Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

TEST Riester-Bausparverträge Durchblick unerwünscht


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 29.08.2014

Verkauft werden Riester-Bausparverträge zwar gerne, doch das Gros der Bausparkassen scheut den konkreten Preis-Leistungs-Vergleich.


Artikelbild für den Artikel "TEST Riester-Bausparverträge Durchblick unerwünscht" aus der Ausgabe 9/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Edyta Wierciak/Hemera/©Thinkstock

Während die Absatzzahlen für die klassische Riester-Rente stagnieren oder sogar rückläufig sind, wächst die Zahl der Wohn-Riestel-uerträge rasant. 43.000 Neuverträge haben Bundesbürger allein im ersten Quartal 2014 abgeschlossen, nach einem Plus von stolzen 21 Prozent oder 201.000 Neuverträgen in 2013 und üppigen 31,6 Prozent Wachstum schon in 2012. Damit ist die Eigenheimrente derzeit der dynamischste Teilmarkt der Riester-Rente, ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2014 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 9/2014 von Nachwirkungen: REAKTIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: REAKTIONEN
Titelbild der Ausgabe 9/2014 von Neue ProdukteL Tops&Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue ProdukteL Tops&Flops
Titelbild der Ausgabe 9/2014 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 9/2014 von TEST Nüsse und Ölsaaten Knackig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Nüsse und Ölsaaten Knackig
Titelbild der Ausgabe 9/2014 von Es geht um mehr als nur um „Flocken“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Es geht um mehr als nur um „Flocken“
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Meldungen
aus dieser Ausgabe

... stellt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in einer aktuellen Studie zum „Wohneigentum in der Riestel-uörderung“ fest. Das Interesse an der Riester-Geldrente hat dagegen nachgelassen. In 2013 ging die Zahl der Verträge bereits um 58.000 Stück zurück. Weitere 26.000 Verträge wurden im ersten Quartal 2014 gekündigt.

Das zeigt ganz klar: Favorit bei der Altersvorsorge ist das Eigenheim und nicht die Zusatzrente. In Zeiten steigender Mieten und niedriger Zinsen wächst nicht nur die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden. Auch das Bausparen, einst als spießig und so langweilig wie das Sammeln von Gartenzwergen verschrien, liegt wieder voll im Trend. „Vor allem für eine jüngere Einsteigerzielgruppe, die erst in fünf bis acht Jahren Eigentum bilden will, kann Bausparen eine Option sein, um das notwendige Eigenkapital aufzubauen, sagt Hartmut Schwarz, Baugeldexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Ein großes Plus dabei ist, dass der Staat diese Form der Kapitalbildung seit 2008 mit Zulagen und Steuervorteilen fördert. Daneben wächst die Zahl der Bauherren und Hausbesitzer, die sich mithilfe eines Wohn-Riester-Bausparvertrags die aktuell niedrigen Zinsen für den Hauskredit für die Zukunft sichern wollen. So kann zum Beispiel die Anschlussfinanzierung in fünf bis zehn Jahren auch dann noch kostengünstig geschultert werden, wenn die Baugeldzinsen bis dahin längst wieder höher liegen.


Für Sparer ein Flop, für Finanzierer topp – sofern die Zinsen für Baugeld steigen


Allerdings lauern auch bei Wohn-Riester-Verträgen einige Fallen. „Die Förderung ist mitunter kompliziert“, kritisiert Hartmut Schwarz. Auch die Produkte selbst sind im Vergleich zu anderen Formen des Sparens und Finanzierens kompliziert. Verbraucherschützer fürchten daher, dass viele der jetzt abgeschlossenen Wohn-Riester-Bausparverträge niemals Bestandteil einer Finanzierung werden, weil sie im konkreten Einzelfall gar nicht passen. Dann lässt sich der Vertrag zwar auch in eine Riestel-ueld rente umwandeln. Bleibt die Frage, ob sich das lohnt.

