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TEST Riester-Banksparpläne: Ausgetrickst


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2011 vom 27.06.2011

Einfach, sicher, flexibel und kostengünstig: Riester-Banksparpläne wären für Vorsorgesparer ideal. Doch nicht Banken, sondern Versicherungen verdienen sich daran eine goldene Nase. ÖKO-TEST zeigt die Fallstricke und erklärt Ihnen, wie sie sich wappnen können.


Artikelbild für den Artikel "TEST Riester-Banksparpläne: Ausgetrickst" aus der Ausgabe 7/2011 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Westend 61

Sicher, flexibel und transparent – Riester-Banksparpläne sind die stillen Stars unter den Riester-Produktlinien. Denn der Riester-Vertrag von der Bank ist eine besonders verlässliche und vergleichsweise unkomplizierte Geldanlage. Gemessen an insgesamt 14,4 Millionen Riester-Verträgen ist die Zahl der Banksparpläne mit 711.000 ...

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... trotzdem verschwindend gering. Allerdings bietet längst nicht jedes Kreditinstitut diese Riester-Vertragsvariante an. Auch Finanzvertriebe und -berater haben den Banksparplan so gut wie nie im Angebot. Der Grund ist simpel: Mangels Abschluss- und Vertriebskosten lässt sich daran für Vermittler nichts verdienen. Zum Vergleich: Bei Riester-Rentenpolicen und Fondssparverträgen sind bis zu vier Prozent der gesamten Beitragssumme und mehr an Provisionen drin. Kein Wunder daher, dass sogar manche Bank lieber das Konkurrenzprodukt vom hauseigenen Versicherer anbietet als den eigenen Sparplan.

ÖKO-TEST hat jetzt 41 Riester-Banksparpläne verglichen, darunter 20 überregionale Angebote und 21 Offerten, die nur Kunden im jeweiligen Einzugsgebiet der Sparkasse oder Volksbank offenstehen. Erstmals haben wir nicht nur die Ansparphase unter die Lupe genommen, sondern auch die Zeit der Rentenzahlung. Bewertet werden konnten aber nur die Ergebnisse der Ansparphase. Die Konditionen für die Rentenphase werden erst zu Rentenbeginn festgelegt. Alle Angaben dazu sind Näherungswerte, die sich noch ändern können.

ÖKO-TEST rät

• Sparpläne mit gebundenem Zins sind für Sparer attraktiv, die mit einem kräftigen Zinsanstieg rechnen.

• Rechnen Sie dagegen nur mit moderat steigenden Zinsen oder gar einer längeren Phase mit Niedrigzinsen, sind Sparpläne mit Zins und Bonus top.

• Zu Rentenbeginn sollten Sie die Auszahlofferte Ihrer Bank mit den Konkurrenzangeboten am Markt vergleichen – und gegebenenfalls den Anbieter wechseln.

Das Testergebnis

Die Renditen sind attraktiv: Auch wenn die Zinsen am Kapitalmarkt derzeit vergleichsweise mager sind: Die Renditen der staatlich geförderten Banksparpläne können sich sehen lassen. Bei Sparplänen, deren Verzinsung an die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen gebunden ist (Banksparpläne mit gebundenem Zins), sind derzeit Erträge bis zu 2,66 Prozent pro Jahr drin. Gute Sparpläne mit Zins und Bonus kommen sogar auf Renditen bis 3,4 Prozent pro Jahr. Die Basiszinsen der Banksparpläne sind jedoch variabel. Die aktuellen Renditen sind daher nur eine Momentaufnahme. Sobald die Zinsen am Markt steigen, geht auch die Rendite der Sparpläne nach oben.

Banksparpläne sind besser als Riester-Renten. Verglichen mit klassischen Riester-Renten vom Versicherer haben die Banksparpläne die Nase vorn. Sofern die Zinsen nicht unter das aktuelle Niveau sinken, würde unser Musterkunde, ein 42-jähriger Sparer mit 45.000 Euro Bruttoeinkommen, nach 25 Sparjahren beim Gros der Banken locker 10.000 bis 15.000 Euro mehr auf seinem Konto haben als das Gros der Versicherer im gleichen Musterfall garantiert. Erwirtschaften die Versicherer zusätzliche Überschüsse, gleichen sie diesen Nachteil zwar wieder aus. Die Spitzenreiter unter den Riester-Banksparplä- nen wie die Stadtsparkasse Mönchengladbach oder die Kreissparkasse Ahrweiler können aber auch in puncto Gesamtablaufleistung mithalten. Dank attraktivem Basiszins plus Bonuszahlungen hebeln sie die Rendite ihrer Verträge trotz niedrigem Zinsniveau auf attraktive 3,32 Prozent (Stadtsparkasse Mönchengladbach) bzw. 3,18 Prozent (Kreissparkasse Ahrweiler) für den 25-Jahres-Vertrag – und liegen damit fast auf dem Niveau der – unverbindlichen – Ablaufleistungen der Versicherer.

