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TEST PLATTENSPIELER: Generation Z


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 01.10.2019

So modern war noch kein Clearaudio! Mit Phono-Amp und Kopfhörerbuchse liegt der Concept Active voll im Trend und soll ganz neue Hörerkreise erschließen.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 11/2019

RAD-GEBER

Das in die rechte Oberseite eingelassene Rädchen regelt die Kopfhörerlautstärke und wirkt bei „variable volume“ auch auf die Cinch-Ausgänge.

Generation Z“ – so nennt die Sozialwissenschaft etwas hemdsärmlig die Schicht unter 25. Und was hat diese geprägt? Na klar: das Internet mit seinen elektronischen Medien. Und was noch? Das Musikhören per Kopfhörer. Was Ältere meist nur als Notbehelf einsetzen, um etwa abends andere nicht zu stören, gehört ...

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... für die Jugend wie selbstverständlich zum Musikgenuss dazu und korrespondiert obendrein wunderbar mit ihrem mobilen, sprichwörtlich „unbeschwerten“ Lifestyle. In den passen sonst ja höchstens noch ein Paar Aktiv-Brüllwürfel neben dem PC-Monitor. Vielen „Z-lern“ erscheint der Gedanke, sich große Lautsprecher ins Zimmer zu stellen, geradezu abwegig.

Doch es gibt unter ihnen zugleich den Trend zum Qualitätskopfhörer. Und Schallplatten sind bei den Youngstern eh angesagt. Vinyl gilt als hip und authentisch, als etwas Handfestes im flüssigen Datenstrom. All dies hat Clearaudio im fränkischen Erlangen erkannt und deshalb seinen Basisdreher Concept zum „Active“ ausgebaut.

Der am in seine Deckplatte eingelassenen Lautstärkesteller erkennbare, flache Dreher bekam einen für MM-und MC-Abtaster umschaltbaren Phono-Amp verpasst sowie eine 6,3-Millimeter-Kopfhörerbuchse vorn in die rechte Seite implementiert. Mehr braucht’s ja auch nicht zum Schallplattenhören via Kopfhörer.

Anders als Clearaudios normaler Concept bietet der Active auf seiner Rückseite eine ganze Phalanx an teilweise mehrstufigen Kippschaltern zur Steuerung seiner Funktionen. Ganz rechts schaltet man das Gerät etwa in den „passiven Betrieb“, bei dem wie üblich eine externe Phono-Vorstufe – ob solo oder als Teil eines Vor- oder Vollverstärkers – benötigt wird.

Auf „variable Volume“ ist hingegen die Kopfhörerbuchse aktiviert, und an den Cinch-Buchsen liegt das RIAA-entzerrte sowie vorverstärkte Signal an, auf das der Pegelsteller ebenfalls wirkt, sodass sich etwa Aktivboxen direkt ansteuern lassen.

In „active“ bleibt der geregelte Kopfhörermodus bestehen, doch der integrierte Phono- Amp gibt unabhängig von der Stellung des Lautstärkerädchens über die Cinches stets den vollen Pegel aus. Das dürfte wohl die favorisierte Position all jener sein, deren Verstärker über keinen Phono-Eingang verfügt und die den Concept Active mal per Kopfhörer und mal über die Lautsprecher der Anlage hören wollen.

Die Einstellungen für den Widerstand und die Verstärkung sind getrennt angelegt. Man wählt am „MM/MC“-Schalter einen Tonabnehmertyp vor – für High Output-MCs MM – und dann dazu den Verstärkungsfaktor. Für MM-Abtaster und High Output-MCs wird dieser „low“ oder „mid“ sein, während normale MCs auf „high“ betrieben werden. Ein Subsonic-Filter vermindert auf Wunsch tieffrequente Störungen.

„Laute“ Kopfhörer empfohlen

Ein Vorurteil besagt, dass die Generation Z zwar den Genuss schätzt, aber weniger die Mühe davor, weshalb Clearaudio den Concept Active soweit wie möglich vorinstalliert und -eingestellt sowie grundsätzlich mit fix und fertig justiertem Tonabnehmer ausliefert, wobei eine MM- und eine MC-Version im Angebot sind. Letztere umfasst den erstklassigen MC-Abtaster Concept MC der Franken, der einzeln knapp 750 Euro kostet und den Preis des Plattenspielers auf mindestens 2900 Euro treibt. Ist stattdessen Clearaudios mit rund 200 Euro deutlich günstigeres MM Concept V2 eingesetzt, schlägt der Dreher ab zirka 2400 Euro zu Buche.

