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Test: Roland Juno-X


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Beat - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022
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Bildquelle: Beat, Ausgabe 11/2022

Juno-X sieht nicht nur aus wie die Vintage-Klassiker von Roland, sondern will auch so klingen: Die digitale Klangerzeugung bildet sowohl den Juno-60 als auch den Juno-106 bis ins Detail nach. Und die neue Juno-X Variante geht sogar noch darüber hinaus und kombiniert das Ganze mit der berühmten Supersaw des JP-8000 sowie einem zusätzlichen Chorus-Modus. Dank Zen-Core gibt es zahlreiche weitere Sounds inklusive Drums, jede Menge Effekte und einen intelligenten Arpeggiator. Wir haben getestet, ob dieses Gesamtpaket den recht hoch angesetzten Preis rechtfertigt.

ZEN-Core Synthesizer

Zunächst ein kurzer Überblick über die aktuelle Produktpalette von Roland im Bereich Keyboards/Synthesizer. Der neue Juno-X basiert ebenso wie der Jupiter-X sowie dessen kleiner Bruder Jupiter Xm auf Rolands ZEN-Core Sound-Engine, einer Mischung aus PCM- bzw. sample-basierter Klangerzeugung und diversen VA-Modellen. ...

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... Reproduzierte Klassiker wie Jupiter oder Juno und Drum Machines wie TR-808 und TR-909 stehen ebenso wie der beliebte Brot-und-Butter-Synth XV-5080 und moderne RD-Pianos zur Auswahl. Die Zenology-Kompatibilität ermöglicht zudem einen Austausch mit der Roland Cloud und gibt Zugriff auf tausende Presets in überwiegend sehr guter und direkt einsatzfähiger Qualität, was vor allem klassische Keyboarder und Bühnenmusiker erfreuen wird. Die Unterschiede zwischen den vorgenannten Synthesizern liegen in erster Linie in der Hardware: Jupiter Xm ist das portable kompakte Modell, während Jupiter X und Juno-X mehr Bedienelemente für den direkten Zugriff bieten und ein vernünftiges Keyboard mit 61 Tasten in normaler Größe besitzen, die neben Anschlagdynamik auch Aftertouch umsetzen können.

Jupiter vs. Juno

Weiterer Unterschied: Jupiter-X hat mit OS 3.0 eine eigene Engine mit gleichem Namen bekommen, während die bereits angesprochene Juno-X-Engine exklusiv der hier getesteten Hardware vorbehalten ist. Zu viel solltest du darauf aber nicht geben, im Kern handelt es sich in beiden Fällen nur um speziell auf die Bedienelemente des jeweiligen Synthesizers angepasste virtuell-analoge ZEN-Core-Klangerzeugung.

Der entscheidende Unterschied zwischen Jupiter-X und Juno-X liegt in der äußeren Verpackung. Mit Abmessungen von 107 x 33 x 12 cm bei einem Gewicht von 11,6 kg ist der in einem robusten

Metallgehäuse untergebrachte Juno-X zwar auch ein solides Stück Hardware und gut für den rauen Touralltag gerüstet, aber im Vergleich zum Jupiter-X (101 x 45 x 12 cm, Gewicht: 16,9 kg) doch deutlich platzsparender und transportabler – dein Rücken wird es dir danken! Beide Synthesizer sind mit ihrem klassischen Design ein Blickfang sowohl im Studio als auch auf der Bühne.

Fantom und System-8

Weniger schick anzusehen, aber ebenfalls mit ZEN-Core ausgestattet ist auch Rolands Workstation Fantom. Hier gibt es weniger Bedienelemente, dafür aber einen Touchscreen sowie zahlreiche weitere Funktionen, auf die wir im Laufe des Tests noch eingehen werden. Und zum Abschluss gibt es auch noch den System-8, der ebenfalls Juno- und Jupiter-Emulationen besitzt. Diese basieren aber nicht auf ZEN-Core, sondern auf ACB (Analogue Circuit Behaviour) und sind klanglich im direkten Vergleich noch etwas näher an den analogen Vorbildern dran. Das hört man z. B. bei Audiomodulationen wie FM und Crossmodulation, aber auch bei Sounds mit hoher Filterresonanz. Zudem unterstützt System-8 den direkten Austausch mit den identischen Plug-ins in der DAW per USB, während dies bei Juno-X und Jupiter-X nur etwas umständlicher per Stick möglich ist.

