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TEST Private Krankenversicherungen: Rechtzeitig wechseln


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2015 vom 26.06.2015

Privat Krankenversicherte sollten auf der Hut sein. Spätestens zum Jahreswechsel drohen wieder steigende Beiträge. Doch die muss kein Kunde tatenlos hinnehmen. ÖKO-TEST zeigt, wie sie gegensteuern können.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 7/2015

Privat Krankenversicherte haben seit Jahren das gesetzlich verbriefte Recht, unter Mitnahme der angesparten Altersrückstellungen in einen vergleichbaren Tarif ihres Anbieters zu wechseln, um Beiträge zu sparen. Doch viele Versicherer haben ihren Kunden dabei lange Zeit Steine in den Weg gelegt. Beispielsweise indem sie Anfragen monatelang liegen ließen, nur wenige Tarife mit schlechteren Leistungen ...

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... anboten, neue Gesundheitsprüfungen verlangten oder ein buntes Sammelsurium von Tarifen nur mit Preisangaben zur Verfügung stellten, ohne auf Leistungsunterschiede hinzuweisen. Damit soll es ab 2016 jedoch vorbei sein. Nach massiver Kritik von Politik und Öffentlichkeit hat die Branche eine Service-Initiative ins Leben gerufen, um den Tarifwechsel ab 2016 kundenfreundlicher zu machen und für mehr Transparenz zu sorgen. Die Beachtung des neuen Tarifwechsel-Leitfadens ist für die Versicherer allerdings freiwillig – und bislang haben sich nur 87 Prozent der Anbieter dazu verpflichtet. Kurz vor dem Start der neuen Initiative kommt die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) zudem mit einer Forderung, die den Anreiz zum Tarifwechsel massiv reduziert.

Denn sie fordert, die Anrechnung der Altersrückstellungen beim Tarifwechsel zu begrenzen, um „die Beitragsentwicklung zu stabilisieren“, so die DAV (Einzelheiten siehe Kasten S. 114) Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch der Tarifwechsel war und ist für die Branche ein Problem.


Mehr Service, aber weniger Ersparnis – ein Tarifwechsel ist in der PKV nicht belieb


Der Grund liegt auf der Hand: Die Kosten für die Gesundheitsversorgung steigen stetig. Nicht nur weil die Bundesbürger immer älter werden, sondern auch weil die Zahl der chronisch Kranken zunimmt. Das spüren nicht nur die gesetzlichen Krankenkassen, sondern auch die privaten Krankenversicherer (PKV). Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen sie aber neue Kunden – am besten junge, gesunde Gutverdiener. Die wechseln aber nur bei günstigen Tarifen in die PKV. Deshalb werden immer wieder neue Tarife aufgelegt. Wenn nun immer mehr Altversicherte mit hohen Risiken in diese neuen Tarife wechseln, explodieren auch hier die Kosten – und für neue Kunden wird der Wechsel aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung unattraktiv.

Kurz: Die Branche sieht sich infolge des zunehmenden politischen Drucks zwar gezwungen, mehr Service beim Tarifwechsel zu bieten, sieht bei verstärktem Wechsel aber offenbar das gesamte System der privaten Krankenversicherung bedroht.

Ob sich der Branchenverband DAV mit seiner Forderung durchsetzen kann, steht zwar noch in den Sternen. Doch für alle privaten Krankenversicherten sollten sie Anlass genug sein, ihre Tarife einmal zu überprüfen – spätestens wenn Ende des Jahres wieder Beitragserhöhungen in den Alttarifen drohen. Die hat die Branche bereits angekündigt. Denn genau wie die Lebensversicherer klagen auch die Krankenversicherer über die derzeit sehr niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt, die zu schrumpfenden Altersrückstellungen der Versicherten führt. Hinzu kommen gestiegene Arzneiund Krankenhauskosten. Die wieder anziehende Beitragsspirale trifft ältere Kunden am härtesten. Denn sie zahlen nach zwei oder drei Jahrzehnten in der PKV nicht selten bereits 600 bis 800 Euro Monatsbeitrag. Viele können das kaum noch stemmen und würden gerne in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren.

