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TEST Reiswaffeln: Reis(s) aus!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2012 vom 25.05.2012

Reiswaffeln als Alternative zu Brot oder pur zum Knabbern – nein danke! Fast alle Produkte in unserem Test sind mit giftigem Arsen und dem Krebsstoff Acrylamid belastet.


Artikelbild für den Artikel "TEST Reiswaffeln: Reis(s) aus!" aus der Ausgabe 6/2012 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: lagom/Fotolia.com

Praktisch, leicht, bekömmlich – Reiswaffeln haben ein gutes Image. Eltern drücken sie ihrem Kleinkind als Snack für zwischendurch in die Hand. Und auch viele Erwachsene greifen zu den knusprigen Scheiben auf der Basis von blankem Reis und anderen Getreidearten, um den kleinen Hunger zu überbrücken. Denn Reiswaffeln sind kalorienarm und eine Alternative für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit.

Die Produktion ...

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... funktioniert ähnlich wie bei Popcorn: Je nach Sorte werden die Zutaten gemischt und in runde Spezialbackformen gegeben. Durch Hitze und Druck dehnt sich die im Korn enthaltene Feuchtigkeit aus, bis die Reiskörner platzen. Die austretende Stärke „verklebt“ in Sekundenschnelle alle Zutaten miteinander. Das Produkt ist um ein Vielfaches größer als die ursprünglichen Körner.

Aber sind Reiswaffeln wirklich so gesund, wie die Hersteller uns glauben machen wollen? Schon beim ersten ÖKO-TEST Reiswaffeln vor knapp drei Jahren hatten wir festgestellt, dass in einigen Produkten zu viel Arsen und Acrylamid steckte. Inzwischen ist es uns möglich, in einem Speziallabor getrennt nach organischem und anorganischem Arsen, der eigentlich giftigen Form, zu suchen. Für unseren aktuellen Test ließen wir deshalb 20 Reiswaffeln erneut auf Arsen und weitere Schadstoffe überprüfen. Außerdem stellte sich uns die Frage, ob der Salzgehalt problematisch ist – gerade kleine Kinder vertragen Salz noch nicht so gut.

Das Testergebnis

• Wir müssen leider die „Reisleine“ ziehen: In allen Waffeln steckt krebserregendes Acrylamid und Arsen meist in „erhöhten“ oder „stark erhöhten“ Mengen. Mehr als die Hälfte fällt mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. „Schuld“ an dem miesen Abschneiden ist das Produkt als solches und Schlamperei seitens der Hersteller. Denn im Vergleich zum letzten ÖKO-TEST Reiswaffeln hat die Schadstoffbelastung zugenommen. Nur die „guten“ Waffeln von Hipp können wir noch empfehlen – allerdings auch nur zum gelegentlichen Verzehr.

Foto: Verein der Wellensittich-Freunde e.V.

Foto: Panther Media/Holger Much

ÖKO-TEST rät

► Für Babys und Kleinkinder sind die meisten Reiswaffeln gar nicht zu empfehlen.
► Um die Entwicklung der Mundmuskulatur zu fördern, eignen sich bis zum siebten oder achten Monat Beißringe. Danach kann man anstelle von Reiswaffeln zuckerfreie Dinkelstangen, Zwieback oder Brötchen anbieten.

