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TEST PFLANZENDRINKS: DIE HAFERMILCH MACHT’S


ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 28.11.2019

Milch aus Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten ist beliebt wie nie. Gut so. Denn Milch aus Pflanzen ist gut fürs Klima. Die meisten Produkte können wir empfehlen, Notenabzüge gibt es für Sojadrinks.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Essen und Trinken, Ausgabe 11/2019

Eigentlich ist die Sache klar: Milch aus Pflanzen ist eine gute Alternative für alle, die keine Kuhmilch wollen oder vertragen. Eigentlich. Denn Milch aus Pflanzen ist gerade schwer in Verruf geraten.

In der Kritik steht derzeit insbesondere Mandelmilch. Wie in der Onlineausgabe des Sterns zu lesen war, ist der Anbau der Schalenfrucht mit einem extrem hohen Wasserbedarf verbunden – viel mehr, als die Produktion ...

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... von Kuhmilch erfordert. Tatsächlich benötigt die Erzeugung von einem Kilogramm Mandeln über 10.000 Liter Wasser. Stehen die Mandelbäume noch dazu in einer sehr trockenen Gegend, verschärft dies die Wasserknappheit und Dürre. Dieses Problem betrifft vor allem Kalifornien, das 80 Prozent der weltweiten Mandelernte einfährt.

Auch Sojamilch sehen viele kritisch. Warum, ist schnell erklärt: So sind fast 80 Prozent der weltweit verarbeiteten Sojabohnen gentechnisch verändert. In Brasilien, wo der Sojaanbau immer noch wächst, trägt die Hülsenfrucht auch zur Abholzung von Regenwäldern bei. Was viele jedoch nicht wissen: Sojabohnen aus Nord- und Südamerika landen fast ausschließlich als Tierfutter in den Mägen von Kühen, Schweinen oder Geflügel – und nicht als Zutat in Sojadrinks.


Auch Pflanzendrinks stehen in der Kritik: So haben Mandelbäume einen extrem hohen Wasserbedarf.


Einzelne Kritikpunkte an Milch aus Pflanzen sind berechtigt. Doch dass eine überwiegend pflanzliche Ernährung zur Lösung von Umweltproblemen beitragen kann, ist unbestritten. Das belegt auch die kürzlich erschienene Studie von Joseph Poore und Thomas Nemecek. Die Wissenschaftler hatten Daten von rund 40.000 Farmen aus 119 Ländern und von 40 unterschiedlichen Agrarprodukten ausgewertet, wobei sie den gesamten Produktionsweg vom Anbau bis zum Verbraucher unter die Lupe nahmen.

ÖKO-TEST RÄT

► Die meisten Haferdrinks fallen „sehr gut“ aus. Der beste Sojadrink ist von Berief. „Sehr gut“ heißt es auch für den Provamel Bio Mandeldrink, ungesüßt und den Milsa Mandel Drink Gesüßt von Aldi Nord.
► Sind Ihnen Herkunft und Bio-Anbau der Zutaten wichtig? Unter den Bio-Drinks finden sich viele „sehr gute“ mit Hafer aus Deutschland oder Europa.


Sojamilch verursacht weniger Treibhausgase als die Milch von Kühen, ihre Produktion braucht weniger Land und Wasser.


Sie verglichen auch Soja- und Kuhmilch; das pflanzliche Produkt verursachte demnach erheblich weniger Treibhausgase als das tierische. Auch der Verbrauch von Landfläche und Wasser fiel deutlich geringer aus. Für Nüsse und Steinfrüchte wie Mandeln fanden die Forscher an dieser Stelle schlechtere Werte, unter anderem wegen des wasserintensiven Anbaus. Im Vergleich zu Fleisch zeigten Nüsse als Proteinlieferanten allerdings bessere Werte.

Gute Gründe, pflanzliche Milchersatzprodukte erneut zu testen. Dieses Mal haben wir vor allem Haferdrinks ins Labor geschickt. Sie gelten als besonders umweltgerecht.

Hafermilch überzeugt. Kein Problem mit Gentechnik, kein Glyphosat und keine bedenklichen Schwermetalle: Die meisten Haferdrinks gehen zurecht als Sieger aus dem Test. Umso besser, dass der Rohstoff zumeist aus heimischem Bio-Anbau stammt. Das bedeutet kurze Transportwege und einen umweltschonenden Anbau ohne Pestizideinsatz. Dass die Sensorikexperten in einigen Haferdrinks einen „leicht bitteren Geschmack“ festgestellt haben, ändert nichts an dem „sehr guten“ Gesamturteil. Denn diese leichte sensorische Abweichung ist für Otto Normalverbraucher kaum wahrnehmbar und stört den Geschmackseindruck nicht.

