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TEST Pedelecs: Fahr lässig!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2013 vom 22.02.2013

Pedelecs werden immer beliebter. Doch Qualität hat ihren Preis. In unserem umfangreichen Praxistest entpuppten sich vor allem die günstigeren Modelle als echtes Sicherheitsrisiko. Beim Härtetest gingen Felgen und Speichen zu Bruch, bei einem Modell riss sogar das Sitzrohr an. Mit den Rädern von Kalkhoff und Daimler gibt es aber richtig „gute“ Alternativen.


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Foto: Labor

Radeln mit eingebautem Rückenwind – was früher ein auf langen Touren und Berganstiegen fromm dahin gejammerter Wunsch war, ist mit dem Pedelec Realität geworden. Die Fahrräder mit elektrischer Unterstützung machen die anstrengenden Seiten ...

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... des Radfahrens deutlich entspannter. Anfahren, Steigungen und Gegenwind bringen einen nicht so aus der Puste oder ins Schwitzen. Wer in die Pedale tritt, bekommt durch die Unterstützung des eingebauten Elek troantriebs gleich noch mehr Schwung.

Klar: Aus sportmedizinischer Sicht ist ein normales Rad für halbwegs fitte Leute die bessere Variante – ein Pedelec kann auch dazu verleiten, immer tretfauler zu werden. Aber bei untrainierten oder gesundheitlich eingeschränkten Menschen sind Pedelecs eine praktische Lösung.


„Es fehlt der Druck auf die Fahrradbranche“


Auch Berufspendler sind zunehmend auf dem Elektrorad unterwegs – schneller als mit dem Fahrrad und vor allem schweißfrei. Zwischen 20 und 30 Kilometer schafft man mit einem Pedelec bequem in einer Stunde. Einmal volltanken kostet ungefähr so viel Strom wie das Kochen einer Kanne Kaffee. Die Deutsche Post hat deshalb seit 2001 Pedelecs im Einsatz. Bei BASF sollen sie nach und nach rund 1.500 Mofas aus der Betriebsfahrzeugflotte ersetzen. In Bremen waren einige Pflegedienste nach einer ausgiebigen Testphase so begeistert von ihren Pedelecs, dass sie sich gleich mehrere davon angeschafft haben.

Mit Pedelecs lässt sich inzwischen richtig Geld verdienen. Nach Angaben des Verbands der Zweiradindustrie wurden 2005 gerademal 40- bis 50.000 Pedelecs in Deutschland verkauft, 2012 waren es bereits rund 400.000. Tendenz steigend. Heute hat fast jeder Fahrradhersteller Pedelecs im Programm. Die Antriebstechnik holt man sich von außen, etwa von Panasonic, Bosch oder Sanyo.

Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer: Entwicklungstechnisch steckt die Elektroradbranche noch in den Kinderschuhen. „Es gibt nur wenige Hersteller, die das Pedelec als eigenes Konzept sehen, bei dem Rad, Antrieb und Akku aufeinander abgestimmt sei müssen“, kritisiert der Fahrradsachverständige Ernst Brust. Einfach ein „normales“ Fahrrad mit Motor ausstatten, reicht aber nicht, denn Pedelecs sind schwerer und kommen schneller in Fahrt. „Untersuchungen zeigen, dass die Belastung auf Bauteile wie Rahmen und Gabel deutlich höher ist als beim normalen Fahrrad“, so Brust.

Eine verpflichtende Sicherheitsnorm mit speziell auf Pedelecs zugeschnittenen Anforderungen gibt es nicht. „Der Markt ist weitgehend unreguliert, dadurch fehlt der Druck auf die Fahrradbranche“, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Hinzu kommt: „Die wenigen Vorschriften, die gelten, werden von den Überwachungsbehörden kaum kontrolliert“, so Filippek.

Auf dem Markt tummeln sich Dutzende Billigheimer und schwarze Schafe. Auch Baumärkte und Discounter bieten ab und an Schnäppchen für 700 oder 800 Euro als Sonderaktion an. Doch da kauft man in der Regel die Katze im Sack, denn eine Probefahrt ist meist nicht drin. Zudem ist die Elektronik oft mangelhaft und auch die Qualität der üblichen Fahrradbauteile nicht ausreichend: Vor einiger Zeit kam es wegen der Gefahr von Rahmenbrüchen zu einer Rückrufaktion von mehr als 11.000 Pedelecs der günstigeren Kategorie. In Vergleichstests lassen Billigmodelle viel zu wünschen übrig.

