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TEST POPCORN: GIFTSTOFFE IN POPCORN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 30.08.2018

Es gab Produktrückrufe und Warnmeldungen im Mai: Tropanalkaloide in Popcorn. Unser Test zeigt: Das Problem ist noch nicht vom Tisch. Zwei Produkte sind stark belastet, die Knuspersnacks der drei größten Kinoketten sind in Ordnung.


Artikelbild für den Artikel "TEST POPCORN: GIFTSTOFFE IN POPCORN" aus der Ausgabe 9/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Ozgur Coskun/getty images

Egal ob im Kino oder zum Kindergeburtstag: Popcorn gehört für viele einfach dazu. Umso mehr beunruhigen jüngste Schlagzeilen, wonach der Knuspersnack mit giftigen Stoffen belastet sein soll. Hersteller und Supermärkte haben bereits Produkte zurückgerufen. Und auch im Europäischen Schnellwarnsystem häufen sich Meldungen zu Popcorn.

Der Grund ist ...

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... immer der gleiche: In den Produkten wurden erhöhte Gehalte an Tropanalkaloiden gefunden. Fachleute verstehen darunter eine große Gruppe natürlicher pflanzlicher Giftstoffe, wie sie etwa in Nachtschattengewächsen vorkommen. Im Fokus stehen vor allem Stechapfel, Bilsenkraut und Tollkirsche. Die Alkaloide gelten als hochgiftig, denn sie beeinflussen bereits in kleinsten Mengen die Herzfrequenz und das zentrale Nervensystem. In höheren Dosen lösen sie psychotische Reaktionen und Halluzinationen aus. Typische Vergiftungssymptome sind Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Vor einigen Jahren fanden Untersuchungsbehörden die Giftstoffe erstmals in Getreidebreien für Babys und Kleinkinder, insbesondere in Produkten aus Hirse und Buchweizen. Verantwortlich dafür waren mitgeerntete Samen des Stechapfels, der auf den Feldern wuchs. Da die Funde nicht selten in einem gesundheitlich bedenklichen Bereich lagen, installierte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Grenzwert für Getreidebeikost.

Gefahr auf dem Acker. Hohe Gehalte an giftigen Tropanalkaloiden stecken in Samen, Blättern und Stängeln des Stechapfels. Immer wieder werden Stechapfelteile mitgeerntet.


Foto: imago/Leemage


„Unternehmer haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre Produkte sicher sind. Warum Anbieter FZ Organic Food nicht reagiert hat, nachdem wir ihn über das Testergebnis informiert haben, ist nicht nachvollziehbar. Ein Produktrückruf wäre hier angemessen gewesen.“


Birgit Hinsch , ÖKO-TEST-Redakteurin.


Foto: Anja Wägele

Dass nun auch Mais – und hier insbesondere Popcorn – betroffen sein kann, hat vor allem die Erzeuger in den Anbauländern völlig überrascht. Experten vermuten, dass der Mähdrescher Stechapfelpflanzen, die zwischen dem Mais wachsen, miterntet, wodurch Pflanzensaft austritt und die Maiskörner kontaminiert. Völlig geklärt ist die Ursache aber noch nicht. Durch Verbesserungen im Anbau und durch Rohwarenkontrollen habe man das Problem in den Griff bekommen, versicherte uns einer der Hersteller.

Wir haben 18 Popcornmarken im Labor untersuchen lassen.


