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TEST Reiswaffeln: Arsen in Kinderhand


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 20.10.2022

RATGEBER

1 Geben Sie Kindern Reiswaffeln und auch Reisflocken wegen der verbreiteten Belastungen nur selten und in Maßen.

2 Zum Glück gibt es viel mehr Snacks als nur Reiswaffeln: Tipps für praktische Lebensmittel für unterwegs mit Kind ab Seite 92.

3 Die Mehrheit der Produkte konnten wir in unserem Zwieback-Test empfehlen, der über zu beziehen ist.

Artikelbild für den Artikel "TEST Reiswaffeln: Arsen in Kinderhand" aus der Ausgabe 11/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Krebserregendes Arsen im beliebten Kleinkindersnack Reiswaffel: ÖKO-TEST hat auf dieses Problem schon 2009 aufmerksam gemacht. Und 2012. Ein gesetzlicher Grenzwert kam erst 2016. Wir testeten erneut, und die Produkte waren sogar noch stärker belastet als 2012! Und heute? Nach unseren aktuellen Analysen von kleinen und großen Reiswaffeln mit und ohne Fruchtgeschmack müssen wir feststellen: Das ist immer noch nichts, was man Kindern unbeschwert geben mag. Wegen Arsen und weiteren bedenklichen Stoffen fallen 11 von 20 Reiswaffeln durch. Nur je ein ...

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... Produkt bringt es auf ein „sehr gut“ beziehungsweise „gut“.

Erstaunlich: In den Regalen für Babys und Kleinkinder haben wir nur noch Reiswaffeln mit Fruchtgeschmack gefunden. Wer seinem Kind eine pure Reiswaffel ohne Fruchtkonzentrat geben möchte, muss also zu den großen Waffeln greifen. Das dürften viele Eltern auch tun. Deshalb haben wir auch an die großen Reiswaffeln die gleichen strengen Maßstäbe angelegt und uns in der Bewertung an Grenzwerten orientiert, die für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gelten.

„Auf Reiswaf felpackungen müsste ehrlicherweise ein Hinweis ,enthält Arsen‘ stehen. Als tägliche Zwischenmahlzeit für Kinder sind sie nicht zu empfehlen.“

Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Sind Reiswaf feln Süßigkeiten?

Portion Obst per Babywaffel?

Auf den Verpackungen der kleinen Reiswaffeln sind Himbeeren oder lachende Äpfel abgebildet, selbst Gemüse kommt vor in Form von Möhren. Davon müssen Eltern sich nicht weiter beeindrucken lassen. Denn mit den rosa und gelben Reiswaffeln gelangen nicht richtiges Obst und Gemüse ins Kind, sondern lediglich süßende Saftkonzentrate. Immerhin sind aber die Zuckergehalte moderat.

Ins Kleingedruckte schauen

14 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthält das süßeste Produkt im Test. Zum Vergleich: Gummibärchen bestehen zu 46 Prozent aus Zucker. Da die Packung Reiswaffeln insgesamt gerade mal 35 Gramm wiegt, müsste ein Kleinkind davon selbst nach der strengsten Vorgabe der WHO schon mehr als zwei komplett aufessen, bevor es seine Zuckerhöchstmenge intus hätte. Eine getarnte Süßigkeit sind die getesteten Babyreiswaffeln also nicht. Aber der Blick in die Nährwerttabelle lohnt: Im Handel gibt es auch „Joghurt"-Reiswaffeln, die zu einem Drittel aus Zucker sind.

Problem Nr. 1: Arsen

Ob groß, ob klein: In allen Reiswaffeln hat das beauftragte Labor anorganisches Arsen nachgewiesen. Das lässt sich erklären. Arsen ist Bestandteil der Erdkruste. Reispflanzen nehmen viel davon auf. Doch in einem Snack für Babys sollte so wenig wie möglich davon stecken. Einen speziellen Grenzwert für Reiswaffeln für Säuglinge und Kleinkinder gibt es nicht. Wir haben uns bei der Bewertung deshalb an dem Grenzwert orientiert, der für Reis gilt, der für die Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder verwendet wird.