Sojadrinks mit zwei Problemen. Vergleichsweise schlecht steht es hingegen um etliche Sojadrinks. Lediglich der Berief Bio Soja Drink Naturell kommt mit einem „sehr gut“ durch den Test. Bemängelt haben wir vor allem zu hohe Nickelgehalte.

Gentechnik in Sojamilch. Das beauftragte Labor wies Spuren gentechnisch veränderter Soja-DNA nur in einem Produkt von Alpro nach. Es handelt sich dabei um Verunreinigungen. Laut Anbietergutachten wurden in einem chargengleichen Produkt lediglich Signale unterhalb des Detektionslimits beobachtet. Beide Untersuchungsergebnisse stehen einer Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ nicht im Wege. Würden die Hersteller gentechnisch veränderte Sojabohnen verarbeiten, wären die Mengen viel größer und die Hersteller müssten die Verwendung auf die Packung schreiben. Die Spuren zeigen, dass sich die Gentechnik nicht kontrollieren lässt und selbst in Ländern auftaucht, die überhaupt keine Genpflanzen anbauen, wie Österreich, Frankreich oder Italien.


Sojabohnen können Nickel anreichern. Das belastet am Ende auch die Milch.


Zu viel Nickel. Sojabohnen neigen dazu, das Schwermetall Nickel, das umweltbedingt im Boden vorkommen kann, zu speichern oder es über die Luft aufnehmen. Das führt dann möglicherweise auch zu einer übermäßigen Belastung von Sojamilch. Viel Nickel fand das Labor in den Produkten von Lidl, Edeka, Hofgut Storzeln und Alpro. Eine zu hohe Nickelaufnahme kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Bei der Bewertung der Nickelgehalte haben wir uns an dem noch akzeptablen Aufnahmewert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) orientiert. Erwachsene sollten demnach nicht mehr als 168 Mikrogramm Nickel am Tag aufnehmen. Schon ein 250-Milliliter-Glas der belasteten Drinks reicht aus, um den Wert zu mehr als der Hälfte auszuschöpfen. Es geht auch besser. Immerhin: Der Sojadrink von Berief ist deutlich weniger belastet.

Unerwünschte Zusätze. Oatly und Alpro setzen in ihren Produkten phosphathaltige Zusätze ein. Bei Oatly handelt es sich um Calciumphosphat und bei Alpro um einen Säureregulator. Experten raten vorsorglich dazu, möglichst wenig Phosphat aufzunehmen. Zu viel davon kann den Nieren schaden und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Mit Calcium angereichert. Die Produkte von Alpro, Aldi Süd, Edeka, Lidl, Natumi, Oatly und Hofgut Storzeln sind mit Calcium angereichert. Das ist in Ordnung, weil viele die Drinks anstatt Milch trinken und Milch und Milchprodukte wichtige Calciumlieferanten sind. Der Gehalt der Drinks entspricht in etwa dem von Milch. Aber eine gute Calciumversorung geht auch ohne angereicherte Lebensmittel. Viel von dem Mineralstoff steckt zum Beispiel in calciumreichem Mineralwasser ab 300 Milligramm pro Liter sowie in grünem Gemüse und Hülsenfrüchten.

Künstlicher Geschmack. Wir meinen, Pflanzendrinks sollten nach den Rohstoffen schmecken und nicht nach künstlichen Vanillearomen wie das Getränk von Alpro. Auch Vitaminzusätze halten wir für überflüssig. Wer Bedenken hat, nicht ausreichend versorgt zu sein, spricht mit seinem Arzt und füllt Nährstofflücken gezielt auf.