ÖKO-TEST wollte genau wissen, ob und unter welchen Bedingungen die Eigenheimrente lohnt und hat die Wohl-uiester-Angebote unter die Lupe genommen. Dabei wurden alle Anbieter um je drei Angebote für typische Konstellationen gebeten. In einem Fall will sich ein Ehepaar mit zwei Kindern die derzeit niedrigen Baugeldzinsen für die Anschlussfinanzierung ihres Eigenheims in sieben Jahren sichern – und dabei die staatliche Förderung mitnehmen. Das Paar verfügt über ein ausreichend hohes Einkommen, um neben der laufenden Hausfinanzierung noch ein wenig zu sparen. Im anderen Fall will ein junges Ehepaar mit zwei Kindern erst einmal das Eigenkapital für das in zehn Jahren geplante Eigenheim ansparen. Und im dritten Fall möchte ein 25-Jähriger mit dem Aufbau der staatlich geförderten Altersvorsorge beginnen. Da auch er mit einer Immobilie als Altersvorsorge liebäugelt, will er wissen, ob sich ein Wohn-Riester-Vertrag mehr lohnt als eine Riester-Geldrente. Für alle drei Modellfälle sollten die Bausparkassen geeignete Wohn-Riester-Tarife auswählen und sie für den jeweiligen Musterfall maßschneidern. Anschließend wurden die Offerten der Bausparkassen einer individuellen Spar- und Finanzierungsvariante gegenübergestellt.

