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TEST Pflanzen-und alternative Haarfarben: Braun macht auf grün


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 26.08.2021

RATGEBER

1 Alle sieben reinen Pflanzenhaarfarben sind in unseren Augen „sehr gut“. Zwei davon schaffen das auch ohne Naturkosmetik-Zertifikat.

2 Nicht blenden lassen von vielen Pflanzenzusätzen: Echte Pflanzenhaarfarben schreiben meist auf die Verpackung, dass sie nur aus Pflanzen bestehen.

3 Ist die Liste der Inhaltsstoffe sehr lang oder ist von 100-prozentiger Grau-Abdeckung die Rede, ist Misstrauen angebracht. Dann handelt es sich ziemlich sicher um eine Oxidationshaarfarbe.

Artikelbild für den Artikel "TEST Pflanzen-und alternative Haarfarben: Braun macht auf grün" aus der Ausgabe 9/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Es war das Jahr des Selber-Färbens: 2020 experimentierten viele Frauen das erste Mal mit Färbepasten im heimischen Badezimmer, häufig nicht ganz freiwillig. Kein Wunder, dass sich der Markt für Haarfarben dynamisch entwickelte. Doch wer sich derzeit auf die Suche macht nach Farben mit natürlichen Inhaltsstoffen, der trifft auf ein unübersichtliches Angebot: Große Kosmetikkonzerne sind mit echten Pflanzenhaarfarben in ...

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... Drogeriemärkten präsent, während Reformhäuser immer mehr chemische Oxidationsfarben neben die Naturkosmetik stellen. Schwer für Kundinnen, da noch durchzublicken: Irgendwas mit Natur und Pflanzen machen sie scheinbar alle. Auch wir haben zwölf Mal braune Haarfarbe eingekauft: Darunter echte Pflanzenhaarfarben ebenso wie synthetische Permanentfarben, die auf pflanzlich machen.

Entweder sehr gut oder sehr schlecht

Dunkelrot oder dunkelgrün: Dazwischen gibt es in diesem Test nichts. Die sieben reinen Pflanzenfarben glänzen durchweg mit „sehr gut“. Sämtliche „alternative“ Haarfarben entpuppen sich dagegen als Oxidationsfarbstoffe mit schwerer Schadstofffracht und fallen mit „ungenügend“ durch.

Dabei scheinen sie auf den ersten Blick doch alle natürliche Absichten zu haben: Die Marke Naturtint bietet „Von der Natur inspirierte Farben, angereichert mit natürlichen, biologischen Pflanzensamenölen und Extrakten“, die Haarfarbe mit Namen Sanotint schreibt vorne auf die Verpackung nur: „Mit Goldhirse und Kräuterextrakten. Ohne Ammoniak, Paraffine, Silikone und Resorcin“. Da müssen Kundinnen sich schon ein wenig auskennen, um zu durchschauen, dass es sich bei beiden Reformhaus-Produkten um chemische Oxidationsfarben handelt.

Der kleine Unterschied

Doch wo liegt überhaupt der Unterschied? Pflanzenhaarfarben färben – wie der Name schon sagt -ausschließlich mit zermahlenen Blättern, Blüten oder Wurzeln: Die Farbstoffe aus Henna, Indigo, Färberkrapp oder Kamille legen sich wie eine Lasur um den Haarschaft und verbinden sich vorwiegend mit dessen äußerer Schuppenschicht. Ganz anders funktioniert das Prinzip der chemischen Oxidationshaarfarben: Die zunächst farblosen Mittel dringen tief ins Haarinnere ein, wo Wasserstoffperoxid zunächst die natürlichen Melanin-Pigmente zerstört. Erst dann reagieren die verschiedenen Färbekomponenten im Haarinneren miteinander, bilden die gewünschte Farbpigmente aus und lagern diese zwischen den Keratinsträngen ein.