Dieser Weg steht aber nur Versicherten offen, die noch keine 55 Jahre alt sind und deren Einkommen ein Jahr lang unter der Versicherungspflichtgrenze (derzeit 54.900 Euro) liegt. Allen anderen bleibt nur der Weg, die Beiträge durch einen Tarifwechsel oder die Erhöhung des Selbstbehalts zu senken. ÖKO-TEST wollte genau wissen, wie viel Sparpotenzial beides bietet, und hat anhand hypothetischer Beispielsfälle für einen 55-jährigen Mann und eine gleichaltrige Frau ausgerechnet, wie viel Monatsbeitrag sich sparen lässt. Dazu wurden 120 Tarifkombinationen von 20 marktführenden privaten Versicherern unter die Lupe genommen.

In allen Beispielen ist unterstellt, dass der jeweilige Kunde seinem Versicherer und dem ursprünglich gewählten Ausgangstarif seit 15 Jahren die Treue hält. Doch Vorsicht: Das Sparpotenzial lässt sich nicht eins zu eins auf reale Kunden übertragen. Denn in der Praxis hängt sowohl die Höhe der gebildeten Altersrückstellungen als auch das Sparpotenzial ausschließlich vom individuellen Versicherungsverlauf ab. Deshalb können die Testergebnisse nur als Beispiel dienen, wie viel Beitragsminderung möglich und was beim Wechsel alles zu beachten ist.

ÖKO-TEST rät

■ Fordern Sie vom Versicherer immer erst eine vollständige Übersicht möglicher Wechseltarife. Die Gründe für den Wechsel behalten Sie dabei noch für sich.
■ Achten Sie darauf, dass Ihnen nicht nur Tarifnamen und Beiträge, sondern auch die Leistungsunterschiede zum Bestandstarif aufgezeigt werden. Nur so können Sie entscheiden.
■ Lassen Sie im Zweifel einen Fachmann prüfen, ob das Wechselangebot lohnt oder nicht. Bevorzugen Sie dabei Honorarberater. Erfolgsabhängige Vergütungen setzen falsche Anreize.

Kompakt

So planen Sie den Wechsel

1. Alttarif prüfen

Üblicherweise wollen privat Krankenversicherte mit einem Tarifwechsel vor allem Beiträge sparen. Doch in der PKV gibt es keine standardisierten Leistungskataloge. Das Leistungsspektrum variiert je nach Tarif. Deshalb gehört erst einmal der Alttarif unter die Lupe, ob er verzichtbare Leistungen enthält. Bei Bausteintarifen reicht es manchmal, einzelne Bausteine auszutauschen. So spart allein der Umstieg vom Einbett- auf das Zweibettzimmer im Krankenhaus viel Geld. Auch reduzierte Leistungen beim Zahnersatz schlagen sich schnell in Beitragsersparnis nieder.

2. Uni- oder Bisex?

Seit Ende 2012 dürfen in Deutschland nur noch Unisextarife verkauft werden. Männer und Frauen zahlen darin für gleiche Leistungen auch gleiche Beiträge. Alle bis dahin angebotenen geschlechtsspezifisch kalkulierten Tarife (Bisextarife) sind seither für das Neugeschäft geschlossen. Bestandskunden können aber weiterhin sowohl in alle alten, geschlossenen Bisextarife wechseln als auch in die neuen Unisextarife. Der Wechsel zurück von Unisex zu Bisex ist dagegen nicht möglich.

3. Tarif wählen

Wer seine Versicherung selbst auffordert, bekommt nicht immer das optimale Sparangebot offeriert. Daran wird die neue Selbstverpflichtung der Branche zu mehr Transparenz beim Tarifwechsel wenig ändern. Denn die Versicherer können die Kunden in gewünschte Tarife lenken. Deshalb hilft oft nur ein Trick: Verlangen Sie erst einmal einen Gesamtüberblick der Ihnen offenstehenden Tarife – mit Leistungsbeschreibungen und Preisen. Suchen Sie darin nach Ihrem Wunschtarif. Anschließend fordern Sie dann ihre Kasse auf, Ihnen genau für diesen Tarif ein Wechselangebot zu machen.

Wer auf Sonderleistungen oder bei Zahnersatz zu höheren Zuzahlungen bereit ist, kann bei Bausteintarifen viel Geld sparen.