In sieben Produkte liegt der gemessene Arsengehalt, bezogen auf den Reisanteil, über diesem Wert, wir bewerten das als „stark erhöht“. Zehn Produkte schöpfen ihn zu mehr als der Hälfte aus. Bisher ist keine Aufnahmemenge an anorganischem Arsen bekannt, die langfristig nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen könnte.

Problem Nr. 2: Cadmium

Wie Arsen steckt auch das Schwermetall Cadmium natürlicherweise im Boden und wird durch menschliche Umweltverschmutzung eingetragen. Das Labor hat dreimal Gehalte festgestellt, die wir als „erhöht“ bewerten, und zweimal sind die Gehalte nach unserer Auffassung „stark erhöht“. Cadmium ist giftig für die Nieren und steht unter anderem im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein. Im Lima-Produkt hat das beauftragte Labor zudem giftiges Blei gefunden.

Problem Nr 3: Acrylamid

Auch Acrylamid erhöht potenziell das Krebsrisiko, so schätzt es die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zumindest anhand von Daten aus Tierversuchen ein. Während die Babyreiswaffeln nur Spurengehalte aufwiesen, sehen wir die Werte in zwei Dritteln der anderen Produkte mit Blick auf Kleinkinder als häufige Konsumenten kritisch. Acrylamid entsteht beim starken Erhitzen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln.

Problem Nr. 4: Schimmelpilzgift

In den getesteten Naturgut Bio Reiswaffeln ohne Salzzugabe und den Dennree Reis Waffeln ungesalzen, Bio steckt das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1. Aflatoxine können unter anderem das Erbgut schädigen. Akut giftige Konzentrationen werden in den beiden Produkten zum Glück nicht erreicht.

Problem Nr. 5: Mineralölbestandteile

In den Byodo Reiswaffeln ohne Salzzusatz, Bio und den Dennree Reis Waffeln ungesalzen, Bio steckten Gehalte der Mineralölbestandteile MOSH, die wir als „leicht erhöht“ bewerten. MOSH reichern sich an und sind die größte Verunreinigung im menschlichen Körper. Noch kritischer sehen wir die im Byodo-Produkt ebenfalls nachgewiesenen MOAH. Zu dieser Stoffgruppe gehören auch krebserregende Verbindungen.

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir wollten wissen, ob man Säuglingen und Kleinkindern Reiswaffeln unbesorgt geben kann. Um das zu untersuchen, haben wir zum einen elf kleine Reiswaffeln eingekauft, die für Kinder im Beikostalter ab dem siebten oder meist achten Monat ausgelobt sind. In diesem Segment haben unsere Einkäufer nur Waffeln mit Fruchtgeschmack gefunden. In der anderen Tabelle finden sich neun Produkte ohne Altersangabe. Zwei davon sind ebenfalls fruchtig und klein, aber ohne den in Getreidebeikost vorgeschriebenen Zusatz von Vitamin B1. Die restlichen Produkte sind „normale“ große Reiswaffeln, zu denen auch Eltern greifen, die ihren Kindern Reiswaffeln ohne Fruchtsaft geben möchten. Auf dem umfangreichen Prüfprogramm standen die giftigen Elemente Arsen, Cadmium und Blei, außerdem Schimmelpilzgifte, die in Getreide vorkommen, Mineralölbestandteile, Pestizide und der für Gebackenes typische Schadstoff Acrylamid. Während der Gesetzgeber in Reiswaffeln ohne Altersangabe deutlich höhere Schadstoffgehalte erlaubt als in für Babys und Kleinkinder ausgelobten, bewerten wir hier alle Testprodukte nach demselben Maßstab mit Blick auf die empfindlichste Verbrauchergruppe.