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TEST Pflegetagegeld-Versicherungen: Hoher Schutz, hoher Preis


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2011 vom 25.02.2011

Erst krank, dann arm. Diese Überschrift haben wir für unseren Artikel zur Berufsunfähigkeit auf Seite 110 gewählt. Sie würde auch zu diesem Test passen. Denn hier wie dort ist private Vorsorge nötig, die staatlichen Leistungen reichen nicht.


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Zum Jahr der Pflege hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler 2011 ausgerufen. Die staatliche Pflegeversicherung soll reformiert werden. Das ist leider kein Grund für entspanntes Zurücklehnen. „Egal wie die neue staatliche Absicherung auch aussieht, es wird keinen Vollkaskoschutz geben“, sagt Klaus Michel, Experte für Gesundheitspolitik bei der Allianz ...

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Zum Jahr der Pflege hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler 2011 ausgerufen. Die staatliche Pflegeversicherung soll reformiert werden. Das ist leider kein Grund für entspanntes Zurücklehnen. „Egal wie die neue staatliche Absicherung auch aussieht, es wird keinen Vollkaskoschutz geben“, sagt Klaus Michel, Experte für Gesundheitspolitik bei der Allianz Versicherung in München. Der Grund ist einfach: Wir werden immer älter und immer weniger Berufstätige müssen für den Schutz der Senioren aufkommen.

Ab dem 80. Lebensjahr nimmt die Zahl der Pflegefälle drastisch zu. Zwischen dem 60. und 80. Geburtstag liegt das Risiko nur bei rund fünf, danach steigt es auf 29 Prozent, wie das Bundesgesundheitsministerium ermittelt hat. Zudem kommen immer mehr Menschen ins Risikoalter. Daher sind heute rund 2,4 Millionen pflegebedürftig, 2050 wird es schon 4,7 Millionen Betroffene geben.

Die Lücke ist groß

Wer zum Pflegefall wird, muss aus eigener Tasche zuzahlen. Oder die Kinder werden vom Sozialamt zur Kasse gebeten. Derzeit schätzt das Bundesgesundheitsministerium die private Lücke für die Pflege zu Hause je nach Grad der Hilflosigkeit auf 500 bis 2.200 Euro pro Monat. Wer im Heim gepflegt wird, muss zwischen 700 und 1.200 Euro privat zuzahlen.

Zusätzlicher Privatschutz ist daher unerlässlich. Ein einfaches Produkt dafür ist die Tagegeldversicherung. ÖKO-TEST hat die Angebote mithilfe des Analysehauses Kvpro.de aus Freiburg auf Herz und Nieren geprüft. Alle Produkte mussten mindestens in der Pflegestufe III stationär die volle Leistung von 50 Euro pro Tag erbringen, also 1.500 Euro pro Monat. Angebote, die in Pflegestufe I gar nicht leisten, wurden nicht berücksichtigt. Insgesamt wurden so 340 Tarife für Frauen und Männer für fünf unterschiedliche Einstiegsalter (35, 45, 55, 60, 65 Jahre) untersucht.