Das Testergebnis

Preis-Leistungs-Vergleich unerwünscht. ÖKO-TEST hatte alle 18 Bausparkassen aufgefordert, für drei Modellfälle den jeweils günstigsten Riester-Tarif und die optimale Bausparsumme anzugeben. Doch nur drei Kassen schickten sofort entsprechende An- gebote, weitere zwei reagierten, nachdem ÖKO-TEST eine Vorauswahl aus ihren Tarifen vorgenommen und diese berechnet hatte. Die restlichen 13 Kassen, darunter fast alle LBS-Bausparkassen mit Ausnahme der LBS Baden-Württemberg, die Aachener Bausparkasse, Deutsche Bank Bausparkasse, die Badenia Bausparkasse, BHW und die Deutsche Bausparkasse Badenia verweigerten die Testteilnahme.
Keine Ressourcen, zu großer Aufwand – so lautete die häufigste Begründung für die Ablehnung der Testteilnahme. Dabei hatte ÖKO-TEST lediglich drei typische Fälle aufgegriffen, mit denen Kunden in die Beratung kommen. Doch wenn Berechnungen für solche Fälle schon für die Fachabteilungen in der Bausparkasse zu zeitaufwendig sind, wie gut werden Interessenten dann wohl in der Praxis vor Ort beraten? ÖKOTEST erkundigte sich nach den Erfahrungen der Verbraucherzentralen. Die sind – mangels systematischer Stichprobe – zwar nicht repräsentativ, zeigen aber, dass und wo es bisweilen hakt. „Viele Sparer haben ihr Geld in für sie gar nicht geeigneten Verträgen angelegt“, sagt zum Beispiel Hartmut Schwarz. Daran sei die Beratung der Bausparkassen nicht ganz unschuldig. Denn häufig werden die Kunden zu höheren Bausparsummen gedrängt, als vernünftig ist. Auch den Kollegen von der VZ-NRW fiel auf, dass die angebotenen Bausparsummen oft viel zu hoch sind. „Dann lässt sich das notwendige Mindestguthaben für die Zuteilung gar nicht in der gewünschten Zeit erreichen“, rechnet Thomas Hentschel vor. Ein Grund für den großzügigen Vertragszuschnitt: Die Vermittler verdienen umso mehr, je höher die Abschlusssumme ist.
Nicht maßgeschneidert. Bei Ehepaaren muss jeder einen eigenen Vertrag abschließen, um die staatliche Förderung optimal auszunutzen. Doch die Verträge werden selten maßgeschneidert. Auch wenn der Mann deutlich mehr verdient als die Frau, bekommen beide oft einen gleich großen Vertrag. Dann muss die Frau bisweilen mehr einzahlen als zum Erhalt der Förderung notwendig ist, manchmal sogar mehr als der Staat überhaupt an Sparleistung fördert. „Angepasste Verträge, die eine förderoptimale Besparung zulassen, sind eine große Ausnahme“, hat Hentschel beobachtet. Damit sich der Vertrag rechnet, müssen zudem die Spar- wie die Tilgungsleistungen auf die Förderrahmenbedingungen und die individuellen Wünsche der Bausparer zugeschnitten werden. Unser Verdacht: Das klappt nicht nur in der Beratungspraxis selten, auch die Software einiger Kassen scheint überfordert. Zumindest entdeckte ÖKO-TEST in den vorgelegten Musterberechnungen bisweilen peinliche Pannen: So waren die Zulagen in der Tilgungsphase teilweise nicht korrekt ermittelt worden. Dadurch stimmte die Tilgungsdauer nicht. Kein Wunder daher, dass sich Bausparkassen nicht gerne in die Karten schauen lassen.
Vorteil nur bei Finanzierung. Dabei ist die richtige Tarifauswahl zusammen mit einem optimalen Zuschnitt von Bausparsumme, Spar- und Tilgungsbeitrag das A und O bei Auswahl eines Wohl-uiester-Vertrags. Zudem gilt: Nur wer sicher weiß, dass er das Bauspardarlehen zum Ende der geplanten Sparfrist in Anspruch nehmen kann und wird, und bis dahin mit steigenden Baugeldzinsen rechnet, macht mit Riestel-uausparverträgen ein gutes Geschäft. Der Grund ist simpel: Die Konditionen für das spätere Darlehen stehen beim Bausparvertrag heute schon fest. Im Schnitt können sich Sparer hier Zinsen von 1,5 bis 4,5 Prozent für viele Jahre im Voraus sichern. Ob sich das lohnt, hängt allerdings auch von der Zinsentwicklung ab. Bleiben die Zinsen für Baugeld so niedrig wie heute, ist das Bauspardarlehen wenig wert. Dann könnten Sparer, die ihr Eigenkapital auf andere Weise ansparen, ihr Häuschen mit einem ganz normalen Bankkredit womöglich günstiger finanzieren als mit dem Bausparvertrag.
Als Sparvertrag ein Flop. Als reiner Sparvertrag sind die meisten Wohn-Riestel-uausparverträge ohnehin ein Flop. Denn mit dem richtigen Tarif sichern sich Sparer zwar eine günstige Finanzierung für ihr Eigenheim. Doch dafür müssen sie vorher zwischen 30 bis 40 Prozent der vereinbarten Bausparsumme ansparen – und zwar zum Preis ausgesprochen niedriger Zinsen. Die meisten Neutarife aus dem Jahr 2014 bieten nur noch Habenzinsen zwischen 0,10 bis0,25 Prozent. Vereinzelt stehen den Kunden zwar noch ältere Tarife mit Habenzinsen bis zu 2 Prozent offen. Das klingt nach einem guten Geschäft. Doch abgesehen von der Frage, wie lange Tarife mit solchen Konditionen bei anhaltender Niedrigzinsphase noch erhältlich sind – der Blick allein auf die Zinsen führt schnell in die Irre. Ob ein Wohn-Riester-Bausparvertrag wirklich lohnt, hängt auch von den Gebühren, wie Abschluss- , Darlehens- und Kontoführungsgebühren sowie der Höhe des Darlehens, den Zuteilungsvoraussetzungen, und der Höhe des Tilgungsbeitrags ab. Darüber hinaus muss die Bausparsumme auf die Ziele und die finanziellen Möglichkeiten des Sparers zugeschnitten sein.

Wohn-Riester-Bausparverträge müssen auf die individuellen Ziele und finanziellen Möglichkeiten der Sparer maßgeschneidert werden, sonst lohnt der Abschluss höchst selten.