Einige Banken bieten sogar einen Mindestzins. Selbst wenn hierzulande eines Tages japanische Verhältnisse mit Null-Zins-Sätzen einkehren sollten, wären Riester-Sparer bei den geförderten Banksparplänen gut geschützt: Einige Banken haben ihre Verträge mit einem Garantiezins von 0,5 bis 2,0 Prozent ausgestattet, so dass ihre Kunden auf jeden Fall neben der Summe aller Eigenbeiträge und Zulagen auch einen garantierten Zinsertrag erhalten. Bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayreuth liegt das Mindestgarantiekapital nach 25 Sparjahren dank zwei Prozent Garantiezins zum Beispiel bei stolzen 57.655 Euro. Das sind 12.655 Euro mehr als die Bank nach den Riester-Regeln garantieren muss. Bei den Sparplänen mit Zins und Bonus sorgen die Bonuszahlungen dafür, dass unterm Strich fast immer 5.000 bis 8.000 Euro mehr auf dem Konto stehen als der Summe aller Einzahlungen entspricht.
Magere Renten trotz guter Rendite. Richtig spannend wird es jedoch, wenn das Kapital zu Rentenbeginn in eine lebenslange Zusatzrente umgerechnet wird. Der größte Knackpunkt dabei: Wie hoch die Riester-Rente von der Bank dann sein wird, erfahren die Kunden bei Vertragsabschluss nicht. Verbraucher können vorab also nicht erkennen, ob die Bank, die in der Ansparphase gute Konditionen bietet, in der Rentenphase abkassiert. Die ersten Angebote für die Auszahlphase zeigen jedoch, dass die Rentenphase unverschämt teuer werden kann (siehe Seite 124).

