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TEST Pils: Es lebe hoch!


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 19.05.2022

RATGEBER

1 Alle Bio-Pilsbiere im Test sind frei vom umstrittenen Herbizid Glyphosat.

2 Gut für die Umwelt: Mehrwegflaschen. Noch besser: regionales Bier in Mehrwegflaschen.

3 Vorsicht, Bierbauchgefahr! Ein halber Liter Pils enthält rund 180 bis 220 Kilokalorien.

Artikelbild für den Artikel "TEST Pils: Es lebe hoch!" aus der Ausgabe 6/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Das Urteil über ein Bier kann kaum vernichtender ausfallen: Kontaminationsgeschmack mit buttrigen Noten – das passt nicht zu einem typischen Pilsbier. Zumal in Deutschland, dem Land, in dem jeder Dritte die Pilsener Brauart seine Lieblingssorte nennt. Ein gepflegtes Pilsken, das hat, bitte schön, bitter bis herb zu schmecken. Wir haben 50 Pilsbiere in Laboren analysieren und von geschulten Sensorikern geschmacklich testen lassen. Eines davon fiel aus der Reihe.Aber insgesamt ist das Ergebnis ganz hervorragend: 45 können wir mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlen.

Mit Bierschädlingen verkeimt

Ein von uns beauftragtes Labor untersuchte alle Biere ...

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... auf Verkeimung durch Schimmelpilze und Bakterien. Wir können weitestgehend Entwarnung geben – mit einer Ausnahme: Im Pinkus Pils, Bioland wies das Labor Pediokokken nach. Die zu den Milchsäurebakterien zählenden Keime lassen das Pils geschmacklich verderben. In anderen Lebensmitteln, beispielsweise Sauerkraut oder Joghurt, erfüllen Milchsäurebakterien wichtige Aufgaben, im Pilsbier nach deutscher Brauart führen sie allerdings zu einem unerwünschten buttrigen Fehlgeschmack. Schädlich für den Menschen ist die Kontamination zwar nicht, doch das Bier erleidet dadurch eine erhebliche Qualitätsminderung. Deshalb sind wir streng und werten um vier Noten unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe ab.

„Trotz Top-Qualität: Bier enthält 4 bis 5,5 Prozent Alkohol. Besser in Maßen genießen.“

FRANK SCHUSTER ÖKO-TEST-Redakteur

WISSEN

Was ist ein Pils?

Ursprung in Böhmen Pils hat seinen Ursprung im böhmischen Pilsen, heute Tschechische Republik. Dort wurde 1842 erstmals ein sehr helles, untergäriges Bier mit hohem Hopfengehalt gebraut. Vorher waren obergärige, dunkle Biere üblich. Böhmisches Pils ist im Vergleich zu deutschem traditionell etwas dunkler, süßlicher und darf leicht buttrige Noten aufweisen.

Gelb, bitter und ungetrübt Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, wie ein Pils zu schmecken und auszusehen hat. Allerdings herrschen Verbrauchererwartungen: Laut dem „European Beer Star“, einem seit 2004 vom Verband Private Brauereien veranstalteten Wettbewerb, gelten unter anderem folgende Kriterien für ein „German Style Pilsner“: untergärig; strohgelbe bis goldene Farbe; bitterer Geschmack; feines ausgeprägtes Hopfenaroma; hoher Vergärungsgrad; geringe Restsüße; keine Trübung; Alkoholgehalt zwischen 4,0 und 5,5 Volumenprozent. Ein unfiltriertes Pils – ein Bio-Pils oder Kellerpils – kann eine leichte bis deutliche Trübung aufweisen, ein Kellerpils auch etwas weniger bitter sein.

Bier ist grundsätzlich nicht sehr anfällig für mikrobiellen Verderb. Durch den Alkohol, die Bitterstoffe, den hohen CO2 -Gehalt und den niedrigen pH-Wert bietet es für die meisten Bakterien keine guten Lebensbedingungen. Insbesondere pathogene, also Krankheiten auslösende Keime wie Salmonellen, können in Bier nicht überleben.

Doch bierschädliche Bakterien können auf verschiedenen Wegen ins Produkt gelangen – etwa schon über verunreinigte Rohstoffe, aber auch erst in der Abfüllung. Wird die Kontamination nicht rechtzeitig erkannt, können sich die Keime in der Produktionsstätte ausbreiten. An schwer zu reinigenden Stellen bilden sie Biofilme, die sich später über die Abfüllanlage, aber auch über Tropfwasser oder die Luft, auf die Flaschen übertragen können.

