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TEST: Reiswaffeln: Einen an der Waffel


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2012 vom 21.09.2012

Reiswaffeln sind als Alternative zu Brot oder pur zum Knabbern beliebt. Doch unser Testergebnis ist ernüchternd: Fast alle Produkte enthalten giftiges Arsen und den Krebsstoff Acrylamid.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Reiswaffeln: Einen an der Waffel" aus der Ausgabe 9/2012 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Michael Kempf/Fotolia.com

Praktisch, leicht, bekömmlich – Reiswaffeln haben ein gutes Image. Eltern drücken sie ihrem Kleinkind als Snack für zwischendurch in die Hand. Und auch viele Erwachsene greifen zu den knusprigen Scheiben auf der Basis von blankem Reis und anderen Getreidearten, um den kleinen Hunger zu überbrücken. Denn Reiswaffeln sind kalorienarm und eine Alternative für Menschen mit einer ...

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Praktisch, leicht, bekömmlich – Reiswaffeln haben ein gutes Image. Eltern drücken sie ihrem Kleinkind als Snack für zwischendurch in die Hand. Und auch viele Erwachsene greifen zu den knusprigen Scheiben auf der Basis von blankem Reis und anderen Getreidearten, um den kleinen Hunger zu überbrücken. Denn Reiswaffeln sind kalorienarm und eine Alternative für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit.

Die Produktion funktioniert ähnlich wie bei Popcorn: Je nach Sorte werden die Zutaten gemischt und in runde Spezial backformen gegeben. Durch Hitze und Druck dehnt sich die im Korn enthaltene Feuchtigkeit aus, bis die Reiskörner platzen. Die austretende Stärke „verklebt“ in Sekundenschnelle alle Zutaten miteinander. Das Produkt ist um ein Vielfaches größer als die ursprünglichen Körner.

Aber sind Reiswaffeln wirklich so gesund, wie die Hersteller uns glauben machen wollen? Für unseren Test ließen wir 19 Reiswaffeln auf Arsen und weitere Schadstoffe überprüfen. Außerdem stellte sich uns die Frage, ob der Salzgehalt problematisch ist – gerade kleine Kinder vertragen Salz noch nicht so gut.

Das Testergebnis

■ In allen Waffeln steckt krebserregendes Acrylamid und Arsen. Mehr als die Hälfte fällt mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Schuld an dem miesen Abschneiden ist das Produkt als solches und Schlamperei seitens der Hersteller. Nur die „guten“ Waffeln von Hipp können wir noch empfehlen – aller dings auch nur zum gelegentlichen Verzehr.
■ Dass Arsen im Reis steckt, weiß man schon lange. Die Reispflanze nimmt natürliches Arsen aus dem Boden auf und reichert es in den Körnern an. Zudem wird Reis häufig auf Flächen angebaut, die stark mit Arsen belastet sind: die Umgebung von Minen, Metallhütten oder ehemalige Baumwollfelder, die mit arsenhaltigen Pestiziden besprüht worden sind. In vielen Gegenden Asiens, allen voran in Bangladesch, ist das Brunnenwasser stark belastet, weil es durch arsenreiche geologische Schichten fließt. Was man bislang aber noch nicht wusste: In Reiswaffeln ist der Anteil der giftigen anorganischen Arsenverbindungen am Gesamtarsen besonders hoch – er liegt im Schnitt bei 80 Prozent. Experten nennen als mögliche Gründe bestimmte Reis sorten, den Feuchtigkeitsentzug und das explosionsartige Erhitzen bei der Produktion. Um das Arsenproblem in den Griff zu kriegen, suchen Forscher bereits nach Methoden, den Reis zu entgiften. Solange dies nicht gelingt, ist es Aufgabe der Hersteller, sicherzustellen, dass der Reis auf Böden angebaut wird, die weniger belastet sind. Dass dies möglich ist, zeigen die nur leicht erhöhten Arsenwerte in den Hipp Kinder Reiswaffeln.