Dafür bekommt man den bewährten Concept mit magnetisch aufgehängtem Tonarm, schwerem Plattenteller aus dem resonanzfeindlichen Kunststoff POM, exaktem Riemenantrieb inklusive individueller Feineinstellung für alle drei Geschwindigkeiten – neben 33 und 45 gibt’s noch 78 Umdrehungen – sowie drei Chassisvarianten in Silber (Testgerät), Schwarz und zwei Holzfurnieren zur Auswahl.

Bekannt für gerade auch günstige Phono- Vorstufen, wurde die des Concept Active genau wie dessen Kopfhörer-Amp im Hause entwickelt. In der Praxis reichte die Leistung für höhere Lautstärken auch an eher unempfindlichen Hörern wie etwa Sennheisers HD600. Wir empfehlen trotzdem effektivere, niederohmigere Modelle. Im Zweifelsfall einfach den eigenen Kopfhörer zur Hörprobe beim Händler mitnehmen. Der hat auch ein Zwischenstück, falls von der für Mobilhörer typischen 3,5- auf die bei HiFi-Komponenten gängige 6,3-Millimeter-Klinke adaptiert werden muss.

Der schaltbare Phono-Amp ist komplex und streng kanalgetrennt aufgebaut. Ein Sahneteilchen!


Der Kopfhörerverstärker sitzt samt des Lautstärkepotentiometers auf einer Platine.


Zwischen den Cinch-Buchsen und dem Netzanschluss sitzen vier Kippschalter, darunter der für die drei Grundbetriebsarten des Concept Active.


TEST-GERÄTE

Plattenspieler: ATR Celebration 40, Music Hall mmf-9.3SE
Phono-Vorstufen: Brinkmann Edison, Clearaudio Basic V2
Vollverstärker: Sugden ANV-50
Vor-/Endstufe: T+A SDV3100HV/ Accustic Arts AMPII MK-3
Lautsprecher: DALI Epicon 6
Kabel: Silent Wire NF-5 Phono

ECHTE ALTERNATIVEN

Den Concept Active gibt es je nach Wunsch mit dem MM-Abtaster Concept V2 (o.), wobei er dann 2400 Euro kostet, oder samt des klanglich überlegenen Concept MC, das den Gesamtpreis auf 2900 Euro treibt.


Der Vergleich mit dem Basic V2 unterstreicht die Güte des integrierten Phono-Amps


Clearaudio Basic V2


Der Plattenteller aus POM liegt auf einer flachen Aluminiumscheibe, die ein Flachriemen mit bis zu 78 Umdrehungen pro Minute antreibt.


Der Tonarm des Concept Active ist magnetisch aufgehängt, was Lagerreibung ausschließt. Die Auflagekraft wird ab Werk voreingestellt.


In jedem Fall bietet der über den Drehschalter links oben in Betrieb genommene Concept Active ein farbiges, druckvolles und angenehm gelöstes Klangbild, das nach ein, zwei Stunden Warmspielzeit nochmal „aufmacht“. Sollte der Dreher frisch aus dem Karton also noch etwas verzagt und fahl tönen: Keine Bange, der kommt! James Taylors mit kräftigem, pulsierendem Bass gesegnetes „Her Town Too“ präsentierte der Clearaudio mit Fundament, Elan sowie in bester Spiellaune. Frei und locker schwebte die Stimme über dem fülligen, gut konturierten Grundton.

Um die Güte des integrierten Phono- Amps abzuchecken, ließen wir den Concept Active mit diesem oder aber in Passiveinstellung über Clearaudios externen Basic V2 für 990 Euro (Test in STEREO 10/18) spielen. Und – Überraschung! – die Wiedergabe geriet mittels der Einbaulösung zwar minimal kompakter, aber tatsächlich um Nuancen sonorer und in den Mitten angenehmer. Dies bedeutet, dass der Plattenspieler das Potenzial hochwertiger Tonabnehmer wie des Concept MC mühelos umsetzen kann.