So richtig ausgereift sind die Räder mit eingebautem Motor also noch nicht. Umso wichtiger ist ein Test. Wir haben zehn Pedelecs sicherheitstechnisch auf Herz und Nieren durchgecheckt und die Reichweiten gemessen. Außerdem ließen wir die Räder von Testpersonen ausprobieren. Natürlich hatten wir auch Schadstoffe in Sattel und Griffen auf dem Zettel.

Das Testergebnis

Jedes zweite Pedelec im Test „mangelhaft“: Felgenbruch und Rahmenanrisse, schwache Bremsen und Modelle, die sich unverhofft in Bewegung setzen – auch wenn sich die meisten Pedelecs recht gut fahren lassen, in puncto Sicherheit gibt es noch jede Menge Nachholbedarf. Hinzu kommt die hohe Schadstoffbelastung. Unterm Strich fällt die Hälfte der Produkte mit „mangelhaft“ durch. Nur das stabile Smart-Rad und das ausdauernde Kalkhoff schneiden „gut“ ab.
Nicht stabil genug für ein langes Fahrradleben: In unserem „Lebensdauer“-Härtetest auf dem Rollenprüfstand gingen beim Giant Twist Lite Power Felgen und Speichen zu Bruch. Deutliche Minuspunkte gab es für das Kettler Obra Light, bei dem das Sitzrohr angerissen war. Auch bei den Modellen von Fischer und Winora kam es zu Sicherheitsproblemen. Hier zeigt sich, dass einige Konstruktionen den höheren Kräften, die bei einem motorisierten Rad auftreten können, nicht gewachsen sind.

Vier von zehn bremsen zu schwach. Kreidler, Diamant, Fischer und Winora bringen nicht einmal die laut Norm für einfache City- und Trekkingfahrräder geforderten 100 Kilo sicher zum Stehen. Die Räder von Kreidler und Diamant zeigen außerdem bei Trockenheit und Nässe ein deutlich unterschiedliches Bremsverhalten. Wenn beim Regenschauer oder einer Pfützendurchfahrt die Felgen nass werden, kann es zu Überraschungen kommen, weil die Bremsleistung nasser Reifen stark abnimmt. Flyer, Smart und Pegasus haben dagegen gut zupackende hydraulische Bremsen. Auch Giant und Kettler bringen das vom Anbieter ausgelobte zulässige Gesamtgewicht locker zum Stehen.
Kalkhoff ist der Reichweitenkönig: In unserem Reichweitentest, den wir mit maximalem Unterstützungsgrad des Antriebs durchführen ließen, überflügelte das Kalkhoff Impulse 8C die Konkurrenz deutlich und kam mehr als vier Mal so weit wie das Winora F1. Die Reichweite hängt allerdings stark vom Fahrverhalten des Radlers ab. Je höher der Unterstützungsgrad, das transportierte Gewicht, je mehr Steigungen, je mehr Gegenwind und je schaltfauler der Fahrer, desto früher macht der Akku schlapp. Selbst der Reifendruck spielt eine Rolle. Und natürlich die Akkukapazität – einige Modelle sind gegen Aufpreis mit größeren Akkus erhältlich.
Zwei Räder zischten den Testern davon: Pedelecs, deren Steuerung auf Pedaldruck reagieren, können sich plötzlich in Bewegung setzen, wenn man beim Aufsteigen mit vollem Körpergewicht aufs Pedal steigt oder wenn beim Zurückschieben das Pedal gegen den Seitenständer stößt. Dann löst der Drucksensor die eingestellte Unterstützung aus. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich, zum Beispiel wenn das Rad in den Straßenverkehr rollt. Laut Maschinenrichtlinie, die „Schutz vor unbeabsichtigtem Ingangsetzen“ verlangt, dürften deshalb streng genommen weder das Diamant Ubari Deluxe noch das Giant Twist Lite in Verkehr gebracht werden. Da aber bei Pedelecs noch keine ausreichende Rechtsklarheit herrscht, werden die Räder weiterhin so verkauft.
Sattelüberzug und Lenkergriffe will man gar nicht anfassen: Sie bestehen oft zu einem großem Anteil aus Phthalat-Weichmachern, die in Babyartikeln und Spielzeug verboten sind. Darüber hinaus wurden in allen Griffen und/oder Sattelüberzügen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen, die schlimmstenfalls krebserzeugend sein können. Zu allem Überfluss stecken in einigen Modellen auch noch giftige zinnorganische Verbindungen. Das ist bei einem Sattelüberzug, von dem der Fahrer noch durch ein bis zwei Lagen Stoff getrennt ist, schon ärgerlich, aber nicht ganz so schlimm wie bei den Lenkergriffen, die man in den bloßen Händen hält. Deshalb haben wir uns auf dem Markt nach schadstofffreien Griffen umgesehen und auch drei gefunden, die wir mit der Note „sehr gut“ empfehlen können (siehe Tabelle auf Seite 122).