• Arsen in Babys Lieblingssnack: Dass Arsen im Reis steckt, weiß man schon lange. Die Reispflanze nimmt natürliches Arsen aus dem Boden auf und reichert es in den Körnern an. Zudem wird Reis oft auf Flächen angebaut, die stark mit Arsen belastet sind: die Umgebung von Minen, Metallhütten oder ehemalige Baumwollfelder, die mit arsenhaltigen Pestiziden besprüht worden sind. Was man bislang aber noch nicht wusste: In Reiswaffeln ist der Anteil der giftigen anorganischen Arsenverbindungen am Gesamtarsen besonders hoch – er liegt im Schnitt bei rund 80 Prozent. Experten nennen als mögliche Gründe bestimmte Reissorten, den Feuchtigkeitsentzug und das explosionsartige Erhitzen bei der Produktion. Um das Arsenproblem in den Griff zu kriegen, suchen Forscher bereits nach Methoden, den Reis zu entgiften. Solange dies nicht gelingt, ist es Aufgabe der Hersteller, sicherzustellen, dass der Reis auf Böden angebaut wird, die weniger belastet sind. Dass dies möglich ist, zeigen die nur leicht erhöhtenHipp Kinder Reiswaffeln .
• Fast alle Produkte enthalten eine gehörige Portion Acrylamid. Das Krebsgift entsteht beim Backen der Reiswaffeln. Gemessen an dem niedrigen neuen EU-Richtwert für Getreidebeikost, der laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch für Reiswaffeln für Säuglinge und Kleinkinder gilt, sind die gefundenen Gehalte relativ hoch: 18 von 20 Produkte liegen darüber, am stärksten belastet sind dieHig Hagemann Reis Waffeln . Zwar sind die meisten Produkte nicht für Kinder ausgelobt, dennoch werden sie gerne als Snack gegeben, deshalb bewerten wir streng. Für die Waffeln von Alnatura und Rossmann gibt es doppelten Punktabzug, da sie eigens für Babys „ab dem 8. Monat“ ausgelobt sind – hier erwarten wir einen höheren vorsorgenden Schutz. Im Übrigen lässt sich der Acrylamidgehalt reduzieren – etwa durch eine geringere Temperatur beim Backen.
• In den Testprodukten von Rewe, Edeka und Dennree steckt zu viel Cadmium. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) führen dauerhaft hohe Cadmiumbelastungen hauptsächlich zu Nierenschädigungen, auch Kno chenschäden könnten die Folge sein. Vor drei Jahren hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge für das giftige Schwermetall stark gesenkt. Mit jeweils einer Portion (etwa zwei bis drei Waffeln) der drei Produkte wird die daraus errechnete täglich akzeptable Menge zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft. Im letzten Test Reiswaffeln hatten noch alle Produkte unterhalb dieser Grenze gelegen. Bei der Berechnung haben wir uns jeweils an einem zweijährigen Kind mit einem Gewicht von zwölf Kilogramm orientiert. In diesem Alter bekommen Kinder häufiger Reiswaffeln zu essen, außerdem nehmen sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht relativ viel Nahrung und damit auch Cadmium auf.

So haben wir getestet

Im Labor kommen die Probenfläschchen mit dem Acrylamidextrakt in eine Hochleistungsmessanlage – vorher musste jede Waffel fein zerkleinert und das Acrylamid mit Hilfe einer speziellen Flüssigkeit herausgelöst werden.


Foto: Labor

Der Einkauf
Das Angebot an Reiswaffeln ist groß. Seit einiger Zeit kommen zunehmend Mischwaffeln auf den Markt mit Hirse-, Mais-, Sesam- oder Amaranthanteil, mit oder ohne Salz. Das spiegelt sich auch in unserer Produktauswahl wieder. Auf Süßkram mit Schoko-, Kokos-, Joghurt- oder Vanilleüberzug haben wir dagegen verzichtet. Meist werden Reiswaffeln nach wie vor in der puren Version gekauft. Erfreulich: Es gibt wesentlich mehr Bio-Waffeln als konventionelle.

Die Inhaltsstoffe
Reiswaffeln gelten als gesunder Pausensnack. Doch die knusprigen Scheiben enthalten mehr, als einem lieb sein kann. Das liegt vor allem an der Reispflanze, die dazu neigt, Arsen aus Boden und Wasser aufzunehmen und anzureichern. Besonders giftig ist die anorganische Form. Deshalb ließen wir die Reiswaffeln getrennt auf organisches und anorganisches Arsen untersuchen. Weiterhin auf der Fahndungsliste: Die Schimmelpilzgifte Aflatoxin und Ochratoxin A sowie das Schwermetall Cadmium – Übeltäter, die auf natürlichem Wege ins Getreide kommen können beziehungsweise über Düngemittel und Klärschlamm. Das Krebsgift Acrylamid entsteht, wenn kohlenhydratreiche Lebensmittel hoch erhitzt werden.

