kleidung oder Haare und nicht direkt auf die Haut.

Auch abseits des Massenmarktes entscheiden die Verkaufszahlen darüber, ob ein Parfüm langfristig im Regal zu finden ist. Bei der Naturduft-Manufaktur Taoasis rechnet man damit, dass dies bei den im vergangenen Jahr auf den Markt gebrachten Eau de Parfums Aqua di Tao der Fall sein wird. „Jetzt ist die Zeit reif dafür“, sagt Taoasis-Gründer und Geschäftsführer Axel Meyer mit Blick auf den boomenden Naturkosmetikmarkt.

„Das Bewusstsein hat sich geändert, immer mehr Kunden wollen Produkte ohne Zusatzstoffe. Das bringt auch Bewegung bei den zertifizierten Naturparfüms.“ Vor einigen Jahren noch hatte sich das Naturparfüm der Manufaktur nicht durchsetzen können. Jetzt legt das Unternehmen, beflügelt von der positiven Resonanz auf Aqua di Tao, mit Laura Lorenzo die zweite Naturduftlinie nach.

Ob Duft, Flakon oder Verpackung – der Kreativität sind bei Parfüms kaum Grenzen gesetzt. Weil Duftstoffe aber zu den häufigsten Allergieauslösern gehören, wollten wir wissen, wie es um die Qualität der aktuellen Duftwässer bestellt ist. Deshalb haben wir 25 verschiedene Produkte, Trenddüfte, neu aufgelegte Klassiker und Naturparfüms, eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Es bleibt schwierig, einen richtig guten Duft zu finden. Wie in allen ÖKO-TESTs zuvor sind auch diesmal leider nur die wenigsten getesteten Parfüms empfehlenswert. 19 der 25 Damendüfte fallen mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch. Nur die Naturparfüms Farfalla Nuvola und Aqua di Tao N° 2 sind frei von bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen und damit „sehr gut“. Immerhin „befriedigend“, weil vergleichsweise gering belastet, sind Trésor Midnight Rose von Lancôme und Hypnotic Poison Eau Sensuelle von Dior.

So haben wir getestet

Was gut riecht , kann der Haut Probleme bereiten.


Foto: Sinisa Botas/Fotolia.com

Der Einkauf

Wir haben 25 Damendüfte in Parfümerien, Drogerien und im Naturwarenladen eingekauft, darunter auch zwei zertifizierte Naturparfüms. Je nachdem ob Lifestyle- oder Prestigeduft und je nach Parfümgehalt – Eau de Parfum enthält circa 15 Prozent Duftstoffe, Eau de Toilette circa acht und Eau de Cologne drei bis fünf Prozent – variieren die Preise für 30 Milliliter zwischen rund neun und 55 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Die meisten Parfüms enthalten allergene Duftstoffe, die auf der Packung zu deklarieren sind. Darauf haben wir uns nicht verlassen und die Produkte einer Duftstoffanalyse unterzogen. Neben den 26 deklarationspflichtigen Duftstoffen gehören dazu die ebenfalls duftenden Nitro- und polyzyklischen Moschus-Verbindungen sowie die verwandte Substanz Cashmeran. Außerdem ließen wir die Düfte auf Diethylphthalat untersuchen. Dieser Stoff wird zur Stabilisierung des Duftes oder zur Vergällung von Alkohol eingesetzt, einem wesentlichen Bestandteil in der Parfümherstellung.

Die Bewertung

ÖKO-TEST bewertet die Parfüms nach ihren Inhaltsstoffen. Denn Duftstoffe gehören mit zu den häufigsten Auslösern von Allergien. Ein Parfüm kann noch so gut riechen, wenn es Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial enthält wie Isoeugenol oder Cinnamal und synthetische Moschus-Verbindungen, die sich im Körper anreichern, hat es unserer Ansicht nach nichts auf der Haut zu suchen.

In 20 Produkten stecken Duftstoffe, die Allergien auslösen können. Besonders problematisch sind die Duftstoffe Isoeugenol und Cinnamal, weil sie ein hohes Allergiepotenzial haben. Ausgerechnet sie sind in mehr als der Hälfte der Parfüms zu finden, die wir getestet haben. Weil diese Duftstoffe deklarationspflichtig sind, kann man auf der Verpackung nachlesen, ob sie enthalten sind. Vorausgesetzt natürlich, die Hersteller machen vernünftige Angaben. Etliche Hersteller haben dieses Mal Stoffe deklariert, die in den von uns eingekauften Parfüms gar nicht enthalten sind.
Nicht deklarationspflichtig, aber problematisch: In 18 Produkten hat das Labor polyzyklische Moschus-Verbindungen, in sieben zusätzlich Cashmeran und in einem zusätzlich Nitromoschus-Verbindungen nachgewiesen. Zwar erinnert der Begriff an den seltenen und daher teuren Sexuallockstoff des Moschushirsches, tatsächlich handelt es sich aber um einen billigen Ersatz aus dem Chemielabor. Diese synthetischen Verbindungen, die sich im Körper anreichern können, sind für den Verbraucher leider so gut wie nicht auszuma-Fett gedruckt sind Mängel. Parfüm oder Aroma angeben können.
Diethylphthalat in rauen Mengen. Inzwischen ist der Phthalatweichmacher, der als Duftstabilisator oder zur Vergällung von Alkohol eingesetzt wird, in den meisten Parfüms nicht mehr zu finden. Das ist die gute Nachricht. In den sechs Marken, in denen die Substanz nachgewiesen wurde, langen die Hersteller aber richtig zu, sodass es gleich zwei Noten Punktabzug gibt. Der Kosmetikkonzern Coty, der bis auf Versace Vanitas die im Test vertretenen DEP-haltigen Produkte vertreibt, hat allerdings angekündigt, ab 2012 sukzessive auf den Stoff in Parfüms zu verzichten.
Nur vier Parfüms kommen ohne bedenkliche UV-Filter aus. In 21 Produkten kommen die Sonnenschutzfilter Ethylhexyl-Methoxycinnamate und/oder Benzophenone- 3 zum Einsatz, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Allerdings müssen sie wie die deklarationspflichtigen Duftstoffe auf der Packung angegeben werden und sind damit für die Verbraucher leicht auszumachen. Ulrike Hochgesand

Parfüm selbst kreieren

Foto: Olena Sokalska/Fotolia.com

Bei der Verwendung von Parfüm spielt Individualität eine wichtige Rolle. Wer es sich leisten kann, lässt sich „sein“ Parfüm auf den Leib schneidern. Die Hamburger Parfümeurin Kim Weisswange etwa komponierte das Hochzeitsparfüm für Prinz William und Kate Middleton. Duftseminare, bei denen die Teilnehmer unter Anleitung ihr eigenes Parfüm kreieren können, sind eine weitere Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben. Dabei geht es nicht nur um den individuellen Duft an sich, sondern auch um die Geschichte und das Basiswissen der Parfümherstellung. Neben Weisswange, die solche Erlebnisseminare schon seit 15 Jahren anbietet, veranstaltet auch die Manufaktur von Blythen in Schöneiche bei Berlin seit einigen Jahren Duftseminare. „Vorkenntnisse sind nicht notwendig“, sagt Inhaberin und Aromaexpertin Martina Kabitzsch, „die Teilnehmer sollten aber so duftarm wie möglich zum Seminar kommen.“ Und gewillt sein, zwischen 75 und 95 Euro für das selbst kreierte Parfüm auszugeben. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.capital-cosmetics.de oder www.de.von-blythen.com