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TEST Prostatamittel: Besetzt


ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness - epaper ⋅ Ausgabe 99/2010 vom 17.06.2010

Ständiger Harndrang, auch nachts häufig auf die Toilette müssen, und trotzdem das Gefühl zu haben, die Blase wird nicht richtig leer: Die Symptome einer gutartigen Vergrößerung der Prostata kennen viele ältere Männer. Eine ganze Reihe rezeptfreier pflanzlicher Arzneimittel können diese Symptome lindern.


Artikelbild für den Artikel "TEST Prostatamittel: Besetzt" aus der Ausgabe 99/2010 von ÖKO-TEST Ratgeber Gesundheit & Fitness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: stock xchng/pip

Prostata!“ schallt es in geselliger Runde gerne einmal über den Tisch, wenn das nächste Bier serviert wird. Wohl oder übel ist irgendwann der Gang zur Toilette unumgänglich. Gerade älteren Männern kann es aber passieren, dass dann gar nichts kommt: Harnsperre.

„Häufig kommen Männer ...

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... erst bei einem solchen sehr schmerzhaften Harnverhalt in die Arztpraxis“, weiß Dr. Christian Doehn, Urologe an der Medizinischen Universität Lübeck. Ursache kann eine gutartig vergrößerte Prostata sein. Die ist bis zur Pubertät bis auf Walnussgröße heran- und damit eigentlich auch ausgewachsen. Zum normalen Altern gehört aber, dass sie ab dem vierzigsten Lebensjahr wieder anfängt zu wachsen – wenn auch sehr langsam. Die Folgen: Jeder zweite 60-jährige Mann und 90 Prozent aller 85-Jährigen haben eine vergrößerte Vorsteherdrüse. Etwa die Hälfte von ihnen leidet unter mäßigen bis starken Beschwerden.

Häufig haben Männer auch das Gefühl, die Blase nicht komplett entleeren zu können. Bleibt aber ständig Restharn in der Blase, kann sie sich entzünden. Als schwerwiegende und äußerst schmerzhafte Komplikation kann ein akuter Harnverhalt auftreten, sprich, Mann kann gar nicht mehr urinieren. Dabei besteht die Gefahr, dass Urin zurück in die Nieren aufsteigt und diese schädigt.

So einleuchtend die Zusammenhänge auch sind, die Größe der Prostata korreliert nur wenig mit der Stärke der Symptome. Das heißt, Männer können trotz erheblich vergrößerter Prostata praktisch beschwerdefrei sein. Auf alle Fälle sollte Mann die Beschwerden beim Urologen ärztlich abklären lassen, um andere Ursachen wie eine überaktive Blase oder Erkrankungen wie Diabetes oder Herzprobleme auszuschließen. Ein Prostatakrebs liegt nur in seltenen Fällen vor. „Typischerweise bereitet dieser zunächst keine Beschwerden und auch die Prostata ist nur wenig oder gar nicht vergrößert“, erklärt Doehn.

ÖKO-TEST hat insgesamt 39 rezeptfreie, pflanzliche Arzneimittel gegen Prostatabeschwerden eingekauft. Darunter waren auch fünf Produkte, die als traditionelle Arzneimittel zugelassen sind und zum Teil in Drogerien und damit außerhalb von Apotheken erhältlich sind. Wir haben die Studienlage von unserem wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, begutachten lassen und zudem Hilfsstoffe und Verpackung genauer unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

