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TEST Rouge: Nicht so rosig


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ÖKO-TEST Spezial Vegetarisch und Vegan - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 03.11.2022

TEST ROUGE

Artikelbild für den Artikel "TEST Rouge: Nicht so rosig" aus der Ausgabe 11/2022 von ÖKO-TEST Spezial Vegetarisch und Vegan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1Die Note „sehr gut“ fehlt in diesem Test. Immerhin: Fünf Rouges schneiden noch mit „gut“ ab, darunter drei konventionelle.

2„Gutes“ Rouge muss nicht viel kosten: Die fünf Besten gehören gleichzeitig zu den günstigsten Produkten dieses Tests.

3Puderrouge am besten mit einem dicken Pinsel auftragen. Auf dem Wangenknochen ansetzen, von innen nach außen arbeiten und zum Haaransatz weich auslaufen lassen.

EinTupfer Rouge am Morgen sorgt für eine gesunde Gesichtsfarbe, wie es so schön heißt. Aber gesund kann das nicht sein: In vier von siebzehn getesteten Rouges fand das von uns beauftragte Labor Blei, Antimon und/oder Arsen in Gehalten, die als technisch vermeidbar gelten. In mehr als der Hälfte steckt zu viel Nickel, im Rest immerhin noch Spuren von Schwermetallen. Kein Wunder, dass zwei mit„mangelhaft“ durchfallen. Fünf schaffen es immerhin auf „gut“, der Rest dümpelt dazwischen. ...

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„Dreist: Ein Silikon steht an erster Stelle der Zutatenliste von Judith’s Natural Blush – natürlich geht anders.“

Victoria Pfisterer ÖKO-TEST-Projektleiterin

Schwermetalle kommen aus der Natur

Rohstoffe aus unterirdischen Vorkommen spielen in den Rezepturen der getesteten Produkte eine tragende Rolle: Pudrige, Mineralien wie Talkum oder Kaolin bilden häufig die Basis; Eisenoxide und Mica sorgen für Farbe und Glimmer. Das alles sind mögliche Eintragsquellen für Schwermetalle, denn Arsen, Blei und andere Elemente kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor. Das könnte auch erklären, warum die Naturkosmetik hier nicht im Vorteil ist. Sicher: Rouge kommt gar nicht großflächig auf die Haut und die gesundheitliche Belastung relativiert sich somit. Aber Blei reichert sich im Körper an und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen. Antimon gilt in seiner anorganischen Form als krebserregend und Nickel ist eines der stärksten Kontaktallergene. Darum meinen wir, dass vermieden werden sollte, was als vermeidbar gilt.

Ob flüssig oder fest: Plastik zuhauf

So wichtig mineralische Inhaltsstoffe auch in konventionellen Rouges sind – neun von elf Produkten mischen synthetische Polymere oder Silikone darunter. Gerade dasJudith’sNaturalBlushmacht seinem Namen keine Ehre: Es ist das einzige Rouge im Test, bei dem ein Silikon gleich an erster Stelle der Zutatenliste steht. Ob die Kunststoffe in flüssiger, pastöser oder gar in fester Form als Mikroplastik vorliegen, spielt in unseren Augen keine große Rolle. In allen Aggregatzuständen gibt es Polymere, die sich in der Umwelt über lange Zeit nicht abbauen werden – mit weitgehend unbekannten Folgen.

Nachtrag für Veganerinnen: Rote Schminke ohne Tierleid ist eine Herausforderung für die Industrie (siehe Seite 88). Fast die Hälfte der Rouges im Test enthält den Farbstoff Karminrot. Er verbirgt sich hinter dem Kürzel CI 75470 und wird aus dem Blut zerquetschter Schildläuse gewonnen.

Wir haben getestet

WISSEN

INCI oder: Wir spielen verstecken

Kein Platz auf der Packung?