Die Zinskonditionen sind teilweise undurchsichtig: Ärgerlich ist, dass Riester-Sparer bei Plänen mit Zins und Bonus kaum abschätzen können, wie ihr Vertrag auf Zinsänderungen reagiert. Dafür sind allein die Basiszinsmischungen zu komplex. Um Verbrauchern wenigstens eine Orientierungshilfe zu geben, hat ÖKO-TEST die Zinsdifferenz zu einem Mustervertrag ermittelt. Sie gibt an, mit welchem Ertrag der Kunde rechnen kann, sofern die Zinsdifferenz konstant bleibt. Dabei gilt: Je geringer die Zinsdifferenz, desto besser ist der Vertrag. Allerdings ist die Zinsdifferenz nur ein grober Indikator, um die künftige Rendite des Vertrags abzuschätzen. Rückrechnungen haben gezeigt, dass die Banken bei Zinsanpassungen Spielräume haben, die sie auch ausschöpfen. Deshalb kann der Zinsabstand im Zeitverlauf bisweilen schwanken.
Transparente Angaben der Kosten. Bei den Kostenangaben dagegen scheuen weder die Sparkassen noch die Volks- und Raiffeisenbanken die Transparenz. Das hat zwei Ursachen. Erstens lassen sich die Kosten bei einem so einfachen Produkt wie einem Sparplan – anders als bei Versicherungen – nicht verstecken. Zweitens sind alle Riester-Banksparpläne durchweg schlank und kostengünstig kalkuliert. Es gibt für die Institute daher überhaupt keinen Grund, die Vertragskosten zu vernebeln. Im Gegenteil: Die niedrige Kostenbelastung der Banksparpläne ist ein klarer Wettbewerbsvorteil – und der wird gern und deutlich herausgestellt. So können die Kunden den Verbraucherinformationen entnehmen, dass für den Abschluss des Banksparplans weder Abschluss- noch Vermittlungsprovision fällig werden. Auch Verwaltungskosten berechnet das Gros der Institute nicht. Lediglich 13 der 41 untersuchten Institute erhebt eine jährliche Kontoführungsgebühr. Die macht mit zehn bis 20 Euro pro Jahr jedoch nur einen Bruchteil der bei Versicherern üblichen Verwaltungskosten aus.
Der Anbieterwechsel ist günstig. Die Kosten für einen Anbieterwechsel sind bei den Banken mit durchschnittlich 50 bis 100 Euro ebenfalls moderat. Einige wenige Institute, wie die Bank für Kirche und Caritas, verzichten sogar ganz darauf. Die Mainzer Volksbank und die Sparkasse Holstein langen mit 150 Euro beim Anbieterwechsel dagegen etwas tiefer in die Taschen der Kunden.
Daran verdienen die Banken: Selbstverständlich arbeiten auch die Banken nicht zum Nulltarif. Die wahren Vertragskosten zwacken sie allerdings nicht wie die Versicherer von den Kundenbeiträgen oder den Zulagen ab. Stattdessen schreiben sie ihren Vorsorgesparern einfach weniger Zinsen gut als sie selbst am Markt erzielen können. Um die entgangenen Zinsen zu ermitteln, auf die Riester-Sparer verzichten, hat ÖKOTEST einen Mustervertrag gebildet. Der gibt die Wertentwicklung eines Sparplans mit Bundeswertpapieren im Rahmen eines Kontos bei der Bundesfinanzagentur wieder – und ist praktisch kostenfrei. Das Ergebnis macht die Unterschiede zwischen den beiden Sparplantypen deutlich sowie Preis-Leistungs-Unterschiede zwischen den Anbietern im jeweiligen Sparplanmodell. Grundsätzlich gilt: Bei teuren Anbietern und hohem Zinsabstand im Vergleich zum Mustervertrag fressen die Vertragskosten – genau wie bei den Versicherern – schon im Zehn-Jahres-Vergleich schnell mehr als die Hälfte der Zulagen auf. Bei lang laufenden Verträgen und anhaltender Niedrigzins phase können sogar 80 bis 90 Prozent der Zulagen oder mehr draufgehen.
Attraktiv auf lange Sicht: Bei den Sparplänen mit Zins und Bonus gibt es dagegen sogar Anbieter, die ihren Kunden gar keinen Zinsverzicht abverlangen. Im Gegenteil: Je länger die Laufzeit des Vertrags, desto eher legen sie noch ein Schüppchen drauf. Bei der Stadtsparkasse Mönchengladbach, der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch, der Kreissparkasse Ahrweiler, der Stadtsparkasse Gevelsberg sowie den Sparkassen Dortmund und Höxter liegt unser Mustersparer nach 25 Sparjahren verglichen mit dem Mustervertrag zum Beispiel bis zu 4.146 Euro im Plus. Der Grund für diese Überraschung: Mit ihren hohen Bonusstaffeln wollen die Topanbieter bei den Sparplänen mit Zins und Bonus ihre Kunden bei der Stange halten.

Produktlinie für Kurzfristsparer und Optimisten. Sparpläne mit gebundenem Zins sind dagegen eher für Kurzfristsparer attraktiv sowie für Kunden, die mit einem kräftigen und raschen Zinsanstieg rechnen. Geht die Erwartung steigender Zinsen nicht auf, machen die Sparer aber ein immer schlechteres Geschäft. In Euro und Cent umgerechnet wird der Zinsverzicht umso größer, je länger der Vertrag läuft. Den niedrigsten Zinsverzicht verlangt derzeit die Bank für Kirche und Caritas ihren Kunden ab, die allerdings nur hauptamtlichen Mitarbeitern von kirchlichkaritativen Einrichtungen der Erzbistümer Paderborn, Erfurt, Fulda und Magdeburg offensteht. Bei einem Zehn-Jahres-Vertrag muss unser Musterkunde lediglich auf 178 Euro verzichten. Auf 25-Jahres-Sicht trennt sich daher ganz deutlich die Spreu vom Weizen. Während bei kostengünstigen Anbietern wie der Sparkasse Holstein auch dann nur 1.250 Euro an Kosten draufgehen, können es bei teuren Anbietern schnell 7.062 bis 7.652 Euro sein – ein Vielfaches der Zulagen.

