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Test: Roland JU-06A


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 07.10.2020

Der Nachfolger des limitierten JU-06 besitzt zusätzlich zur 106-Nachbildung auch eine Emulation des legendären Juno-60 und zahlreiche weitere Verbesserungen.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 11/2020

Der JU-06A ist kompatibel zu dem optionalen Keyboard K-25m, das Bedienfeld kann in zwei Winkeln aufgestellt werden.


Features

virtuell-analoger Synthesizer
Juno-106 und Juno-60 vierstimmig polyphon unisono und Chord-Memory
Arpeggiator und Stepsequenzer erweiterter LFO
Trigger-Eingang für Sequenzer
Stromversorgung via USB oder Batterien
USB-MIDI-/Audiointerface

Fakten

Hersteller: Roland
Web: rolandmusik.de
Bezug: Fachhandel
Preis: 326 Euro

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► sehr guter Klang
► Juno-60 und -106
► voll MIDI-steuerbar
► Arpeggiator/Sequenzer
► USB-Audio
►Batteriebetrieb
► nur 4 Stimmen

Alternativen

Yamaha Reface CS 320 Euro www.yamaha.de
Behringer Deepmind 6 469 Euro www.behringer.com
Korg Minilogue XD Module 550 Euro
www.korg.de

Als Roland vor einigen Jahren mit der Boutique-Serie die Nachbauten der Synthesizer-Klassiker Jupiter-8, Juno-106 und JX-3P präsentierte, waren die Meinungen geteilt. Vor allem die Miniaturisierung sowie die digitale Klangerzeugung (die dennoch nur vier Stimmen liefern konnte) schreckte viele Käufer ab. Und der Preis schien für so ein vermeintliches Spielzeug auch zu hoch. So ereilte die Boutique-Serie ein ähnliches Schicksal wie die legendäre TB-303. Die Händler setzten einige Zeit nach Verkaufsstart zum Abverkauf der limitierten Boutique-Synthesizer an und senkten dabei teils drastisch die Preise. Aber kaum waren die Regale leer und keine Neuware mehr verfügbar, zogen die Gebrauchtmarktpreise plötzlich an. Vor allem der Klon des Juno-106 namens JU-06 erzielte plötzlich locker den doppelten Neupreis! Wenig verwunderlich hat Roland deshalb auch genau diesem Modell eine Rundumerneuerung spendiert. Neben Detailverbesserungen bietet der JU-06A ein besonderes Highlight in Form einer zusätzlichen Emulation des nicht weniger beliebten Juno-60, der im Original mittlerweile schon Gebrauchtpreise von 2.000 Euro aufwärts erzielt.

Detailgetreue Nachbildung

Der JU-06A arbeitet mit rein digitaler Technik, die eine originalgetreue Nachbildung analoger Schaltkreise verspricht. In Bezug auf das äußere Design entspricht der JU-06A im Prinzip den anderen Synthesizern und Drumcomputern der Boutique-Serie und bildet die Originale in verkleinerter Form ab. Mit Abmessungen von 300 x 128 x 49 mm und einem Gewicht von rund einem Kilogramm inkl. Batterien ist die kleine Metallkiste nicht nur solide, sondern auch durchaus portabel ausgefallen. Batteriebetrieb und eingebauter Mini-Lautsprecher unterstützen dies noch.

Zum Mini-Keyboard aufrüstbar

Der JU-06A ist kompatibel mit dem optional erhältlichen Boutique-Dock DK-01 und dem Mini-Keyboard K-25m. Vor allem die Kombination mit dem Keyboard ist interessant, denn so wird aus dem JU-06A ein praktischer kleiner Synthesizer mit klappbarer Bedienfront. In dieser Kombination fällt dann auch gleich eine weitere Neuerung auf, nämlich der Verzicht auf Modulationsrad und Pitchbender. Beim JU-06 konnte man dafür die beiden Touchstrips auf der linken Seite des Desktop-Gehäuses nutzen, die beim JU-06A aber ersatzlos weggefallen sind. Der dadurch frei gewordene Platz wurde von Roland aber sinnvoll genutzt für Spielhilfen, die in der Praxis einen mindestens genauso großen Nutzen haben dürften.

Akkord-Speicher, Arpeggiator

Zum Einen gibt es hier drei neue Keyboard- Funktionen, die per individuellen Tastern aktiviert werden. Drei rote LEDs zeigen den aktuellen Status an und beugen so auch auf dunklen Bühnen Fehlbedienungen vor. Hold hält die gespielten Tasten auch bei Loslassen, was insbesondere in Kombination mit dem Arpeggiator interessant ist. Chord aktiviert eine Akkord-Funktion. Damit können Sie einen beliebigen Akkord greifen und speichern und anschließend mit nur einer Taste wiedergeben. 16 Speicherplätze stehen hierfür zur Verfügung, direkt abrufbar über die Steptaster im unteren Bereich. Bei aktiver Note-Taste können Sie diese untere Tastenreihe auch als einfaches Keyboard benutzen und so den Synthesizer ohne angeschlossene Tastatur spielen.