Kundinnen haben es nicht leicht. Zum Beispiel wenn sie beim Kauf von Schminke bestimmte Inhaltsstoffe meiden wollen – allergieauslösende Azofarben oder nicht veganes Karminrot etwa. Denn wegen der kleinen Packungen sind Hersteller nicht verpflichtet, die Liste der Inhaltsstoffe (INCI) direkt aufs Produkt zu drucken. Auf sieben Rouges im Test stehen sie löblicherweise dennoch. Bei den anderen muss die Kundin sich auf die Fahndung begeben: In gut geführten Drogeriemärkten stecken die INCIs in Form von dicken Booklets in Produktnähe.

Pech gehabt

Ist das betreffende Rouge darin endlich ausfindig gemacht, tauchen die Farbstoffe am Ende der Liste aber häufig mit dem Hinweis „May contain“ auf. Kann drin sein, muss aber nicht. Und nun? Vielleicht online nachsehen? Wir haben lieber direkt beim Hersteller nachgefragt und herausgefunden: Selbst manche farbton-spezifische Online-INCI war veraltet und enthielt etwa Pigmente, die gar nicht drin waren.

So haben wir getestet

Wir haben 17 Rouges im Preissegment zwischen 2,45 Euro bis 28,17 Euro (bezogen auf fünf Gramm Inhalt) eingekauft. Darunter Eigenmarken aus Drogerien, bekannte Markenprodukte sowie sieben Rouges mit Naturkosmetik-Zertifikat. Ein Rouge ist als vegan ausgelobt: DasEssenceTheBlush,30Breathtaking.

Anhand der Liste der Inhaltsstoffe (INCI) identifizierten wir unter anderem Kunststoffverbindungen, bedenkliche UV-Filter und das Antioxidans BHT. In den von uns beauftragten Laboren ließen wir alle Rouges auf Schwermetalle wie Arsen, Blei, Antimon oder Nickel überprüfen. Dort erfolgte auch eine Analyse auf problematische Duftstoffe, halogenorganische Verbindungen oder hormonverdächtige Konservierungsmittel wie Parabene. Enthielten die Rouges Titandioxid, ließen wir die Partikelverteilung bestimmen, um herauszufinden, ob Nano-Material korrekt deklariert wurde. War Talkum Bestandteil der Rezeptur, forderten wir Nachweise vom Hersteller, dass er in der betreffenden Charge asbestfreie Qualitäten verwendet. Für chlorierte Verbindungen in der Verpackung zogen wir Noten unter den Weiteren Mängeln ab.

Fett gedrucktsind Mängel.

Abkürzungen:BVL = Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; INCI = Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe („Zutatenliste“); BHT = Butylhydroxytoluol; AGES = Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Glossar:Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 96.

Anmerkungen:1)Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2)Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3)Citral deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 4)Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 5)Weiterer Mangel: kein Beleg vorgelegt, dass das für die Herstellung des Produktes verwendete Talkum frei von Asbest ist. 6)Enthält Karminrot (CI 75470).

Legende:ProduktemitdemgleichenGesamturteilsindinalphabetischerReihenfolgeaufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts für die technische Vermeidbarkeit von Arsen, Antimon (beide: 0,5 mg/kg) oder Blei (5 mg/kg bei der Warengruppe Rouge) in kosmetischen Produkten; b) ein bedenklicher UV-Filter (hier: Ethylhexylmethoxycinnamat).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/ künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) ein gemessener Gehalt von mehr als 5 mg/kg Nickel. Dies entspricht dem empfohlenen maximalen Gehalt in kosmetischen Mitteln laut der AGES (2018). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Foto: Paperkites/getty images

Kunststoffverbindungen (hier: Nylon-12, VP/Hexadecene Copolymer, Dimeticone/Vinyl Dimethicone Crosspolymer, Polyethylene, Polymethyl Methacrylate, Silica Dimethyl Silylate, Hydrogenated Polyisobutene).

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU Kosmetik-Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; d) kein Beleg/Zertifikat vorgelegt, dass das für die Herstellung des Produkts verwendete Talkum frei von Asbest ist.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei

Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethodenund Anbieterverzeichnis finden Sie unter .

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 4/2022. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.