So reagierten die Hersteller

Inter-Union: „Wir möchten abschließend ausdrücklich betonen, dass unser Fischer-Volks-E-Bike nachweislich alle zum Zeitpunkt der Produktion gültigen gesetzlichen und normativen Anforderungen an die Sicherheit, wie auch an die chemischen Eigenschaften der verbauten Komponenten erfüllt.“ Das glaubt ÖKO-TEST dem Fahrradanbieter sogar. Aber was bringt es, wenn das Produkt beispielsweise die Cityund Trekkingfahrradnorm einhält, die für einfachste Fahrräder konzipiert wurde? Nicht viel. Die darin gestellten Qualitätsanforderungen lassen sich kaum auf ein Pedelec übertragen, das in der Regel deutlich höheren Belastungen standhalten muss.
Winora: „Die Felgenbremse der alten Generation des F1 hat unseren eigenen Ansprüchen nicht entsprochen. (…) Die mechanischen Felgenbremsen sind in den aktuellen Modellen mit extragroßen Bremsbelägen und Felgen mit gröberen Bremsflanken ausgestattet. Dadurch erreichen diese Modelle deutlich höhere Bremswerte, insbesondere die Nassbremseigenschaften verbessern sich dadurch. (…) Aktuelle Modelle besitzen einen Chainglider, der das Herunterspringen der Kette verhindert.“

Mehr zum Thema

Nutzen Sie für eine Probefahrt unseren ausführlichen Fragebogen, den wir gemeinsam mit dem Prüfinstitut velotech.de entwickelt haben! So können Sie Ihre Eindrücke festhalten und zu Hause auswerten, bevor sie sich für ein Pedelec entscheiden. Kostenloser Download für Abonnenten unter http://abo.oekotest.de

