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TEST Pflegeprodukte für Schwangere: Auf Streife


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2013 vom 28.03.2013

Pflegeprodukte für Schwangere sind vor allem eines: teurer! Dabei enthalten diese Mittel keine speziellen „Wirkstoffe“, die den gefürchteten Dehnungsstreifen Paroli bieten könnten. Immerhin: In den meisten Testprodukten fanden die Labore keine Substanzen, die der Haut schaden.


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Foto: istockphoto/©Thinkstock

Weil Schwangerschaftsstreifen nach der Geburt nicht völlig verschwinden, wären viele Frauen über eine Behandlung glücklich, die die Streifenbildung verhindert“, erklärt Dr. Gavin Young, niedergelassener Arzt in Großbritannien. Daher hat Young zusammen mit Kollegen die wissenschaftliche Literatur nach ...

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... Hinweisen für eine erfolgreiche Therapie durchforstet. Dabei fanden sie etliche Studien, in denen der Effekt von Cremes und Mitteln mit Wirkstoffen gegenüber der Anwendung eines Placebos ohne Wirkstoff oder keinerlei Behandlung untersucht wurden. Insgesamt beurteilten die Wissenschaftler Daten für 800 Frauen. Das Fazit ist ernüchternd: „Die Anwendung von Hautpflegemitteln an den betroffenen Stellen wie dem Bauch kann die Bildung von Schwangerschaftsstreifen nicht verhindern oder ihre Schwere mildern“, fasst Young das Ergebnis zusammen.

Zumindest in der Theorie stimulieren eincremen und massieren den Stoffwechsel des Bindegewebes und die Durchblutung. Unbestritten ist zudem: Das tägliche Eincremen versorgt die strapazierte Haut mit Feuchtigkeit und hilft gegen Juckreiz. Nicht zuletzt können Massagen und Eincremen das Wohlgefühl steigern und entspannen.

Ein Netz aus Kollagen und Fasern hält die Haut normalerweise elastisch. Während der Schwangerschaft führt jedoch die starke Dehnung zu Rissen im Gewebe – besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft. Durchscheinende Gefäße werden dann als violette Streifen sichtbar – am häufigsten an Bauch, Oberschenkeln und Busen. Davon betroffen sind viele Frauen, auch wenn die Zahlen in wissenschaftlichen Artikeln von 50 bis 90 Prozent schwanken. Als Risikofaktoren werden von Wissenschaftlern in erster Linie Veranlagung und Hormonveränderungen genannt. Sie beeinträchtigen die Elastizität der Haut. Später verblassen die rötlichen Streifen ins Silbrige – sie verschwinden jedoch nicht gänzlich.

Wir haben 20 Pflegeprodukte für Schwangere eingekauft, in verschiedene Labore geschickt und dort umfassend die Inhaltsstoffe überprüfen lassen. Auf eine Bewertung der von den Herstellern ausgelobten Effekte gegen Schwangerschaftsstreifen verzichteten wir. Während Studienergebnisse hier eher zu dem Ergebnis kommen, dass die Produkte keinen Nutzen haben, empfinden viele Anwenderinnen die Pflege und Massage der spannenden Haut als sehr angenehm.