Foto: starush/Fotolia

Das Testergebnis

Bei der Axa mit Leistungsreduzierung pro Monat rund 283 Euro sparen: Das größte Sparpotenzial lässt sich meist bei einem Tarifwechsel erzielen. Unser männlicher Musterkunde könnte zum Beispiel jeden Monat bis zu 283,17 Euro sparen, wenn er bei der Axa aus dem Bausteintarif AM (100), K2, Z100S auf den Tarif VITAL 250, VITAL-Z umsteigt. Mit diesem Wechsel spart er jedoch nicht nur Beiträge, sondern reduziert auch seinen Versicherungsschutz. Denn im neuen Tarif werden die Kosten für Heilmittel nur noch zu 90 Prozent übernommen und für Heilpraktikerleistungen sogar nur bis 1.000 Euro pro Jahr. Darüber hinaus sind die Leistungen für Zahnersatz und Kieferorthopädie auf 75 Prozent reduziert. Beim Zahnersatz gilt das allerdings nur, wenn der Kunde die letzten drei Jahre keine regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt nachweisen kann. Doch wer auf diese Leistungen verzichten kann, spart als Mann glatt 3.396 Euro pro Jahr.
Frauen sparen bis zu 291 Euro im Monat – wenn sie erst zum Hausarzt gehen. Frauen bringt der Umstieg vom AM (100), K2, Z100S auf den Tarif VITAL 250, VITAL-Z dagegen mit knapp 68 Euro im Monat deutlich weniger Ersparnis als dem Mann. Dafür profitieren sie bei der Axa, wenn sie aus dem Tarif 140-N,342- N, Z100S-N kommen und auf den Kompakttarif EL-N, KG2-N umsteigen. In diesem Fall reduziert sich ihr Beitrag sogar um rund 291 Euro im Monat. Dieser Wechsel ist allerdings mit erheblichen Leistungseinbußen verbunden. Denn im Kompakttarif werden weder Psychotherapie noch Heilpraktikerleistungen übernommen. Zahnersatz und Kieferorthopädie sind zudem auf 60 Prozent reduziert. Und das volle Facharzthonorar übernimmt der Versicherer nur, wenn vorab immer erst der Hausarzt aufgesucht wird (Primärarztprinzip). Allein dieses Beispiel zeigt, wie individuell das Einsparpotenzial beim Tarifwechsel ist – und dass Wechselwillige niemals allein auf die Beitragsersparnis schauen dürfen, sondern sich immer auch die Leistungsunterschiede aufzeigen lassen müssen. Nur so haben sie eine verlässliche Entscheidungsgrundlage, um zu prüfen, ob und wann sich ein Wechsel wirklich lohnt.
Nur geringe Leistungseinbußen, aber auch weniger Ersparnis bei der SDK: Auch bei der SDK kann unsere 55-jährige Frau mit 200 Euro weniger Monatsbeitrag kräftig sparen, wenn sie aus dem Bausteintarif A103, S101, AZ75 auf den Bausteintarif A75, S101, ZS75 umsteigt. Allerdings ist auch dieser Wechsel mit Leistungseinbußen verbunden. So ist der Selbstbehalt beim neuen Tarif um 320 Euro auf 650 Euro pro Jahr erhöht. Das ist bei der berechneten Ersparnis aber schon berücksichtigt. Zudem muss die Kundin nach dem Wechsel auf Heilpraktikerleistungen verzichten und die Leistungen für Psychotherapie sind auf 20 Sitzungen pro Jahr begrenzt

