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TEST Riester-Renten: Reinfall statt Rendite


ÖKO-TEST Ratgeber Sonderheft Rente, Geld, Versicherungen - epaper ⋅ Ausgabe 11/2010 vom 10.06.2010

Die Riester-Rente vom Versicherer ist nach wie vor die beliebteste Form der Altersvorsorge. Beim Klassiktarif ist Sparern jedoch nur eine Minirendite sicher. Die Anbieter locken daher mit höheren Ertragschancen bei Fondspolicen. Gleichzeitig verlagern sie aber das Anlagerisiko bisweilen heimlich, still und leise auf die Kunden.


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Foto: MEV

Allein auf die gesetzliche Rente kann sich im Alter niemand mehr verlassen. Denn deren Leistung sinkt. Private Zusatzvorsorge ist daher unerlässlich. Um die Rentenlücke zu schließen, setzen immer mehr Bundesbürger auf die Riester- Rente. Über 13,8 Millionen Verträge hat ...

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Allein auf die gesetzliche Rente kann sich im Alter niemand mehr verlassen. Denn deren Leistung sinkt. Private Zusatzvorsorge ist daher unerlässlich. Um die Rentenlücke zu schließen, setzen immer mehr Bundesbürger auf die Riester- Rente. Über 13,8 Millionen Verträge hat das Bundesarbeitsministerium Ende Juni 2010 gezählt – und feiert deshalb die Riester-Rente als Erfolgsprojekt. Denn die Förderung mit Zulagen und Steuervorteilen kommt in der Bevölkerung offenbar gut an. Allerdings müssen Sparer selbst entscheiden, welches Riester-Produkt zu ihren Vorsorgewünschen passt. Zur Auswahl stehen geförderte Bank- und Fondssparpläne sowie Riester- Rentenversicherungen und für die Eigenheimliebhaber neuerdings sogar Wohn- Riester-Bausparverträge und -Darlehen. Letztere sind zwar stark im Kommen. Doch nach wie vor gilt die Riester-Rente vom Versicherer als beliebteste Form der staatlich geförderten Altersvorsorge. Rund 73 Prozent aller Riester-Sparer haben sich bislang für sie entschieden.

ÖKO-TEST hat insgesamt 17 klassische und 18 fondsgebundene Riester- Rentenversicherungen von insgesamt 22 Versicherern unter die Lupe genommen und dabei die Ergebnisse für jeweils acht verschiedene, insgesamt also 280 Modellfälle geprüft. Hier im Heft finden Sie alle Ergebnisse für den Modellfall Sparer, 25 Jahre alt, Single, keine Kinder, Jahresbruttoeinkommen 30.000 Euro und den Modellfall Sparer, 50 Jahre alt, keine Kinder, Jahresbruttoeinkommen 52.500 Euro. Die restlichen sechs Modellfälle finden Sie unter www.oekotest.de. Sie kosten 2 Euro. Als Käufer dieses ÖKO-TEST Ratgebers können Sie die Ergebnisse mit Ihrem Online-Gutschein aber kostenlos abrufen

Online-Gutschein auf Seite 115

Das Testergebnis

▀ Grundsätzlich gilt: Die Sicherheit einer lebenslangen Rentenzahlung hat bei Riester-Policen einen hohen Preis. Zwar sagen die Versicherer bei Klassiktarifen mindestens 2,25 Prozent Verzinsung zu. Doch ein Großteil davon wird in der Praxis durch die Vertragskosten aufgezehrt. Im Durchschnitt ist Riester-Sparern bei den Klassiktarifen daher nur eine ganz magere Verzinsung aller Einzahlungen sicher. Die Rentenrendite pro Jahr (garantiert) beträgt im Schnitt gerade mal 0,13 bis 1,32 Prozent. Mit dieser Minirendite müssen sich Riester- Sparer begnügen, falls die Anbieter infolge magerer Kapitalmarkt erträge später wirklich nur die garantierte Rente zahlen können.