Concept MC im Vorteil

Und das bringt uns zum nächsten Punkt: So sollten besonders audiophil gepolte Hörer der Versuchung widerstehen, die kleine MM-Variante samt Concept V2 zu wählen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Auch mit diesem gelingt dem Concept Active ein rundweg ansprechender Vortrag, der einen davon überzeugt, dass alles wunderbar sei.

Clearaudios Entwicklungsingenieur Marko Borovac demonstrierte uns die kompakte, hochwertige Elektronik des Concept Active.


Doch nur, bis man das Concept MC justiert sowie die rückwärtige Tastenreihe darauf umgeschaltet hat. Mit diesem zugleich erheblich teureren Abtaster entwickelte der Dreher die ungleich druckvollere, farbigere und durchsetzungsstärkere Performance, wovon natürlich nicht zuletzt auch der musikalische Ausdruck profitierte. Das wogende Orchester von Chadwicks „Jubilee“-Suite etwa bekam so mehr Verve, Energie und Strahlkraft, Stimmen hatten einen nachdrücklicheren Auftritt.

Eine neue Generation

Zu den Pluspunkten des Concept Active zählt weiterhin, dass seine gegenüber normalen Mitbewerbern zusätzliche Ausstattung nicht mit Klangeinbußen bezahlt werden muss. In den jeweiligen – von der Tonabnehmerbestückung abhängenden – Preisklasse spielt der Franke voll mit, was ihn auch für all jene besonders reizvoll machen dürfte, die ihn nur ab und zu mal per Kopfhörer genießen wollen, aber deren Verstärker keinen Phono- Eingang bietet. Wie bereits beschrieben, bedeutet das All-in-One-Konzept hier keine Kompromisse.

Deshalb wetten wir darauf, dass Clearaudios pfiffiger Concept Active nicht nur die Generation Z, sondern Hörer jeglicher Altersklassen erfreuen wird. Denn er ist ganz allgemein das Paradebeispiel für eine neue Generation von Plattenspielern!

DER ENERGIE-RIEGEL

Just stellte Clearaudio zwei „Smart Power“ genannte Akku-Versorgungen für seine Plattenspieler vor. Die für die Dreher der Concept- und Performance DC-Reihe geeignete 12-Volt-Version (u.r., um 690 Euro) probierten wir gleich mal am Concept Active aus, der ja in doppelter Hinsicht von einer absolut stabilen, ungestörten Versorgung profitiert, da diese nicht nur der Antriebselektronik samt Motor, sondern auch dem Phono-Amp und der Kopfhörerstufe zugute kommt.

Die 35 Zentimeter tiefe, elf breite und knapp fünf hohe sowie in Schwarz oder Silber lieferbare Versorgungseinheit bezieht ihren Ladestrom aus einem 19-Volt-Netzteil, das stets angeschlossen bleibt. Über den vorderen Taster, der von einem in der Helligkeit stufenlos regelbaren blauen Leuchtring eingefasst ist, lässt sich der Smart Power-Riegel manuell vom Lade- in den Betriebszustand umschalten. Bei voller Ladung des Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMh) mit 5000 Milliamperestunden soll dieser viele Stunden lang durchhalten und bei drohender voller Entladung auch automatisch in den Lademodus wechseln.

Gegenüber dem mitgelieferten Steckerschaltnetzteil gewann die Wiedergabe des Concept Active in praktisch jeglicher Beziehung, wenn ihm die Akku-Station den Saft spendete. Das Klangbild erschien unmittelbar räumlicher, übersichtlicher, weil in sich besser geordnet, und deutlich „ungestörter“, nämlich glatter und homogener. Ein echter Schritt nach vorne!

Die Vorzüge blieben in leicht abgeschwächter Ausprägung auch dann bestehen, wenn wir den Concept Active im Passiv-Modus betrieben, also nur noch der Motor samt Steuerung den reinen Akku-Strom bezog. Hier gingen uns insbesondere die Unterschiede im Timing und der Musikalität ins Ohr. Am einfachen Steckernetzteil spielte der Dreher vergleichsweise etwas lustlos und unkoordiniert, mit „Smart Power“ hingegen engagierter, zielgerichteter und anmachender. Gerade auch Besitzer eines Performance DC sollten sich diesen unbedingt mal mit dem potenten Power-Riegel anhören. Aber nur, wenn sie das Geld auf dem Konto haben. Denn man gibt ihn garantiert nicht zurück.