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TEST PORRIDGE: Deutschland sucht das Super-Frühstück


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 25.07.2019

8 von 20 fertigen Haferbreimischungen im Test sind „sehr gut“. Doch einige Marken enttäuschen mit bedenklichen Pestiziden, Schimmelpilzgiften und zu viel Zucker.


Artikelbild für den Artikel "TEST PORRIDGE: Deutschland sucht das Super-Frühstück" aus der Ausgabe 80/2019 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Vladislav Noseek/shutterstock

Was für eine Karriere. Gestern war Haferbrei noch ein Arme-Leute-Essen. Heute ist Porridge ein Medienstar und gefragtes Model, wenn es um die ästhetische Präsentation von Essen in sozialen Netzwerken geht. Am neuen Superfrühstück wollen viele verdienen. Etliche Firmen bieten den Frühstücksbrei als Fertigmischung an und machen darum ordentlich Rabatz.

Doch viel Glanz heißt nicht viel Gloria. Ausgerechnet die ...

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... Marke mit dem größten Medienrummel, 3 Bears, landet in unserem Test auf dem letzten Platz. Die Macher von 3 Bears hatten werbewirksam in der Gründercasting-Show „Höhle der Löwen“ des Fernsehsenders Vox Investoren für ihr Start-up gewonnen.

Wir stehen mehr auf Sein als auf Shine: Unsere wahren Stars sind acht „sehr gute“ Porridges, sieben davon in Bio-Qualität. Ganz klar: Bio hat das Zeug zum Star. Alle zwölf Bio-Porridges im Test sind frei von Pestiziden und Wachstumsregulatoren.

DESHALB ENTTÄUSCHT 3 BEARS

Die Story des deutsch-englischen Gründerpaars Caroline und Tim ist auf der 3 Bears-Packung zu lesen: Beide wollten sich mithilfe von Porridge bewusst ernähren. „Da wir einfach keine leckere Variante ohne Zuckerzusatz finden konnten, haben wir unsere eigenen Rezepte entwickelt.“ Der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ steht auch groß auf der Vorderseite und mit Piktogramm auf der Rückseite. Im Kleingedruckten finden sich dann Ananassirup und Ananaskonzentrat. Was für eine Show. Zucker aus Fruchtsirupen und -konzentraten zählen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) genauso zu den gesundheitlich ungünstigen freien Zuckern wie der Haushaltszucker. Gleicher Trick, andere Bühne: Auch der Anbieter des Rosengarten Früchte Haferbrei Porridges lobt „ohne Zuckerzusatz“ aus, packt aber Apfelsaftkonzentrat in den Brei. Buh.

Pestizide und/oder Wachstumsregulatoren sind in allen acht konventionellen Produkten Thema, meist hat das von uns beauftragte Labor jedoch nur wenige Spurenmengen gefunden. Der Goldene Spritzgiftbeutel geht an: 3 Bears. Neben Spuren der Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat waren noch fünf Pestizide im Spurenbereich nachweisbar. Wegen seiner hohen Bienengiftigkeit schlägt davon das Pestizid Pirimiphos-methyl als besonders bedenkliches zu Buche.

Heimisch, preiswert und reich an Eisen: Hafer ist ein Segen für Veganer, Vegetarier und Eltern spatzenhaft essender Kinder.


Foto: Viacheslav Rubel/shutterstock

Auch im Mondamin Porridge mit Erdbeerehat das Labor ein besonders bedenkliches Pestizid gefunden: Glyphosat. Ebenfalls ein Medienstar, berühmt geworden in der Rolle als Sargnagel des Bayer-Konzerns. Die internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. Diesen Brei wollen wir nicht auslöffeln.

WENIGER MINERALÖLBESTANDTEILE IN DEN HAFERFLOCKEN

Die Fertigporridges sind insgesamt deutlich weniger mit mineralölartigen Stoffen belastet als noch die Haferflocken in unserem Test von 2013. Anders als damals waren dieses Mal überhaupt keine problematischen aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachweisbar. Lebensmittelproduzenten haben heute das Risiko, dass Mineralöl aus Druckfarben und wiederverwertetem Altpapier von den Verpackungen ins Produkt gelangen kann, auf dem Schirm. Sie steuern mit Kartons ohne Recyclingpapier und mit Barriereschichten aus Kunststoff, die den Übergang verhindern sollen, gegen.

Allerdings hat das beauftragte Labor in einigen Produkten noch Mineralölbestandteile in Gehalten gefunden, für die wir Noten abziehen. Am höchsten waren die Gehalte im 3-Bears-Produkt und dem der Rossmann-Eigenmarke Ener Bio.

KÖLLN- UND RUF-PRODUKTE MIT SCHIMMELPILZGIFTEN

Bei der Ernte und Lagerung von Getreide wie Hafer betreiben Landwirte, Zwischenhändler und die weiter verarbeitenden Betriebe einigen Aufwand, um Belastungen mit Schimmelpilzgiften zu vermeiden. Die gute Nachricht aus den spezialisierten Prüflaboren: Viele der in Hafer gefürchteten Gifte wie etwa Ochratoxin A waren nicht nachweisbar. Auch die Gehalte an T2- und HT2-Toxinen, die blut- und immuntoxisch sind, waren in den meisten Produkten sehr gering oder gar nicht nachweisbar. Nur die Werte in den untersuchten Chargen des Kölln Fruchtiges Hafer-Porridge und des Ruf Unser Porridge Blueberry Yoghurtlagen relativ hoch. Einen gesetzlichen Grenzwert für diese Gifte gibt es bisher nicht.