▀ Einen Testsieger gibt es angesichts dieser bescheidenen Garantieleistung bei den Klassiktarifen nicht. In jedem Modellfall und jeder Tarifgruppe gibt es aber zumindest einen bis drei Anbieter, die es auf einen Platz 2 schaffen und daher zu den besten Anbietern bei den Riester-Renten zählen.

▀ Genauso sieht es bei den fondsgebundenen Riester- Renten aus, wobei die Topanbieter ihre gute Leistung in der Praxis zudem nur erreichen, wenn die Fonds, in die sie investierten, die unterstellte Performance von sechs Prozent im Jahr wirklich dauerhaft erreichen. Der Grund ist simpel: Das ÖKO-TEST-Ranking prämiert die kostengünstigsten Anbieter, die Anlegern eine reelle Chance auf eine hohe Partizipation an den möglichen Fondserträgen lassen. Die Qualität der Fonds selbst wird nicht untersucht.

▀ Betrachtet man ausschließlich die garantierten Renten, sieht es bei den fondsgebundenen Tarifen dagegen düster aus. Denn als Preis für die Aussicht auf hohe Fondserträge müssen Vorsorgesparer sich hier mit einer minimalen Garantieleistung begnügen. Im besten Fall ist ihnen daher eine mickrige Verzinsung von 0,11 bis 0,23 Prozent sicher. Schlimmstenfalls sichert die lebenslange Garantierente nicht einmal die Rückzahlung aller Beiträge und Zulagen. Stattdessen drohen Verluste durch eine Minusrendite von 0,35 bis minus 0,58 Prozent. Die meisten Riester-Fondspolicen liegen bei der garantierten Rentenleistung deshalb auf Platz 6.

▀ Wer davon ausgeht, lediglich 80 Jahre alt zu werden, kommt bei den Fondspolicen schnell ins Grübeln: Sofern er infolge schlechter Kapitalmarktentwicklung bis dahin nur die garantierte Rente erhält, sind jährliche Verluste von minus 2,04 bis 4,23 Prozent vorprogrammiert. Auch bei Klassikpolicen ist Riester-Sparern der Kapitalerhalt aber nicht immer sicher, wenn sie nur 80 werden. Die Verluste sind mit minus 0,31 Prozent bis minus 2,66 Prozent nur etwas geringer.

▀ Nun schließen die meisten Sparer die Riester-Rente nicht allein wegen der garantierten Leistung ab. Doch selbst wer davon ausgeht, dass die Versicherer neben dem Garantiezins die versprochenen Überschüsse tatsächlich erwirtschaften, kann keine üppige Verzinsung seines Vertrags erwarten. Im Schnitt liegt die jährliche Rendite (prognostiziert) von Klassiktarifen bei Werten zwischen 2,17 und 4,05 Prozent. Dabei gilt: Je äl- ter der Riester-Sparer bereits bei Vertragsabschluss ist, desto niedriger ist tendenziell seine Rentenrendite.

Selbst mit 80 Jahren haben Fondssparer unter Umständen nicht einmal ihre Beiträge zurück

▀ Während dem 25-jährigen Riester-Sparer im Modellfall 1 immerhin zwischen 0,77 und 1,20 Prozent Rendite pro Jahr zugesichert und von 3,27 bis 4,21 Prozent Rendite in Aussicht gestellt werden, kommen ältere Sparer bestenfalls auf die Hälfte der garantierten Werte. Das liegt einerseits an den Vertragskosten, die bei älteren Sparern oft überproportional steigen. Andererseits profitieren ältere Sparer weniger von etwaigen Risikogewinnen, die in der Rentenphase entstehen. Der Grund: Weil die meisten Riester-Sparer noch dabei sind, ihre Rente anzusparen, gibt es noch keine nennenswerten Sterblichkeitsgewinne. Die älteren Sparer haben deshalb besonders darunter zu leiden, dass die Versicherer mit überlangen Sterbetafeln kalkulieren.