■ Da sie eine vergrößerte Prostata nicht rückgängig machen können, schneidet keines der untersuchten pflanzlichen Prostatamittel mit „sehr gut“ ab. Allerdings können die Mittel in frühen Stadien der Erkrankung einige Symptome wie häufigen Harndrang mit geringer Harnmenge oder schmerzhafte Harnentleerung lindern oder gar beseitigen. Obgleich der Beweis für eine langfristige, klinisch relevante Wirkung noch nicht erbracht ist, sind die Präparate eine Alternative zu synthetischen Präparaten, zumal sie gut verträglich und nebenwirkungsarm sind.
■ Die verschiedenen pflanzlichen Zubereitungen sind unterschiedlich zu bewerten. „Eine einheitliche Empfehlung kann zu dieser heterogenen Gruppe von Präparaten nicht gegeben werden“, stellen auch die 2009 veröffentlichten Leitlinien der Deutschen Urologen zur Therapie des gutartigen Prostatasyndroms fest. Für die sieben Produkte, deren Wirksamkeit mit „gut“ eingestuft wurde, liegen kontrollierte klinische Studien vor, die nachweisen, dass die Mittel in den Anfangsstadien des Prostatasyndroms wirksam sind.
■ Als nur „teilweise belegt“ stufen wir die Wirksamkeit der anderen Sägepalmenfrüchte-Monopräparate ein. Der Grund: Da die Hersteller unterschiedliche Extraktionsverfahren verwenden, können sich die Produkte in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Damit lassen sich die Studienergebnisse für ein konkretes Präparat nicht auf das Präparat eines anderen Herstellers übertragen. Ebenfalls nur „teilweise belegt“ ist für uns die Wirksamkeit derProsta Fink forte 500 mg, Weichkapseln . Es ist aber immerhin das einzige Kürbissamenpräparat im Test, für das überhaupt eine positive Studie existiert, während die Datenlage zu anderen kürbishaltigen Präparaten ansonsten eher traurig ist.
■ Abgesehen von denBazoton uno, Filmtabletten sind die Wirksamkeitsbelege für die Brennnesselpräparate nur „wenig überzeugend“, was zur Abwertung um drei Noten führt. Bei den fünf traditionellen Arzneimitteln (Abtei Sabal-Kürbis Kapseln Prosta, Doppelherz aktiv Sabal-Kürbis Kapseln Prosta, Granu Fink Prosta, Kapseln, Tetesept Prosta Sabal-Kürbis-Kapseln undVesiherb, Filmtabletten ) mangelt es nicht nur an Wirksamkeitsbelegen, auch sind die Wirkstoffe zu niedrig dosiert. Ebenfalls nicht ausreichend belegt ist die Wirksamkeit zur Linderung von Prostatabeschwerden bei denPollstimol, Hartkapseln , die einen Extrakt aus Gräserpollen enthalten, und bei denProstamed, Kautabletten . Letztere enthalten zudem eine nicht sinnvolle Kombination aus mehreren pflanzlichen Wirkstoffen. Für die Verwendung von Riesengoldrutenkraut und Zitterpappelblättern bei Beschwerden durch eine gutartig vergrößerte Prostata gibt es keine Begründung.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 144.
Anmerkungen: 1) Traditionelles Arzneimittel; unterdosiert. 2) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 3) Enthält Erdnussöl. 4) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass das Präparat nur die Beschwerden einer vergrößerten Prostata bessert, ohne die Vergrößerung zu beheben. 5) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass insbesondere bei Blut im Urin oder bei akutem Harnverhalt ein Arzt aufgesucht werden sollte. 6) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass das Produkt bei Überempfindlichkeit gegen Erdnuss nicht eingenommen werden darf und Erdnussöl selten schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann. 7) Laut Beipackzettel sind zwei- bis dreimal täglich zwei Hartkapseln einzunehmen. Der Preis bezieht sich auf eine mittlere Tagesdosis von fünf Kapseln. 8) Laut Beipackzettel sind dreimal täglich zwei bis vier Kautabletten einzunehmen. Der Preis bezieht sich auf eine mittlere Tagesdosis von neun Tabletten. 9) Laut Anbieter wird in der aktuellen Gebrauchsinformation (Stand: Oktober 2009) sowohl auf den Arztbesuch bei Blut im Urin oder akutem Harnverhalt hingewiesen als auch auf die Besserung der Beschwerden, ohne die Vergrößerung der Prostata zu beheben. 10) Vom gleichen Anbieter gibt es mitProstamed Urtica, Kapseln ein reines Brennnesselwurzelpräparat. 11) Farbstoff Ponceau 4R (E 124). 12) Farbstoff Chinolingelb (E 104). 13) Dibutylphthalat.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) eine nicht ausreichend belegte Wirksamkeit und/oder Unterdosierung; b) eine nicht sinnvolle Kombination von Wirkstoffen (hier: Kürbissamen plus Riesengoldrutenkraut plus Zitterpappelblätter). Zur Abwertung um drei Noten führt: ein Präparat, dessen Wirksamkeit zur Teilbehandlung von Prostataleiden nur wenig überzeugend belegt ist. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Präparat, dessen Wirksamkeit zur Teilbehandlung von Prostataleiden nur teilweise belegt ist. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Präparat, dessen Wirksamkeit nur bei Prostataleiden in Anfangsstadien belegt ist; b) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass insbesondere bei Blut im Urin oder bei akutem Harnverhalt ein Arzt aufgesucht werden sollte; c) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass das Präparat nur die Beschwerden einer vergrößerten Prostata bessert, ohne die Vergrößerung zu beheben; d) Deklarationsmangel: Im Beipackzettel fehlender Hinweis, dass das Produkt bei Überempfindlichkeit gegen Erdnuss nicht eingenommen werden darf und Erdnussöl selten schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Dibutylphthalat. Zur Abwertung um eine Note führen: die Farbstoffe Chinolingelb (E 104) und/oder Ponceau 4R (E 124). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Hilfsstoffe um eine Note.
Testmethoden: Wirksamkeit/Beipackzettel: Pharmakologische Begutachtung. PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 3/2010. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 142.
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Unsere Empfehlungen

■ Probleme beim Wasserlassen am besten von einem Urologen abklären lassen. Sinnvoll ist es, sich vorher für ein bis zwei Tage die Häufigkeit der Toilettengänge und die ungefähre Trinkmenge zu notieren.
■ Ob pflanzliche Prostatamittel tatsächlich helfen, zeigt sich erst nach ein bis zwei Monaten. Die getesteten Produkte gibt es nicht auf Rezept, sie sind selbst zu bezahlen. Größere Packungen verringern die Kosten für die Tagesdosis.
■ Selbsthilfe: Das Wasserlassen regelmäßig ein wenig hinauszuzögern, trainiert die Blase und kann ihre Speicherfähigkeit stärken.