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TEST Rückenfreundliche Stühle Schlag ins Kreuz


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2011 vom 25.02.2011

Starres Sitzen trägt oft zu schmerzhaften Rückenbeschwerden bei. Ergonomisch geformte Bürostühle und Aktivsitze sollen Abhilfe schaffen. Doch nur einer von acht rückenfreundlichen Stühlen schneidet in unserem Schadstofftest mit „sehr gut“ ab.


Nehmen Sie doch Platz!“ Was als Höflichkeitsfloskel üblich ist, könnte streng genommen auch als Drohung gelten. Denn im Sitzen erhöht sich der Druck, der beispielsweise auf den Bandscheiben lastet, im Vergleich zum Stehen deutlich und verdoppelt sich sogar fast, wenn man in der verbreiteten „entspannten“ vorgeneigten Haltung Platz nimmt.

Auf den Arbeitsalltag ...

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... übertragen, heißt das: Wer im Büro „sesshaft“ geworden ist, und das sind hierzulande rund 18 Millionen Menschen, tut sich und seinem Rücken keinen Gefallen. Hinzu kommt, dass die monotone Haltung, wie sie beim täglichen Sitzmarathon eingenommen wird, und der daraus resultierende Bewegungsmangel, mit der Zeit fast jede Wirbelsäule zermürbt. Vor dem Bildschirm erstarrte Büro arbeiter sollten deshalb nicht 118 ÖKO-TEST 3 | 2011 vergessen, dass man sich zwischendurch auch mal recken und strecken kann, sich Schreibtisch arbeit wechselweise in einer vorgeneigten, aufrechten und zurückgeneigten Haltung erledigen lässt.

Basis für ein solches „dynamisches Sitzen“ ist ein ergonomischer Bürostuhl mit verstellbarer Lendenwirbelstütze und Synchronmechanik, das heißt, Sitz- und Rückenlehne bewegen sich aufeinander abgestimmt und folgen den Bewegungen des Körpers automatisch. Als Ergänzung werden sogenannte Aktivsitzmöbel angeboten, die – ähnlich wie ein Sitzball – Bewegungen in alle Richtungen erlauben. Laut Experten können sie allerdings nicht immer den ergonomischen Bürodrehstuhl ersetzen und eignen sich zum Beispiel für den Einsatz zu Hause oder im Wechsel mit einem Bürodrehstuhl.

Foto: Benjamin Thorn/Fotolia.com

Auch ein ergonomisch ausgeklügelter Bürostuhl nützt allerdings nichts, wenn sein Benutzer über Stunden unbeweglich auf ihm verharrt. Und selbst wenn man ein wenig den Zappelphilipp auf seinem Stuhl macht, ist der im Schnitt mehr als 80-prozentige Sitzanteil am Büroarbeitstag zu viel. Als Faustregel gilt: 50 Prozent sitzen, 25 Prozent stehen, 25 Prozent bewegen. Ideal sind Arbeitsplätze mit integrierten Stehpulten oder höhenverstellbare Schreibtische. Hierzu bietet der Markt passende Steh-/Sitzhilfen an, die ein Sitzen in verschiedenen Höhen ermöglichen.


Produkte mit AGR-Siegel erfüllen nachweislich die wichtigen Kriterien des dynamischen Sitzens


Wir haben Stühle eingekauft, die mit dem bei Orthopäden anerkannten Siegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) ausgezeichnet wurden und damit die wichtigen Kriterien des dynamischen Sitzens erfüllen. Ob Schadstoffe enthalten sind, prüft die AGR nicht. Deshalb haben wir die Produkte – darunter fünf Bürodrehstühle, zwei Aktivsitze, eine Steh- /Sitzhilfe – in die Labore geschickt und einem umfangreichen Schadstofftest unterzogen.

Das Testergebnis

■ Nicht auf jedem getesteten Bürostuhl bleibt man gerne sitzen. Nur einen können wir uneingeschränkt empfehlen. In den Bezügen und Polstern der anderen verbergen sich problematische Stoffe.
■ Als wahre Schadstoffschleudern entpuppen sich die Aktivsitze der Firma Aeris-Impulsmöbel. Immuvman stecken beträchtliche Gehalte an zinnorganischen Verbindungen, allen voran das giftige Dibutylzinn. Derswopper work enthält sowohl im blauen Sitz- als auch im schwarzen Lehnenbezug den krebsverdächtigen Farbstoffbestandteil Anilin.
■ Umstrittene halogenorganische Verbindungen, von denen viele Allergien auslösen können, fanden die beauftragten Labore in sechs Produkten. Wahrscheinlich stammen sie aus dem Färbeprozess. Wegen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, kassieren drei Modelle je zwei Noten Abzug. Von den PAK sind viele Vertreter krebserregend.
■ DerSedus black dot mit Polsterbezug „Atlantic“ ist frei von Problemstoffen und mit 475 Euro für einen ergonomischen Bürodrehstuhl auch halbwegs erschwinglich. Die Ergebnisse unserer Schadstoffprüfung lassen sich allerdings nicht 1:1 auf andere Bezüge des gleichen Stuhlmodells übertragen.