▀ Sie müssen sich daher ganz genau überlegen, ob sich eine Riester-Rente für sie überhaupt lohnt und wer im Zweifel der beste Anbieter ist. Denn sie erzielen nicht nur eine besonders magere Rendite. Hinter den Durchschnittswerten verbergen sich auch gewaltige Unterschiede. Während der beste Anbieter im Modellfall 6, die Hanse-Merkur 24, einem 50- jährigen Sparer zum Beispiel immerhin noch 0,48 Prozent Rentenrendite garantiert, wäre dem 50-Jährigen bei der Mecklenburgischen Versicherung oder der Alten Leipziger nur eine negative Verzinsung von 0,12 Prozent pro Jahr sicher. Auch bei der VGH, dem Volkswohlbund und der Neuen Leben kann der 50-Jährige nicht einmal davon ausgehen, bis zu seinem Ableben alle Einzahlungen und Zulagen zurückzuerhalten – von einer Verzinsung ganz zu schweigen. Das gilt zumindest, wenn diese Versicherer nur die garantierte Rente zahlen. Denn auf Basis allein der Garantierente sichern diese Anbieter älteren Kunden oft nicht einmal den reinen Kapitalerhalt und erst recht keine Verzinsung aller Einzahlungen zu.

Riester-Renten sind als Unisextarife kalkuliert. Dadurch lohnen sie sich für Frauen – eventuell

▀ Der Vertrieb versucht gern, über solche mageren Ergebnisse mit Hinweis auf den Fördereffekt hinwegzutäuschen. Und in der Tat: Stellt man den Rentenleistungen nur jene Beiträge gegen über, die der Vorsorgesparer aus eigener Tasche zahlt, sehen die Renditen – je nach Modellfall – deutlich besser aus. Allein die Grundzulage hebelt die Rendite im Schnitt um 0,32 bis 0,42 Prozentpunkte nach oben. Hat der Sparer obendrein Anspruch auf Kinderzulagen oder ist der Eigenbeitrag gering wie im Modellfall 3, kann durch die Zulagen sogar eine Steigerung der Rentenrendite um bis zu 4,30 Prozentpunkte erreicht werden. Das klingt nach einem prima Geschäft. Doch Vorsicht: Diese Renditesteigerung resultiert allein aus dem Fördereffekt – und zeigt nur, dass sich ein Riester-Vertrag im jeweiligen Modellfall wirklich lohnt, weil der Staat hohe Zulagen spendiert. Über die Qualität des jeweiligen Vertrags sagt das jedoch nichts aus. Denn den Fördereffekt kann der Sparer bei jedem Anbieter und bei jedem Produkt erzielen – egal ob der Vertrag kostengünstig und renditestark ist oder nicht.

▀ Riester-Renten sind als Unisextarife kalkuliert. Das bedeutet, Männer und Frauen erhalten für den gleichen Beitrag auch eine gleich hohe Rente. Das ist vom Staat so vorgeschrieben und klingt gut. Da Männer und Frauen in der Praxis jedoch eine unterschiedlich hohe Lebenserwartung haben, wird die Rente beiden Geschlechtern unterschiedlich lang gezahlt – und das hat Einfluss auf die Rendite. Frauen profitieren von den Unisextarifen. Im Schnitt erzielen sie eine um 0,54 Prozentpunkte höhere Rendite als Männer. 25-jährige Frauen kommen bei guten Anbietern unter den Klassiktarifen, wie der Hanse- Merkur 24 und der Postbank- Lebensversicherung zum Beispiel, auf rund 1,57 bzw. 1,49 Prozent Rentenrendite garantiert und 4,39 bis 4,35 Prozent prognostiziert. Das ist eine ordentliche Verzinsung.