Rechts daneben befindet sich der beim JU-06 noch so arg vermisste Arpeggiator. Er lässt sich zwischen den Abspielrichtungen Hoch, Runter sowie Hoch-Runter umschalten und das Arpeggio kann über eine, zwei oder drei Oktaven laufen. Auch das spezielle Verhalten des Arpeggiators des Juno-60, das sich vor allem auf die Notenlänge auswirkt, kann als Alternative ausgewählt werden.

Fader, MIDI-Controller
Die Bedienelemente entsprechen in Form und Layout den Originalen, aber natürlich in verkleinerter Form. Aufgrund der etwas eingeschränkteren Klangerzeugung kommt der JU-06A hierbei mit 17 Fadern aus. Im Gegensatz beispielsweise zum JP-08 oder SE-02 ist die Bedienung daher trotz der begrenzten Platzverhältnisse auf der Oberfläche auch für Menschen mit größeren Händen durchaus brauchbar und ermöglicht sogar ein relativ kontrolliertes Schrauben auf der Bühne. Die hintergrundbeleuchteten Taster für DCO-Oktavlage und Wellenform sind gut zu treffen. Auch der passende Resonanzwert des Filters, der für viele der einzigartigen Sounds des Juno-60 verantwortlich ist und bei dem bereits kleine Abweichungen den Klang verändern, lässt sich mit dem kleinen Fadern überraschend genau einstellen.

Alle Regler senden und empfangen MIDI-Controller, sie können also munter schrauben und dies auf einer MIDI-Spur in der DAW aufzeichnen und auch nachbearbeiten. Es gibt sogar einen speziellen Modus, in dem Sie den JU-06A als Controller für die Plug-ins aus der Roland-Cloud nutzen können. Die interne Klangerzeugung ist dann deaktiviert.

USB-Audio/MIDI-Interface
Bis auf den Clock-Eingang, der eine Synchronisation von Sequenzer und Arpeggiator mit analogem Equipment wie einem Drumcomputer erlaubt, befinden sich alle Anschlüssen auf der Rückseite. Neben den Miniklinke-Anschlüssen für den Lineund Kopfhörerausgang mit kleinem Volumeregler hat Roland auch einen Mix-Eingang eingebaut, über den Sie externe Signale (z.B. einen Drumcomputer wie die TR-09) unkompliziert auf den Ausgang durchschleifen können. Noch schöner wäre es natürlich gewesen, wenn der Eingang in die Klangerzeugung vor dem Filter oder zumindest vor den Effekten eingeschleift werden würde, dies ist aber leider nicht der Fall.

Zur Verbindung mit MIDI-Equipment dienen zwei DIN-Buchsen. Der Micro-USB-Anschluss übernimmt neben der Stromversorgung auch die Kommunikation mit einem Computer. Hierüber werden nicht nur MIDI-Signale ausgetauscht, sondern der JU-06A kann auch als Audio-Interface mit 44,1 oder 96 kHz Auflösung arbeiten. Dies kennen wir bereits von den anderen Boutiques, und es macht den kleinen Desktop-Synthesizer zu einem gern gesehenen Partner für Laptop-Nutzer.

Zwei Synthesizer in einem
Die Klangerzeugung ist schnell überblickt und entspricht wie bereits ausgeführt Juno-60 und Juno- 106, die beide identisch aufgebaut sind. Deshalb bot sich auch eine Kombination in einem Gerät an. Trotz des gleichen Aufbaus klingen die Originale aber durchaus unterschiedlich, jeweils mit speziellen Stärken. Der Juno-60 hat mit niedriger Masterclock und diskretem Aufbau den wärmeren, runderen Vintage-Klang, der Juno-106 ist dagegen etwas sauberer im Klang.

Ein DCO mit Sub
Der JU-06A verfügt über einen Oszillator mit den Wellenformen Rechteck mit einstellbarer Pulsweite und Sägezahn. Für einen volleren Klang lässt sich die Rechteckwelle in der Pulsweite durch den LFO oder die Hüllkurve modulieren (PWM), zudem können beide Wellenformen gleichzeitig aktiviert werden. Hinzu kommt ein Suboszillator, der eine Rechteckwelle wahlweise eine oder zwei Oktaven tiefer hinzufügt und so für ausreichendes Bassfundament sorgt. Die Tonhöhe des Oszillators besitzt einen Tonumfang von 16‘ bis 4‘ und ermöglicht sowohl tiefe Bässe als auch hohe Arpeggios. Für Perkussives ist der stufenlos beimischbare Rauschgenerator nützlich.