Klassisches Design

Nun aber zurück zum Juno-X. Das gesamte Design ist den Vintage-Klassikern Juno-60 und Juno-106 nachempfunden, deren Modelle neben der Juno-X Engine ebenfalls für die vier Parts ausgewählt werden können. Entsprechend erfolgt die Bedienung ganz überwiegend per Fader, nur die modernen Features wie iArpeggio und Effekte werden mit Potis geregelt.

Die Tastatur umfasst volle fünf Oktaven und setzt Anschlagdynamik sauber um. Für das monophone Aftertouch braucht man allerdings sehr kräftige Finger, leider ein bekanntes Problem bei Roland-Synthesizer. Das Keyboard eignet sich hervorragend für Synthesizersounds, dank leichter Gewichtung lassen sich aber auch Pianos überzeugend spielen. Statt der klassischen Räder gibt es den Pitch/Mod-Hebel, ebenfalls ein nicht unumstrittenes Relikt von Roland.

Studio- und Live-tauglich

Die Stromversorgung erfolgt professionell über ein eingebautes Netzteil und ein Kaltgerätekabel. Die Option des steckdosenunabhängigen Batteriebetriebs wie beim Jupiter Xm ist weggefallen, was angesichts der Einsatzgebiete Bühne oder Festinstallation im Studio konsequent ist. Ebenfalls live-tauglich ist der symmetrische Stereoausgang in Form zweier XLR-Buchsen zur Vermeidung unerwünschter Einstreuungen, daneben gibt es alternativ noch zwei Klinkenausgänge.

MIDI und Audio via USB

Analoge Einzelausgänge für die 5 Parts gibt es nicht. Zwar überträgt der Juno-X wie nahezu alle aktuelle Roland-Geräte über USB nicht nur MIDI, sondern auch Audio und stellt auf diese Weise verlustfrei digital alle Spuren getrennt zur Aufnahme in der DAW zur Verfügung. Dies läuft aber zumindest auf einem Windows-PC nur zuverlässig, wenn du den Juno-X als Haupt-Audiointerface nutzen. In professioneller Umgebung mit spezialisiertem Audiointerface haben die digitalen Ausgänge daher wenig Nutzen. Auf einem Mac ist zumindest ein Parallel-Betrieb als Aggregate-Device möglich.

Austausch per (WLAN-)Stick

Neben dem USB-Host-Anschluss gibt es auch eine Buchse für ein USB-Speichermedium. Mithilfe eines USB-Sticks lassen sich z. B. Sounds mit dem Zenology Plug-in aus der Roland-Cloud austauschen.

Optional gibt es einem WLAN-Stick, um Sounds aus der Cloud via App direkt in den Juno-X zu laden. Für die Zukunft wünschen wir dennoch eine direkte Import/Export-Funktion per USB ohne Umweg über einen externen Stick, wie sie der Roland System-8 schon lange bietet.

Mikrofoneingang, Vocoder

Neben einem Aux-Eingang zum Einschleifen externer Audiosignale gibt es auch eine XLR/ Klinke-Kombibuchse zum Anschluss eines Mikrofons, was in Verbindung mit dem eingebauten und gut klingenden Vocoder interessant ist und im Touralltag zusätzliche Geräte und Verkabelung einspart. Links ein Bass, der vom Arpeggiator getriggert wird, mit der rechten Hand ein Lead-Sound, passender Beat drunter und dann mit Vocoder darüber sprechen und singen – eine Scene des Juno-X kann allein schon für eine solide Elektro-Performance oder ein Synthpop-Cover ausreichen.

Kein CV/Gate

Die beiden Pedalanschlüsse sind vor allem für das hervorragend klingende Piano wichtig. Hinzu kommen MIDI-Anschlüsse IN/OUT, Aux-Eingang sowie Kopfhörerausgänge vorne und hinten. Auch Bluetooth ist verbaut, hierüber kannst du kabellos Playback-Tracks vom Smartphone einspielen und sogar MIDI-Signale senden und empfangen. Auf analoge Trigger- oder CV-Anschlüsse wurde leider komplett verzichtet.