Fragen & Antworten zur Akkusicherheit

Wie sicher sind Batterien beim Pedelec?
„Leistungsstarke Lithium-Ionen-Akkus haben eine sehr hohe Energiedichte und müssen in einem bestimmten Temperaturbereich betrieben werden“, informiert der Verband der Elektrotechnik und Elektronik (VDE) in einer Pressemitteilung. „Versagt die Kühlung in einer Batterie – etwa durch Kurzschluss nach einem Unfall – droht Überhitzung, im schlimmsten Fall sogar ein Brand.“ Dadurch kam es jüngst beim Verkehrsflugzeug Dreamliner zu Pannen. Bei Elektrogeräten wie Handys oder Notebooks sind Fälle schmorender oder brennender Akkus länger bekannt. Auch bei Pedelecs hat die mangelhafte Qualität von Batterien bereits Rückrufe ausgelöst, etwa beim Hersteller Viktoria. Häufigste Ursache ist ein Überladen des Akkus. Hier fehlt ein technisch einwandfreier Schutz.
Was tun die Hersteller?
„Es existieren keine ausreichenden und transparenten Regeln für Pedelecs“, kritisiert der VDE. Experten gehen davon aus, dass die meisten Pedelecs ohne jede Sicherheitsprüfung verkauft werden. Was freiwillige Zertifizierungen betriff t, tut sich die Branche noch schwer. Ein privates Label speziell zur Batteriesicherheit ist Batso (Battery Safety Organization), ein Kooperationsprojekt, an dem unter anderem der Verein ExtraEnergy und der TÜV Rheinland beteiligt sind. Gefordert werden auch Tests zur Akkugebrauchssicherheit. Lediglich ein Produkt aus unserem Test (Winora F1) trägt ein solches Batso-Siegel. „Wirklich sicher ist aber nur die geprüfte Kombination aus Akku und Ladegerät“, sagt Dr. Joachim Harmel vom SLG Prüflabor, der schon Dutzende Pedelecs geprüft hat. Entsprechende Prüfanforderungen sieht das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ vor, das es auch für Elektroräder gibt. Bislang ist uns aber kein Pedelec auf dem Markt mit GS-Zeichen bekannt.
Was ist beim Gebrauch der Akkus zu beachten?
Ein Risiko kann nie hundertprozentig ausgeschlossen werden, aber so lassen sich die häufigsten Batterieprobleme vermeiden:
■ die Hinweise in der Gebrauchsanweisung befolgen, auf keinen Fall den Akku öff nen
■ Batterie möglichst nach jedem Gebrauch wieder aufladen und immer das Originalladegerät verwenden
■ übermäßige Ladezeiten vermeiden, also den Akku nicht tagelang am Ladegerät lassen
■ kühl und trocken lagern, aber Frost vermeiden, das Rad im Winter lieber in den Keller als in die unbeheizte Garage stellen
■ auch starke Hitze kann dem Akku schaden, deshalb im Hochsommer nicht in der prallen Sonne stehen lassen
■ falls Sie das Pedelec längere Zeit einmotten wollen: alle drei Monate Ladestand kontrollieren und eventuell aufladen

Moderne Pedelecs haben leichte, effiziente Akkus, die empfindlicher auf falsche Behandlung reagieren als andere Akkus.


Foto: Labor

ÖKO-TEST rät

• Mit einem Schnäppchen ist man nicht gut beraten: Die drei günstigsten Räder fallen mit Sicherheitsmängeln durch. Erst ab etwa knapp 2.000 Euro stimmt meistens auch die Qualität. Auf keinen Fall ein normales Fahrrad mit einem Motorantrieb nachrüsten, da man nicht sicher sein kann, ob Bremse, Gabel und Rahmen der höheren Belastung auch gewachsen sind.

• Die meisten Lenkergriffe strotzen nur so vor Schadstoffen. Sie können aber die belasteten Griffe von Ihrem Rad entfernen und diese durch eines der „sehr guten“ Modelle aus unserem Test ersetzen.

• Lassen Sie sich nicht von den zum Teil frei erfundenen Reichweitenangaben der Hersteller blenden. Solange sich die Branche nicht auf eine einheitliche Methode zur Reichweitenbestimmung geeinigt hat, liefern nur Warentests wie dieser ÖKO-TEST einen brauchbaren Vergleich. Geringes Gewicht, niedrig gewählte Motorunterstützung, frühes Schalten, richtiger Reifendruck und eine gut geschmierte Kette verlängern die Reichweite.

• Die Hersteller müssen nach dem neuen Batteriengesetz verbrauchte Akkus zurücknehmen und entsorgen oder recyceln.