▀ Wie stark der Unisexeffekt die Rentenrendite nach oben hebelt, hängt aber auch vom Alter der Frau bei Vertragsabschluss ab: Wäh rend 25-jährige Frauen (Modellfall 1) nur 0,54 Prozent Zinsvorteil erzielen, haben Frauen, die den Vertrag erst mit 50 abschließen, sogar einen Zinsvorteil von 0,76 Prozentpunkten gegenüber gleichaltrigen Männern. Das bedeutet: Für Frauen – und dabei vor allem für ältere Frauen – ist die Riester- Rente das bessere Geschäft – insbesondere im Vergleich zu anderen Vorsorgeangeboten, die nicht auf Basis einer Unisex-Sterbetafel kalkuliert sind. Die beiden Topanbieter bei den Klassiktarifen für Frauen, zu denen im Modellfall 6 aber streng genommen nur noch die Hanse Merkur 24 zählt, sichern Frauen im fortgeschrittenen Alter immerhin noch 1,08 bis 1,22 Prozent Rentenrendite pro Jahr zu und stellen bei den Renten mit Überschuss immerhin noch Renditen von 3,21 bis 3,38 Prozent in Aussicht. Zum Vergleich: Männer gleichen Alters müssen sich bei denselben Anbietern mit mageren 0,48 bzw 0,33 Prozent bei den garantierten Renten und 2,70 bzw. 2,52 Prozent bei den Gewinnrenten begnügen.

▀ Auch Männer haben allerdings eine Chance, die Rendite ihres Riester-Vertrags nach oben zu hebeln. Der Gesetzgeber erlaubt nämlich allen Riester-Sparern, sich zu Rentenbeginn 30 Prozent vom angesparten Kapital in einer Summe auszahlen zu lassen. Die lebenslange Altersrente wird dann nur noch aus den restlichen 70 Prozent des Kapitals finanziert. Das lohnt sich insbesondere für Männer – und gleicht den Nachteil der Unisextarife zumindest teilweise aus.

▀ Im Schnitt erzielen Männer durch die Teilentnahme eine Steigerung der Rentenrendite um 0,14 bis 0,28 Prozentpunkte. Dabei gilt: Die Teilentnahme bringt jüngeren Sparern etwas weniger als älteren. Allerdings hängt das auch vom Tarif und Anbieter ab: Bei der Cosmos Versicherung würde der 25-jährige Mann ohne Teilauszahlung zum Beispiel nur 3,91 Prozent Rendite prognostiziert erhalten. Mit Teilauszahlung klettert der Ertrag dagegen auf 4,11 Prozent. Das ist immerhin ein Plus von 0,20 Prozentpunkten pro Jahr. Beim 50-jährigen Mann bringt die Teilauszahlung im gleichen Tarif dagegen sogar 0,34 Prozentpunkte mehr Ertrag.

Männern bringt eine Kapitalentnahme zu Rentenbeginn bis zu 0,28 Prozent mehr Rendite

▀ Für Frauen lohnt sich die Teilauszahlung dagegen kaum: Sie erzielen dadurch nur ein Renditeplus von 0,07 bis 0,15 Prozentpunkten. Bei den Fondstarifen ist Frauen von der Teilentnahme sogar eher abzuraten. Vor allem jüngere Frauen würden einen Renditenachteil von 0,19 Prozentpunkten erleiden, wenn sie sich 30 Prozent vom angesparten Kapital zu Rentenbeginn auszahlen lassen.

▀ Das ändert allerdings nichts daran, dass fondsgebundene Riester-Renten grundsätzlich ein deutlich höheres Anlagerisiko ber- gen als Klassiktarife. Und dieses Risiko tragen ganz überwiegend allein die Vorsorgesparer. Bester Beweis: Die garantierte Rentenleistung ist im Vergleich zu den Klassiktarifen ausgesprochen mager. Ein 25-jähriger Sparer kann zum Beispiel beim Klassiktarif der Asstel- Versicherung immerhin 278 Euro garantierte Monatsrente erzielen. Das entspricht einer sicheren Rentenrendite von 1,02 Prozent. Beim fondsgebundenen Tarif der Asstel sind dagegen nur 182 Euro Monatsrente garantiert. Das entspricht einer Rentenrendite von minus 0,30 Prozent.