Sitzenbleiber: Im swopper steckt krebsverdächtiges Anilin, der muvman enthält giftiges Dibutylzinn


So reagierten die Hersteller Bei den Bezug- und Polstermaterialien verlassen sich die Firmen auf Schadstoffsiegel wie den internationalen Öko-Tex Standard 100 oder Toxproof (TÜV Rheinland). Die Mengen an Chemikalienrückständen, die diese Label erlauben, sind jedoch teilweise inakzeptabel. So sind zum Beispiel umweltund gesundheitsschädliche zinnorganische Verbindungen wie Dibutylzinn nicht gänzlich Tabu, sondern mit recht hohen Grenzwerten versehen.

Unsere Empfehlungen

Beim Einkauf auf Label achten, die ergonomische Kriterien berücksichtigen, am besten das AGR-Gütesiegel.
Nur beim Fachhändler ist eine individuelle Beratung und Einweisung möglich. Einige Hersteller bieten auch gute Testkonditionen für ein mehrtägiges Probesitzen am Einsatzort an. Es lohnt sich also, beim Hersteller nachzufragen und entsprechende Konditionen auszuhandeln.
Eine starke, gut trainierte Rücken- und Bauchmuskulatur hilft gegen Rückenschmerzen. Besonders empfohlen werden Ausdauersportarten wie Schwimmen (nur Rücken und Kraul), Wandern, Nordic Walking und Skilanglauf.

Bewegung im Büro macht fit

„Bewegung im Alltag und Büro ist für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit wichtiger als der ein- oder zweimalige wöchentliche Sport.“

Dr. Dieter Breithecker , Ergonomieexperte und Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungsund Bewegungsförderung (BAG)

Kompakt

Bürostuhl ist Sache des Arbeitgebers
Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Arbeitnehmern einen ergonomischen Bürostuhl zur Verfügung zu stellen. Allerdings – die Stühle müssen keiner höheren Preisklasse entstammen, es reicht ein Standardmodell. Konkrete Anhaltspunkte geben die Normen EN 1335 und DIN 4550/4551, die jedoch nur Mindestkriterien vorschreiben. So sind zum Beispiel die enthaltenen Verstellbereiche im Hinblick aufs zunehmende Größenwachstum nicht mehr ausreichend. Deutlich besser als die Norm vorgibt, sollte es also schon sein, weniger auf keinen Fall.

Aus dem Sitz gewachsen
Bürostühle sind standardmäßig für Körperhöhen von etwa 1,50 bis 1,90 Meter konstruiert. Eine Ausnahme bilden die Niederlande, da dort nicht nur die größten Leute leben, sondern – aufgrund von Immigration – auch viele Menschen mit kleinerer Statur. Deshalb wurde die Ergänzungsrichtlinie NPR 1813 (Nederlandse Praktijk Richtlijn) entwickelt, die in ihren Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit von Bürostühlen deutlich weiter geht als die entsprechenden EU-Normen. Auch hierzulande kann es sich lohnen, nachzufragen, ob der gewünschte Stuhl die niederländische Norm erfüllt – in unserem Test haben wir einen entsprechenden Hinweis beimDrabert salida gefunden.

Wer zahlt orthopädische Hilfen?
Wenn sonstige Hilfsmittel wie orthopädische Stühle oder Stehpulte gebraucht werden, kann der Träger dafür die Kosten übernehmen. Zuständig sind Rentenversicherer (ab 15 Jahre versicherungspflichtiger Beschäftigung), Berufsgenossenschaften (nach Arbeitsunfall), das Integrationsamt (Studenten) und sonst die Arbeitsämter. Um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, sollten vorher einige Formulare eingereicht werden: ein Antrag auf Leistungen zur Rehabilitation, den man beim Kostenträger bekommt, ein Attest eines Facharztes mit dem Hinweis, dass das Hilfsmittel verordnet werden muss, damit die Tätigkeit weiter ausgeübt werden kann, eine Tätigkeitsbeschreibung und ein Kostenvoranschlag eines qualifizierten Fachhändlers.