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Test PVC-Bodenbeläge: Finger weg!


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2008 vom 19.09.2008

Bodenbeläge aus PVC sind in Baumärkten billig zu haben. Durch die hohe Schadstoffbelastung wird der vermeintlich günstige Boden aber teuer bezahlt. Wir können auch nach diesem Test nur wieder dringend vom Kauf abraten.


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Foto: PVCplus/obs

Nicht nur knausrige Wohnungsvermieter greifen zum PVC-Bodenbelag, sondern auch Verbraucher, die einen pflegeleichten Boden wollen. Strapazierfähigkeit ist ein zweites Argument, das PVC auch in Läden, Büros, und selbst in Schulen zu einem gefragten Bodenbelag macht. Im europäischen Vergleich ist Deutschland mit Abstand Spitzenreiter beim PVC-Verbrauch, der von Jahr zu Jahr ...

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Nicht nur knausrige Wohnungsvermieter greifen zum PVC-Bodenbelag, sondern auch Verbraucher, die einen pflegeleichten Boden wollen. Strapazierfähigkeit ist ein zweites Argument, das PVC auch in Läden, Büros, und selbst in Schulen zu einem gefragten Bodenbelag macht. Im europäischen Vergleich ist Deutschland mit Abstand Spitzenreiter beim PVC-Verbrauch, der von Jahr zu Jahr steigt. Der Marktanteil von Bodenbelägen aus PVC beträgt immerhin 20 Prozent.
Das Material besteht zu 43 Prozent aus Erdöl, der Rest sind Chlor sowie Füllstoffe, um die Gebrauchseigenschaften zu verbessern. Damit das spröde Material geschmeidig wird, müssen bis zu über 30 Prozent Weichmacher eingesetzt werden, meist problematische Phthalatverbindungen. 14 Prozent aller produzierten Weichmacher wandern in Westeuropa in Bodenbeläge. Das lange Zeit am häufigsten verwendete Phthalat DEHP, das als fortpflanzungsgefährdend eingestuft wird, ist heute glücklicherweise rückläufig und wird meist durch DINP und DIDP ersetzt. Doch auch diese Verbindungen sind aus Vorsorgegründen in Spielzeug, das von Kindern in den Mund genommen werden kann, verboten. Außerdem wird befürchtet, dass sich diese Stoffe im Organismus und in der Umwelt anreichern und dort nur langsam abgebaut werden können.

Stabilisatoren schützen den Belag vor Vergilbung und thermischer Zersetzung. Dazu werden in der Regel Schwermetalle wie Blei, Zink, Zinn oder Barium eingesetzt.

ÖKO-TEST wollte wissen, wie es um die Inhaltsstoffe von PVC-Bodenbelägen bestellt ist. Dazu schickten wir 14 Modelle, die ausschließlich oder auch für den Wohnbereich angeboten werden, in die Labore. Sie sind unterschiedlich aufgebaut – homogen, heterogen, geschäumt, mit textilem Rücken – und haben ein Steindekor als Deckschicht oder eine Granulatstruktur. Darunter befinden sich preiswerte Produkte aus dem Baumarkt, aber auch Markenqualitäten, die wir über den Fachhandel bestellt haben. Es handelt sich überwiegend um Bahnenware in Breiten von zwei bis vier Metern; zwei Produkte waren nur als Fliesen erhältlich. Außerdem interessierte uns die Frage, wie es um die Materialqualität bestellt ist, ob die Beläge maßstabil sind und inwieweit sie sich elektrisch aufladen.

Das Testergebnis

■ Katastrophal – wie befürchtet: PVC-Bodenbeläge sind nach wie vor hochgradig mit Schadstoffen belastet, unabhängig vom Preis und von der Art des Belags. Der absolute Hammer: Der Bodenbelag von Project Floors enthält mehr Cadmium, als gesetzlich zulässig ist.

■ Die Weichmachergehalte liegen bei knapp zehn bis über 30 Prozent. Phthalate stehen im Verdacht, Organe zu schädigen und wie ein Hormon zu wirken. Einige Weichmacher sind deshalb in Kinderspielzeug reglementiert. Gerade Kleinkinder haben aber beim Krabbeln und Spielen auch intensiven Kontakt mit dem Bodenbelag.

■ Nicht minder gefährlich sind die hohen Konzentrationen an giftigen zinnorganischen Verbindungen, die wahrscheinlich als Stabilisatoren in die Produkte gelangen. Besonders problematisch sind Dibutyl- und Tributylzinn, die vermutlich auch beim Menschen das Immun- und Hormonsystem schädigen. Extrem hoch ist der Gehalt an Dibutylzinn im PVC-BelagBalalux von Tarkett.