Bei schlechter Börsenentwicklung sind Riester-Fondspolicen ein Verlustgeschäft

▀ Sogar Frauen, die von der Riester-Rente eigentlich profitieren, sind bei den Fondstarifen im Schnitt nur mickrige von 0,11 bis 0,23 Prozent Rentenrendite sicher. Kurz: Mehr als den nackten Kapitalerhalt dürfen Vorsorgesparer im Crash nicht erwarten. Berücksichtigt man, dass in der Praxis auch die Inflation an den in 15 bis 40 Jahren gezahlten Renten nagt, ist die Realrendite auf die garantierte Leistung sogar durchweg negativ.

▀ Das gilt wiederum erst recht für Männer. Wenn sie eine fondsgebundene Riester- Rente wählen, setzen sie voll auf Risiko. Denn ihnen drohen bei dieser Riester-Variante sogar Verluste, sofern der Kapitalmarkt keine üppigen Fondserträge erlaubt. Das zeigt das Testergebnis: Die garantierte Rentenleistung ist so minimal, dass die sichere Rentenrendite für Männer im Schnitt mit minus 0,35 bis minus 0,58 Prozent pro Jahr im Negativbereich liegt – und zwar auch ohne Berücksichtigung der Inflation.

▀ In Einzelfällen wie bei der LV 1871 drohen einem 25- jährigen Sparer, der nur die Garantierente erhält, sogar Verluste von minus 0,81 Prozent pro Jahr. 50-jährige Riester- Sparer müssen bei diesen Anbietern gar jährliche Miese von 1,31 einkalkulieren. Der Grund für diese absolut unzureichende Leistung ist simpel: Die LV 1871 sichert dem Sparer nur 85 Prozent vom derzeit aktuellen Rentenfaktor zu.

▀ Zu diesem Trick greifen übrigens immer mehr Anbieter, um die Garantieleistungen ihrer fondsgebundenen Policen abzubauen und das Kapitalanlagerisiko mehr und mehr auf die Kunden abzuwälzen. Der Gesetzgeber lässt das durchaus zu. Laut Zertifizierungsgesetz sind die Anbieter bei Riester- Renten nur verpflichtet, die Summe aller Einzahlungen und Zulagen zu Rentenbeginn zu garantieren. Bei schlechter Wertentwicklung der Fonds droht den Riester- Sparern zu Rentenbeginn ein böses Erwachen. Anders als die Werbung und selbst der Gesetzestext suggerieren, ist der Kapitalerhalt in der Rentenphase keinesfalls garantiert. In einem Worst- Case-Szenario wird die Altersvorsorge bei dieser Vertragsvariante daher zum Verlustgeschäft.