Das Testergebnis

■ 97 Tarife erreichen den zweiten Rang und sind damit die besten Angebote. Dabei gilt die Faustregel: je besser, desto teurer. Immer unter den Besten rangieren die Tarife der AxaPflegevorsorge Flex 1, 2, 3 , der DüsseldorferPZ Tarifstufe 1+2+3 und des Münchener VereinsSC Pflege 412 undSC Pflege 421+421B . Sie leisten in allen Modellfällen im Test in jeder Stufe ein Tagegeld von 50 Euro. Während es sich bei dem Pflegetagegeld des Münchener Vereins um einen klassischen Tarif handelt, sind die Angebote der Axa und Düsseldorfer moderne Bausteintarife. Hier können die Kunden in jeder Pflegestufe ihre Absicherungshöhe selbst wählen.
■ Die vier Tarife wurden als Sonderfälle behandelt. Sie führen in der Praxis zu einer Überversorgung und wurden bei der Ermittlung des Ranges nicht berücksichtigt. Daher erreicht beispielsweise der TarifPremium der HUK-Coburg mit einer Gesamtleistung von rund 54.600 Euro bei einer 35-jährigen Frau schon die beste Leistungsnote, auch wenn die Axa, die Düsseldorfer und der Münchner Verein mit rund 90.000 Euro wesentlich mehr zahlen.
■ Völlig unzureichende Leistungen bietet der sehr günstige UKV TarifPTE . Er zahlt in der ambulanten Pflegestufe I nur 12,5 Prozent und in II gerade mal 25 Prozent des vereinbarten Tagegeldes. Daher bekam der Tarif mit Rang 5 in allen Altersgruppen die rote Laterne. Durchgängig schwach sind mit bestenfalls dem 4. Rang auch die TarifePZT der Allianz undPZT der LVM. Alle drei Versicherer haben aber auch leistungsstarke Tarife im Test. Allianz:PZTBest , LVMPZTK , UKV:PflegePREMIUM + PLUS .
■ Wer sich frühzeitig absichert, zahlt deutlich weniger und ist schon in jungen Jahren gegen eine plötzliche Pflegebedürftigkeit, etwa durch einen Unfall oder Schlaganfall geschützt. Au ßerdem werden junge Menschen meist problemlos ver sichert. Senioren können, wenn sie schon erkrankt sind, durch die Gesundheits prüfung des privaten Anbieters fallen. Eine 35-jährige Frau zahlt beispielsweise bei der Concordia im durchgängig mit dem 2. Rang bewerteten TarifPT 276 Euro pro Jahr. Tritt mit 80 Jahren der Pflegefall ein, hat sie für den Risikoschutz insgesamt 12.420 Euro bezahlt. Schließt die Frau hingegen erst mit 60 Jahren einen Vertrag, zahlt sie 1.596 Euro im Jahr, bis 80 also insgesamt 31.920 Euro. Ein Mann kommt bei Vertragsabschluss mit 35 insgesamt auf 7.830 Euro, mit 60 hingegen auf 17.160 Euro.
■ Grundsätzlich haben alle Tagegeldtarife einen Mangel: Die Prämien können erhöht werden. Davon könnten teure Tarife wie von der Axa oder der Düsseldorfer besonders betroffen werden. Denn derzeit gibt es kaum Schadenfälle. Die Kalkulation der Versicherer könnte daher auf unsicheren Füßen stehen. Wer sich die Versicherung nicht mehr leisten kann, steht ohne Schutz da, eingezahltes Geld ist verloren. Hilfe bieten die von uns nicht bewerteten Kennzahlen versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote und Nettoverzinsung. Je höher sie sind, desto solider ist der Versicherer und desto größer die Chance, dass er die Prämien nur moderat anhebt.
■ In die „Zahlung gesamt“ in der Tabelle haben wir neben dem Tagegeld auch Einmalleistungen und die Beitragsfreiheit im Pflegefall eingerechnet. Unberücksichtigt blieben Sonderleistungen bei Demenz, für Härtefälle, bei Pflegebedürftigkeit durch Unfall und Assistancl-ueistungen. Nicht bewertet haben wir auch Wartezeiten für Leistungen, die Dynamik, also die Möglichkeiten zur Erhöhung des Tagegeldsatzes, Abschläge bei der Laienpflege sowie die Art der Leistungsprüfung. Grundsätzlich reicht hier der Bescheid der Pflegekasse. Möglich ist fast bei allen Anbietern aber eine zusätzlich ärztliche Überprüfung.

Unsere Empfehlungen

Schon in der Pflegestufe I sollte eine ausreichende Leistung abgesichert werden, weil die Menschen hier lange verweilen.
Sichern Sie sich frühzeitig ab. Dann ist die Police preiswerter, es gibt weniger Probleme mit der Gesundheitsprüfung und Sie haben länger Schutz.
Achten Sie darauf, dass die Tarife eine Dynamisierung der Leistung ohne erneute Gesundheitsprüfung zulassen. Denn die Pflegekosten werden künftig weiter steigen.
Wer 60 oder älter ist, sollte grundsätzlich nur Tarife ohne Wartezeit abschließen.

Kompakt

Vertrauensschutz für privat Versicherte
Wer schon privat abgesichert ist, braucht keine Angst vor einer Fehlinvestition zu haben. „Bei gesetzlichen Änderungen genießen Versicherte Vertrauensschutz“, sagt Gerd Benner, Sprecher der Debeka-Versicherung aus Koblenz. Bei staatlichen Änderungen würde entweder der bestehende Privatschutz angepasst oder die Kunden könnten ohne Gesundheitsprüfung in einen neuen Tarif wechseln. Andere Versicherer, wie die Allianz oder die DKV aus der Ergo-Gruppe bestätigen diese Umstiegsgarantie. Der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV-Verband) hat zudem in einem Rundschreiben alle Mitglieder darauf hingewiesen, dass die Kunden bei einer Änderung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit Bestands- und Vertrauensschutz genießen. Noch herrscht nämlich über die Reform der Pflegeversicherung große Unsicherheit. Klar ist nur, dass die Versicherten eine Kapitalreserve aufbauen sollen, um die Pflegeversicherung für den demografischen Wandel, also die ständige Zunahme der nicht berufstätigen Älteren, sicherer zu machen.

Pflegereform: Start 2012
Start des neuen Pflichtschutzes könnte 2012 sein. Dafür, so Experten, müsste noch vor Ostern 2011 ein erster Gesetzesentwurf vorgelegt werden. Doch noch gibt es keine Einigung über die Ausgestaltung der reformierten Pflegeversicherung. So könnte es statt der drei Pflegestufen künftig fünf Bedarfsklassen geben, mit denen auch körperlich gesunde, aber geistig verwirrte Personen, erfasst werden. Alle Experten sind aber einig, dass auch die künftige staatliche Pflegeversicherung nur ein Teilschutz ist. Im besten Fall wird die neue Pflegeversicherung 60 Prozent der Kosten absichern, heißt es bei der Allianz. Den Rest müssen die Kunden selbst finanzieren.

Die Testergebnisse für die Modellfälle Frau/Mann 35, 55, 60 und 65 Jahre bekommen Sie unter www.oekotest.de Ihr Heft-Code: 1M1