Nicht alle schmecken nach Pils

In Qualitätsparametern wie dem Stammwürzegehalt und der Schaumhaltbarkeit war alles in Ordnung. Auch die mit der Verkostung der Biere beauftragten Sensoriker hatten insgesamt wenig zu beanstanden. Dennoch kritisieren wir an zehn Produkten im Test vor allem leichte Fehlnoten, die in einem Bier nach Pilsner Brauart eher nichts zu suchen haben. Geschmäcker und Vorlieben sind allerdings unterschiedlich, sodass die Tester manches noch als Geschmackssache durchgehen ließen. Als Richtwerte galten die Verbrauchererwartungen an ein Pils, wie sie der Verband Private Brauereien festlegt (siehe „Was ist ein Pils?“ auf dieser Seite).

Geschmacklich besonders schlecht schnitt – erwartungsgemäß – das verkeimte Pinkus Pils ab. Für den buttrigen, durch die Pediokokken-Bakterien verursachten Geschmack, der sich sehr weit Foto: Anja Wägele weg vom Biertyp bewegt, nehmen wir vier Noten Abzug vor, sodass das Bier zusammen mit unserer Bewertung unter den Inhaltsstoffen im Gesamturteil bei „ungenügend“ landet.

Im Geschmacksurteil nur „befriedigend“ schnitten Bosch, Kaiserkrone und Tyskie Gronie ab. Die Sensoriker beanstandeten Mängel wie „brotige Note“, „pilsuntypisch“, „sehr dunkle Farbe“ und „adstringierende Bittere mit untypischen Aromen“. Weitere Fehlnoten bei anderen Marken waren zum Beispiel: „kratzige Bittere“ und eine „leichte Alterungsnote“.

Spuren von Glyphosat

Bedenkliche Inhaltsstoffe haben die beauftragten Labore nur selten gefunden. In zwölf Bieren analysierten die Experten allerdings Spuren des Breitbandherbizids Glyphosat. Die Werte liegen zwar weit unter dem in der EU für Braugerste zulässigen Höchstgehalt. Doch Glyphosat wurde 2015 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, während die europäische Behörde ECHA keinen Krebsverdacht sieht. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes vergeben wir deshalb auch schon bei geringeren Gehalten Notenabzug. Zudem kritisieren ÖKO-TEST und diverse Umweltschutzverbände den Unkrautvernichter, da er für das Bienen-und Insektensterben mitverantwortlich ist.

Hersteller schrieben uns, das Malz stamme ausschließlich aus Braugerste, die auf Feldern wachse, die nicht mit Glyphosat behandelt seien. Es sei jedoch möglich, dass die Rückstände durch Abdrift von anderen, behandelten Feldern hineingelangt seien, so die Erklärung. Erfreulich: Die acht Bio-Biere in unserem Test sind frei von Glyphosat.

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Für unseren Test haben wir 50 Pilsbiere eingekauft. Darunter sind deutschlandweit bekannte große Marken und eher regionale Produkte sowie acht Bio-Biere. Die Landwirtschaft setzt für Braugerste immer noch häufig das umstrittene Spritzmittel Glyphosat ein. Eines der von uns beauftragten Labore untersuchte deshalb alle Biere auf Rückstände des krebsverdächtigen Unkrautvernichters. Zudem untersuchte es die Produkte auf eine allgemeine Verkeimung und explizit auf bierschädliche Bakterien.

Erfüllen die Biere die Erwartungen an ein Pils? Wir ließen die Produkte auf typische Qualitätsparameter wie Stammwürzegehalt, Schaumhaltbarkeit und Bittereinheiten überprüfen. Zur Qualität gehört auch der Geschmack, daher verkosteten geschulte Sensoriker die Biere und testeten sie auf mögliche Fehlaromen. Zudem ließen wir den Alkoholgehalt analysieren und verglichen ihn mit den Angaben auf dem Etikett. Bügelverschlüsse ließen wir auf schädliches Blei testen, die Kronkorken und Etiketten auf umweltproblematische chlorierte Verbindungen wie PVC. Zudem kontrollierten wir, ob die Flaschen und Dosen Mehrweg oder Einweg sind. Für Kunststoffflaschen baten wir die Anbieter um Nachweise zum eingesetzten Rezyklatanteil.