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TEST PATEK PHILIPPE CALATRAVA PILOT TRAVEL TIME: FLUGREISE


Chronos - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 05.07.2019

Die Calatrava Pilot Travel Time will mit ihrer einfachen Einstellung dieideale Reiseuhr sein. Kann das im Design an die wenig bekannten Patek-Philippe-Fliegeruhren angelehnte Modell diesen Anspruch erfüllen?


Artikelbild für den Artikel "TEST PATEK PHILIPPE CALATRAVA PILOT TRAVEL TIME: FLUGREISE" aus der Ausgabe 4/2019 von Chronos. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chronos, Ausgabe 4/2019

VORZÜGE

- praktische zweite Zeitzone
- ausgezeichnete Verarbeitung
- gelungenes Fliegeruhrendesign

NACHTEILE

- kein Sekundenstopp
- Datum schwer abzulesen

DATENBLATT

PATEK PHILIPPE
CALATRAVA PILOT TRAVEL TIME

HERSTELLER Patek Philippe SA, Chemin du Pont-du-Centenaire 141, CH-1228 Plan-les-Ouates

REFERENZNUMMER 5524R

FUNKTIONEN Stunden, Minuten, Sekunden; zweite Zeitzone; Tag-Nacht-Anzeige für ...

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FUNKTIONEN Stunden, Minuten, Sekunden; zweite Zeitzone; Tag-Nacht-Anzeige für Heimat- und Ortszeit; Zeigerdatum

WERK Manufakturkaliber 324 S C FUS, Automatik; 28800 A/h, 29 Steine, Datumsschnellverstellung über versenkten Korrekturdrücker, Feinregulierung über Massegewichte auf den Schenkeln der Gyromax-Unruh, Spiromax-Spirale aus Silinvar, Incabloc-Stoßsicherung, Schaltrad, Gangreserve 35–45 h; Durchmesser 31 mm, Höhe 4,9 mm

GEHÄUSE Roségold, flaches, nicht entspiegeltes Saphirglas, Vollgewindeboden mit Saphirglasfenster; druckfest bis 6 bar

ARMBAND UND SCHLIESSE Kalbslederarmband mit Dornschließe aus Roségold

GANGPRÜFUNG
(Abweichung in Sek./24 h)

MASSE Durchmesser 42 mm,
Höhe 10,8 mm; Gewicht 152 g

PREIS 42850 €

EIN WENIG hat sich Patek Philippe mit der Calatrava Pilot Travel Time selbst neu erfunden. Als die Genfer Manufaktur 2015 das erste Modell in Weißgold vorstellte, war die Begeisterung groß. Denn abgesehen von den heiß begehrten, sportlicheren Modellen der Linien Nautilus und Aquanaut ist man von Patek doch sehr klassische Designs gewohnt. Nun kann eine Traditionsmarke wie Patek Philippe aus einer reichen Historie schöpfen und muss sich nicht gleich etwas ganz Neues ausdenken. So knüpft auch die Calatrava Pilot Travel Time an eine wenig bekannte Facette der Firmengeschichte an: die Fliegeruhren der Genfer Manufaktur. Die Referenz 5524R nimmt mit den plakativen Leuchtziffern und -zeigern das Design der historischen Patek-Philippe-Pilotenuhren aus den 1930er Jahren wieder auf.

Anders als die weißgoldene Version, die mit ihrem mattblauen Zifferblatt und der hellen Gehäusefarbe besonders sportlich wirkt, setzt das 2018 vorgestellte Roségoldmodell auf mehr Eleganz: Dafür sorgen neben dem warmen Farbton des Gehäuses das Zifferblatt mit Sonnenschliff und der Farbverlauf von Braun zu Schwarz. Dazu gehören auch die Details wie die aufgesetzten Roségoldziffern mit Leuchtmasse und die eben- falls roségoldene Dornschließe mit zwei Stegen. So ergibt sich ein gelungenes Ganzes: eine schöne, elegante Fliegeruhr. Für Charakter sorgen neben den Ziffern auch die beiden kronenartigen Drücker an der linken Flanke. Sie weisen schon darauf hin, dass dieser Zeitmesser über eine Zusatzfunktion verfügt. Es handelt sich dabei um eine einfach einstellbare zweite Zeitzone.

PATEK PHILIPPE

Patek Philippe gilt als die Topmarke unter den großen Schweizer Uhrenmanufakturen. Die Genfer beherrschen alles, was feine Uhrmacherei ausmacht – von der Zweizeigeruhr bis zur großen Komplikation mit Minutenrepetition, ewigem Kalender und Chronograph. Die große Aufmerksamkeit für die Marke beruht nicht zuletzt auf den hohen Preisen, die Patek-Philippe- Uhren regelmäßig auf Auktionen erzielen.


Im manufaktureigenen Kaliber 324 S C FUS steckt viel Handarbeit.