ZU VIEL ZUCKER VERDIRBT DEN GESUNDEN BREI

Der Zuckergehalt pro 100 Gramm trockene Porridgemischung variiert nach unseren Laborergebnissen zwischen 3 und 31 Gramm. Oft stammen die verschiedenen Zuckerarten hauptsächlich aus Trocken- und gefriergetrockneten Früchten, manchmal ist auch Kristallzucker zugesetzt. Oder die Produzenten arbeiten mit für den Laien besser klingenden Zutaten wie Saftkonzentrat, um dann eben ordentlich Fruchtzucker ins Produkt zu bringen.

Wirklich too much finden wir den Gesamtzuckergehalt bei den getesteten Porridges der Marken Ruf, Schapfen Mühle, Real und K-Classic, denen unter anderem Milchpulver, Zucker und/oder Fructose zugesetzt sind. In einer Portion dieser Fertigmischungen stecken in der Summe zwischen 15 und 20 Gramm Zucker. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 25 Gramm an freien Zuckern am ganzen Tag zu sich zu nehmen; Kindern noch weniger. Zu den freien Zuckern gehören laut WHO Lebensmitteln zugesetzte Zucker, darunter etwa Glucose, Fructose und Lactose, sowie in Honig, Sirup und Säften natürlich vorkommende Zucker. Bei allem Star-Potenzial: Haferfrühstückbrei ist kein Geburtstagskuchen und darf gerne gesünder sein.

Illustrationen: aniok/shutterstock (4)

SO TESTET ÖKO-TEST

Nix Banane! Das Porridge mit Bananengeschmack ist frei von Obst. Auf der Verpackung sind gleich zwei Bananen und viele frische Bananenscheiben abgebildet.


Foto: Ökotest

Viele Fertigporridges am Markt stammen aus ökologischem Anbau. In unserem Test sind dementsprechend zwölf Bio-Produkte und acht konventionelle dabei. Alle werben mit Geschmacksrichtungen von Obstsorten, meistens Beerenobst. Die meisten Trockenmischungen lassen sich wahlweise mit Wasser, Pflanzenmilch oder Kuhmilch zubereiten. Ein paar Produkte enthalten schon Milchpulver.
Zunächst einmal hat ein von uns beauftragtes Labor nach Pestiziden und Wachstumsregulatoren in den Mischungen gesucht, denn sowohl der Hafer als auch andere Zutaten wie Trockenfrüchte sind häufig damit belastet. Außerdem standen Schimmelpilzgifte und Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen auf dem Programm.
Unsere Bewertung beruht auf den Inhaltsstoffen. Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen, Aromazusätze und besonders hohe Zuckergehalte ziehen das Gesamturteil runter. Für fünf oder mehr Pestizide in Spuren gab es ebenso einen Minuspunkt wie für den Nachweis von besonders bienengiftigen oder gesundheitlich bedenklichen Pestiziden. Weitere Mängel wie umstrittene Auslobungen oder chlorierte Verbindungen in den Verpackungen verschlechtern in der Summe das Gesamturteil.

EASY! DAS GRUNDREZEPT

200 ml Wasser, Kuh-, oder Pflanzenmilch zum Kochen bringen, 40 g zarte Haferflocken einrühren, nach Geschmack ca. 10 Min. quellen lassen, eine Prise Salz hinzufügen. Zum Beispiel mit Obst oder etwas Nussmus aufpeppen.

Oder noch einfacher als Overnight Oats vorbereiten: ungekochtes Hafer-Milch-Gemisch über Nacht im Kühlschrank quellen lassen.

ÖKO-TEST

„Porridge sättigt gut. Haferbrei statt Marmeladenbrot hält bis zum Mittag. Früher hätte ich die Kollegen immer gerne schon ab 11 Uhr überredet, essen zu gehen.“

ÖKO-TEST-Redakteurin Meike Rix mag Porridge am liebsten das ganze Jahr über warm mit viel frischem Obst und Nüssen.


Foto: Anja Wägele

HEIMISCHES SUPERFOOD

Wer Porridge isst, hat schon einen wichtigen Teil seiner Nährstoffversorgung „abgefrühstückt“. Ein gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp (nicht nur) unter Veganern, Vegetariern und Eltern spatzenhaft essender Kinder.

Haferflocken liefern einiges, woran es manchmal mangelt: hochwertiges Eiweiß, B-Vitamine, Zink und Eisen.

Sie sind magenschonend. Der in Haferbrei enthaltene Haferschleim kleidet den Magen-Darm-Trakt aus.

Dank der wertvollen Ballaststoffe steigt außerdem der Blutzuckerspiegel nicht so stark an und fällt nur langsam ab. Die Sättigung hält lange an.

Der bodenständige schottische Klassiker Porridge passt sogar in eine Ernährung nach ayurvedischer Ernährungslehre und traditioneller chinesischer Medizin: Diese empfehlen zum Frühstück eine warme Mahlzeit.