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TEST Restschuldversicherungen: Trügerische Sicherheit


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2013 vom 28.12.2012

Restschuldversicherungen sollen einspringen, wenn Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr zahlen können. Sicher sind aber nur die hohen Kosten der Policen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Restschuldversicherungen: Trügerische Sicherheit" aus der Ausgabe 1/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: B. Stefanov/Fotolia.com

Wer ein Auto auf Raten kauft, wer einen teuren Fernseher oder eine andere größere Anschaffung nicht bar bezahlen kann, sondern in monatlichen Raten abstottern muss, schließt meistens – mehr oder minder freiwillig – eine Restschuldversicherung ab. Die soll die Hinterbliebenen beim Tod des Kreditnehmers absichern, oder einspringen, wenn wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit das Geld fehlt, den Kredit zu bedienen.

So freut sich ein ...

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... junger Mann auf dem Beifahrersitz im BMW-Nobel-Cabrio trotz bandagierter Hände, denn mit der Versicherung hat er „eine Finanzierung, die Freude macht, selbst wenn man nicht fahren kann“. Während die Norisbank ihr „Sicherheitspaket“ vorstellt und die Fordbank den „Rundumschutz“ propagiert, warnt die Netbank vor der Arbeitslosigkeit, durch die der Musterkunde mit fast 900 Euro weniger Einkommen pro Monat auskommen muss. Die Botschaften kommen an. So meldete der größte Restschuldversicherer weltweit, die Cardif, für Deutschland im Jahr 2010 ein Wachstum von 21 Prozent. Eingenommen wurden 326 Millionen Euro. Der Verband der Öffentlichen Versicherer, der mit den Sparkassen verbandelt ist, konnte 2011 in seiner Sparte Restkredit sogar ein Wachstum von über 38 Prozent erzielen und 61 Millionen Euro umsetzen.

Die Kehrseite der Medaille: Der Verkauf der Versicherung gleich mit dem Kredit über die finanzierende Bank ist ein lukratives Geschäft. Wie teuer Sie die Absicherung kommt, bleibt allerdings im Dunkeln. Denn die Banken müssen die Kosten nicht in den effektiven Jahreszins für den Kredit einrechnen – wenn der Abschluss freiwillig ist und die Kreditvergabe nicht beeinflusst. Tatsächlich hat eine Umfrage der Verbraucherzentralen vor wenigen Jahren aber gezeigt, dass 94 Prozent der Kunden bei Abschluss eines Darlehensvertrags eine Restschuldversicherung gleich mitverkauft wurde.

ÖKO-TEST hat daher eine Kreditfinanzierung für einen Neuwagen mit und ohne Restschuldversicherung verglichen. Der Kaufpreis betrug einheitlich 25.000 Euro, 17.500 davon wurden per Kredit finanziert. Abgefragt haben wir die Angebote von 22 Auto- und ausgewählten Onlinebanken. Zwei Banken, die Santander und Peugeot Bank, reagierten auch auf mehrfache Anfragen nicht. Die FGA Bank lieferte keine Versicherungsbedingungen und die Oyak Anker Bank behauptete, für Autofinanzierungen nicht zuständig zu sein, obwohl sie mit einer solchen im Internet wirbt. Die Volvobank befindet sich nach Angaben des Geschäftsführers in Abwicklung, hat aber eine noch voll funktionsfähige Homepage, die auch Restschuldversicherungen anbietet. Insgesamt konnte so die klassische Finanzierung von 17 Banken untersucht werden, bei der nach einer Laufzeit von 36 Monaten das Darlehen komplett getilgt ist und das Auto dem Kreditnehmer gehört.

ÖKO-TEST rät

• Finger weg von der Restschuldversicherung, wenn es um einen „normalen“ Gebrauchsgüterkredit geht.

• Wählen Sie den Kredit lieber mit Augenmaß. Also besser ein kleineres Fahrzeug finanzieren, damit die Rate bei Engpässen noch geschultert werden kann.

• Allein bei Immobilienfinanzierung sollte eine zusätzliche Risikolebensversicherung abgeschlossen werden, falls die vorhandene das Baudarlehen nicht ausreichend abdeckt.

