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TEST Pflaster, sensitiv: Kleine Trösterchen


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

RATGEBER

1 Unser Test bietet viele „sehr gute“ Pflaster zur Auswahl – darunter auch einige sehr günstige.

2 Nässende und frische Wunden täglich mit einem neuen Pflaster versorgen. Wie Sie Wunden außerdem richtig behandeln, lesen Sie ab Seite 102.

3 Denken Sie daran, den Tetanusimpfschutz regelmäßig aufzufrischen.

Artikelbild für den Artikel "TEST Pflaster, sensitiv: Kleine Trösterchen" aus der Ausgabe 3/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Noch ehe das Pflaster über der Wunde klebt, setzt der Körper eine Fülle an Abwehrreaktionen in Gang. Denn durch eine Verletzung verliert die Haut ihre schützende Funktion. Die Blutgerinnung wird aktiviert, Blutpfropfen dichten die verletzten Gefäße ab undFresszellen bekämpfen eingedrungene Keime und Krankheitserreger. Pflaster schützen die Wunde vor Keimen und dämpfen ab, falls man sich an derselben Stelle noch mal stößt. ÖKO-TEST wollte wissen, ob in den als besonders hautfreundlich ausgelobten Sensitivpflastern problematische Substanzen stecken. Dazu schickten wir 18 Produkte in die ...

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... Labore. Das Ergebnis: Die meisten schneiden „sehr gut“ ab – aber eben nicht alle.

Konkret: 17 Pflaster können wir empfehlen, 14 davon mit „sehr gut“ und drei mit „gut“. Eines erreicht nur ein „befriedigend“.

Was sind Sensitivpflaster eigentlich?

Sensitivpflaster sind aus einem weicheren und anschmiegsameren Material als andere Wundpflaster. Meist ist die Oberfläche ein Vliesstoff. Sie sind luftdurchlässig und atmungsaktiv. Eine weitere, nicht zu unterschätzende Eigenschaft: Die Klebeschicht ist dünn und mit einem hautverträglichen Klebstoff bestrichen, so dass es sich leichter entfernen lässt, ohne die Haut zu reizen. Denn gerade die Klebeeigenschaften machen ein Pflaster häufig zum Problemfall. Entweder es haftet gut und lässt sich später nur schwer von der Haut lösen, oder es klebt nicht so gut und löst sich bereits bei der kleinsten Bewegung. Der Kleber kann allerdings – neben anderen Materialien und Herstellungsschritten – dafür sorgen, dass problematische Stoffe in das Pflaster gelangen.

„Ein Pflaster kommt mit offenen Wunden in Berührung. Es darf keine problematischen Stoffe enthalten.“

Nichts für offene Wunden

In einem Produkt im Test kritisieren wir nitrosierbare Stoffe. Nitrosierbare Amine können in krebserzeugende Nitrosamine umgewandelt werden. Wie die Stoffe in die Pflaster gelangen, können auch die Hersteller meist nur schwer erklären. Sie können etwa bei der Vulkanisation von Kautschuk zu Gummi oder Latex entstehen, aber auch über Klebstoffe und Druckfarben, zum Beispiel aus den Faltschachteln, hineingelangen.

Bei den Ratioline Sensitiv Pflasterstrips ist laut Herstellerangaben Latex ein Bestandteil der Kaltsiegelbeschichtung der Verpackung, was den Fund des von uns beauftragten Labors also erklären könnte. Wir bewerten die vom Labor gemessenen Gehalte an nitrosierbaren Stoffen in den Pflastern als „erhöht“. Dafür ziehen wir zwei Noten ab; diese Stoffe haben aus unserer Sicht an offenen Wunden nichts zu suchen.

Weitere Problemstoffe

In zwei Produkten analysierte das von uns beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen: in den Lifemed Pflaster-Strips Sensitive und in den Vita Plus Sensitive Pflasterstrips. Dabei handelt es sich um eine große Gruppe von Stoffen, von denen viele Verbindungen als allergieauslösend gelten, manche Krebs erzeugen und fast alle sich in der Umwelt anreichern.

In den Pflastern von Gothaplast und Hansaplast wies das beauftragte Labor optische Aufheller im Pflasterband nach. Diese Weißmacher sind völlig unnötig und belasten die Umwelt, weil sie sich kaum abbauen. Deshalb werten wir hier unter den Weiteren Mängeln ab.

Von diesen wenigen wunden Punkten abgesehen ist das Testergebnis jedoch insgesamt mehr als zufriedenstellend.

WISSEN

Luft oder Pflaster?

Ein populärer Irrtum „Wunden brauchen frische Luft.“ Diesen Satz hören Eltern noch heute häufig auf dem Spielplatz oder im Freibad, wenn sich das Kind mal das Knie aufgeschlagen hat. Diese Theorie hält sich hartnäckig, ist jedoch ein populärer Irrtum. Die Medizin weiß es heute besser: Ein Pflaster hält die Wunde feucht und unterstützt sie deshalb beim Abheilen.

Schorf und Juckreiz

Der britische Mediziner George Winter widerlegte zu Beginn der 1960er-Jahre die gängige Meinung, dass an ein Wunde Luft sollte und Schorf der beste Verband sei. Seine Studien zeigten: Eine Verschorfung behindert vielmehr die Regeneration. Darüber hinaus kann ein feuchtes Wundmilieu das Risiko der Narbenbildung und den typischen Juckreiz verringern. Die Erkenntnisse führten zu einem Wechsel in der klinischen Wundversorgung – bis heute.

So haben wir getestet

Wir haben 18 als sensitiv oder hautfreundlich ausgelobte Pflaster in Apotheken, Drogerien und Supermärkten eingekauft. Darunter sind bekannte Markenprodukte und Eigenmarken. Die meisten Packungen enthalten Einzelpflaster (Strips), fünf Produkte sind längere Streifen und müssen zugeschnitten werden.

Wir ließen alle Pflaster in Laboren auf krebserregende Nitrosamine und deren Vorstufen, die nitrosierbaren Stoffe, untersuchen. Diese können bei der Herstellung der Klebstoffe während der Vulkanisation entstehen, aber auch über Druckfarben, zum Beispiel aus den Faltschachteln, in die Pflaster hineingelangen. Zudem untersuchten die Labore alle Produkte auf halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller, unter denen Verbindungen sein können, die die Umwelt belasten oder allergische Reaktionen hervorrufen können. Hinzu kamen mit zinnorganischen Verbindungen und Antimon giftige Stoffe, die als Katalysatoren in der Silikonund Polyesterproduktion dienen. Nicht zuletzt ließen wir die Kunststoffbestandteile von Verpackungen und Pflastern auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC prüfen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: optische Aufheller. 3) Laut Anbieter werde das Produkt ab März 2022 auch in Filialen von Aldi Nord erhältlich sein. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg nitrosierbare Stoffe (in Tabelle: „nitrosierbare Stoffe erhöht“). Zur Abwertung um eine Note führt: halogenorganische Verbindungen.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) optische Aufheller.

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht geprüft haben. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2203.

Einkauf der Testprodukte: November – Dezember 2021.

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