Angebote mit Pferdefuß

Barbara Sternberger-Frey ist Finanzexpertin des ÖKOTEST- Magazins


ÖKO-TEST hat in den vergangenen Jahren mehrfach Riester-Banksparpläne untersucht und empfohlen – und immer auf den Pferdefuß Rentenphase verwiesen. Unsere Vorbehalte bestätigt der Test. Er zeigt eindeutig: Eigentlich können Sparer mit der Riester-Rente von der Bank nichts falsch machen. Der Vertrag ist einfach, kostengünstig und transparent – wenn die Ungewissheit über die spätere Auszahlphase nicht wäre. Dass der Gesetzgeber Verträge zertifiziert, bei denen die Konditionen für die Auszahlung erst zu Rentenbeginn festgezurrt werden, bürdet den Sparern ein unkalkulierbares Risiko auf – und macht viele Vorzüge der Riester-Bank-Sparpläne wieder zunichte. Hinzu kommt: Da die Banken die lebenslange Rente nicht selbst gestalten dürfen, sind sie praktisch gezwungen, die Restrente ab 85 beim Versicherer einzukaufen. Und weil der verdienen will, wird es teuer.
Zum einen werden bei den eigentlich provisionsfreien Verträgen doch wieder Abschlusskosten fällig. Viele Sparkassen behalten sich vor, diese auch an ihre Kunden weiterzureichen. Hinzu kommen die Kosten zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, die von der Versicherungsbranche mit hohen Sicherheitspuffern kalkuliert werden. Das Paradoxe daran: Je vorsichtiger die Versicherer kalkulieren, desto höher sind später ihre Gewinne. Kurz: Sie machen Profit, ohne ein nennenswertes Risiko zu tragen – zulasten der Riester-Sparer.
Dabei war das eigentlich gar nicht so gedacht, wie ein Blick in die ursprünglichen Gesetzesentwürfe zeigt. Bei Einführung der Riester-Renten gingen SPD und Grüne noch davon aus, dass die Restrente ab 85 nur zehn bis 15 Prozent vom angesparten Kapital koste. In der Praxis wird mehr als das Doppelte verlangt.
Das nährt den Verdacht, die Versicherungsbranche nutzt die Vorzugsstellung, die sie sich seinerzeit gesichert hat. Dabei wäre die Rente ab 85 auch heute noch zum damals kalkulierten Preis zu haben, wie ÖKO-TEST nachgerechnet hat. Deshalb ist der Gesetzgeber dringend gefordert, Verbraucher vor den aufgedeckten Praktiken zu schützen – und auch die Kosten für die Restrente ab 85 zu deckeln. Andernfalls wird die Riester-Rente zum Subventionsprogramm für die Versicherungsbranche. Zudem machen die Testergebnisse deutlich: Auch der gewünschte Wettbewerb zwischen den Anbietergruppen am Kapitalmarkt wird durch die hohen Kosten für die Zwangsrente ab 85 letztlich wieder ausgehebelt.