Erweiterter LFO
Der LFO wurde gegenüber dem Original um einige Wellenformen erweitert und bietet in der Neuauflage neben Dreieck, Rechteck, aufsteigendem sowie absteigendem Sägezahn auch zwei Zufallsvarianten. Der LFO kann zum Tempo synchronisiert werden und frei laufen oder bei jedem Tastenanschlag neu starten. Letzteres ist vor allem bei Filtermodulation praktisch, da bei Nutzung einer Random-Wellenform bei jeder neuen Note einer Sequenz das Filter mit einem zufälligen Wert geöffnet oder geschlossen wird. Der LFO kann neben der Filterfrequenz auch die Tonhöhe und Pulsweite des Oszillators modulieren.

Überzeugende Filter-Emulation
Sägezahn, Rechteck und Suboszillator lässt sich noch ein Rauschgenerator hinzumischen. Das Ergebnis wandert zunächst in ein statisches Hochpassfilter ohne Resonanz, mit dem sich der Bassbereich ausdünnen lässt. Dies kann insbesondere bei mehrstimmigen Pad-Sounds sinnvoll sein. Es folgt ein 24dB-Tiefpassfilter mit dem typischen Roland-Klang. Das Filter kann cremig-weich klingen, aber auch ordentlich zuschnappen. Es dünnt auch bei hoher Resonanz wenig aus und ist damit perfekt für knackige, runde Bässe geeignet ist. Ohnehin ist der Resonanzparameter ein wichtiger Faktor beim Klang und für die Beliebtheit der Originale mitverantwortlich, denn hiermit lassen sich sehr schöne harmonische Verzerrungen und Klavier-artige Klänge erzeugen. Bei ganz aufgedrehter Resonanz wird das Filter in Eigenschwingung versetzt und erzeugt dann einen Sinuston, der sich bei aufgedrehtem Keyboardtracking auch sauber tonal spielen lässt.

Um die Übersicht über die vielen Zweitfunktionen zu behalten, empfiehlt sich das optionale Overlay von mxpand.


Der JU-06A verfügt nur über eine ADSR-Hüllkurve, die für Filter und Verstärker gleichzeitig zuständig ist. Für mehr Flexibilität kann aber auch eine simple Gate-Variante für die Lautstärke aktiviert werden, dann steht die bei Bedarf sehr schnelle Hüllkurve allein zur Filtermodulation zur Verfügung.

Wieder nur 4 Stimmen!
Eine der größten Einschränkungen des JU-06 gegenüber den Originalen ist leider beim JU-06A nicht abgestellt worden, denn auch das neue Modell verfügt nur über 4 statt zumindest 6 Stimmen. Da wird es bei beidhändigen Akkorden oder lang ausklingenden Sounds schnell knapp und die Klänge werden abgeschnitten. Neben polyphoner Spielweise mit den vier Stimmen sowie Mono für einstimmiges Spiel gibt es eine Unisono-Funktion, die für einen fetten Sound alle vier Stimmen übereinander schichtet.

Chorus, Zweitfunktionen
An Effekten ist natürlich der legendäre Juno-Chorus mit seinen drei Variationen verbaut, der für den typischen Juno-Sound unverzichtbar ist. Der im JU-06A integrierte digitale Chorus klingt hervorragend und bildet den Klang der Originale besser ab als die meisten anderen Nachbauten, sei es analog oder digital. Für besonderen Realismus rauscht er sogar wie im alten Juno, das lässt sich aber zum Glück auch deaktivieren. Wie viele andere Zusatzfunktionen auch lässt sich dies per Tastenkombination mit den unteren Steptastern einstellen. Leider hat Roland es versäumt, diese Zweitfunktionen auf der Bedienoberfläche aufzudrucken, sodass eigentlich immer die „Bedienungsanleitung“ (= das mittlerweile übliche Faltblatt) daneben liegen muss. Zum Glück gibt es für 14 Euro inkl. Versand ein aufklebbares Overlay eines findigen Hamburger (www.mxpand.com), das die Angelegenheit deutlich vereinfacht. Zusätzlich besitzt der JU-06A ein gut klingendes Delay, das sich in Lautstärke, Verzögerungszeit und Feedback einstellen lässt und zum Songtempo synchronisiert werden kann. Hiervon profitieren vor allem die perlenden Arpeggios, die ohnehin zu den Stärken des JU-06A gehören. Die Effekte werden mit abgespeichert, für jeden Modus (Juno-60 oder Juno-106) stehen jeweils 64 Speicherplätze zur Verfügung.