Das Testergebnis

■ Überwiegend „sehr gut“: Mit den meisten Mitteln gegen Schwangerschaftsstreifen können Sie unbesorgt Ihre wachsende Murmel eincremen und verwöhnen. Zwei noch „gute“ Produkte enthalten fragwürdige Konservierungsstoffe. Die Schlusslichter sind drei Markenprodukte: Das Bi-Oil und die Produkte der Marken Biotherm und Vichy, die über Parfümerie-Abteilungen bzw. Apotheken vertrieben werden.
■ Billige Chemie statt hochwertiger Pflege: Die Vichy Schwangerschaftsstreifen-Creme schnitt mit „ungenügend“ ab. Wir kritisieren an der Creme etwa den Einsatz von billigen Paraffinen. Sie integrieren sich nicht so gut wie natürliche Fette und Öle ins Hautbild.
■ Fragwürdige Konservierungsmittel: Die Vichy-Creme wartet auch mit dem halogenorganischen Konservierungsmittel Chlorphenesin auf. Er gilt als allergieauslösend. Das trifft auch auf die Substanz Methylisothiazolinon zu, die in dem Beauty Mama-Produkt enthalten ist. Bedenkliche Parabene wiesen die Labore in dem Vichy- und dem ReAm-Produkt nach. Das enthaltene Propylparaben ist in den Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken.
■ Reizende Duftstoffe: Das Bi-Oil duftet mit Hydroxycitronellal und Lyral. Beide Duftstoffe verursachen relativ häufig eine Kontaktallergie, die mit lästigen Rötungen und Juckreiz bis hin zu schmerzenden nässenden Bläschen einhergeht. In dem Bi-Oil wurde zudem künstlicher Moschus-Duft nachgewiesen. Das finden wir für ein Produkt, das für eine Anwendung in und nach der Schwangerschaft empfohlen wird, besonders bedenklich. Schließlich kann der Moschus-Duft über die Haut aufgenommen und mit der Muttermilch an das Baby weitergegeben werden. In Tierversuchen verursachten diese Kunstdüfte Leberschäden.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter ist eine Methylisothiazolinon-(MIT)-freie Variante des Produkts in Vorbereitung. Die letzte Charge mit der MIT-haltigen Rezeptur ist die Charge 248259. 2) Laut Anbieter wird das Design des Produktes verändert sowie der Name in „Bio Hautöl“ geändert. 3) Laut Anbieter wurde das Verpackungsdesign des Produktes im November 2012 geändert. 4) Die deklarationspflichtigen Duftstoffe Geraniol, Citronellol, Limonene und Linalool wurden nachgewiesen, sie sind jedoch nicht deklariert. 5) Der deklarationspflichtige Duftstoff Farnesol ist deklariert, er wurde jedoch nicht nachgewiesen. 6) Die deklarationspflichtigen Duftstoffe Geraniol, Citronellol, Limonene und Linalool wurden nachgewiesen, sie sind jedoch nicht deklariert. 7) Der deklarationspflichtige Duftstoff Lyral ist deklariert, er wurde jedoch nicht nachgewiesen. 8) Die Preisangabe für das Produkt basiert auf einer Packung mit 20 ml Inhalt. Die 50-ml-Packung des Produkts kostet 11,40 Euro.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (künstlicher Moschus-Duft); b) halogenorganische Verbindungen (Chlorphenesin); c) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als ein Prozent Paraffine/paraffinähnliche Erdölprodukte und/oder apolare Silikonverbindungen; b) mehr als 10 mg/kg Methylisothiazolinon; c) bedenkliches Paraben (Propylparaben); d) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (Hydroxycitronellalund/oder Lyral). Unter Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1304“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: November – Dezember 2012
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

► Für die Pflege der gedehnten Haut an Bauch und Busen muss es kein spezielles Pflegeprodukt sein, ein gutes Öl oder eine reichhaltige Lotion tun es auch.
► Körperöle enthalten anders als manche Cremes keine fragwürdigen Konservierer wie Propylparaben oder Methylisothiazolinon. Im Regal stehen lassen sollten Sie Produkte mit Silikonen und Erdölprodukten, erkennbar an Begriffen wie Paraffinum, Microcrystalline Wax, Petrolatum, Mineral Oil, Ceresin, Polyisobutene, Polydecene, Cyclopentasiloxane und Dimethicone.
► Eine mäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kann Schwangerschaftsstreifen etwas vorbeugen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 20 Pflegeprodukte für Schwangere in Super- und Bio-Märkten, Drogerien, Parfümerien, Apotheken sowie in Hebammenshops eingekauft. Darunter sind acht Körperöle und zwölf reichhaltige Cremes und Bodybutter, die teilweise wie das Produkt von Martina Gebhardt ausschließlich auf pflanzlichen Ölen basieren.

Verschiedene Labore prüften alle Testprodukte auf fragwürdige Bestandteile.


Foto: Labor

Die Inhaltsstoffe
Stecken in einem Pflegeöl oder einer Pflegecreme für Schwangere tatsächlich nur pflegende Bestandteile? Oder finden sich in solchen Mitteln auch Zutaten, die Allergien auslösen und die Haut reizen können? Diese Fragen ließen wir uns von verschiedenen Laboren beantworten. Die Tester haben einen kritischen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe aller Produkte geworfen und je nach Zusammensetzung eine Reihe von Analysen durchgeführt. Dabei standen Substanzen wie allergisierende Duftstoffe und umstrittene Konservierungsmittel im Fokus.

Die Bewertung
Die Schwangerschaft sorgenfrei genießen – dazu gehören auch Pflegeprodukte ohne fragwürdige Bestandteile. Daher gab es Notenabzüge für umstrittene Konservierungsstoffe, künstlichen Moschus-Duft sowie für Öle auf Erdölbasis und synthetische Fette wie Silikone. Schließlich soll die gedehnte Haut nicht auch noch zusätzlich strapaziert, sondern durch pflegende Bestandteile wie natürliche Öle und Fette verwöhnt werden – auch wenn sich Schwangerschaftsstreifen dadurch nicht vermeiden lassen. Notenabzug gab es zudem für die vielen überflüssigen Verpackungskartons, in denen Kunststofftiegel oder -flaschen steckten, auch wenn eine ausführliche Anleitung für Massagen in der Schwangerschaft wie bei den Produkten der Marken Hipp und Vichy beilag.