Zwei Produkte sind als nicht sichere Lebensmittel einzustufen


DAS TESTERGEBNIS

Besser nicht essen … sollte man das Trafo Hand Popped Corn Simply Salted von FZ Organic Food und das Cinema Popcorn süß von Pco. Beide sind stark mit Tropanalkaloiden belastet.
Kein sicheres Lebensmittel. Bei der Beurteilung der Messwerte orientieren wir uns an der Vorgehensweise des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Das Amt hatte kürzlich Popcorn als nicht sicher eingestuft, woraufhin der Hersteller die betroffenen Chargen aus dem Handel nahm. Als Beurteilungsgrundlage verwendete das LAVES als gesundheitsbezogenen Richtwert die sogenannte Akute Referenzdosis (ARfD) der EFSA von 0,016 Mikrogramm Tropanalkaloiden pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Menge soll ohne erkennbares Risiko für den Verbraucher sein. Da es sich um akut giftige Substanzen handelt, ist es üblich, die Risikoabschätzung auf ein drei- bis unter fünfjähriges Kind und eine maximale Verzehrsportion zu beziehen. Für Popcorn beträgt diese nach den Daten der EFSA 100 Gramm. Was der Realität im Übrigen ziemlich nahe kommen kann – angesichts ähnlich großer Kinderpopcorn-Portionen im Kino.
Viermal so hoch. Bezogen auf diesen, für ein Kind errechneten Richtwert, ist der Gehalt an Tropanalkaloiden im Popcorn von Bio-Anbieter FZ Organic Food mehr als viermal so hoch. Das Cinema Popcorn überschreitet den Wert ebenfalls, wenn auch knapp. Beides sehen wir als „sehr starke“ Belastung an. Zwei Bio-Produkte schöpfen den EFSA-Wert zu mehr als der Hälfte aus, das ist eine „deutliche“ Belastung.
Je mehr, je schlechter. Erwachsene können mehr vertragen, aber auch sie würden mit einer 100-Gramm-Portion des Trafo-Popcorns den gesundheitsbezogenen Richtwert überschreiten. Erst wenn Erwachsene nicht mehr als 38 Gramm essen, läge die Belastung aus unserer Sicht im Spurenbereich. Kinder dürften von dem Trafo-Popcorn lediglich 11 Gramm verzehren, damit die Ampel auf Grün springt. Das ist eine winzige Portion.
Bio ist besonders belastet. Experten überrascht das nicht. Denn während konventionelle Betriebe den Stechapfel mit Herbiziden bekämpfen, sind Bio-Landwirte auf die mechanische Unkrautregulierung angewiesen. Das ist nicht immer erfolgreich, wie ein Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau gezeigt hat. Wichtig seien auch vorbeugende Maßnahmen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird der Artikel nicht mehr verkauft.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Tropanalkaloide führt zur Abwertung um fünf Noten: Überschreitung des gesundheitsbezogenen Richtwerts (Akute Referenzdosis) für Tropanalkaloide von 0,016 μg/kg Körpergewicht (in der Tabelle: Belastung mit Tropanalkaloiden „sehr stark“). Zugrunde gelegt wurde eine maximale Verzehrsmenge von 100 g und ein drei- bis unter fünfjähriges Kind mit einem mittleren Körpergewicht von 17,99 kg (uelle: EFSA-Comprehensive European Food Consumption Database, 2011). Zur Abwertung um zwei Noten führt: Ausschöpfung des gesundheitsbezogenen Richtwerts zu mehr als 50 Prozent (in der Tabelle: „deutlich“).Da nur ein Parameter untersucht wurde, wurde kein Gesamturteil vergeben.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de  „Aktuelle Hefte“
 „Inhalt anzeigen“.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2018.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Geneh- migung des Verlages dürfen keine Nachdrucke. Kopien. Mikrofilme oder Einspielungenin elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST RÄT

► Die meisten Marken sind nicht oder kaum belastet. Sie haben die Wahl.
► Süßes Popcorn besteht bis zu 50 Prozent aus Zucker. Das heißt, die empfohlene Tageszuckermenge ist schnell erreicht oder überschritten, das gilt besonders für Kinder.
► Sie müssen die Tüte Fertigpopcorn nicht auf einmal leeren. Der Snack bleibt in einer fest schließenden Frischhaltedose noch länger knackig.

SO HABEN WIR GETESTET

Im Labor: Ob die Popcornproben Tropanalkaloide enthalten und wenn ja, in welchen Mengen, das haben die Mitarbeiter mit dem hochmodernen LC-MS/MS-Messgerät überprüft.


Foto: Labor

Der Einkauf
Fertigpopcorn aus der Tüte kauften wir in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden. Weil Fans den knusprigen Snack aber am liebsten im Kino genießen, berücksichtigten wir auch Kinopopcorn. Die Stichproben zogen wir in Berliner Kinos der drei größten Anbieter Cineplex, Cinestar und Cinemaxx.

Der Inhaltsstoff
Popcorn mit Giftstoffen belastet – diese Nachricht machte im Mai erstmals die Runde. Öffentliche Produktrückrufe und Warnmeldungen auf EU-Ebene folgten. Für uns Grund genug, diesem Thema nachzugehen und zu überprüfen, wie es um die Belastung derzeit bestellt ist. Die Giftstoffe, um die es geht, sind Tropanalkaloide. Sie kommen in bestimmten Ackerunkräutern vor, die auf Maisfeldern wachsen und mitgeerntet werden können. Das beauftragte Labor untersuchte die Proben auf die beiden umfassend erforschten Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin.

Die Bewertung
Wir orientierten uns in der Beurteilung an der Vorgehensweise der Lebensmittelüberwachung. Popcorn, das den gesundheitsbezogenen Richtwert für Kinder überschreitet, kann nur mit „ungenügend“ abschneiden. Für Gehalte, die den Richtwert zu mehr als 50 Prozent ausschöpfen, ziehen wir zwei Noten ab. Da wir das Popcorn nur auf Tropanalkaloide untersucht haben, vergeben wir in diesem Test kein Gesamturteil.