Checkliste für den Pedelec-Kauf

■ Gibt es eine verständliche Bedienungsanleitung?
■ Fragen Sie nach dem zulässigen Gesamtgewicht! Man sollte wissen, wie viel Kilo ein Pedelec tragen kann.
■ Was kostet ein Ersatzakku? Je größer die Kapazität, desto höher auch Preis und Gewicht.
■ Bietet der Händler im Reparaturfall oder bei Akkuversagen in der Zwischenzeit Ersatz?
■ Welches Antriebskonzept? Der Vorderradnabenmotor ist mit Rücktritt kombinierbar, am Berg und in Kurven kann jedoch das Vorderrad leichter durchdrehen oder wegrutschen. Tretlagermotoren haben in der Regel ein stabiles Fahrverhalten. Heckmotoren besitzen Traktionsvorteile am Berg, mit Gepäck hintendrauf neigen sie aber zum Flattern.
■ Art der Bremse? Für Fahrradfreaks sind hydraulische Scheibenbremsen das Maß aller Dinge. Auch hydraulische Felgenbremsen gelten als zuverlässig. Ein Rücktritt wird vor allem auf dem „platten Land“ gerne gefahren, ist am Berg aber unpraktisch.
■ Machen Sie eine Probefahrt, viele Händler leihen das Pedelec mindestens einen Nachmittag aus. Reagieren die Bremsen gut? Fährt sich das Rad leichtgängig und einhändig ohne „Flattern“? Ist der Anschub sanft oder ruppig? Wie schnell setzt der Motor am Berg ein und wie kraftvoll ist er? Gibt es Vibrationen oder störende Geräusche? Fahren Sie ohne und mit Motorunterstützung und probieren Sie, wie fein sich der Grad der Motorunterstützung einstellen lässt! Lässt sich das E-Bike gut tragen?
■ Testen Sie selbst: Der Motor darf nicht anlaufen, wenn man aufs Pedal tritt, die Pedale rückwärts dreht oder das Rad aus geringer Höhe fallen lässt.

Nur mit einer ausgiebigen Probefahrt lässt sich das individuell passende Pedelec finden.


Foto: Labor

E-Bike-Typenkunde

Normale Pedelecs
Der Name „Pedelec“ steht für Pedal Electric Cycle, für Räder, deren Elektromotor sie nur dann unterstützt, wenn auch in die Pedale getreten wird. Pedelecs dürfen eine Motorleistung von 250 Watt haben, deutlich mehr also als beim weitgehend schwitzfreien Dahinradeln (100 Watt) gebraucht werden. In der Regel sind Pedelecs mit mehreren Unterstützungsmodi ausgestattet, die man an einem Schalter in Griffnähe einstellen kann. Kraftsensoren messen, wie stark in die Pedale getreten wird und steuern auf dieser Basis die Motorunterstützung. Bei den klassischen Pedelecs, die rechtlich als ganz normale Fahrräder gelten, schaltet sich der Motor automatisch ab, wenn der Radler 25 km/h erreicht. Schneller geht es nur mit Muskelkraft voran.

„Radfahrer frei“ (oben) – hier dürfen normale Pedelecs fahren, nicht jedoch schnellere S-Pedelecs. Für diese sind alle Radwege tabu, auch solche, die für Mofas freigegeben sind.


Fotos: adfc-nrw.de (2)

Schnelle „S-Klasse“
Schnelle Pedelecs, auch S-Pedelecs genannt, haben bis zu 500 Watt Motorleistung. Hier schaltet sich der Motor erst bei 45 Stundenkilometern ab. Üblicherweise gelten S-Pedelecs als Kleinkrafträder mit geringer Leistung, für die ein Versicherungskennzeichen nötig ist. Laut ADFC-Informationen hat sich das Bundesverkehrsministerium darauf festgelegt, dass S-Pedelecs nicht mehr unter die Ausnahmeregelungen für Mofas mit bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h fallen, da sie mit Motorunterstützung ein höheres Tempo erreichen. „Diese neue Auffassung hat für Nutzer viele Folgen“, sagt ADFC-Rechtsexperte Roland Huhn, „bei konseqenter Auslegung gibt es nicht nur eine Helmpflicht, es muss ein Mopedführerschein vorliegen und Radwege dürfen auch bei Freigabe für Mofas nicht befahren werden.“ Grundsätzlich dürfen mit S-Pedelecs keine Kinder in Anhängern transportiert werden, mit normalen Pedelecs schon.

Räder mit Schiebehilfe
Normale Pedelecs mit Tretunterstützung bis zu 25 km/h Höchstgeschwindigkeit sind manchmal mit einer Anfahr- oder Schiebehilfe bis 6 km/h ausgestattet, so wie auch das Flyer C5 Deluxe aus diesem Test. Eine Schiebehilfe beschleunigt das Fahrrad auch ohne Tritt in die Pedale. Wegen der Begrenzung der Anfahrhilfe auf 6 km/h bleiben solche Pedelecs zulassungsfrei und benötigen kein Versicherungskennzeichen. Allerdings gilt ein Mindestalter von 15 Jahren. Notwendig ist daher eine Mofaprüfbescheinigung (oder ersatzweise ein Führerschein).