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TEST Raufasertapeten Tragende Rolle


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2015 vom 30.01.2015

Wer Frühjahrsputz und Renovierung in einem erledigen will, kann schon mal den Tapezierwischer herausholen: Im Test Raufasertapeten überzeugten fast alle Produkte in der Praxisprüfung. Auch in Sachen Schadstoffe gab es an den weißen Tapeten mit dem harten Holzkern wenig zu kritisieren.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 2/2015

Noch schlicht oder schon öde? Die Raufaser hat Fans und Feinde. Und Letztere sprechen ihr sogar den Tapetenstatus ab: Für den Verband der Deutschen Tapetenindustrie sind nur all solche Wandbekleidungen Tapeten, deren Trägerschichten aus Papier oder Vlies bestehen und nach dem Anbringen an die Wand nicht nachbehandelt werden ...

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... müssen. Laut jener Definition adelt also erst ein Anstrich die Raufaser, macht sie zur Tapete. Davor ist sie eine „überstreichbare Wandbekleidung“, nur „halbfertig“, wie die Tapetenindustrie formuliert. Diese Kritik kontert Ulrich Türk, Leiter Marketing des Unternehmens Erfurt & Sohn KG, locker: „Raufasertapeten sind Tapeten, auch wenn Ihnen vom Verband (…der Deutschen Tapetenindustrie, Anm. d. Red.) etwas anderes mitgeteilt wurde.“ Türk arbeitet laut Türk für das „marktführende Unternehmen im Bereich der überstreichbaren Wandbeläge“.

Wer den Test macht, glaubt es gern: Greift der Käufer in Baumärkten blind ins Raufasersortiment, erwischt er meist ein Produkt von Erfurt Sohn aus Wuppertal. 1827 gründete Friedrich Erfurt in Wuppertal die Papiermühle Erfurt. Sein Enkel Hugo Erfurt entwickelte 37 Jahre später – so schreibt es die Unternehmenskommunikation – die Raufasertapete. Das Unternehmen wird heute in der siebten Generation von der Familie geführt, und zwar von den Cousins Henrik und Martin Erfurt.


Erfurt für alle: Raufasertapeten kommen aus Wuppertal


Und während sich der Verband der Tapetenindustrie zum 125-jährigen Bestehen in einer Presseerklärung vom September 2014 angesichts 28 Millionen in Deutschland und 61 Millionen ins Ausland verkaufter Tapetenrollen feierte, nennt Ulrich Türk auch mal eine Hausnummer: „Aus einer repräsentativen Marktbefragung von privaten Endverbrauchern der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 2013 im Auftrag von Erfurt & Sohn wurde auf die Frage „Welche Arten von Wandbelägen sind in Ihrem Haushalt vorhanden?“ wie folgt geantwortet: Raufasertapete: 65 Prozent, Papiertapete: 38 Prozent, Putz: 31 Prozent, Vliestapete: 25 Prozent, Digital-Fototapete: 2 sowie kein Wandbelag: 4 Prozent.“ Zur richtigen Lesweise rät Türk dann noch: „Bitte beachten Sie bei der Interpretation der Antworten, dass auch eine Vliestapete eine Vliesraufasertapete sein kann.“

Auch solche Produkte gehören zum Portfolio des Raufaserriesen von der Wupper. Das Heimwerkerportal henkelhaus.de der Düsseldorfer Henkel AG stellt in seiner „kleinen Tapetenkunde“ die Raufaser als „meistverkaufte Strukturwandbekleidung“ vor. Struktur schaffen die gleichmäßig eingearbeiteten Holzfasern, die je nach Raufasersorte in Größe und Form variieren. Die Holzkörner samt Papiermasse aus gereinigtem, zermahlenem Altpapier werden zwischen zwei Papierlagen gebracht und durch Druck von Presswalzen verbunden.