Juno-60/106

Die Klangerzeugung basiert auf der ZEN-Core-Engine und bietet virtuell-analoge Modelle der Synthesizer-Klassiker Juno-60/106. Den Juno-106 kennt man bereits aus der Roland-Cloud, der Juno- 60 hat es noch nicht in Zenology Pro geschafft. Da die Instrumente nicht ganz so detailliert nachgebildet werden und somit weniger Prozessorleistung verbraucht wird, bietet der Juno-X deutlich höhere Polyphonie als die auf 4 Stimmen begrenzten Boutiques. In feinsten Details gefallen uns die ACB-Modelle (die es auch als Plug-in gibt, diese darf man nicht mit den Zenology-Modellen verwechseln!) wie gesagt einen Tick besser, aber im Songkontext dürfte dies meist vernachlässigbar sein. Denn der Erfolg der Junos ist ja in erster Linie der übersichtlichen, leicht durchschaubaren Klanerzeugung mit jeder Menge Sweetspots geschuldet, was mit dem schicken Juno-X mit den großen Fadern schon deutlich mehr Spaß macht als mit den kleinen Fadern des Boutique JU-06a oder dem designtechnisch nicht wirklich gelungenen System-8. Während das Juno- 60 Modell umwerfend schöne Pads und Arpeggios liefert, ist der Juno-106 mit seinem trockenen und in den tiefen Frequenzen etwas kräftigeren Grundklang perfekt für satte Bässe und kräftige Leads geeignet – nicht nur für Synthwave ein Traum.

Juno-X mit Extras

Während Juno-60 und Juno-106 streng am Original orientiert sind, besitzt Juno-X ein paar neue Features. Statt der Rechteckwelle mit PWM kannst du auch eine Super-Saw auswählen, die Erinnerungen an den mittlerweile auch schon als Klassiker zu bezeichnenden virtuell-analogen Synthesizer JP-8000 weckt. Bis zu sieben Sägezahn-Wellen werden dabei geschichtet und können gegeneinander verstimmt werden, für die typischen Trance-Hupen im Scooter-Stil bis hin zu reißerischen EDM-Leads. Zudem gibt es einen dritten Modus für den legendären Juno-Chorus, der etwas offener und weniger schwammig im Bassbereich als die beiden klassischen Varianten klingt. Wie beim Original lassen sich die verschiedenen Chorus-Modi auch gleichzeitig aktivieren, was zu interessanten Mischformen führt. Und klanglich ist der digital nachgebildete Chorus sehr dicht am analogen Vorbild dran!

Klassische sample-basierte Klangerzeugung

Unter der Haube übernimmt ZEN-Core das altbewährte und bereits aus den beliebten Roland-Romplern wie JV-1080 und XV-5080 bekannte Konzept mit vier Partials, die sich individuell bearbeiten und mischen, layern oder splitten lassen. Jedes Partial greift auf eine reichhaltige Auswahl an mitgelieferten PCM-Samples zurück, die sowohl synthetische als auch akustische Instrumente abbilden. Oszillator-Sync, Cross- und Ringmodulation sorgen für zusätzliche Obertöne, für Bewegung im Klangverlauf sind drei Hüllkurven sowie zwei LFO zuständig. Zugriff hierauf erhältst du über das XV- 5080- oder das Preset/User-Modell.

Fummelige Bedienung

Die wesentlichen Klangparameter von Oszillator, LFO, Filter und Hüllkurven lassen sich direkt am Gerät bedienen. Die tiefergehende Editierung macht über kleine Display (nur 128 x 64 Pixel, keine Touchfunktion) in Verbindung mit Endlosreglern und Navigationstastern aber wenig Freude, dafür ist die Klangerzeugung einfach zu komplex. Hier hat der Fantom mit seinem großen und grafikfähigen Touch-Display in Kombination mit Reglern für die wichtigsten Klangparameter klar die Nase vorn. Leider lässt sich das Plug-in Zenology Pro aktuell auch nicht als Editor zur direkten Bearbeitung der Sounds des Juno-X nutzen. Zum Glück liefert Roland aber nicht nur jede Menge guter Presets mit, sondern bietet über die Homepage auch einen kostenlosen grafischen Editor und Librarian an – damit geht die tiefer gehende Programmierung deutlich leichter von der Hand.