WISSEN

Was Pflanzen (nicht) können

Dunkler geht Das Farbspektrum für Pflanzenfarben ist inzwischen riesig und bietet zahlreiche Nuancen zwischen Blond, Rot, Braun und Schwarz. Regel dabei: Dunkler geht immer. Eine Aufhellung des Haarschopfes um mehr als eine Nuance funktioniert dagegen nur nach vorheriger chemischer Blondierung.

Pflege und Lasur Pflanzenhaarfarben greifen nicht in die innere Haarstruktur ein, sondern legen sich um die äußere Schuppenschicht und verleihen dem Haar Glanz. Weil sie die ursprüngliche Haarfarbe wie eine Lasur überziehen, leisten sie auch keine hundertprozentige Abdeckung. Einzelne graue Haare schimmern immer eine Nuance heller durch.

Hält das? Pflanzenpigmente haben aufgeholt, was ihre Dauerhaftigkeit angeht, und einige zählen sich inzwischen zu den permanenten Haarfarben: Ayluna schreibt uns, dass die Farbe etwa 15 bis 25 Haarwäschen überdauert. Die Marke Radico in unserem Test dagegen tritt mit dem Anspruch einer temporären Tönung an und hält laut eigenen Angaben 3 bis 6 Wochen.

Starke und extreme Kontaktallergene

Diese Färbechemie funktioniert mit der Stoffgruppe der aromatischen Amine. Alle Permament-Haarfarben im Test enthalten aromatische Amine, meist einen ganzen Cocktail. Darunter einige, die das EU-Beratergremium für Verbrauchersicherheit (SCCS) als starke oder sogar extrem starke Kontaktallergene einstuft. p-Phenylendiamin (PPD) gehört dazu, Toluene-2,5-Diamine Sulfate oder HC Red No.3. Haben solche Stoffe erst eine Kontaktallergie mit schmerzhaften Rötungen, Schwellungen und Juckreiz ausgelöst, besteht die Allergie ein Leben lang. Bei jedem weiteren Kontakt mit den Stoffen reagiert die Haut aufs Neue.

„Krebserregende Färbechemikalien stehen inzwischen auf einer Verbotsliste. Ohne Risiko sind die chemischen Haarfarben deshalb noch lange nicht.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

Keine Spur von Bio

Allzu bunt treibt es die Biokap Haarfarbe mit Bio-Arganöl: Unter ihren insgesamt sechs verschiedenen aromatischen Aminen befindet sich auch p-Aminophenol. p-Aminophenol steht im Verdacht, genetische Defekte zu verursachen. Von Bio, das so groß im Namen auftaucht, also keine Spur.

Früher war es noch schlimmer

Aber waren die chemischen Haarfarben nicht früher sehr viel schlimmer? Stimmt. Für die Produktgruppe Haarfarben ist 2013 ein neues Zeitalter angebrochen: Nachdem eine US-Studie den Zusammenhang zwischen Haarefärben und Blasenkrebs belegt hatte, setzte die EU-Kommission ein riesiges Bewertungsprogramm in Gang und viele der zuvor noch zugelassenen Stoffe landeten auf einer Verbotsliste. Die in den getesteten Produkten enthaltenen aromatischen Amine gehören zu den rund 100 Färbesubstanzen, die Hersteller bis zu gewissen Grenzwerten in Haarfarben einsetzen dürfen. Doch wirklich unbedenklich sind viele von ihnen nicht.

Farben im Test sind ohne Resorcin

Ein wichtiger Bestandteil in Oxidationsfarben ist auch der seit Langem umstrittene Stoff Resorcin. Resorcin besitzt laut Einstufung des SCCS ein starkes Sensibilisierungspotenzial und kann die Haut reizen. Wir haben die Produkte auf Resorcin untersuchen lassen. Das von uns beauftragte Labor fand den Stoff in Haarfarben, die laut Herstellerangaben kein Resorcin enthalten. Weil dieses Ergebnis sehr auffällig war, lassen wir es derzeit noch einmal umfangreich überprüfen. Wir wissen: Die Analytik von Resorcin im Labor ist nicht ganz einfach. Deshalb haben wir die betroffenen Haarfarben vorerst aus dem Test genommen. Sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen, liefern wir diese nach.