Zur Ressourcenschonung tragen Raufasertapeten bei, die mit dem RAL-Umweltzeichen 35, dem „Blauen Engel“ gekennzeichnet sind. Denn diese Produkte müssen seit der jüngsten Überarbeitung der RAL-Kriterien vom Juni 2014 einen Altpapieranteil von 100 Prozent (davor: 80 Prozent) aufweisen. Das gilt für neue Produkte, die Her- steller seit dem 1. Januar 2015 in den Verkehr bringen. Außerdem mussten Hersteller Tapeten auch schon nach den alten Labelbedingungen chlorfrei bleichen.

Kompakt

Papiertapeten

bestehen vor allem aus Holzbzw. Zellstoff und etwas Altpapier. Es gibt sie gemustert, geprägt mit Struktur oder als Fototapete. Vorteil: Sie kann die Luftfeuchtigkeit im Raum regulieren und so für ein gesundes Raumklima sorgen. Nachteil: Papiertapeten werden beim Einkleistern etwas größer. Unbedingt Weichzeit einhalten.

Raufasertapeten

sind meist mehrlagig mit Holzspänen zwischen den Papierlagen. Raufaser ist umweltfreundlicher als andere Tapeten, einfach zu verarbeiten und mehrfach überstreichbar. Nachteil: Auch Raufasertapete ist nicht maßstabil und benötigt eine Weichzeit.

Vliestapeten

bestehen aus Zellstoff- und Polyesterfasern, die mit Bindemitteln fixiert sind. Sie sind reißfest und dimensionsstabil. Es gibt auch Vliesraufasertapeten aus 80 Prozent Altpapier sowie Textilfasern. Vorteil: Sie können direkt im Wandklebeverfahren angebracht werden und sind sehr haltbar. Nachteil: Manche Produkte enthalten PVC oder ähnlich geschäumte Kunststoffe.

Textiltapeten

tragen auf Tapetenpapier aufgeklebte Natur- oder Synthesefasern. Dabei kommen Wolle, Seide, Sisal oder Baumwolle ins Spiel. Vorteil: Je dicker die textile Oberschicht ist, desto höher ist auch der Dämmfaktor bei Wärme und Akustik. Nachteil: oft chemisch behandelt. Für Allergiker nicht geeignet, da sich auf der Oberfläche viel Staub ansammeln kann.

Kunststofftapeten

Besitzen Trägermaterialien aus Papier, Textilgewebe oder Vlies und sind mit wasserabweisendem Lack oder Kunststoff beschichtet. Vorteil: strapazierfähig und abwischbar. Nachteil: oft weichmacherhaltiges PVC enthalten. Weichmacher können mit der Zeit ausgasen.

So haben wir getestet

Harter Kern: Raufasertapeten trennt man besser mit dem Tapetenabreißer.


Der Einkauf

Wir haben zwölf Raufasertapeten – mit dabei auch zwei Vliesraufasertapeten mit Textilanteilen – in den bekannten Baumärkten sowie in Möbel- und Einrichtungshäusern gekauft. Ausgewählt haben wir Eigenmarken der Baumärkte und Möbelhäuser sowie Produkte des europäischen Marktführers für Raufaser, Erfurt & Sohn aus Wuppertal. Es spiegelt das Marktangebot wider, dass wir mehrere Produkte von Erfurt & Sohn für den Test auswählten. Eingekauft haben wir die Rollenmaße 25 mal 0,53 Meter sowie 15 mal 0,53 Meter.

Der Praxistest

Wie sich die einzelnen Tapeten verarbeiten lassen, prüfte ein Berufsschulfachlehrer und Malermeister mit seinem Team. Sie studierten die Verarbeitungsanleitung der Produkte sowie deren Handhabung beim Tapezieren.Verarbeitungsanleitung: Welche Kleisterart wird empfohlen? Sind die Weichzeiten angegeben? Was verrät die Anleitung über die entscheidende Vorbereitung des Untergrundes? Helfen Piktogramme und narrensichere Erläuterungen auch „Gelegenheitshandwerkern“ zum Ziel? Antworten auf diese Fragen suchte der Praxisprüfer in den Verarbeitungsanleitungen der Tapeten.Handhabung beim Tapezieren: Der Tapezier-Super-GAU? Wenn die Tapete reißt. Und Blasen zwischen Untergrund und Wandbekleidung will auch niemand. Bahn um Bahn klebten die Praxisprüfer die Tapeten auf den schulmäßig vorbereiteten Untergrund. Dabei prüften sie, ob etwas reißt, sich Blasen bilden. Die Handwerker arbeiteten sowohl mit dem Tapezierwischer als auch mit der Gummirolle, trennten Überstände mit Schere und Tapetenabreißer.