Anmerkungen: 1) Produkt mit Mindestzins von 0,20 Prozent. 2) Produkt mit Mindestzins von 0,5 Prozent, sofern der Referenzzins unter 2,62 Prozent liegt. 3) Produkt mit Mindestzins von 0,50 Prozent. 4) Kapital wird nach ethisch-ökologischen Kriterien angelegt: Dow Jones Sustainability Group Index (DJSGI). 5) Kapital wird nach ethisch-ökologischen Kriterien angelegt. Die Bank investiert nicht in Rüstung, Atomkraft und Kinderarbeit. Auch grüne Gen-Technik und ozonzerstörende Chemikalien sind tabu. Zinsanpassung turnusmäßig am 16.02. und 16.08 eines jeden Jahres. 6) Mindestspardauer 3 Jahre, Zinssatz an einen Referenzzins aus 20 Prozent Drei-Monats-Geld, 20 Prozent Fünf-Jahres-Geld, 60 Prozent Zehn-Jahres-Geld gebunden. Zinsüberprüfung jeweils zum Ende des Quartals, Anpassung dann am 05. des Folgemonats. 7) Produktzinssatz = 80 Prozent der Umlaufrendite öffentlicher Anleihen. 8) Produkt mit Mindestzins von 1,5 Prozent. 9) Produktzinssatz = 85 Prozent der Umlaufrendite öffentlicher Anleihen. 10) Produkt mit Mindestzinssatz von 2 Prozent. 11) Neuvertrag mit geänderter Bonusstaffel im Vergleich zum Vorjahr.
Legende: Anbieter mit gleichem Rang sind nach Höhe der Rendite nach 25 Jahren Laufzeit aufgeführt. Die Ermittlung des Ranges erfolgte auf Basis einer Gesamtpunktzahl, die aus den gleich gewichteten Renditen für alle drei Laufzeiten (10, 25, 35 Jahre) ermittelt wurde. Beispiel: Zehnjahresrendite von 2,7 Prozent mal 0,333 (0,9 Punkte) plus 25-Jahres-Rendite von 3,45 mal 0,333 (1,15 Punkte) plus 35-Jahres-Rendite von 3,61 Prozent mal 0,333 (1,20 Punkte). Macht – gerundet – zusammen 3,25 Punkte. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Punktzahl in sechs gleich große Klassen geteilt. Das Ranking macht die Zinsdifferenzen zwischen den einzelnen Anbietern deutlich, die auf Basis der aktuellen Vertragskonditionen bestehen. Zugleich wurde ermittelt, wie hoch die Renditedifferenz im Vergleich zum ÖKO-TEST-Mustervertrag ist. Der gibt die Wertentwicklung eines Sparplans mit Bundeswertpapieren im Rahmen eines Kontos bei der Bundesfinanzagentur wieder – und ist praktisch kostenfrei. Zum Untersuchungstermin hätte der Mustervertrag eine kostenfreie Rendite von 2,85 Prozent ermöglicht. Das entsprach der Rendite von siebenjährigen Schatzbriefen Typ B bzw. der Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen abzüglich Kaufspesen. Denn Privatanleger können Bundesanleihen nicht kostenfrei erwerben. Deshalb wurde ein kostengünstiger Erwerb über Direktbanken unterstellt. Je geringer die Renditedifferenz zum Mustervertrag ist, desto besser die Qualität des Riester-Banksparplans. Um die Zinskosten im Vergleich zum Mustervertrag zu ermitteln, haben wir anhand eines einheitlichen Musterfalls ermittelt, wie viel Kapital bei der jeweiligen Bank bzw. beim Mustervertrag nach zehn, 25 und 35 Sparjahren auf dem Konto steht. Vereinfachend wurde dabei unterstellt, dass alle Einzahlungen jeweils zum Jahresende erfolgen. Das Gleiche gilt für das ausgewiesene Mindestgarantiekapital nach zehn, 25 und 35 Sparjahren. Sofern die Bank keinen Garantiezins bietet, wurde dabei unterstellt, dass der variable Basiszins dauerhaft bei null Prozent bzw. 0,01 Prozent liegt, Zinszuschläge und Bonusstaffeln jedoch weiterhin gewährt werden. Bei Banken mit Garantiezins wurde dieser dauerhaft unterstellt. Zur Analyse der Auszahlphase wurde der von der Bank vorgeschlagene Auszahlplan nachgebildet und unterstellt, dass der garantierte Auszahlbetrag später auch der Garantierente entspricht, die vom Versicherer für die Restrente ab 85 zu zahlen ist. Das Kapital für die Auszahlphase wurde fiktiv angesetzt und muss nicht unbedingt jenem Kapital entsprechen, das auf Basis der aktuellen Verzinsung zum jeweiligen Termin erreicht werden kann.
Anforderungen an die Tarife: Bei allen Berechnungen wurde angenommen, dass der Sparer den Vertrag zulagenoptimal mit 4 Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens bespart. Als Vorjahreseinkommen wurde ein Bruttogehalt von 45.000 Euro pro Jahr angenommen. Eigenbeitrag und Zulagen in Höhe von insgesamt 1.800 Euro pro Jahr fließen laut Modellfall jeweils zum Jahresende auf den Banksparplan. Die Zinsen der Pläne mit gebundenem Zins orientieren sich an der Umlaufrendite öffentlicher Anleihen. Der Basiszins wird jeweils zum 15. der Monate Februar, Mai, August und November an die aktuelle Marktzinsentwicklung angepasst. Für die Analyse der Auszahlphase wurde unterstellt, dass dieser Sparer heute 42 Jahre alt ist und nach 25 Sparjahren im Alter von 67 in Rente geht. Die Verzinsung der Sparpläne mit Zins und Bonus ist variabel und richtet sich nach dem Basiszins plus der Bonusstaff el des jeweiligen Kreditinstituts. Aus Vereinfachungsgründen sind in der Tabelle nur der derzeit aktuelle Basiszins plus der letzte und nächste Zinsanpassungstermin erfasst sowie die Rendite, die der jeweilige Sparplan bringen würde, wenn er in 2011 abgeschlossen und – mit unveränderten Zinsen – nach zehn, 25 und 35 Sparjahren beendet werden würde.
Testmethoden: Die Vertragsdaten wurden unmittelbar bei den Kreditinstituten erfragt, einer Plausibilitätskontrolle unterzogen und den Banken und Sparkassen nach erfolgter Renditeberechnung zur Verifizierung zurückgespielt. Die Renditeberechnung basiert auf einem von den Verbraucherzentralen entwickelten Kalkulationsprogramm. Kosten für die Verwaltung des Vertrags wurden bei allen Banksparplänen sowohl bei der Renditeberechnung als auch beim Zinsverzicht im Vergleich zum Mustervertrag berücksichtigt. Die Kalkulation der Beiträge für die Restrente erfolgten auf Basis eines Mustervertrags für die Restrente ab 85 mit durchschnittlichen Kosten auf Basis jener Sterbetafel, die das Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, im Auftrag von ÖKO-TEST für die Analyse von Rententarifen entwickelt hat. Zur Überprüfung, ob der von der Bank genannte Einmalbeitrag ausreicht, um die in Aussicht gestellte Garantierente zu finanzieren, wurde auf Basis der DAV 2004 Sterbetafel gerechnet.Stand: Juni 2011.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Mehr zum Thema