Die üblichen Verdächtigen

Fast zur Fußnote geraten da die allseits bekannten Problemstoffe der Kosmetik, die ganz nebenbei auch noch in den Haarfarben stecken.

Sämtliche Oxidationshaarfarben enthalten halogenorganische Verbindungen (AOX): Viele Vertreter dieser Stoffgruppe, zum Beispiel 4-Chlororesorcinol, gelten als allergieauslösend, manche von ihnen sind krebserzeugend. Auch die üblichen Verdächtigen sind wieder mit an Bord: PEG/ PEG-Derivate, die die Kopfhaut durchlässiger machen können für Fremdstoffe; umweltschädliche Polymere und sogar problematische Duftstoffe. In der Sanotint Haarfarbe und der Korres dauerhafte Haarfarbe Arganöl stecken künstliche Moschusdüfte, die sich im menschlichen Fettgewebe anreichern, über das Abwasser in die Umwelt gelangen und dort die Gewässer bedrohen. Das ist alles andere als naturnah.

TIPPS

zum Färben mit Pflanzenfarben

Vorab: Gute Vorbereitung ist wichtig. Vor dem Färben sollten Reste von silikonhaltigen Shampoos oder Spülungen mit einer Tiefenreinigung ausgewaschen werden. Denn sie umhüllen die Schuppenschicht des Haares mit ihrem dünnen Kunststoff-Film und die Pflanzenpigmente haften dann schlechter.

Los geht’s: Ganz entscheidend ist die richtige und konstante Temperatur des Färbebreis: Richten Sie sich dabei akribisch nach den jeweiligen Angaben. Während des Auftragens die Farbe konstant auf Temperatur halten, am besten in einem Wasserbad. Solange sie einwirkt, die Haare mit Folie oder Handtuch warm und am besten auch feucht halten. Profis tasten sich übrigens in mehreren Färbeschritten an den Zielton heran.

Hilfe! Die Haare sind trocken und haben einen Grünstich? Probieren sie es mit heiß föhnen. Im Laufe der ersten beiden Tage können sich die Farben auch noch entwickeln oder nachdunkeln und sollten deshalb nicht mit Shampoo gewaschen werden. Sind Sie noch unsicher, lassen Sie sich beim ersten Mal von einem Naturfriseur in Ihrer Nähe einweisen.

Wir haben 17 Pflanzen- und alternative Haarfarben in Brauntönen eingekauft: Kaffebraun, Aschbraun, Naturbraun, Maronenbraun und Kastanienbraun sowie Kakao und Chocolate brown. Darunter Marken und Produkte, die auf den Verpackungen Auslobungen tragen wie „100 % vegetal“, „Wirkstoffe aus Bio-Anbau“ oder „bis zu 80 % der Inhaltsstoffe sind natürlichen Ursprungs“. Die von uns getesteten Farben kosten zwischen 3,99 und 39,70 Euro.

In den von uns beauftragten Laboren ließen wir nach bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen fahnden. Darunter verschiedene aromatische Amine. Bei der Prüfung orientierten wir uns an der aktuellen EU-Kosmetikverordnung sowie dem wissenschaftlichen Beratergremium der EU-Kommission (SCCS).

Zudem suchten die Labore nach allergieauslösendem Resorcin und bedenklichen Duftstoffen wie etwa polyzyklischen Moschus-Verbindungen. Im Fokus standen zudem weitere problematische Substanzen wie halogenorganische Verbindungen und Diethylphthalat (DEP). Per Deklaration checkten wir, ob die Produkte PEG/PEG- Derivate oder synthetische Polymere enthalten.