Stepsequenzer
Der JU-06A hat im Gegensatz zu den Originalen auch einen Lauflicht-Sequenzer eingebaut. Er verfügt über 16 Schritte, die sich jetzt auch Step-by- Step einspielen lassen. Im Gegensatz zum SH-01A ist der Sequenzer leider nicht polyphon, Akkorde können Sie nicht aufnehmen. Einzelne Steps lassen sich über die 16 Taster ein- und ausschalten. Eine eingegebene Sequenz können Sie nachträglich noch für jeden Step individuell in der Tonhöhe und Notenlänge (Gate) editieren. In Verbindung mit den verschiedenen Abspielrichtungen lassen sich auf diese Weise auch durchaus dynamische Sequenzen erzeugen, zumal sich der Arpeggiator noch parallel aktivieren lässt. Apropos Dynamik: Per Anschlagdynamik lässt sich nur die Lautstärke beeinflussen. Das ist zwar schon mehr als beim Original, aber Velocity auf Filterfrequenz wäre noch eine schöne Ergänzung gewesen.

Der Sequenzer gibt die Noten von Sequenzer und Arpeggiator auch per MIDI heraus, Sie können damit also auch externe Klangerzeuger oder Plugins ansteuern.

Sweetspot-Synthesizer
Die Synthesizer der Juno-Serie sind vor allem deshalb so beliebt, weil sie mit übersichtlicher Klangerzeugung mit nur wenigen Bedienelementen auskommen und trotzdem sehr flexibel im Klang sind. Das gesamte Konzept ist sehr durchdacht und es handelt sich um wahre Sweetspot-Synthesizer, denen selbst Einsteiger kaum einen schlecht klingenden Sound entlocken können. Schwebende und volle Pads sind ebenso schnell erstellt wie knackige Bässe, durchsetzungsfähige Leads oder wunderschöne Arpeggios. Vor allem für das aktuell so angesagte 80er-Synthwave- Revival ist der JU-06A perfekt geeignet, er kann aber grundsätzlich alle klassischen Analogsounds für jegliches Genre erzeugen.

Modernisierter 80er-Sound
Es erscheint zunächst verwunderlich, dass Roland zu dem bewährten Juno-106 noch einen Juno-60 hinzugepackt hat. Denn aufgrund des sehr ähnlichen Aufbaus könnte man auch einen nahezu identischen Klang vermuten. Dies ist aber nicht der Fall, weder bei den Original-Synthesizern noch bei der digitalen Emulation. Bereits auf Oszillatorebene hört man Unterschiede, beispielsweise beim Klang des Suboszillators und beim Mischen von Sägezahn und Rechteck. Die Hüllkurven sind anders abgestimmt und das Filter klingt vor allem bei höheren Resonanzwerten unterschiedlich. Die Option, zwischen beiden Modellen zu wählen, vervielfältigt die klanglichen Möglichkeiten daher mehr als man zunächst denken mag. Natürlich muss sich ein solcher Nachbau auch dem Vergleich mit dem Original stellen. Ein Juno-60 klingt im direkten Vergleich etwas voller, basslastiger. Der JU-06A fängt den Klangcharakter zwar grundsätzlich in allen Details ein, klingt dabei aber einen Tick transparenter, sauberer, Hi-fi-mäßiger. Dadurch lässt er sich im Mix sogar besser integrieren als das Original.

Fazit
Der Nachfolger des limitierten JU-06 zeigt sich in jeder Hinsicht verbessert: Zusätzlich zur Juno-106-Emulation kann der JU-06A auch einen Juno-60 überzeugend nachbilden und deckt damit eine Menge klassischer Analogsounds ab. Ein sehr guter Chorus und Delay runden die überzeugende Klangerzeugung ab. Auch der beim Vorgänger noch schmerzlich vermisste Arpeggiator wurde ergänzt und der Sequenzer überarbeitet. Und mit Batterien und optionalem Keyboard K-25m wird aus dem JU-06A ein ultraportabler Synthesizer, am Laptop kann er als USB-Audiointerface genutzt werden. Wer mit dem kompakten Design sowie nur vier Stimmen leben kann, erhält einen sehr potenten kleinen Synthesizer, der sich klanglich nicht hinter der analogen Konkurrenz zu verstecken braucht.

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Auf der Rückseite befindet sich der Anschluss für das eingebaute USB-Audio/MIDI-Interface sowie das klassische MIDI-Pärchen, für die analoge Einbindung sorgt ein Clock-Eingang auf der Oberseite.