■ In der Juniausgabe 2011 haben wir klassische und fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen untersucht. Der Test ist unter www.oekotest.de abrufbar.

Nach dem Test sind viele Fragen bei uns eingegangen. Die Antworten sowie viele weitere Testergebnisse und Informationen zum Test Banksparpläne finden Abonnenten exklusiv unter http://abo.oekotest.de

Foto: ccvision.de

Unverschämt teuer

Wie schon bei den Riester-Renten, die wir in der Juniausgabe untersucht haben, kassieren auch bei den Banksparplänen die Versicherungen mächtig ab. Wie die es geschafft haben, dass sie die Hände aufhalten dürfen, fragen wir uns auch. Wir können Ihnen aber erklären, welch gutes Geschäft Banksparpläne für die Versicherungen sind.

Wer für das Alter vorsorgen will, kann mit Banksparplänen eigentlich nichts falsch machen. Die staatliche Förderung durch Zulagen und oft auch Steuerersparnisse plus recht ordentliche Zinsen bringen Riester-Sparer in eine komfortable Situation. Weil das Geld dank Einlagensicherung bei Volksbanken und Sparkassen auch im Krisenfall nicht verloren ist, ist dem Riester-Sparer unterm Strich sogar bei einem schlechten Riester-Banksparplan fast immer mehr Ertrag sicher als bei der Riester-Rente vom Versicherer oder gar bei einem fondsgebundenen Vertrag. Das gilt, wie unser Test zeigt, zumindest für die Ansparphase.


Gute Rendite heißt nicht ordentliche Zusatzrente


Eine gute Rendite in der Ansparphase ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer ordentlichen Zusatzrente. Daher untersucht ÖKO-TEST seit 2008 mit einem von uns entwickelten Testverfahren bei Riester-Rentenversicherungen auch die Rentenphase – und hat festgestellt, dass sich die Versicherungen oft einen erklecklichen Teil der Anspargewinne selbst zuschanzen.

Bei Banksparplänen bleibt – man mag es kaum glauben – die Höhe der Zusatzrente bislang komplett im Dunkeln. Denn die konkrete Gestaltung der Auszahlphase wird erst zu Rentenbeginn festgelegt. Laut Gesetz sind die Kreditinstitute – anders als Versicherer – nicht einmal verpflichtet, ihren Kunden schon bei Vertragsabschluss nähere Angaben zur Auszahlphase zu machen.