Die oft auch GMT genannte Funktion findet man recht häufig bei Uhren. Meist gibt es einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger, der sich über die Krone in Stundenschritten korrigieren lässt. Als praktischer fürs Reisen erweist es sich, wenn man den 12-Stunden-Zeiger für die Ortszeit unabhängig einstellen kann. Aber auch hier muss man meist die Krone in die entsprechende Position ziehen, was gar nicht so einfach ist. Befindet man sich in der falschen gezogenen Kronenposition, verstellt man unerwünscht den Minutenzeiger und verliert die genaue Zeit. Zudem lässt sich der Zeiger für die zweite Zeitzone meist nur vorwärts verstellen. Reist man beispielsweise nach England, muss man den Stundenzeiger also 23 Stunden nach vorn drehen. Dabei springt auch das Datum und muss dann ebenfalls wieder 30 Tage vorgestellt werden.

Zeitzonenverstellung

Patek Philippe hat mit der Travel Time eine Lösung für diese Probleme gefunden. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei Drückern, mit denen sich die Ortszeit in beide Richtungen verstellen lässt, und aus zwei Tag-Nacht- Anzeigen, die es erlauben, beide Zeiten intuitiv im 12- Stunden-Format auf dem Zifferblatt abzulesen. Dazu springt das Datum in beide Richtungen, wenn die Ortszeit eingestellt wird, sodass auch hier keine Korrektur nötig ist. Kommt man wie in unserem Beispiel in England an, betätigt man den oberen Drücker einmal, und die Uhr zeigt beide Zeiten und das Datum richtig an. Im Gegensatz zu einem 24-Stunden-Zeiger für die Heimatzeit hat Patek Philippes Lösung mit zwei 12-Stunden- Zeigern den weiteren Vorteil, dass sich der eine Zeiger unter dem anderen verstecken lässt, wenn man nicht reist, wodurch das Zifferblatt übersichtlicher wird.

Das Werk mit dieser Funktion kommt hier nicht zum ersten Mal zum Einsatz: Es trieb schon klassische Calatrava-Modelle an, ist in der Aquanaut zu finden und in der Nautilus in Kombination mit einem Chronographen. Zum ersten Mal verbaut Patek Philippe bei der Calatrava Pilot aber ein System gegen unbeabsichtigtes Verstellen der Zeitzone. Dafür lassen sich die Korrekturdrücker mit einer Vierteldrehung im Uhrzeigersinn arretieren; eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn macht sie wieder gangbar. Ein cooles Feature, das den Drückern auch ihr geheimnisvolles Aussehen beschert. Die Gefahr, die Drücker an dieser Position unbeabsichtigt zu betätigen, erscheint jedoch gering, vor allem bei einer Golduhr, der man die ganz harten Einsätze ohnehin erspart. Wem also die Vierteldrehung zu umständlich ist, der kann die Drücker einfach unverriegelt lassen.


So einfach wie die Travel Time lässt sich kaum eine Uhr mit zweiter Zeitzone einstellen.


Die neue Schließe passt ausgezeichnet zum Flieger - uhrendesign


Redakteur Jens Koch testet Tragekomfort, Bedienung und Ablesbarkeit


Allerdings stellen das Drücken und auch die bajonettverschlussartige Verriegelung eher einen haptischen Genuss als eine unangenehme Zusatzarbeit dar: Beides geht leicht und gleichzeitig ohne Spiel vonstatten. Die Drücker besitzen einen guten Druckpunkt, sodass sich auch ohne aufs Zifferblatt zu schauen deutlich spüren lässt, wann der Zeiger gesprungen ist. Für das Datum gibt es noch einen versenkten Korrekturdrücker, für den Patek Philippe einen schönen Stift mitliefert. Empfehlenswerter scheint uns jedoch die Einstellung des Datums über den Drücker für die Ortszeit. Das dauert im Zweifel etwas länger, eliminiert aber die Gefahr, mit dem Stift abzurutschen und das empfindliche Goldgehäuse zu verkratzen.

Die Krone vereinfacht die Bedienung dadurch, dass sie nur noch eine gezogene Position besitzt. Einen Sekundenstopp zum genauen Einstellen der Zeit bietet die Travel Time aber leider nicht; diese praktische Funktion verbaut Patek Philippe erst in neueren Werken. Das ist auch deshalb schade, weil sich der Sekundenzeiger wie auch die anderen Zeitzeiger ausgezeichnet ablesen lässt. Der hohe Kontrast und die üppige Leuchtmasse auf Stunden- und Minutenzeiger sowie Stundenziffern sorgen für schnelle Erkennbarkeit. Die beiden Tag-Nacht-Anzeigen sind eindeutig beschriftet und lassen sich klar als dunkelblau (Nacht) oder weiß (Tag) erkennen. Nur das kleine Zeigerdatum erfordert naturgemäß gute Augen.

Werkbesichtigung

Auf der Rückseite gibt es dank eines Saphirglasbodens ebenfalls einiges zu sehen. Das Manufakturkaliber 324 S C FUS mit automatischem Aufzug glänzt mit einem mit rundem Streifenschliff verzierten Goldrotor. Die Brücken tragen Genfer Streifen sowei anglierte und polierte Kanten. Die Schraubenköpfe polieren die Patek- Philippe-Handwerker ebenso sorgfältig. Hier fällt wieder auf, warum die Uhren der Genfer Manufaktur ihren Preis haben: Es steckt einfach extrem viel Handarbeit darin.