Foto: imago/McPHOTO

Viele Faktoren entscheiden. Wie kompliziert die Tarifauswahl und Gestaltung in der Praxis sind, veranschaulichen vor allem die Offerten der Bausparkasse Mainz. Die zahlt Wohl-uiester-Bausparern noch zwei Prozent Habenzinsen. Damit eignet sich der WohnriesterPlul-uarif anders als alle Konkurrenzangebote ausnahmsweise auch als Sparvertrag. Darüber hinaus können die Kunden ein Darlehen bekommen, das bis zum Doppelten der Bausparsumme und mehr ausmacht. Das spart Gebühren. Trotzdem ist der Tarif nur im Musterfall 1 und 3 wirklich spitze. Denn nur in diesen beiden Fällen reichen die monatliche Sparleistung und die Spardauer aus, um den Kunden das Bauspardarlehen zu Minizinsen von 1,5 Prozent zu sichern. Im Musterfall 2 gibt es das Darlehen dagegen nur zum Standardsatz von 4,5 Prozent, weil die verschiedenen Faktoren zur Vertragsgestaltung nicht ausreichend optimiert wurden. Prompt landet der gleiche Tarif in diesem Fall nur auf dem letzten Platz im Vergleich.
Das beste Angebot in allen drei Modellfällen zugleich stammt dagegen von Schwäbisch Hall. Die zahlt zwar nur magere 0,25 Prozent Habenzinsen. Als reiner Spartarif ist die FuchsWohnRente 02 daher uninteressant. Aber das Bauspardarlehen können sich die Kunden zu 2,5 Prozent Sollzins sichern. Und wer sich eine etwas höhere Tilgung leisten kann, bekommt sogar einen Kredit, der bis zu 25 Prozent über der Bausparsumme liegt. Diese Vertragsgestaltung zahlt sich für Finanzierer aus. Denn wenn die Zinsen für Baugeld von der Bank in sieben Jahren über 3,6 Prozent, in zehn Jahren über rund 4,3 Prozent steigen und in 15 Jahren über 3,75 Prozent liegen, machen sie ein gutes Geschäft. Dann sparen sie kräftig Sollzinsen, die sie sonst für einen Bankkredit zahlen müssten.
Der Grenzzinssatz entscheidet. Ob und wann die Rechnung für Finanzierer aufgeht, entscheidet sich aber immer nur im Vergleich zu den Finanzierungsalternativen. Aus diesem Grund hat ÖKO-TEST für jede Offerte den Grenzzins berechnet. Das ist die Schwelle, die Baugeldzinsen von der Bank nach Ablauf der Ansparphase überschreiten müssen, damit sich der Bausparvertrag lohnt. Je niedriger der Grenzzinssatz ist, desto eher lohnt sich der Vertrag. Ehepaare müssen zwar jeweils einen eigenen Vertrag abschließen, um die volle staatliche Förderung zu erhalten. Das muss aber nicht unbedingt ein Wohn-Riester-Vertrag sein. Bei großen Unterschieden in den Grenzzinssätzen kann es sich daher lohnen, wenn der Partner mit dem schlechteren Vertrag alternativ einen Riestel-uanksparplan abschließt und später ggf. ein Riester-Bankdarlehen aufnimmt.