Versicherer können das Sparpotenzial deckeln: Wer mit einem solchen abgespeckten Leistungsspektrum leben kann, spart aber auch als Mann bei der SDK rund 163 Euro Monatsbeitrag. Das gilt allerdings nur, wenn der Versicherer bei dem Tarifwechsel die gebildeten Alterungsrückstellungen auch in vollem Umfang beitragsmindernd berücksichtigt – was nicht unbedingt der Fall sein muss. Die Privaten haben durchaus das Recht, die Beitragsersparnis zu begrenzen (siehe Kasten: Begrenzte Beitragsersparnis, S. 114). Verlangen kann der Kunde nur, dass der Beitrag im neuen Tarif bis auf jene Prämie reduziert wird, die er als Neukunde mit ursprünglichem Eintrittsalter zahlen müsste. In unserem Fall wäre das der Neugeschäftsbeitrag eines 40-Jährigen. Macht der Versicherer von seinem Recht zur Deckelung der Beitragsersparnis Gebrauch, fällt der Vorteil beim Tarifwechsel entsprechend niedriger aus. Das ist zum Beispiel bei der DKV der Fall. Bei einem Wechsel aus dem Bausteintarif AD1, SD2, ZD3 auf den neueren Kompakttarif Optimed O1P+K2B spart unser 55-jähriger Mann zum Beispiel nur 266 statt möglicher 352 Euro. Schwacher Trost: Die nicht verbrauchten Alterungsrückstellungen gehen aber nicht verloren, sondern polstern weitere Beitragsexplosionen im Neutarif ab.
Günstige Neutarife: Privatpatienten müssen aber keine gravierenden Leistungseinbußen hinnehmen, um Beiträge zu sparen. Oft hat der Versicherer auch neuere günstige Tarife mit Erste-Klasse-Schutz im Angebot. Dann fällt die Beitragsersparnis zwar nicht ganz so üppig aus wie bei abgespeckter Leistung. Unterm Strich lohnt ein Umstieg auf einen gleichwertigen Tarif aber oft noch mehr.
Durch Umstieg auf Unisex bei der Continentalen bis zu 129 Euro sparen. Frauen können bei der Continentalen zum Beispiel fast 129 Euro Monatsbeitrag sparen, wenn sie aus dem alten Bausteintarif SB 500, S IV/2, Z5 auf den neuen Tarif Business umsteigen. Der enthält zwar keine Leistungen für ambulante Kuren mehr und bei Zahnersatzund Kieferorthopädieleistungen über 2.000 Euro muss die Versicherte einen Heil- und Kostenplan vorlegen. Doch in allen anderen Punkten weist der Businesstarif sogar bessere Leistungen als der alte Bausteintarif auf. Theoretisch kann der Versicherer deshalb eine neue Gesundheitsprüfung verlangen. Das muss die Kundin aber nicht akzeptieren. Im Gegenteil. Sie kann einfach auf die Mehrleistungen verzichten. Einziges Manko: Beim Businesstarif handelt es sich um einen Unisextarif, bei dem Männer und Frauen für gleiche Leistungen gleiche Beiträge zahlen. Das ist seit Ende 2012 für Neutarife so vorgeschrieben – und muss kein Nachteil sein, wie das Beispiel zeigt. Doch Vorsicht: Wer als Bestandskunde in einen der neuen Unisextarife wechselt, kann später nie mehr zurück in die alte Tarifwelt mit geschlechtsspezifisch kalkulierten Tarifen (Bisextarife). Das kann im Alter zum Problem werden, falls man sich den teuren Komfortschutz dann vielleicht nicht mehr leisten kann. Denn der Weg zurück in den Standardtarif, den günstigsten Sozialtarif in der PKV, wird beim Umstieg auf Unisex versperrt, weil es sich dabei um einen Bisextarif handelt (Einzelheiten siehe Kasten: So planen Sie den Wechsel, S. 112). Deshalb gilt: Unisextarife sind zwar oft attraktiv – vor allem für Frauen. Wechseln sollten sie in diese Tarife nur, wenn sie ganz sicher dauerhaft im Neutarif bleiben. Wer als Bestandskunde dagegen noch nicht weiß, ob er sich hochwertigen PKV-Schutz auch als Rentner noch leisten kann, sollte bis dahin erst einmal in der alten Bisex-Tarifwelt bleiben. Wenn die finanziellen Verhältnisse zu Rentenbeginn geklärt sind, kann man ja immer noch wechseln.

Kompakt

So planen Sie den Wechsel

4. Leistungen prüfen

Grundsätzlich gilt: Optimal ist ein Umstieg, wenn der neue Tarif gleichwertige Leistungen wie der alte zu einem günstigeren Preis bietet. Doch alte und neue Tarife sind fast nie eins zu eins vergleichbar. Deshalb gilt es, nicht nur die Preise, sondern auch die Leistungen von Alt- und Neutarif sorgfältig zu vergleichen. Bietet der gewünschte Neutarif mehr Leistungen als der alte, können die Versicherer dieses Leistungsplus von einer erneuten Gesundheitsprüfung abhängig machen – was vor allem Altkunden mit Vorerkrankungen häufig abschreckt.