Anmerkungen: 1) Bei diesem Tarif kann als Rentenbezugsform auch die flexible Rente (inkl. Zusatzrente) gewählt werden. 2) Rentenzahlungsbeginn ist jeweils der 1.2. jenes Kalenderjahres, in dem der Sparer sein 67. Lebensjahr erreicht hat. 3) 85 Prozent des Rentenfaktor fest für Garantiekapital und Überschüsse. 4) Berechnung der Modellfälle erfolgte abweichend mit einem Geburtsdatum 31.12. des Vorjahrs (damit fallen Versicherungs- und Rentenbeginn auf die gewünschten Termine). 5) Nach Wegfall der Kinderzulage keine Erhöhung des Eigenbeitrags möglich. In der Folge keine Berücksichtigung der Kinder, aber höherer Eigenbeitrag gegenüber Vorgabe in Höhe von: Modellfall 2 74,34 Euro, Modellfall 4a 87,17 Euro, Modellfall 4b 162,17 Euro. 6) Nur mit jährlicher Beitragszahlung möglich, Zulagen werden erst zwei Jahre später eingerechnet. 7) Nur mit jährlicher Beitragszahlung möglich. 8) Werte mit Unsicherheiten behaftet, da dieser Fall von Condor nicht berechnet werden kann. 9) Modellfall ohne Kinderzulagen, aber mit entsprechend höherem Eigenbeitrag berechnet, weil Anbietersoftware keine Erhöhung des Eigenbeitrags nach Wegfall der Kinderzulagen zulässt. 10) Gemanagter Fonds. 11) Sterblichkeit im Rentenfaktor mit 45 % Sicherheitsabschlag kalkuliert.
Legende: Anbieter geordnet nach Rang. Anbieter mit gleichem Rang sind nach der garantierten bzw der prognostizierten Rente geordnet. Zur Ermittlung des Ranges wurden sowohl bei den garantierten als auch bei den prognostizierten Leistungen die jeweiligen Rentenrenditen ermittelt. Das sind die effektiven durchschnittlichen Renditen, die Verträge über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg pro Jahr erzielen, sofern der Vertrag nicht storniert wird und dabei Renten in Höhe der ausgewiesenen garantierten Monatsrente bzw in Höhe der ausgewiesenen prognostizierten Monatsrente inklusive Überschuss erzielen. Basis war in beiden Fällen die Sterblichkeit, die der Sparer bzw die Sparerin je nach ihrem heutigen Lebensalter auf Basis der Generationensterbetafel 1871 bis 2004 des Statistischen Bundesamts haben (Ausprägung V2). Bei der Rentenrendite pro Jahr für die Rente inklusive Überschuss wurde zudem unterstellt, dass die vom Versicherer in Aussicht gestellte jährliche Rentensteigerung auf Basis der in der Anspar- und Rentenphase erwirtschafteten Überschüsse bis Vertragsende erreicht wird. Da Riester-Sparer zu Rentenbeginn die Wahl zwischen einer – zwar förderschädlichen, aber möglichen Kapitalabfindung, einer förderunschädlichen 30-prozentigen Kapitalentnahme mit Restverrentung und einer lebenslangen Rentenleistung haben, wurde die Destatis-Tafel aber zusätzlich um sogenannte „Selektionseffekte“ ergänzt. Das bedeutet: Genau wie die Versicherer ist ÖKO-TEST davon ausgegangen, dass nur jene Arbeitnehmer einen Riester-Vertrag abschließen, die sich gesund fühlen und dass sich nur jene zu Ruhestandbeginn für die Rentenleistung entscheiden, die sich dann weiterhin gesund fühlen und daher wahrscheinlich eine höhere Lebenserwartung haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Um diesen Effekt bei den Rentenrenditen angemessen berücksichtigen zu können, wurden die stärksten Selektionseffekte der DAV 2004 R Sterbetafel der Versicherungswirtschaft auf die Destatis-Generationentafel übertragen, und zwar von Vertragsbeginn bis Alter 75. Darüber hinaus wurden bei den Renditen auf die prognostizierte Rentenleistung jene Sterblichkeitseffekte einkalkuliert, die in allen Modellfällen anfallen, weil die Vorsorgesparer nach der ÖKO-TEST-Sterbetafel früher sterben als die Versicherer bei ihren Tarifen auf Basis der DAV 2004 R-Sterbetafel unterstellen. Dazu wurde ein hypothetisches Versicherungskollektiv nach Unisex-Sterbetafel gebildet, das einem mittelgroßen Versicherer entspricht. Auch die Ermittlung der Sterblichkeitsgewinne erfolgte zunächst unabhängig vom Geschlecht, allerdings exakt differenziert nach Geburtsjahrgängen, die genau im Jahr 2009 einen Riester-Vertrag abschließen und dem Kollektiv beitreten. Anschließend wurden die so ermittelten Sterblichkeitsgewinne wiederum geschlechtsunabhängig in einem Umfang von 75 Prozent – wie die Mindestzuführungsverordnung vorschreibt – auf die Kunden des hypothetischen Versicherungskollektivs verteilt. Da sich die Rentenerhöhung infolge der zusätzlich ausgeschütteten Sterblichkeitsgewinne infolge der unterschiedlich langen Zahldauer der Renten bei Männern und Frauen unterschiedlich auswirkt, ergeben sich allerdings unterschiedliche Renditeeffekte je nach Geschlecht und Alter. Nach gleichem Schema sind wir bei der Ermittlung der Renditen nach 30-prozentiger Kapitalentnahme zu Rentenbeginn vorgegangen. Anschließend wurden die so ermittelten Renditen bei den garantierten Renten (Klassiktarife) bzw die prognostizierten Rentenrenditen bei den fondsgebundenen Tarifen bewertet. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Rentenrendite in fünf gleich große Klassen geteilt. Den Rang 1 besetzten wir dabei nicht. Die Rendite des besten Anbieters im jeweiligen Musterfall markiert daher lediglich den höchsten Wert in Rangklasse 2. Um die Note für die Kosten bei Anbieterwechsel zu ermitteln, wurden zunächst die Kosten bei einem Wechsel unmittelbar vor Rentenbeginn ermittelt und in Punkte umgerechnet. Beispiel 75 Euro Kosten bei Anbieterwechsel entsprechen 75 Punkten. Zur Ermittlung des Rangs wurden ebenfalls die Differenz zwischen den niedrigsten und den höchsten ermittelten Punkten in sechs gleiche Klassen geteilt. Extremwerte nach unten und nach oben wurden bei der Klasseneinteilung nicht berücksichtigt, sondern jeweils der besten oder schlechtesten Klasse zugerechnet. Das Gleiche gilt für die Kosten bei Beitragsfreistellung, die auf Basis der errechneten Kosten am Ende des 10. Sparjahres verglichen wurden. Bei den Kosten im Rentenbezug wurde die ausgewiesene Rente inklusive Überschüsse im jeweiligen Modellfall in eine Jahresrente (mal 12) umgerechnet und mit den prozentualen Kosten im Rentenbezug multipliziert. Die so ermittelten Euro-Beträge wurden nach bewährtem Muster in sechs gleiche Klassen geteilt
Anforderungen an die Tarife: Untersucht wurden insgesamt acht Modellfälle, für die jeweils die folgenden Grundannahmen gelten: Vertragsbeginn ist jeweils der 1.1.2010. Rentenbeginn soll im Alter von 67 Jahren sein. Der jeweilige Sparer will seinen Vertrag zulagenoptimal besparen, also den erforderlichen Mindestbeitrag für die volle Zulagenförderung einzahlen. Das bedeutet: Im Jahr 2010 werden insgesamt 4 Prozent vom Vorjahresbruttoeinkommen eingezahlt, wobei sich dieser Gesamtsparbetrag aus Eigenbeitrag und Zulagen zusammensetzt. Das Bruttogehalt bleibt in allen Musterfällen konstant. Die Beiträge werden monatlich gezahlt. Sofern dem Vertrag Kinderzulagen gutgeschrieben werden, laufen diese bis zum 19. Lebensjahr des Kindes. Gewählt wurden Tarife mit mindestens einer Beitragsrückgewähr bei Tod in der Ansparphase und fünf Jahren Rentengarantiezeit und einer dynamischen Rente, die im Alter – je nach Anbieter – Jahr für Jahr steigt. Bei Tarifen mit Fondsprodukten wird eine durchschnittliche Rendite der Fonds von sechs Prozent pro Jahr unterstellt. Folgende Modellfälle wurden untersucht: Modellfall 1: Sparer/in, 25 Jahre, Single, keine Kinder, Jahresbruttoeinkommen 30.000 €, Geburtstag: 1.1.1985, Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2052. Modellfall 2: Sparer/in, 30 Jahre, verheiratet, ein Kind (zwei Jahre alt, förderberechtigt bis einschließlich 19. Lebensjahr, Jahresbruttoeinkommen 30.000 €, Geburtstag: 1.1.1980, Kind 1.1.2008. Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2047. Modellfall 3: Sparer/in, 30 Jahre, Familienstand unerheblich, berufstätig in einem Minijob mit Verzicht auf Rentenversicherungsfreiheit (unmittelbar förderberechtigt), Vertrag wird mit Sockelbetrag bespart. Geburtstag 1.1.1980. Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2047. Modellfall 4: Sparer/in, 35 Jahre, zwei Kinder (fünf und sieben Jahre, förderberechtigt bis einschließlich 19. Lebensjahr), verheiratet, Ehepartner kein Vertrag, ein Vertrag für den Förderberechtigten, dem auch die Kinderzulage gutgeschrieben wird, Geburtstag Sparer/in: 1.1.1975, 1. Kind 1.1.2003, 2. Kind 1.1.2005. Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2042. Jahresbruttoeinkommen: Modellfall 4 a) 30.000 €, Modellfall 4 b) 52.500 €. Modellfall 5: Sparer/in, 45 Jahre, keine förderberechtigten Kinder (Familienstand egal), Geburtstag 1.1.1965. Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2032. Jahresbruttoeinkommen: Modellfall 5 a) 30.000 €, Modellfall 5 b) 52.500 €. Modellfall 6: Sparer/in, 50 Jahre, keine förderberechtigten Kinder (Familienstand egal), Jahresbruttoeinkommen: 52.500 €, Geburtstag 1.1.1960, Vertragsbeginn: 1.1.2010, Rentenbeginn 1.1.2027.
Testmethode: Die Vertragsdaten wurden verdeckt am Markt erhoben, einer detaillierten Plausibilitätsprüfung unterzogen. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch wirklich dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht, genauso wie auch keine Überprüfung erfolgte, ob die besparten Fonds auch dauerhaft eine Rendite von sechs Prozent erzielen können. Anschließend wurden die Daten den Anbietern zur Verifizierung zurückgespielt. Auf Basis dieser Daten und der eigens für diesen Test entwickelten Sterbetafel errechnete das Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik mathconcepts, Berlin, die Rentenrenditen für die Tarife in den verschiedenen Modellfällen sowie die Renditen für die Riester-Rente bei 30-prozentiger Kapitalentnahme zu Rentenbeginn. Daneben berechnete mathconcepts auch die Renditen, die Sparer bis zum 80., 85. und 90.Lebensjahr erzielen. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden dann von ÖKO-TEST vorgenommen.
Stand: September 2010