■ Fast alle Produkte enthalten zudem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen viele nachweislich krebserzeugend sind, fünf Marken in erhöhter Menge.

■ Drei PVC-Beläge enthalten giftige Schwermetalle wie Cadmium und Blei. Der BelagProject Floors Light Collection Schiefer überschreitet den in der Chemikalienverbotsverordnung für PVC und andere Kunststoffe geregelten Cadmium-Grenzwert von 0,01 Prozent. Das sind 100 Milligramm pro Kilogramm. Das Produkt ist damit nicht mehr verkehrsfähig. Cadmium und Blei reichern sich im Körper an und führen zu Nieren-beziehungsweise Nervenschäden. In einem weiteren Produkt steckt Nickel, was für Allergiker problematisch sein kann.

■ PVC-Bodenbeläge können schrumpfen. Das liegt zum einen am Austreten der Weichmacher, zum anderen sind es produktionsbedingte Spannungen, die vorab nicht ausreichend abgebaut wurden. Unser Fachmann Torsten Grotjohann vom Institut für Fußbodenaufbau (Iff) in Koblenz war vom Testergebnis jedoch positiv überrascht. Allerdings gab es einen Ausreißer: DerBalalux von Tarkett ist für ihn „inakzeptabel“, denn er schrumpft in Herstellungsrichtung (längs) um mehr als ein Prozent – weit mehr, als nach Norm erlaubt ist. Bei einer Raumtiefe von fünf Metern sind das schon fast sechs Zentimeter, dieses Minus können auch die Sockelleisten am Rand nicht mehr überdecken. Grenzwertig ist derDunloplan Crystal Plus , der mit 0,25 Prozent Schrumpfung gerade noch die Norm für Trockenfugenverlegung erfüllt. In Querrichtung dehnt er sich aber – wie auch derBalalux – über das erlaubte Maß hinaus aus, was zu Wellen oder Aufkanten an den Stößen und damit zu Stolperfallen führen kann.

■ Außerdem haben wir untersuchen lassen, ob sich die Bodenbeläge elektrisch aufladen können, wenn eine Reibung erfolgt. Das passiert beispielsweise, wenn man mit Kunststoffsohlen oder Socken darauf herumläuft und natürlich durch krabbelnde Kinder: Sechs Bodenbeläge können sich so stark aufladen, dass sich die Aufladung wahrscheinlich auch nach etlichen Stunden noch nicht abgebaut hat, sodass es zu einer Dauerbelastung des Raums kommt.

So reagierten die Hersteller

■ Debolon wollte bis Mitte 2008 zinnorganische durch schwermetallfreie Stabilisatoren ersetzen. Restbestände befinden sich aber noch im Handel. Phosphororganische Verbindungen würden imDebolon Live PU nicht eingesetzt; der Bodenbelag könnte bei der Produktion verunreinigt worden sein.

■ Objectflor gibt an, weder PAK noch Dibutylzinn einzusetzen. Die Schwermetalle seien auf das eingesetzte Recyclingmaterial zurückzuführen.