Was viele nicht wissen: Auf diese Mehrleistungen kann der Kunde auch verzichten. Dann muss der Versicherer dem Wechsel auch ohne Gesundheitsprüfung oder Risikozuschlag zustimmen

5. Hier finden Sie Rat

Das Geschäft mit Tarifwechslern ist in den letzten Jahren zu einem lukrativen Geschäft für Versicherungsvermittler geworden. Denn wer den Kunden beim Wechseln hilft, kann manchmal mehr verdienen als beim Neuabschluss von Policen. Als Honorar wird oft das Sechs- bis Zwölffache der monatlichen Ersparnis kassiert. Kein Wunder, dass bei dem Geschäft nicht immer das Wohl des Kunden im Vordergrund steht. Der Bund der Versicherten (BdV) sieht die erfolgsabhängige Tarifwechselberatung daher kritisch. „Manche Umdeckungen grenzen glatt an Körperverletzung“, sagt Timo Voss vom BdV und verweist auf zahlreiche Fälle, bei denen die Kunden letztlich in Billigtarifen landeten, die oft weniger Schutz als die gesetzlichen Kassen bieten. Der BdV rät Kunden daher, sich ausschließlich an qualifizierte Makler oder Versicherungsberater zu wenden, die auf Honorarbasis arbeiten. Beratung gibt es aber auch bei entsprechend qualifizierten Verbraucherzentralen.

Kompakt

Begrenzte Beitragsersparnis Rückstellungen als Alterspolster

Bei einem Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft sind Versicherer nicht verpflichtet, alle Alterungsrückstellungen ungeschmälert zur Beitragsreduzierung im Neutarif einzusetzen. Nach § 13 der Kalkulationsverordnung dürfen sie die Anrechnung von Alterungsrückstellungen so weit begrenzen, dass die Prämie im neuen Tarif nicht unter den Beitrag von Neukunden im ursprünglichen Eintrittsalter des Versicherten haben. Das heißt: Die Kunden werden so gestellt, als wären sie heute noch so alt wie bei ihrem Eintritt in die Versicherung. Darüber hinausgehende Rückstellungen bleiben dann als Polster zur Beitragsreduzierung im Alter erhalten.

Weitere Deckelung?

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) möchte die Beitragsersparnis aber noch weiter deckeln. Offizielle Begründung: Die Beitragsersparnis bei einem Tarifwechsel sei vor allem ein einmaliger Effekt. Denn bei künftigen Beitragserhöhungen im neuen Tarif wird der Wechselkunde mit dem gleichen Eurobetrag zur Kasse gebeten wie der Bestandskunde. Prozentual fällt die Erhöhung aber viel üppiger aus, weil der Wechselkunde infolge der Altersrückstellungen ja nur einen reduzierten Beitrag zahlt. Das stimmt zwar. Ob das jedoch „oft zu Problemen und Beschwerden“ führt, wie die DAV klagt, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch fordert sie eine Änderung der Kalkulationsverordnung. Das Ziel: Die Anrechnung von Altersrückstellungen im Neutarif soll so weit reduziert werden können, dass Bestands- und Wechselkunden gleich viel zahlen. Das würde sich „kollektivstabilisierend auswirken und zusätzliche Mittel für Beitragsstabilisierungen ab 65 generieren“, so die DAV. Für die Kunden wäre das jedoch eine bittere Pille. Denn dann wird der Tarifwechsel deutlich unattraktiver.

Alte haben’s schwer – wer nur noch von der Rente lebt, kann die Beiträge für PKV-Komfortschutz oft kaum noch schultern