Das Testergebnis

Der Zinssatz steigt erheblich: Die Restschuldversicherung lässt den effektiven Jahreszins für den 17.500-Euro-Kredit durch die Decke gehen. Bem Volkswagen Financial Services steigt er um 3,14 auf 7,04 Prozent, bei der Credit Europe Bank um 4,90 auf 11,81 Prozent, bei der Targobank sogar um 6,74 auf 11,73 Prozent. Günstiger sind Angebote, die keinen Schutz vor Arbeitslosigkeit einschließen. Bei der MKG Bank steigt der Zinssatz von 0,0 auf 2,52 Prozent, bei der Honda Bank von 0,9 auf 2,7 Prozent. Dagegen kommt die BMW Bank auf Zinskosten von 11,05 Prozent, weil sie schon ohne Restschuldversicherung 7,99 Prozent pro Jahr nimmt. Welche Bank den zusätzlichen Schutz besonders teuer verkauft, zeigt auch die Kennzahl „Kosten der Restschuldversicherung pro 100 Euro Darlehen“. Vollkommen abgeschlagen ist hier die Targobank mit sage und schreibe 10,20 Euro. Alle Autobanken schneiden mit 4,58 Euro (Volkswagen Financial Service) bis 6,28 Euro (Mercedes Bank) wesentlich günstiger ab. Bei Angeboten ohne Schutz vor Arbeitslosigkeit liegt der Aufwand zwischen 2,73 und 4,20 Euro erwartungsgemäß noch niedriger.

Versicherungsmakler sind günstiger. Wer die Restschuldversicherung online über einen Versicherungsmakler kauft, zahlt deutlich weniger als bei den Banken. So verlangt die Abundia aus Karlsruhe für eine monatliche Kreditrate von 525,52 Euro – die dem Angebot der Targobank entspricht – 894,24 Euro. Bei der schlägt die Versicherung hingegen mit 1930,32 Euro zu Buche. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen fließen die Kosten für die Versicherung voll in die Finanzierung. „Da die Versicherungsprämie, welche zu Laufzeitbeginn von der Bank an den Versicherer entrichtet wird, mitfinanziert wird, entfallen auf diesen Betrag ebenfalls Zinsen“, erläutert Sandra Tschamber von der Credit Europe Bank. Bei der Frankfurter Bank sind es rund 128 Euro in 36 Monaten. Zum Zweiten kassieren die Banken offenbar hohe Provisionen von den Versicherungen.
Ein Ballon platzt. Eine böse Überraschung dürften Kunden erleben, die bei Autobanken eine Drei-Wege - oder Ballon-Finanzierung absichern. Bei dieser Art des Kredits, der voll „im Trend“ liegt, gibt es sehr geringe laufende Ratenzahlungen und eine hohe Schlussrate. Doch gerade diese letzte Zahlung, die in aller Regel höher ist als alle vorher gezahlten Raten zusammen, ist im Schutz gegen Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit in den meisten Fällen nicht in den Versicherungsschutz eingeschlossen. Damit platzt der Schutz am Ende – wie ein Ballon – einfach weg.
Schlechte Versicherungsbedingungen: Der Traum vom Geld von der Versicherung könnte ohnehin schnell platzen. Grund dafür sind Bedingungen, die eine Leistung der Versicherer eher zum Glückspiel machen. Fast trifft auf die Restschuldversicherung zu, was spöttisch als der Idealwunsch von Versicherern bezeichnet wird: Einen Mühlstein unter Wasser gegen Feuer zu versichern. So gibt es beim Schutz gegen Arbeitslosigkeit meist eine Wartezeit von 90 Tagen, hinzu kommt oft eine Karenzzeit von weiteren 90 Tagen, in denen die Versicherer nicht zahlen. Zudem ist die Leistung bei Jobverlust meist auf zwölf Monate begrenzt. Auch für den Schutz vor Arbeitsunfähigkeit gibt es erhebliche Einschränkungen. Nur beim Tod des Kreditnehmers wird anstandslos gezahlt.
Eine Nummer kleiner: Angesichts solcher Preise und Bedingungen können sich Käufer vor einer finanziellen Klemme viel besser schützen, wenn sie höchstens die Hälfte der freien Mittel in ein Auto stecken. „Dann fällt das Traumauto eben ein oder zwei Nummern kleiner aus“, sagt Schuldenberater Joachim Dziennus von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Anmerkungen: 1) Eine leichte Abweichung unserer Kontrollrechnung beim Effektivzins konnte die Targobank nicht aufklären. Nach Aussage der Bank entspricht die Ratenvorlaufzeit von 45 Tagen, mit der die Bank arbeitet, nicht dem rein rechnerischen Wert von 1,5 Monaten. Wir haben daher 1,94 Monate eingestellt und konnten so den angegebenen Effektivzins von 4,99 Prozent exakt nachbilden.
Legende: Die Banken sind nach den Kosten für die Restschuldversicherung aufgeführt.
Die Testmethode finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1301“ eingeben.
Stand: Dezember 2012