Fest steht lediglich der Rahmen: Zu Rentenbeginn können die Banken das angesparte Kapital als Einmalbeitrag in eine sofort beginnende Rentenversicherung investieren oder ihren Kunden einen Auszahlplan offerieren. Den dürfen sie allerdings nur bis zum 85. Lebensjahr gestalten. Danach sind die Versicherungen am Zug. Sie übernehmen dann den Vertrag und zahlen die garantierte Monatsrente der Bank weiter – bis ans Lebensende der Kunden. Das hat der Gesetzgeber so vorgeschrieben – nicht zuletzt auf Druck der Versicherungslobby. Für die Übernahme des Vertrags ab 85 und die Absicherung des sogenannten Langlebigkeitsrisikos fordern die Versicherungen von den Banken allerdings unverschämt viel Geld.


30 Prozent des Kapitals kassieren die Versicherungen


Das belegen jedenfalls die ersten Modellrechnungen zur Auszahlphase, die ÖKO-TEST im Rahmen dieses Tests eingeholt hat. Weil wir endlich Licht ins Dunkel der Rentenphase bei Banksparplänen bringen wollten, haben wir alle Teilnehmer am Test auch um eine Modellrechnung für die Auszahlphase gebeten. Bekommen haben wir sie in vielen Fällen trotzdem nicht. Elf Volksbanken und drei Sparkassen lehnten ab, weil sie „noch kein geeignetes Verfahren zur Berechnung eines imaginären Angebots im Einsatz haben“ (Bank für Kirche und Caritas), weil es „das Folgeprodukt für die Rentenphase noch nicht gibt“ (Ethik-Bank) oder weil sie die Auszahlphase schlicht noch nicht kalkulieren können. Fünf Institute weisen in ihren Musterrechnungen für Kunden zwar eine mögliche Rentenhöhe aus. Wie die kalkuliert wurde, konnten oder wollten sie ÖKOTEST aber nicht verraten. Unterm Strich haben wir daher lediglich von 22 Instituten eine Modellrechnung erhalten.

Die ist zwar immer mit dem ausdrücklichen Hinweis versehen, dass es sich dabei lediglich um „Näherungswerte“ handele, die völlig unverbindlich sind und sich jederzeit ändern können. Doch der Blick auf die Konditionen für die Auszahlphase ist ein Schock – nicht nur für ÖKO-TEST. Bei fast allen Banken gehen im Schnitt gleich zu Rentenbeginn stolze 30 Prozent vom angesparten Kapital als Beitrag für die Rest rente ab 85 weg. Entsprechend mager sind die Auszahlraten vom Banksparplan.

Sogar bei Anbietern, die in der Ansparphase zu den Spitzenreitern im Test zählen, müssen sich die Kunden im Rentenalter in Bescheiden- heit üben. Unser heute 42-jähriger Musterkunde könnte bei der Stadtsparkasse Mönchengladbach auf Basis der aktuellen Zinskonditionen bis 67 zwar ein kleines Vermögen von 70.743,68 Euro ansparen. Doch davon gehen 19.133 Euro für die Rente ab 85 drauf. Würden die Versicherer ihre Policen nicht mit üppigen Sicherheitspuffern kalkulieren, wäre sie schon für knapp die Hälfte zu haben. Nach ÖKOTEST- Berechnungen könnte die Stadtsparkasse unserem Musterkunden daher unterm Strich eine fast 20 Prozent höhere Rente zahlen: 346 statt derzeit kalkulierter 291 Euro pro Monat.


Je geringer das Risiko, desto größer der Gewinn für die Versicherer


Auch Axel Drückler von der Neuen Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern war entsetzt, als ihn Verbraucher vor wenigen Wochen erstmals mit solchen Angeboten konfrontierten und wissen wollten, ob sich ein solcher Vertrag denn lohne. „Wer weiß denn schon, ob er überhaupt 85 Jahre alt wird“, meint der Fachberater irritiert. Vertraut man dem Statistischen Bundesamt, wird unser 42-jähriger Musterkunde gerade mal 82 Jahre alt. Eine gleichaltrige Frau könnte vielleicht 87,6 Jahre alt werden. Von der teuren Restrente ab 85 hätte der Mann daher nichts und die Frau nicht viel.

Das Geschäft machen dagegen die Versicherer. Dass die Restrente ab 85 für die Vorsorgesparer so teuer wird, hatte allerdings auch der Gesetzgeber seinerzeit wohl nicht bedacht. Walter Riester, der seinerzeit als Arbeitsminister die Riester-Rente erfand, erinnert sich: Ursprünglich seien zehn bis 15 Prozent des Sparkapitals für die Rente ab 85 vorgesehen gewesen. So steht es auch in den ersten Gesetzentwürfen aus den Jahren 2000 und 2001. Doch offenbar machte die Branche schon damals Druck. Denn im Gesetz ist davon nichts mehr zu lesen.

