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TEST ROUGE: Nicht so rosig


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 24.03.2022

WACHSEN

RATGEBER

1 Die Note „sehr gut“ fehlt in diesem Test. Immerhin: Fünf Rouges schneiden noch mit „gut“ ab, darunter drei konventionelle.

2 „Gutes“ Rouge muss nicht viel kosten: Die fünf Besten gehören gleichzeitig zu den günstigsten Produkten dieses Tests.

3 Puderrouge am besten mit einem dicken Pinsel auftragen. Auf dem Wangenknochen ansetzen, von innen nach außen arbeiten und zum Haaransatz weich auslaufen lassen.

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Ein Tupfer Rouge am Morgen sorgt für eine gesunde Gesichtsfarbe, wie es so schön heißt. Aber gesund kann das nicht sein: In sechs von zwanzig getesteten Rouges fand das von uns beauftragte Labor Blei, Antimon und/oder Arsen in Gehalten, die als technisch vermeidbar gelten. In mehr als der Hälfte steckt zu viel Nickel, im Rest immerhin noch Spuren von Schwermetallen. Kein Wunder, dass bei diversen Produkten auch die Noten in Rot leuchten – fünf Rouges fallen mit ...

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... „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Ebenso viele schaffen es immerhin auf „gut“, der Rest dümpelt dazwischen.

Rote Karte für Rouge von Artdeco

Das sehen wir nur ganz selten in Kosmetik: Das Artdeco Blusher Rouge, 25 Cadmium Red enthält mehr Propylparaben, als die Kosmetikverordnung der EU erlaubt. Es überschreitet also den gesetzlichen Grenzwert – wenn auch nach Abzug der Messunsicherheit einigermaßen knapp. Da sind wir streng und ziehen die rote Karte: Das Produkt erhält die Note „ungenügend“. Denn der Einsatz des früher recht verbreiteten Konservierungsstoffes unterliegt mit gutem Grund strengen Grenzen: Propylparaben gehört zu jenen längerkettigen Parabenen, die in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken und im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend waren.

„Dreist: Ein Silikon steht an erster Stelle der Zutatenliste von Judith’s Natural Blush – natürlich geht anders.“

Victoria Pfisterer ÖKO-TEST-Projektleiterin

WISSEN INCI oder: Wir spielen verstecken

Kein Platz auf der Packung?

Kundinnen haben es nicht leicht. Zum Beispiel wenn sie beim Kauf von Schminke bestimmte Inhaltsstoffe meiden wollen – allergieauslösende Azofarben oder nicht veganes Karminrot etwa. Denn wegen der kleinen Packungen sind Hersteller nicht verpflichtet, die Liste der Inhaltsstoffe (INCI) direkt aufs Produkt zu drucken. Auf sieben Rouges im Test stehen sie löblicherweise dennoch. Bei den anderen muss die Kundin sich auf die Fahndung begeben: In gut geführten Drogeriemärkten stecken die INCIs in Form von dicken Booklets in Produktnähe.

Pech gehabt

Ist das betreffende Rouge darin endlich ausfindig gemacht, tauchen die Farbstoffe am Ende der Liste aber häufig mit dem Hinweis „May contain“ auf. Kann drin sein, muss aber nicht. Und nun? Vielleicht online nachsehen? Wir haben lieber direkt beim Hersteller nachgefragt und herausgefunden: Selbst manche farbton-spezifische Online-INCI war veraltet und enthielt etwa Pigmente, die gar nicht drin waren.

Schwermetalle kommen aus der Natur

Rohstoffe aus unterirdischen Vorkommen spielen in den Rezepturen der getesteten Produkte eine tragende Rolle: Pudrige, Mineralien wie Talkum oder Kaolin bilden häufig die Basis; Eisenoxide und Mica sorgen für Farbe und Glimmer. Das alles sind mögliche Eintragsquellen für Schwermetalle, denn Arsen und Co kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor. Das könnte auch erklären, warum die Naturkosmetik hier nicht im Vorteil ist. Im Gegenteil: Das Rouge der Marke Lavera ist mit Antimon, Blei und Nickel sogar das einzige dreifach belastete Produkt und damit „ungenügend“. Sicher: Rouge kommt gar nicht großflächig auf die Haut und die gesundheitliche Belastung relativiert sich somit. Aber Blei reichert sich im Körper an und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen. Antimon gilt in seiner anorganischen Form als krebserregend und Nickel ist eines der stärksten Kontaktallergene. Darum meinen wir, dass vermieden werden sollte, was als vermeidbar gilt.

Ob flüssig oder fest: Plastik zuhauf

So wichtig mineralische Inhaltsstoffe auch in konventionellen Rouges sind – zehn von 13 Produkten mischen synthetische Polymere oder Silikone darunter. Gerade das Judith’s Natural Blush macht seinem Namen keine Ehre: Es ist das einzige Rouge im Test, bei dem ein Silikon gleich an erster Stelle der Zutatenliste steht. Ob die Kunststoffe in flüssiger, pastöser oder gar in fester Form als Mikroplastik vorliegen, spielt in unseren Augen keine große Rolle. In allen Aggregatzuständen gibt es Polymere, die sich in der Umwelt über lange Zeit nicht abbauen werden – mit weitgehend unbekannten Folgen.

Nachtrag für Veganerinnen: Rote Schminke ohne Tierleid ist eine Herausforderung für die Industrie (siehe Seite 62). Die Hälfte der Rouges im Test enthält den Farbstoff Karminrot. Er verbirgt sich hinter dem Kürzel CI 75470 und wird aus dem Blut zerquetschter Schildläuse gewonnen.

So haben wir getestet

Wir haben 20 Rouges im Preissegment zwischen 2,45 Euro bis 28,17 Euro (bezogen auf fünf Gramm Inhalt) eingekauft. Darunter Eigenmarken aus Drogerien, bekannte Markenprodukte sowie sieben Rouges mit Naturkosmetik-Zertifikat. Zwei Rouge sind als vegan ausgelobt: Das Essence The Blush, 30 Breathtaking und Got2B Cheeky Bloom Blush Powder, Mademoiselle.

Anhand der Liste der Inhaltsstoffe (INCI) identifizierten wir unter anderem Kunststoffverbindungen, bedenkliche UV-Filter und das Antioxidans BHT. In den von uns beauftragten Laboren ließen wir alle Rouges auf Schwermetalle wie Arsen, Blei, Antimon oder Nickel überprüfen. Dort erfolgte auch eine Analyse auf problematische Duftstoffe, halogenorganische Verbindungen oder hormonverdächtige Konservierungsmittel wie Parabene. Enthielten die Rouges Titandioxid, ließen wir die Partikelverteilung bestimmen, um herauszufinden, ob Nano-Material korrekt deklariert wurde. War Talkum Bestandteil der Rezeptur, forderten wir Nachweise vom Hersteller, dass er in der betreffenden Charge asbestfreie Qualitäten verwendet. Für chlorierte Verbindungen in der Verpackung zogen wir Noten unter den Weiteren Mängeln ab.