Die Bewertung
Da es hierzulande für Arsen noch keine Grenzwerte gibt, benoten wir Reiswaffeln auf der Basis von Expertenempfehlungen. So bewerten wir Gehalte von mehr als 200 Mikrogramm anorganischer Arsenverbindungen pro Kilogramm (μg/kg) Lebensmittel streng. Grund dafür sind die Verzehrsgewohnheiten sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen, die zum Beispiel Gluten aus Weizen und Roggen nicht vertragen oder sich mit Reiswaffeln kalorienbewusst ernähren wollen. Schließlich sind Reiswaffeln ja auch nicht die einzige Quelle, aus der der Verbraucher anorganisches Arsen aufnimmt. Eines der wenigen Länder, das einen Grenzwert für anorganisches Arsen in Lebensmitteln festgelegt hat, ist übrigens China. Dort liegt er bei 150 μg/kg.

• Zusätzlich gesalzen. Die Hälfte der Testprodukte enthält zugesetztes Salz. Aber auch in den anderen Marken steckt Natrium, ein Bestandteil von Kochsalz, weil das Element natürlicherweise in Reis vorkommt. Insgesamt sind die Gehalte jedoch gering. Zum Vergleich: Brot enthält je nach Getreideart bis zu dreimal mehr Salz. Deshalb werten wir auch nicht ab. Experten empfehlen allerdings, Beikost und Reiswaffeln grundsätzlich ohne zugesetztes Salz zu kaufen.
• Beim Würzen vergriffen: „Meersalz“ steht auf der Zutatenliste derLima Rice 100 % Dünne Vollkorn-Reiswaffeln . Tatsächlich gefunden hat das von uns beauftragte Labor aber nur Bruchteile der deklarierten Natriumbeziehungsweise Salzgehalte. „Offenbar wurde das Salz in der Rezeptur schlichtweg vergessen“, schätzen die Laborexperten ein. Noch schlechter: Dennree führt mit seinenReiswaffeln ungesalzen die Verbraucher komplett in die Irre. Festgestellt wurde ein Vielfaches der deklarierten Gehalte. Ärgerlich für Eltern, die ihrem Kind eigentlich eine ungesalzene Waffel kaufen wollten und dabei aufs Korn genommen wurden.
Roman Goll

Die Expertin

„Arsengehalte untragbar!“
Professor Tanja Schwerdtle, Lebensmitteltoxikologin an der Universität Münster: „Die von ÖKO-TEST festgestellten Arsengehalte sind bedenklich, denn anorganisches Arsen ist ganz klar als krebserzeugend eingestuft, und Kleinkinder essen enorm viel im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht. Auch für Erwachsene halte ich Werte von über 200 Mikrogramm pro Kilogramm in Reiswaffeln, die ja als gesundes Produkt verkauft werden, für untragbar.“

organisches Arsen (in der Tabelle: „Arsen leicht erhöht“); b) ein Acrylamidgehalt von mehr als 100 μg/kg bei einem Produkt, das nicht speziell für Kinder ausgelobt ist. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Salz nachweisbar bei einer Reiswaffel, die als „ungesalzen“ ausgelobt ist (die getesteten Waffeln enthalten deutlich mehr als 0,1 g Kochsalz pro 100 g Produkt, berechnet über Natrium, deklariert sind nur 0,002 g Natrium/ 100 g Produkt bzw. 0,005 g/100 g, auf Kochsalz umgerechnet). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung; b) ein deutlich geringerer Natrium- und Meersalzgehalt als ausgelobt (deklariert sind auf den getesteten Waffeln 0,13 g Natrium pro 100 g Produkt bzw. 0,33 g/ 100 g, auf Kochsalz umgerechnet, im Labor nachweisbar waren weniger als ein Zehntel dieser Menge, berechnet über Natrium); c) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (Auslobungen wie „ohne Zusatz von Farbstoffen und Konservierungsstoffen laut Gesetz“ oder „Ohne künstliche Aromen und Zusatz von Farb- und Konservierungsstoffen laut Gesetz“). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Einkauf der Testprodukte: Februar bis März 2012.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1206“ eingeben.