Die Inhaltsstoffe

Wir ließen die Tapeten auf giftige flüchtige organische Verbindungen untersuchen, die oft in Wandmaterialien enthalten sind, ausdünsten und in die Raumluft gelangen. Zum Prüfprogramm gehörte auch der Nachweis halogenorganischer Verbindungen. Das ist eine Gruppe von Verbindungen, zu der auch krebserregende und allergieauslösende Stoffe gehören.

Die Weiteren Mängel

Ein Entsorgungshinweis in der Verarbeitungsanleitung sollte aus Gründen des Umweltschutzes und des Verbraucherservices Standard sein. Wo dieser Hinweis fehlt, werten wir ab.

Die Bewertung

Tapeten müssen schadstofffrei sein, da wir uns ständig in ihrer Nähe aufhalten und sie die Qualität der Raumluft etwa durch flüchtige organische Verbindungen belasten können. Genau so wichtig wie ein sauberes Produkt ist aber auch eines, dessen Verarbeitungsanleitung keine Fragen offen und das sich gut verarbeiten lässt. Deshalb kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis beim Praxistest beziehungsweise dem Test Inhaltsstoffe.

Verbraucher, die sich für Raufaser entscheiden, haben aber nicht nur ein im Vergleich zu Kunststoff- und Textiltapeten sauberer produziertes, sondern auch ein einfacher zu verarbeitendes Produkt gewählt. Denn es gibt beim Tapezieren kaum Verschnitt. Und auch der Ungeübte kann keinen Versatz produzieren, wie es bei Mustertapeten schnell und hässlich der Fall ist.

Wir haben zehn Raufasertapeten und zwei Vliesraufasertapeten eingekauft und auf Schadstoffe untersuchen lassen. In einem Praxistest ließen wir die Handhabung der Produkte beim Tapezieren prüfen.

Das Testergebnis

Ein guter Wandbelag. Elf der zwölf Raufasertapeten im Test schnitten mit dem Gesamturteil „gut“ ab, sie zeigten kaum Schwächen – sowohl im Test Inhaltsstoffe als auch während der Praxisprüfung.

Dort erreichten fünf Produkte die Bestnote. Nur ein Produkt stürzte tief ab.
Fleck auf weißer Weste. Alle zwölf Raufasern enthalten halogenorganische Verbindungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, die Brom, Jod oder Chlor enthalten. Viele gelten als allergieauslösend. Einige erzeugen Krebs. Bei Tapeten mit einem Altpapieranteil von 80 oder 100 Prozent spricht einiges dafür, dass die halogenorganischen Verbindungen aus Altpapier stammen können, das noch mit Chlor gebleicht worden ist. Flüchtige organische Kohlenwasserstoffe, die oft in synthetisch hergestellten Materialien wie Klebstoff enthalten sind und die Raumluft belasten, haben die Labore nicht nachgewiesen

ÖKO-TEST rät

O rientieren Sie sich bei den von den Herstellern der Testprodukte angegebenen Weichzeiten an der kürzeren Dauer. Denn im Praxistest funktionierte das Tapezieren nach kürzerer Weichzeit deutlich besser.

Arbeiten Sie mit dem Tapezierwischer. Die elf „guten“ Produkte im Test ließen sich damit problemlos anbringen.

R aufasertapeten gehören nach Gebrauch in den Restmüll, nicht in die Altpapiertonne.