Und einige Besonderheiten und Innovationen. So besteht die Spiromax-Spiralfeder aus Silinvar. Das Material basiert auf Silizium, das durch eine Oxidschicht temperaturstabil wird. Dadurch bleibt die Spirale zwischen –10 und +60 Grad Celsius nahezu unverändert. Sie entsteht in einem fotolithografischen Verfahren auf einem Wafer, wie bei integrierten Schaltkreisen. Wir hatten die Möglichkeit, die extrem widerstandsfähige Feder zu testen: Man kann sie enorm weit auseinanderziehen, sie bewegt sich immer wieder in ihre Ursprungsform zurück und verformt sich nicht, wie es eine Metallfeder tun würde. Schläge können ihr also kaum etwas anhaben. Erst als wir die Feder mit der Pinzette fast komplett gerade gezogen hatten, zersplitterte sie in unzählige Teile.

Dass das Grundwerk an sich schon eine ältere Entwicklung darstellt, erkennt man an der recht geringen Gangreserve von mindestens 35 Stunden. Seit Längerem setzt Patek Philippe auch auf die rückerfreie Feinregulierung über Gewichte auf der Spiromax-Unruh. Das lässt die Spiralfeder frei atmen und verbessert so das Gangverhalten. Das Patek-Philippe-Siegel sieht neben Anforderungen an die Verzierungen auch strenge Vorgaben für die Ganggenauigkeit vor. Die Uhren dürfen im Mittel nur –3 bis +2 Sekunden pro Tag abweichen. Zudem regulieren die Uhrmacher in allen sechs Lagen ein, was in der Uhrenwelt selten vorkommt. Auf der Zeitwaage hält die Calatrava Pilot mit durchschnittlich 1,5 Sekunden Vorgang pro Tag die Auflage mit einem optimalen Wert ein. Die maximale Abweichung zwischen den Lagen fällt mit acht Sekunden aber nur durchschnittlich aus.

Alles andere als durchschnittlich ist die Verarbeitungsqualität von Gehäuse, Zifferblatt, Zeigern und Armband. Selbst unter der Uhrmacherlupe zeigen sich perfekt polierte Gehäuseoberflächen, ein feiner Sonnenschliff auf dem Zifferblatt und sauber von Hand gesetzte Nähte am Kalbslederband. Am Arm trägt sich das Band ebenfalls sehr angenehm. Das für Patek Philippe große Gehäuse mit 42 Millimetern Durchmesser liegt gut am Handgelenk. Die Dornschließe mit dem zusätzlichen Steg passt zum Fliegeruhrenthema, macht sich sehr flach und lässt sich einfach bedienen. Wir ziehen eine solche Dornschließe den meisten Faltschließen vor, die oft entweder in den Arm drücken oder sich umständlich bedienen lassen.


Die Siliziumspirale kehrt nach starken Verformungen zu ihrer Form zurück.


Zu den Eigenschaften, die bei der Calatrava Pilot Travel Time zwangsläufig zu weniger Begeisterungsstürmen führen, gehört der Preis von 42850 Euro. Er liegt jedoch auf einem für die Marke normalen Niveau für eine Golduhr mit einer solchen Komplikation; die Calatrava-Modelle mit Jahreskalender oder Weltzeit kosten ähnlich viel. Dem Preis stehen eine hervorragende Verarbeitung und ein ausgezeichneter Werterhalt gegenüber. Zwar wird die Calatrava Pilot nicht so extrem hoch gehandelt wie die Aquanaut Travel Time in Stahl, für die man fast den doppelten Neupreis bekommt. Aber es sind auch keine Abschläge von bis zu 30 Prozent wie bei vielen anderen Marken am Kauftag zu erwarten.

Mit dem gelungenen, wiedererkennbaren und etwas sportlichen Design, der praktischen und leicht zu bedienenden zweiten Zeitzone mit den raffiniert gesicherten Drückern sowie der bis ins kleinste Detail peniblen Verarbeitung kann die Testuhr überzeugen. Größere Schwächen leistet sie sich nicht, und auf Reisen erweist sie sich als optimal einstell- und leicht ablesbar. Der Preis ist noch angemessen und relativiert sich durch den guten Werterhalt. Die Calatrava Pilot Travel Time empfiehlt sich also als ausgezeichnete Reiseuhr – nicht nur bei Flugreisen. [9243]

Sogar unter der Lupe überzeugt die saubere Verarbeitung bis ins letzte Detail


TESTERGEBNIS

PATEK PHILIPPE
CALATRAVA PILOT TRAVEL TIME

ALTERNATIVMODELL

VACHERON CONSTANTIN
OVERSEAS DUAL TIME. 38700 €

Ebenfalls eine sportlich-elegante Golduhr mit Manufakturkaliber. Etwas günstiger, Ortszeit in beide Richtungen verstellbar – aber nur über die Krone.Roségold, 41 mm, Manufakturkaliber 5110, Automatik


FOTOS PATRICK MÖCKESCH, PATEK PHILIPPE