Digitale Filter-Emulationen

Du kannst beim Juno-X auf verschiedene Filtercharakteristiken zugreifen, um den Sound zu bearbeiten. Neben klassischem Roland-Filter gibt es auch das legendäre Moog-Ladder-Filter sowie das Prophet-5 Circuit-Filter im virtuellen Nachbau, die allesamt gut den Klangcharakter der Vorbilder treffen und sich vor allem bei hohen Resonanzwerten hörbar unterscheiden – das ist neben der höheren Polyphonie ein Vorteil der Zen-Modelle gegenüber den ACB-Modellen.

Kein analoger Mastereffekt

Eine Dreckschleuder wie das MS20-Filter wäre noch eine Bereicherung für den doch recht sauberen, HiFi-mäßigen Grundklang gewesen. Noch mehr vermisst haben wir aber das im Fantom verbaute analoge Stereo-Masterfilter, das den ohnehin schon sehr guten Klang der ZEN-Core-Engine auf ein noch höheres Level hieven kann. Für uns ist es nach wie vor schwer nachvollziehbar, weshalb Roland dem eher als Workstation platzierten Fantom diese Option spendiert hat und den Synthesizer-Flaggschiffen Jupiter-X und Juno-X nicht. Die gleiche Frage drängt sich auch bei den CV/Gate-Anschlüssen und den Einzelausgängen auf, die nur der Fantom besitzt.

5 Parts inkl. Drums und Arpeggiator

In einer Scene lassen sich fünf Parts kombinieren, wobei der letzte Part für Drums reserviert ist. Es lassen sich also vier verschiedene Sounds abspielen, als Layer oder Split konfigurieren und sogar unabhängig entweder vom Arpeggiator oder der Tastatur triggern. Beispielsweise ein Juno-Pad mit der bewährten RD-Piano-Emulation kombinieren ist kein Problem und schnell erledigt.

Der iArpeggiator bricht dabei nicht einfach nur gespielte Akkorde in einzelne Notenfolgen auf, sondern er reagiert intelligent auf die Noten und die Dynamik, mit der du auf der Tastatur spielst. Das kann für interessante und inspirierende Notenfolgen sorgen, die sich auch im internen Sequenzer fixieren lassen.

Eingebauter Drumcomputer

Für den passenden Groove sorgen 90 Drumkits in gewohnt guter Roland-Qualität, die druckvoll und durchsetzungsfähig aus den Boxen klingen und alle Sparten überzeugend abdecken. Es lassen sich Drumpattern parallel zum Arpeggiator aktivieren, was sehr praktisch beim Jammen ist. Über die 16 Taster lassen sich aber auch eigene Grooves in bewährter Roland TR-X0X-Manier programmieren, die bis zu 64 Steps lang sein können.

Multieffekte inkl. Vocoder

Im Juno-X ist auch ein digitales Multieffektgerät zur Veredelung oder Verzerrung der Sounds integriert. Es enthält unter anderem die oben bereits erwähnte wohlklingende Emulation des legendären Roland-Chorus sowie alle Standards von Hall und Delay über Kompressor und Limiter bis hin zu Distortion. Die gewählten Effekte lassen sich über eine Handvoll Regler in den wichtigsten Parametern direkt anpassen. Auch externes Audio kannst du durch die Effekte schicken. Für die Live-Performance ist dabei vor allem die Kombination aus Mikrofon und Vocoder mit Kompressor und Rauschunterdrückung interessant.

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FAZIT

Klang, Design und Verarbeitung des Synths sind beeindruckend. Sehr gut klingende VA-Modelle der Juno-Klassiker mit zusätzlichen Extras wie Super-Saw, tausende Butter-und Brot-Sounds, ein hervorragendes Piano, druckvolle Drumkits und solide Effekte. Mit robustem Gehäuse, guter Tastatur, vielen Reglern, Vocoder mit Mikrofoneingang, Drumcomputer und intelligentem Arp deckt der Juno-X nahezu alle Wünsche eines Live-Keyboarders ab und erweist sich auch im Studio als zuverlässiger Sound-Lieferant für alle Musikstile. Das Soundschrauben über die zahlreichen Bedienelemente geht schnell und intuitiv von der Hand. Eine tiefer gehende Programmierung der komplexen ZEN-Core-Engine über das nicht mehr zeitgemäße Grafik-Display macht dagegen wenig Spaß. Zum Glück gibt es einen Editor, aber zumindest im Studio könnte man dann auch die identisch klingende Zenology-Software statt der Hardware nutzen, die leider nach keinen direkten Austausch per USB mit dem Juno-X ermöglicht.