Anmerkungen: 1) Angaben mit Unsicherheit behaftet, weil Anbieter Testteilnahme aus Kapazitätsgründen ablehnt und auch auf die Anbietervorinformation nicht geantwortet hat. 2) Angaben mit Unsicherheit behaftet, weil Anbieter Testteilnahme aus Kapazitätsgründen ablehnt und auch nur eine rudimentäre Datenprüfung vornehmen konnte. 3) Verzicht auf Risiko-LV nur auf ausdrücklichen Wunsch des Sparers bzw. sofern ausreichender Risikoschutz vorliegt. Angaben mit Unsicherheit behaftet, weil Anbieter Testteilnahme aus Kapazitätsgründen ablehnt und auch auf die Anbietervorinformation nicht geantwortet hat. 4) letzte Kinderzulage fl ießt auf den Vertrag der Ehefrau. 5) Beispielhafter Wohn-Riester-Tarif. Die Bausparkasse bietet daneben weitere Wohn-Riester-Tarife an. 6) Erhöhung der Bausparsumme am 31.12.2028 von 32.000 Euro um 45.000 Euro auf 77.000 Euro.
Legende: Angebote sortiert nach dem Grenzzinssatz, der sich im Musterfall für das Ehepaar entsprechend ihren Anteilen an der Gesamtfi nanzierung ergeben würde. Die ausgewiesenen Grenzzinssätze in der Tabelle beziehen sich dagegen nur auf den jeweiligen Einzelvertrag. Je niedriger der Grenzzinssatz liegt, desto eher lohnt der Abschluss des Wohn-Riester-Bausparvertrags.
Stand: August 2014
DieTestmethoden fi nden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1409“ eingeben.

ÖKO-TEST rät

• Wohn-Riester-Bausparverträge lohnen nur, wenn Sie das Geld tatsächlich für die Finanzierung des Eigenheims einsetzen wollen. Ansonsten sollten Sie auf den Abschluss verzichten.
• Günstig sind nur individuell maßgeschneiderte Angebote. Geben Sie daher den Termin vor, an dem Sie das Geld für die Finanzierung brauchen. Bis dahin muss der Vertrag zuteilungsreif sein. Die optimale Sparrate ergibt sich aus den Riester-Förderregeln.
• Ob der Vertrag topp oder flopp ist, hängt von den Alternativen ab. Lassen Sie sich daher von der Bausparkasse den Grenzzinssatz für ein Bankdarlehen ausrechnen. Wenn Sie mit einem Zinsanstieg in dieser Höhe rechnen, lohnt der Abschluss.

Kompakt

So funktionieren Wohn-Riester-Angebote I

Wer ist berechtigt? Seit 2008 dürfen Sparer auch einen Riester-Vertrag abschließen, um damit später einmal ein Eigenheim zu finanzieren. Wenn sie bauen oder kaufen, dürfen sie ihr angespartes Guthaben als Eigenkapital für die Immobilienfinanzierung nutzen. Das gilt nicht nur für Guthaben auf einem Wohn-Riestel-uausparvertrag, sondern für alle Riester-Verträge, also beispielsweise auch für Bank- und Fondssparpläne. Seit 2014 kann das Kapital hier auch sofort in voller Höhe entnommen werden, um noch bestehende Schulden abzubauen – beispielsweise im Rahmen einer Anschlussfinanzierung. Auch eine Entnahme zur Finanzierung eines alters- und behinderungsgerechten Umbaus einer bestehenden Immobilie ist zulässig. In diesem Fall gelten aber Mindestbeträge. Erfolgt der Umbau drei Jahre nach Anschaffung der Immobilie müssen mindestens 6.000 Euro aus dem Vertrag entnommen werden. Bei Umbau zu einem späteren Termin müssen mindestens 20.000 Euro entnommen werden und dieser Betrag muss mindestens zu 50 Prozent für barrierenreduzierende Maßnahmen eingesetzt werden.

Was wird gefördert? Gefördert werden nicht nur die Sparleistungen zum Aufbau von Eigenkapital, das später beim Bau oder altersgerechten Umbau sowie beim Kauf oder zur Entschuldung der Immobilie eingesetzt wird. Eigenbeitrag und Förderung können auch direkt als Tilgung bei der Immobilienfinanzierung eingesetzt werden. Voraussetzung ist lediglich, dass der jährliche Mindesteigenbeitrag plus die Zulagen in ein entsprechend zertifiziertes Riester-Darlehen oder auf einen zertifizierten Bausparvertrag fließen. Das geförderte Darlehen muss aber bis Rentenbeginn, spätestens bis zur Vollendung des 68. Lebensjahres komplett getilgt sein.