Unsere Empfehlungen

▀ Die Riester-Rente soll wegfallendes staatliches Renteneinkommen ersetzen. Deshalb ist Sicherheit Trumpf. Bevorzugen sie Klassiktarife und wählen Sie Anbieter ausschließlich auf Basis der garantierten Leistung aus.

▀ Lassen Sie sich auch bei fondsgebundenen Tarifen nicht von den Ertragschancen blenden: Die sind höchst ungewiss. Diese Riester-Variante ist daher nur etwas für risikobereite Vorsorgesparer.

▀ Männer und ältere Vorsorgesparer sollten sorgfältig prüfen, ob eine Riester-Rentenversicherung die richtige Vorsorge für sie ist. Denn die Unisexkalkulation drückt auf die Rendite. Das ist bei Konkurrenzprodukten – wie der betrieblichen Altersvorsorge – nicht der Fall.

Unser Experte

Axel Kleinlein, Diplom-Mathematiker und Inhaber von Math-Concepts, einem Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik, beschäftigt sich bereits seit über zehn Jahren intensiv mit der Kalkulation und der Analyse von Lebens- und Rentenversicherungen. Die Methode, Vorsorgeprodukte mithilfe der Versicherungsrendite zu bewerten, wurde maßgeblich von ihm entwickelt. Kleinlein ist auch als Gutachter vor Gericht tätig und prüft Finanzdienstleistungsverträge im Auftrag von geschädigten Verbrauchern. Daneben ist er als Sachverständiger im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags sowie für öffentliche und private Auftraggeber tätig.