■ Dunloplan macht Recyclingmaterial für den Gehalt an Dibutylzinn verantwortlich.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar : Erläuterungen zu den Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen : 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe. 2) Keine Bahnenware, sondern Fliesen 30,5 x 30,5 Zentimeter. 3) Keine Bahnenware, sondern Fliesen 45,7 x 30,5 Zentimeter. 4) Produkt auch als Planke 91,4 x 30,5 Zentimeter erhältlich; durch Schrumpfung können bei diesem Format an den Querseiten Fugen von mehr als einem Millimeter entstehen. 5) Produkt enthält mehr als 100.000 μg/kg Dibutylzinn (DBT). 6) ÖKO-TEST hat das Produkt im Bauhaus-Baumarkt gekauft. Laut Anbieter ist der Bodenbelag inzwischen mit leicht geänderter Rezeptur und neuem Namen erhältlich. 7) ÖKO-TEST hat das Produkt im Hornbach-Baumarkt unter dem NamenAngola gekauft. Es handelt sich aber nicht um eine exklusive Eigenmarke für Hornbach. Laut Anbieter ist der Bodenbelag inzwischen mit leicht geänderter Rezeptur und neuem Namen erhältlich. 8) Laut Hersteller wurde der Belag zum Zeitpunkt des Einkaufs von Tarkett unter der BezeichnungSilver angeboten; der NameCentor sei älteren Datums. Inzwischen wird das Produkt mit leicht geänderter Rezeptur und neuem Namen angeboten. 9) Laut Anbieter wird das Produkt in der getesteten Farbe künftig nicht mehr im Sortiment sein. 10) Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). 11) Mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). 12) Mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). 13) Mehr als 25 bis 250 μg/kg Tributylzinn (TBT). 14) Mehr als 250 μg/kg Tributylzinn (TBT). 15) Mehr als 250 bis 2.500 μg/kg andere zinnorganische Verbindungen. 16) Mehr als 2.500 μg/kg andere zinnorganischer Verbindungen. 17) In der Summe mehr als 10.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalate Diethylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP). 18) mehr als 1.000 bis 100.000 mg/kg weitere Phthalate. 19) mehr als 100.000 mg/kg weitere Phthalate. 20) Mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen. 21) Mehr als 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen. 22) Halogenorganische Verbindungen. 23) Cadmium und Blei. 24) Cadmium über dem Grenzwert, Blei. 25) Nickel, Blei.
Legende: Produkte sind in der Reihenfolge des Testergebnisses Materialqualität sortiert. Produkte mit gleichem Testergebnis sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Abwertungen Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um fünf Stufen führt: mehr als 100 mg/kg Cadmium. Zur Abwertung um jeweils vier Stufen führen: a) in der Summe mehr als 10.000 mg/kg der gesetzlich reglementierten Phthalate Diethylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP) und/oder mehr als 100.000 mg/kg weiterer Phthalate; b) mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT) und/oder Tributylzinn (TBT) und/oder mehr als 2.500 μg/kg anderer zinnorganischer Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils zwei Stufen führen: a) in der Summe mehr als 1.000 bis 100.000 mg/kg weiterer Phthalate, falls nicht schon gesetzlich reglementierte Phthalate zur Abwertung um vier Stufen geführt haben; b) mehr als 25 μg/kg Dibutylzinn (DBT) und/oder Tributylzinn (TBT) und/oder mehr als 250 μg/kg anderer zinnorganischer Verbindungen, falls nicht schon Gehalte zur Abwertung um vier Stufen geführt haben; c) mehr als 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen; d) mehr als 100 bis 1.000 mg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Zur Abwertung um jeweils eine Stufe führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) ein oder zwei problematische Schwermetalle (mehr als 16 bis 1.000 mg/kg Blei, mehr als 5 bis 50 mg/kg Cadmium, mehr als 20 mg/kg Nickel); c) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt; d) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen.

Abwertungen Materialqualität: Zur Abwertung um jeweils zwei Stufen führen: a) eine erhöhte Oberflächenspannung von mehr als 2.000 Volt oder eine stark erhöhte Oberflächenspannung von mehr als 5.000 Volt; b) eine sehr starke Schrumpfung von mehr als einem Prozent in Herstellungsrichtung (längs); c) eine starke Dehnung von mehr als 0,25 Prozent quer zur Herstellungsrichtung. Zur Abwertung um eine Stufe führt: eine leicht erhöhte Oberflächenspannung von mehr als 500 bis 2.000 Volt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Materialqualität. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

Testmethoden : Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: Fest-Flüssig-Extraktion; GC-MSD. Zinnorganische Verbindungen: ETOH, Na-DDTC, NaBET4, Hexan, GC-AED. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Halogenorganische Verbindungen: a) Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmmung des Halogengehalts. Phthalate, phosphororganische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und Derivatisierung. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Beilsteinprobe. Maßänderung: EN 434. Oberflächenspannung: Messung mit Elektrofeldmeter nach alltagstypischer Reibung bei 21 °C und 45 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit: a) Schuh mit Kunststoffsohle wurde zweimal über die zu testende Fläche gezogen, b) Material wurde mit der Handfläche zwei- bis dreimal angerieben, c) Material wurde mit einer Schurwollsocke kräftig gerieben.
Erstveröffentlichung : ÖKO-TEST-Magazin 1/2008. Aktualisierung der Testergebnisse, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis : siehe Seite 157.
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Unsere Empfehlungen

■ PVC-Bodenbeläge sind nicht empfehlenswert.

■ Für den Preis eines teuren PVC-Belags kann man auch Parkett oder Linoleum erhalten, die aus natürlichen Stoffen hergestellt werden und weniger oder unbedenklich sind.

■ Wer als Verbraucher seine alten PVC-Bodenbeläge einer Wiederverwertung zuführen will, findet unter www.agpr.de Sammelstellen im ganzen Bundesgebiet. Oder bei der Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling anrufen.