DAS KAFFEE-EXPERIMENT

Kaffee und Pflanzenmilch verbinden sich nicht immer harmonisch miteinander, sondern flocken teilweise aus. Schuld daran sind vor allem die ungleichen Säureverhältnisse, erklärt Chris May vom Alpro-Kundenservice: „Kaffee hat von Natur aus einen sauren und somit niedrigen pH-Wert; der von Pflanzendrinks liegt höher.“ Das führe dazu, dass Eiweiß- und Fettbestandteile gerinnen und sich absetzen können. Aber nicht alle Sorten seien gleichermaßen betroffen.
Wir ließen die Probe aufs Exempel machen und die Testprodukte im Labor in einen Standardfilterkaffee kippen. Alle Produkte wurden vorab geschüttelt, auffällige Proben nochmals mit erwärmter Milch zubereitet. Das Ergebnis ist unterschiedlich: Während die Haferdrinks sich zumeist erstklassig mit dem Kaffee verbanden, verursachte der Provamel Bio Mandeldrink reichlich Flocken.
Das entspreche der Erfahrung von vielen Verbrauchern, sagt May. „Haferdrinks neigen nicht zum Ausflocken.“ Sollen Mandel- und Sojamilch stabil im Kaffee bleiben, brauche es in der Regel Stabilisatoren oder Säureregulatoren. Auch das bestätigt unser Test: So bildeten der Alpro Soya Original + Calcium und der Milsa Mandel Drink Gesüßt keine Flocken, beide Produkte enthalten Stabilisatoren und Säureregulatoren.

DAS MACHT SIE AUS: GESCHMACK UND NÄHRSTOFFE

► Sojamilch sieht eher hell aus und schmeckt bohnig nach Soja. Oft ist Salz und manchmal auch Zucker zugefügt, entsprechend dominieren dann salzige oder süße Noten. Die Zuckergehalte liegen mit ein bis etwa drei Prozent trotzdem im niedrigen Bereich. Der Eiweißgehalt ist dagegen vergleichsweise hoch. Er reicht mit drei bis vier Prozent an den der Milch heran.
► Mandelmilch ist elfenbeinfarben und zeichnet sich durch einen Mandelgeschmack aus. Manchmal ist ein leichtes Röstaroma wahrnehmbar. Mandelmilch gibt es gesüßt oder ungesüßt, die zuckrige Variante im Test liegt trotzdem noch unter dem Zuckergehalt von Hafermilch. Eiweiß ist nur wenig enthalten.
► Hafermilch hat eine hellbraune Farbe und schmeckt deutlich nach Hafer. Mit vier bis fast sechs Prozent enthält sie auffallend viel Zucker und schmeckt deshalb auch leicht süß. Der Zucker ist ein natürlicher Bestand des Hafers oder entsteht bei der Herstellung. Eiweiß und Fett sind dagegen knapp bemessen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: frei von künstlichen Farb-, Süß- und Konservierungsstoffen laut Gesetz). 2) Produkt ist mit Calcium angereichert. Bio-Hersteller verwenden dafür die calciumhaltige Meeresalge Lithothamnium calcareum. In konventionellen Produkten kommen Calciumsalze zum Einsatz. 3) Produkt enthält zugefügten Zucker. 4) Weiterer Mangel: gentechnisch veränderte Soja-DNA. Laut Anbietergutachten zeigte die qualitative Analyse auf GVO-Soja in einem chargengleichen Produkt lediglich Signale unterhalb der Nachweisgrenze. 5) Laut Anbieter hat das Produkt mittlerweile eine neue Tetrapak-Verpackung überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen und mit neuem Design. 6) Laut Produktionsprotokoll war die Verkostung der betreffenden Charge bei Abfüllung und nach drei Tagen bei Raumtemperatur sensorisch unauffällig. 7) Laut Anbieter hat sich das Verpackungsdesign inzwischen verändert.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein Nickelgehalt, der die von der Efsa festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) zu mehr als 50 Prozent ausschöpft (für die Berechnung sind wir von einer 60 Kilogramm schweren Person und einer 250-Milliliter-Portion ausgegangen). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) zugesetzte Aromen; b) Vitaminzusatz; c) phosphathaltige Zusätze. Unter dem Testergebnis Sensorik führen zur Abwertung um zwei Noten: deutliche sensorische Auffälligkeiten (hier: „schmeckt deutlich bitter“). Zur Abwertung um eine Note führen: leichte sensorische Auffälligkeiten (hier: „schmeckt leicht bitter“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Verunreinigung mit Spuren gentechnisch veränderter Soja-DNA. Zur Abwertung um eine Note führt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten.

Die beiden Pflanzendrinks auf der Basis von Mandeln konnten rundum überzeugen.


Foto: imago/Westend61

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik oder ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/T1911 Einkauf der Testprodukte: November 2018 und August 2019.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 3/2019. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


Foto: imago/Westend61