Interview

Gleicher Effektivzins ist irreführend

Daniela Bergdolt ist Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht aus München, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Bank- und Kapitalmarktrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) und Vizepräsidentin DSW – Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.


ÖKO-TEST: Dürfen Banken die Kreditvergabe vom Abschluss einer Versicherung abhängig machen?
Daniela Bergdolt: Das ist zwar die übliche Vorgehensweise, doch sie ist rechtlich nicht ganz haltbar. Denn der Bundesgerichtshof (BGH) hat höchstrichterlich klargestellt, dass es sich dabei um ein sogenanntes „verbundenes Geschäft“ handelt, dessen Kosten dann unbedingt im eigentlichen Darlehensvertrag gezeigt und auf die Darlehenskosten aufgerechnet werden müssen. Denn die Gesamtkosten für das Darlehen werden ja durch die Versicherungsprämien erhöht. Passiert die Ausweisung der Gesamtkosten nicht, hat der Kunde ein Widerrufsrecht für beide Verträge.

Wie ist es mit sanfter Überredung, etwa dass es besser wäre die Raten abzusichern?
Die höchstrichterliche Rechtsprechung zielt im Kern nicht auf ein Verbot der Kopplung von Darlehen und Restschuldversicherung, sondern auf deren transparenter Darstellung zugunsten der Verbraucher. Mit anderen Worten: Ein Bankberater darf natürlich den Kunden sanft darauf drängen, eine solche Versicherung abzuschließen. Er muss dies aber klar kommunizieren und die Kosten in den Darlehenszinsen zeigen.

Die Banken geben – auch wenn der Kunde eine Restschuldversicherung abschließt – immer den gleichen effektiven Jahreszins an. Ist das nicht irreführend?
Ganz genau. Das ist irreführend und führt zum Rückabwicklungsrecht für den Kunden. Denn der Effektivzins ist genau die Kennziffer, in der die Mehrkosten für eine Restschuldversicherung ausgewiesen werden müssen.

Kann man nicht einfach eine Restschuldversicherung abschließen und innerhalb der Frist von 30 Tagen widerrufen, ohne den Kredit zu gefährden?
Unabhängig von der pauschal wirksamen BGH-Rechtsprechung müssen dabei jeweils die Details des Einzelfalls beachtet werden. Daher kann diese Frage nicht einheitlich und einfach beantwortet werden. Es kann jedoch durchaus sein, dass der Bank ein Kündigungsrecht des Darlehensvertrages zustehen könnte.

Arbeitslosigkeit: Vertrag nicht kündbar

Rechtlich haben säumige Kredit- und Leasingnehmer null Chancen. „Eine vorzeitige Beendigung aufgrund von Arbeitslosigkeit ist bei Finanzierungsverträgen nicht vorgesehen“, sagt Rechtsanwalt Kurt Reinking aus Bergisch-Gladbach. Diese Personen müssen also die Raten weiterzahlen – bis zum Ende der Laufzeit. „Wird die Rate zweimal nicht geleistet und auf eine Mahnung der Bank nicht reagiert, muss man mit einer Kündigung seines Kredit- oder Leasingvertrages rechnen“, erklärt Reinking. Bei Leasing und Finanzierung bleibt die Bank bis Ende der Laufzeit des Vertrages Eigentümer des Fahrzeuges und behält den Kfz-Brief. Nach Vertragskündigung kann die Bank ihr Eigentumsrecht geltend machen und das Fahrzeug verwerten. „Der erzielte Erlös wird dann nach Abzug ersparter Verwaltungskosten mit den noch ausstehenden Raten verrechnet“, erläutert der Jurist. Angesichts eines dahinsiechenden Gebrauchtwagenmarktes dürfte die Kündigung des Vertrages fast immer die schlechteste Lösung sein.