ƒ Fast alle Produkte enthalten eine gehörige Portion Acrylamid. Das Krebsgift entsteht beim Backen der Reiswaffeln. Gemessen an dem niedrigen neuen EU-Richtwert für Getreidebeikost, der laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch für Reiswaffeln für Säuglinge und Kleinkinder gilt, sind die gefundenen Gehalte hoch: 17 von 19 Produkte liegen darüber, am stärksten belastet sind die Hig Hagemann Reis Waffeln. Zwar sind die meisten Produkte nicht für Kinder ausgelobt, dennoch werden sie gern als Snack gegeben, deshalb bewerten wir streng. Für die Waffeln von Alnatura und Rossmann gibt es doppelten Punktabzug, da sie eigens für Babys „ab dem 8. Monat“ ausgelobt sind – hier erwarten wir einen höheren vorsorgenden Schutz. Im Übrigen lässt sich der Acrylamidgehalt reduzieren – beispielsweise durch eine geringere Temperatur beim Backen.
■ In den Testprodukten von Rewe und Dennree steckt zu viel Cadmium. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) führen dauerhaft hohe Cadmiumbelastungen hauptsächlich zu Nierenschädigungen; auch Knochenschäden könnten die Folge sein. Vor drei Jahren hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge für das giftige Schwermetall stark gesenkt. Mit jeweils einer Portion (etwa zwei bis drei Waffeln) der beiden belasteten Produkte wird die daraus errechnete täglich akzeptable Menge zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft.
■ Gut die Hälfte der Testprodukte enthält zugesetztes Salz. Aber auch in den anderen Marken steckt Natrium, ein Bestandteil von Kochsalz, weil das Element natürlicherweise in Reis vorkommt. Insgesamt sind die Gehalte jedoch gering. Zum Vergleich: Brot enthält je nach Getreideart bis zu dreimal mehr Salz. Deshalb werten wir auch nicht ab. Experten empfehlen allerdings, Beikost und Reiswaffeln grundsätzlich ohne zugesetztes Salz zu kaufen.
■ „Meersalz“ steht auf der Zutatenliste der Lima Rice 100 % Dünne Vollkorn-Reiswaffeln. Tatsächlich gefunden hat das von uns beauftragte Labor aber nur Bruchteile der deklarierten Natrium- beziehungsweise Salzgehalte. „Offenbar wurde das Salz in der Rezeptur schlichtweg vergessen“, mutmaßen die Laborexperten. Noch schlechter: Dennree führt mit seinen Reiswaffeln ungesalzen die Verbraucher komplett in die Irre. Festgestellt wurde ein Vielfaches der deklarierten Gehalte. Ärgerlich für Eltern, die ihrem Kind eigentlich eine ungesalzene Waffel kaufen wollten.

ÖKO-TEST rät

■ Für Babys und Kleinkinder sind die meisten Reiswaffeln gar nicht zu empfehlen.
■ Um die Entwicklung der Mundmuskulatur zu fördern, eignen sich bis zum siebten oder achten Monat Beißringe. Danach kann man anstelle von Reiswaffeln zuckerfreie Dinkelstangen, Zwieback oder Brötchen anbieten.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: siehe Seite 169.
Anmerkungen: 1) Produkt wird für Kinder ab dem achten Monat empfohlen. Laut Gesetz enthält es deshalb Vitamin B 1. 2) Acrylamid. 3) Weiterer Mangel: Ein deklarierter Natriumund Salzgehalt, obwohl deutlich weniger Salz nachweisbar ist. 4) Weiterer Mangel: Salz nachweisbar, obwohl das Produkt als „ungesalzen“ ausgelobt ist. 5) Weiterer Mangel: Auslobung „Ohne Zusatz von Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“. 6) Weiterer Mangel: Auslobung „Ohne künstliche Aromen und Zusatz von Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“. 7) Laut Anbieter wurde inzwischen der Lieferant gewechselt, Lieferant des von ÖKO-TEST getesteten Produkts ist die Firma Continental Bakeries, erkennbar an der Adresse auf der Verpackungsrückseite. Neuer Lieferant sei die Valora Trade Germany. 8) Mehr als 50 bis 100 μg/kg anorganisches Arsen. 9) Cadmium. 10) Mehr als 100 bis 200 μg/kg anorganisches Arsen. 11) Mehr als 200 μg/kg anorganisches Arsen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 200 μg/kg anorganisches Arsen. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 100 bis 200 μg/kg anorganisches Arsen; b) ein Acrylamidgehalt von mehr als 100 μg/kg bei einem Produkt, das für Kinder „ab dem 8. Monat“ ausgelobt ist (dieser Wert entspricht dem EU-Richtwert für Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder); c) ein Cadmiumgehalt von mehr als 0,10 mg/kg. Mit diesem Gehalt wird beim täglichen Verzehr von 20 g Waffel über den Zeitraum einer Woche die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI, Efsa, 2009) zu mehr als 50 % ausgeschöpft, berechnet für ein 12 kg schweres, etwa zweijähriges Kind. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 50 bis 100 μg/ kg anorganisches Arsen; b) ein Acrylamidgehalt von mehr als 100 μg/kg bei einem Produkt, das nicht speziell für Kinder ausgelobt ist. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Salz nachweisbar bei einer Reiswaffel, die als „ungesalzen“ ausgelobt ist (die getesteten Waffeln enthalten deutlich mehr als 0,1 g Kochsalz pro 100 g Produkt, berechnet über Natrium, deklariert sind nur 0,002 g Natrium/100 g Produkt bzw. 0,005 g/100 g, auf Kochsalz umgerechnet). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein deutlich geringerer Natrium- und Meersalzgehalt als ausgelobt (deklariert sind auf den getesteten Waffeln 0,13 g Natrium pro 100 g Produkt bzw. 0,33 g/100 g auf Kochsalz umgerechnet; im Labor nachweisbar waren weniger als ein Zehntel dieser Menge, berech- net über Natrium); b) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (Auslobungen wie „Ohne Zusatz von Farbstoffen und Konservierungsstoffen laut Gesetz“ oder „Ohne künstliche Aromen und Zusatz von Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden: siehe www.oektotest.de → Suchen → „N1209“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 6/2012. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 168.

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