Foto: imago/Westend61

Immerhin 95 Euro weniger zahlen durch Umstieg in Bisextarife: Auch in der alten Bisex-Welt gibt es genug Wechselmöglichkeiten ohne oder nur mit geringen Leistungseinbußen. Bei der DKV würde zum Beispiel ein Umstieg vom Bausteintarif AM2, SM6, ZM3 auf den Kompakttarif Vollmed M4-BR1 unserem 55-jährigen Mann immerhin rund 95,21 Euro Ersparnis im Monat und unserer 55-jährigen Frau 50,67 Euro weniger Monatsbelastung bringen. Kleiner Wermutstropfen bei diesem Wechsel: Der Selbstbehalt steigt von 900 Euro auf 990 Euro und gilt auch für Zahnarzt und Krankenhaus. Das ist bei Ermittlung der monatlichen Ersparnis aber bereits berücksichtigt. Außerdem wird Kieferorthopädie nur noch bei Unfällen bezahlt, Logopädieleistungen werden nicht übernommen und für Psychotherapie werden nur 80 Prozent der Kosten vom Versicherer getragen. In anderen Bereichen bleibt die Leistung jedoch gleichwertig, vereinzelt liegt sie beim Neutarif sogar höher.
Höherer Selbstbehalt im neuen Tarif unproblematisch: Bei der Nürnberger Versicherung zahlt sich der Wechsel vom Bausteintarif A006, S001, Z001 auf den Kompakttarif 821, 824 für Gesunde sogar noch stärker aus. Denn ohne Berücksichtigung des von 360 auf 1.600 Euro erhöhten Selbstbehalts im neuen Tarif sinkt der Monatsbeitrag für den 55-jährigen Mann um stolze 36,4 Prozent auf rund 458,27 Euro. Bei der gleichaltrigen Frau wird der Beitrag immerhin um knapp 30 Prozent auf 499,74 Euro pro Monat gedrückt. Auch unter Anrechnung des erhöhten Selbstbehalts bleiben immer noch 159 Euro mögliche Ersparnis für den Mann und rund 141 Euro für die Frau – und das, obwohl der Versicherer die Anrechnung der aufgebauten Alterungsrückstellungen zumindest beim Mann gedeckelt hat.
Höherer Selbstbehalt im alten Tarif lohnt nicht: Die reine Erhöhung des Selbstbehalts im abgeschlossenen Tarif lohnt sich dagegen nur selten. Zwar sieht die Beitragsersparnis auf den ersten Blick bisweilen üppig aus. Doch im Krankheitsfall müssen die Kunden erst einmal tief in die eigene Tasche greifen, bevor auch der Versicherer ranmuss. Unterm Strich sind in allen untersuchten Musterfällen mit erhöhtem Selbstbehalt daher maximal 163 Euro anfängliche Ersparnis pro Monat drin. Oft springt aber auch nur eine Ersparnis von 20 bis 70 Euro pro Monat heraus. Der Vorteil hält zudem selten lange. Denn bei künftigen Beitragssteigerungen sind die Versicherten weiter kräftig dabei. Nicht selten ist der Monatsbeitrag vier bis fünf Jahre nach Umstellung schon wieder genauso hoch wie vorher, nur der Selbstbehalt hat sich verdoppelt oder verdreifacht. Kurz: das ist selten ein gutes Geschäft.

Höhere Beiträge, mehr Zuschuss vom Arbeitgeber: Angestellten bringt die Erhöhung des Selbstbehalts zudem eher Nach- als Vorteile. Denn ihr Arbeitgeber muss sich nur zu maximal 50 Prozent am gezahlten Monatsbetrag, nicht aber am erhöhten Selbstbehalt beteiligen – und zwar mit höchstens 301,13 Euro pro Monat. Folglich gilt: Halbiert sich der Monatsbeitrag durch die Selbstbehalterhöhung, sinkt auch der Zuschuss vom Betrieb entsprechend. Unterm Strich bleibt von der Einsparung daher oft kaum etwas übrig. Die Erhöhung des Selbstbehalts lohnt eigentlich nur für gesunde Selbstständige, die ihre Prämien alleine schultern müssen. Auch sie sollten die Erhöhung des Selbstbehalts aber genau abwägen. Denn wer den Selbstbehalt später wieder reduzieren oder in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln will, kommt vom hohen Selbstbehalt oft nicht mehr runter. Der Versicherer stuft beides nämlich als Leistungserhöhung ein – und die gibt es nur gegen erneute Gesundheitsprüfung.
Kranke zahlen drauf: Für kränklichere Kunden kann die Erhöhung des Selbstbe- → halts sogar von Anfang an nach hinten losgehen. Auf den ersten Blick sinkt zwar der Monatsbetrag. Addiert man jene Kosten dazu, die der Versicherte nun zusätzlich aus eigener Tasche bezahlen muss, stellt sich aber bisweilen heraus: Die Umstellung bringt fast gar keine Einsparung. Oder sie ist so gering, dass sie schon bei der nächsten Beitragsanpassung verloren geht.
Tarifwechsel statt Erhöhung des Selbstbehalts. Die Beispiele zeigen: Mit einem Tarifwechsel fahren die meisten Wechselwilligen besser als mit einer Erhöhung des Selbstbehalts – auch wenn der Umstieg nicht vor künftigen Beitragsanpassungen schützt. Im Gegenteil. Prozentual fallen sie oft sogar höher aus (siehe Kasten Begrenzte Beitragsersparnis S. 114). Privatpatienten sollten sich trotzdem nicht von den Warnungen der Versicherer vor künftig höheren Beitragssteigerungen blenden lassen – netto bleibt nach einem gelungenen Umstieg auch in den Folgejahren deutlich mehr in ihrem Geldbeutel als vorher. Vorausgesetzt der Versicherte greift zu einem Tarif, bei dem nur der Preis, nicht aber die Leistung reduziert wird. Den zu finden, ist das A und O beim Tarifwechsel. Barbara Sternberger-Frey