Der Grund für die unverschämt hohen Kosten: Nach Kalkulation der Versicherer werden die Rentner steinalt. Unser 42-jähriger Musterkunde kann nach der Sterbetafel der Versicherer für Riester-Tarife heute damit rechnen, im Schnitt 95 Jahre alt zu werden. Überlebt er bis Rentenbeginn und wird 67, ist er nach der Logik der Versicherer so gesund, dass ihm jetzt sogar noch anderthalb Jahre mehr Lebenserwartung eingeräumt werden. Die Branche unterstellt jetzt, dass der Kunde 96,6 Jahre alt wird. Überlebt er gar bis 85, legen die Versicherer noch ein Schippchen drauf. Jetzt rechnen sie damit, dass der Kunde sogar 99 wird. Entsprechend üppig fällt der Einmalbeitrag für die Rente ab 85 aus. Denn die Versicherer müssen der Bank ja garantieren, dass der fest zugesagte Monatsbetrag dauerhaft gezahlt wird. Das Geld muss in unserem Musterfall also aus Sicht der Versicherer reichen, bis der Kunde 99 ist.

Benannt wurde die staatliche Förderrente nach ihrem Erfinder, dem ehemaligen Sozialminister Walter Riester. Doch anders als seinerzeit geplant, kassieren die Versicherer jetzt doppelt so viel für die Restrente ab 85 wie ursprünglich vorgesehen.


Foto: picture alliance/Sven Simon

Mit der Lebenswirklichkeit hat diese Risikokalkulation wenig zu tun. Das wissen sogar die Versicherer. Bei ihren Risikosterbetafeln für Lebensversicherungen gehen sie zum Beispiel davon aus, dass allenfalls 25 Prozent aller 67-jährigen Männer überhaupt 85 Jahre alt werden. Handelt es sich um Raucher, schaffen es sogar nur sechs Prozent. Bei Rentenpolicen kalkulieren sie jedoch genau umgekehrt – und Gesundheitsrisiken werden gar nicht erst beachtet. Aus gutem Grund: Werden die Riester-Sparer nicht so alt wie unterstellt, können die Versicherer immerhin 25 Prozent des nicht verbrauchten Kapitals für sich behalten. Bei mittlerweile 14,59 Millionen Riester-Verträgen verspricht das ein Bombengeschäft. In unserem Musterfall mit der Stadtsparkasse Mönchengladbach fallen zum Beispiel fast 8.700 Euro an Risikogewinnen an, wenn der Sparer nicht so alt wird wie unterstellt. 25 Prozent davon darf der Versicherer einbehalten, macht immerhin stolze 2.175 Euro. Würden alle 3,5 Millionen Bank- und Fondssparplanbesitzer exakt so einen Vertrag besitzen, wären das 7,6 Mrd. Euro möglicher Risikogewinne, die an die Versicherer fallen. Die Zahl ist sicherlich zu hoch gegriffen, weil unter den Riester-Sparern auch viele Geringverdiener und Sparer mit kürzeren Laufzeiten sind. Dennoch zeigt die Hochrechnung: Die Restrente mit 85 ist für die Versicherer ein blendendes Geschäft, an dem sich dank übervorsichtiger Kalkulation des Langlebigkeitsrisikos ohne eigenes Risiko glänzend verdienen lässt.
Barbara Sternberger-Frey

Anmerkungen: Das prognostizierte Kapital zu Rentenbeginn wurde fiktiv angesetzt und muss nicht unbegingt jenem Kapital entsprechen, das auf Basis der aktuellen Verzinsung zu Rentenbeginn auf dem Konto steht. 1) Auszahlplan mit variablem Zins, Garantierente aus unverzinstem Kapitalverzehr, Zinsen werden zusätzlich ausgeschüttet. 2) Auszahlplan mit konstantem Zins, Einmalbeitrag für Restrente zu niedrig, weil Anbieter mit heute 67-jährigem kalkuliert. 3) Auszahlplan mit variablem Zins, Garantierente etwas hoch angesetzt.