Anleitung mit Lücken. Wer nur alle paar Jahre zu Tapezierwischer und Kleister greift, freut sich über eine Verarbeitungsanleitung, die keine Fragen offen lässt. Solch eine ausführliche Anleitung liegt nur fünf der zwölf Produkte bei. Gelungen sind aus Sicht unseres Tapetenexperten die Anleitungen zu den vier Erfurt-Eigenprodukten sowie die Informationen, die der Tapete Qualitäts Raufaser, grobe Körnung vom Anbieter Hornbach beiliegen. Abgewertet haben wir dage- gen die Verarbeitungsanleitungen der Produkte B1 Qualitäts-Raufaser grobe Struktur, Basic Rauhfaser Mittel, Go On! Raufaser grob, Obi Raufaser Grobkorn, Qualitäts-Rauhfaser Grob sowie Rauhfaser, mittel weiß und Atlantis Rauhfaser Nr. 5, grob weiss. Hier hätten Piktogramme die Arbeitsschritte anschaulicher gemacht. Außerdem fehlte uns bei den sechs erstgenannten Tapeten eine ausführlichere Beschreibung der Schritte, die notwendig sind, um den Untergrund vorzubereiten. Solch eine Beschreibung enthält zwar die Anleitung der Tapete Atlantis Rauhfaser Nr. 5, grob weiss, allerdings fehlen hier hilfreiche Piktogramme.

Gerissen. Beim Tapezieren zeigten sich elf Produkte reißfest. Lediglich die Rauhfaser, mittel weiß riss bei der Verarbeitung teilweise ein.
Wischer schlägt Rolle. Alle Hersteller der Raufasertapeten im Test legen sich bei der empfohlenen Weichzeit nicht auf eine exakte Angabe fest, sondern nennen einen Zeitraum, währenddessen die Tapete im Kleister einweichen soll. Die beiden Vliesraufasertapeten müssen nicht einweichen. Sie werden trocken auf das vorgekleisterte Wandstück tapeziert. Im Praxistest stellte sich heraus, dass bei allen Raufasern die kürzere Weichzeit zu empfehlen ist. Denn dann ließ sich die Raufaser leichter an die Wand bringen. Gerade das Tapezieren per Moosgummirolle gestaltete sich nach längerer Weichzeit mit neun der zwölf Testtapeten immer schwieriger. Ein gleichmäßiges Andrücken war dann fast nicht mehr möglich, da sich Falten bildeten. Nur die Produkte Erfurt Vlies-Rauhfaser Classico und Elegance sowie die Raufaser von Obi ließen sich auch mit Gummirolle problemlos an die Wand bringen. Mit dem Tapezierwischer gelang das Tapezieren dagegen bei elf der zwölf Produkte gut. Deshalb haben wir auch nicht abgewertet. Anders als beim Produkt Rauhfaser, mittel weiß: Hier verhielt sich die Tapete beim Einsatz des Tapezierwischers teilweise instabil. Außerdem war auch die Handhabung der Gummirolle schwierig.

Abreißer schlägt Schere. Der Versuch, die Tapetenüberstände mit der Schere abzuschneiden, gelang nur bei den beiden Vliesraufasertapeten von Erfurt & Sohn sowie bei der Obi Raufaser Grobkorn problemlos. Vor allem bei der B1 Qualitäts-Raufaser, grobe Struktur und der Erfurt Raufaser Rustic kam die Schere an ihre Grenzen, wenn sie auf eines der Körner traf, die zwischen den Papierteilen liegen. Bei allen reinen Raufasertapeten sollten Verbraucher besser zum Tapetenabreißer greifen.
Ressourcen geschont. Zehn der zwölf Raufasertapeten weisen einen Altpapieranteil von 100 Prozent auf, die Vliesraufasertapeten von 80 Prozent. Und der Frischfaseranteil, also die eingesetzten, strukturbildenden Holzspäne, stammt von Bäumen, die in kontrollierter Waldwirtschaft gewachsen sind. Diese Angaben haben die Hersteller durch glaubwürdige Dokumente belegt, die wir zum Nachweis der Angaben zu Altpapieranteil und Holzherkunft von ihnen gefordert hatten.