Beratungshaftung

Der Tarif- oder Anbieterwechsel ist ein schwieriges und beratungsintensives Thema. Denn beim Umstieg drohen viele Stolperfallen. Da ist es gut zu wissen, dass jeder Berater, Makler oder Tarifwechsel-Optimierer die umfassende Beratung mit einem entsprechenden Beratungsprotokoll dokumentieren muss. Das sollten Kunden sorgfältig durchlesen, auf Korrektheit prüfen und zudem niemals unterschreiben, auf Beratung verzichtet zu haben. Denn letztlich müssen alle Nachteile, die durch den Wechsel entstehen, hier dokumentiert sein. Nach Erfahrungen von Gerd Güssler, Geschäftsführer von KVpro.de, einem Analysehaus für PKV-Tarife und zugleich Marktbeobachter, fertigen sogenannte „Beitragsoptimierer“ aber oft gar kein Protokoll an. In diesem Fall haben Kunden, die sich falsch beraten fühlen, gute Chancen auf Schadenersatz. Das gilt aber auch bei Maklern, die den Kunden zum Anbieterwechsel drängen, statt eine Tarifumstellung vorzunehmen, und dabei verschweigen, dass der Kunde dabei seine angesparten Altersrückstellungen verliert. Auch die Umdeckung aus einem alten Bisextarif in einen neuen Unisextarif kann ein Beratungsverschulden darstellen, wenn dabei verschwiegen wird, dass eine Rückkehr zu Bisextarifen – und damit auch in den Standardtarif – anschließend nicht mehr möglich ist.

Die Sozialtarife in der PKV

Basistarif: Seit 2009 müssen die privaten Krankenversicherer einen sogenannten Basistarif anbieten, der sich an den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen orientiert. In diesem Tarif müssen alle Berechtigte ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen werden. Berechtigt sind freiwillig Versicherte in den gesetzlichen Kassen und privat Versicherte, die ihren Vertrag ab 2009 abgeschlossen haben. Ältere Bestandskunden können in den Basistarif wechseln, wenn sie hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts werden oder 55 Jahre und älter sind bzw. als Ruheständler und Rentner.
Der Beitrag ist auf den Höchstbetrag in der GKV begrenzt. Das sind derzeit 639,38 Euro. Für Versicherte, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, wird dieser Beitrag um die Hälfte reduziert. Wer als Bestandskunde in den Basistarif seiner eigenen Gesellschaft wechselt, mindert seinen Beitrag jedoch genau wie beim Tarifwechsel um seine Alterungsrückstellungen. Das Problem: Die kalkulatorischen Beiträge der Versicherer im Basistarif liegen – vor allem für ältere Kunden – oft weit über dem gesetzlichen Höchstbeitrag. Doch dann entfällt die Anrechnung der Rückstellungen oder sie ist zumindest sehr gering. Die Leistungen im Basistarif können zwar bei Bedarf durch Zusatzpolicen aufgestockt werden, zum Beispiel für die Behandlung als Privatpatient im Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus. Auch das lohnt selten. Denn der Basistarif wird dadurch oft teurer als der Alttarif – bei deutlich geringeren Leistungen.
Der Standardtarif: Älteren Bestandskunden in der privaten Krankenversicherung steht auch der sogenannte Standardtarif noch offen. Er bietet ebenfalls nur einen Schutz, der dem GKV-Niveau ähnlich ist und maximal den GKV-Höchstsatz kosten darf. Weil hier aber keine Kunden ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen werden müssen, liegt der Beitrag deutlich niedriger als beim Basistarif. In den Standardtarif können nur Privatversicherte ab 65 wechseln, die schon vor 2009 bei ihrer PKV versichert waren und mindestens zehn Jahre Vorversicherungszeit nachweisen können. Eine Ausnahme gilt für Versicherte ab 55. Sie können in den Standardtarif wechseln, wenn ihr Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenkasse liegt.
Da angesparte Alterungsrückstellungen auch beim Umstieg in den Standardtarif beitragsmindernd angerechnet werden, bietet dieser Tarif unterm Strich meist den niedrigsten Beitrag im Alter. Anders als beim Basistarif kann das Leistungsniveau aber nicht durch Zusatzversicherungen aufgestockt werden.