Wer darf die Immobilie nutzen? Weitere Bedingung für die Eigenheimrente ist, dass der Riester-Geförderte seine eigenen vier Wände auch bzw. gerade im Rentenalter selbst bewohnt. Wird die Immobilie vor Rentenbeginn wieder verkauft, muss das auf dem Wohnförderkonto verbuchte Kapital nachversteuert werden. Einzige Ausnahme: Der Verkaufserlös wird in eine neue selbst genutzte Wohnung investiert. Oder der Riester-Geförderte zahlt den Restbetrag von seinem Wohnförderkonto auf einen anderen Riester-Vertrag ein. Wird die Wohnung infolge eines beruflichen Umzugs des Riestel-uparers nur zeitweise nicht mehr selbst genutzt, kann sie – entgeltlich oder unentgeltlich – vermietet werden, ohne dass der Wohn-Riester-Vertrag förderschädlich beendet wird. Voraussetzung ist jedoch, dass die Überlassung der Wohnung von vornherein zeitlich befristet wird, der Riester-Sparer die spätere Wiederaufnahme der Selbstnutzung beabsichtigt und er auch spätestens mit 67 wieder dort einzieht. Ansonsten gelten bei Vermietung die gleichen Regeln wie beim Verkauf: Das gilt als förderschädlicher Abbruch des Vertrags.

Kompakt

So funktionieren Wohn-Riester-Angebote II

Was verlangt der Fiskus? Der Entnahmebetrag, der als Eigenkapital zur Anschaff ung der Immobilie oder zur Darlehenstilgung dient, wird ebenso wie die jährlichen geförderten Tilgungsleistungen und die erhaltenen Zulagen auf einem Wohnförderkonto verbucht und mit zwei Prozent jährlich „verzinst“, letztmalig zu Rentenbeginn. Ab dann muss das so ermittelte Förderkapital als „Eigenheim-Rente“ versteuert werden. Spätester Termin für den Beginn der Steuerpfl icht ist die Vollendung des 68. Lebensjahres. Der Fiskus verlangt seinen Tribut allerdings nicht auf einen Schlag. Der Riestel-uauherr kann vielmehr jederzeit wählen, ob er die Steuern auf das Wohnförderkapital auf einen Schlag entrichten will. Dann wird ihm ein Rabatt von 30 Prozent des Betrags gewährt, der noch auf dem Wohnförderkonto steht. De facto muss er also maximal 70 Prozent des Förderkapitals mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Alternativ kann er sich auch für jährliche Besteuerung entscheiden. Dann wird der Betrag auf dem Wohnförderkonto durch die Jahre bis zum 85. Lebensjahr geteilt. Der so ermittelte Jahresbetrag wird als fi ktive „Eigenheim-Rente“ mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Und Jahr für Jahr reduziert sich das Wohnförderkonto um den bereits versteuerten Betrag. Die Steuerregeln gelten allerdings nur, solange der Riestel-uparer das mit Förderung fi nanzierte Eigenheim auch weiterhin bewohnt. Wird das Haus verkauft, muss nachversteuert werden. Das bedeutet: Ein etwaiger Rabatt bei Einmaltilgung muss nachversteuert werden. Bei laufender Besteuerung muss der Restbetrag auf dem Wohnförderkonto sofort in voller Höhe versteuert werden. Die Nachversteuerung lässt sich vermeiden, wenn der Verkaufserlös zur Anschaffung einer neuen selbst genutzten Immobilie eingesetzt wird. Dann wird die Eigenheim-Rente in unveränderter Form fortgeführt. Oder wenn der Restbetrag vom Wohnförderkonto in einen Riester-Rentenvertrag eingezahlt wird. Dann muss die daraus resultierende Rente versteuert werden. Falls der Riester-Sparer verstirbt und seine Ehefrau in der selbst genutzten Immobilie wohnen bleibt, führt sie das Wohnförderkonto unverändert fort.

Mehr zum Thema

Die Vertragsbedingungen für die Riester-Bausparverträge fi nden sie kostenlos unter www.oekotest.de → Suchen → „M1409“ eingeben.