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TEST Säuglingsmilch, Pre: Besser ohne Mineralöl


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 27.05.2021

RATGEBER

1 Die Aptamil Pro Futura Anfangsmilch Pre und die Nestlé Beba Pre landen mit „sehr gut“ ganz vorne. Nicht verwechseln: Von beiden Marken sind auch weniger gute Anfangsnahrungen im Test. 

2 Wer seinem Kind andere als die „sehr guten“ Nahrungen in unserem Test gegeben hat, muss sich keine Sorgen machen. In keiner stecken akut giftige Belastungen. 

3 Von den Bio-Pulvern schneiden Hipp Bio Combiotik Anfangsmilch Pre und Löwenzahn Organics Bio Anfangsmilch Pre mit „befriedigend“ noch am besten ab.

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Die gute Nachricht aus den aktuellen Laboranalysen von 16 Pre- Nahrungen: Einige Hersteller haben in den letzten zwei Jahren offensichtlich weiter Fortschritte dabei gemacht, Belastungen mit Mineralölbestandteilen zu senken. Zwei Nahrungen schnei - den aktuell rundum mit „sehr gut“ ab, drei weitere mit „gut“. Aber: Verunreinigungen kommen noch vor. Wie schon im vorigen Test stecken ausgerechnet in ...

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... einem der zwei hochpreisigen Produkte der Marke Aptamil besonders kritische Mineralölbestandteile. Eines von zwei Hipp-Produkten kritisieren wir wegen eines bedenklichen Fettschadstoffs. In der Hälfte der Anfangsmilchen fehlt es zudem an einer wertvollen Fettsäure.

Ausreißer von Milasan und Aptamil 

In Sachen Mineralöl fallen besonders die Milasan Anfangsmilch Pre und die Aptamil Pronutra-Advance Anfangsmilch Pre negativ auf: Im Milasan-Produkt hat das von uns beauftragte Labor die höchsten Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) festgestellt. MOSH sammeln sich im Körper in Or-ganen wie der Leber an. Welche Folgen das auf Dauer hat, ist noch unklar. Die Aptamil Pronutra-Advance Anfangsmilch Pre enthält nur Spuren an MOSH, aber auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Diese Stoffgruppe gilt als bedenklicher als die MOSH, weil dazu auch krebserregende Verbindungen gehören können.

In neun weiteren Anfangsmilchen kritisieren wir MOSH-Werte, die zwar niedriger sind als im Milasan-Produkt, aber aus unserer Sicht dennoch verbesserungsbedürftig. Denkbare Eintragsquellen für Mineralölbestandteile sind Verpackungsmaterialien und Schmierfette an Maschinen in der Produktion.

Fettschadstoff in einer Hipp-Nahrung 

Fettschadstoffe, die während der Raffination der pflanzlichen Öle in Babynahrung entstehen, sind kaum noch ein Problem. Anders als in vorangegangenen Tests enthalten die meisten Produkte nur noch Spuren bedenklicher 3-MCPD-Fettsäureester. Die Hipp Bio Anfangsmilch Pre ist jedoch mit Glycidylfettsäureester belastet. Der Gehalt liegt zwar unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts. Aber diese Stoffe haben aus unserer Sicht in Babynahrung nichts verloren, weil sie im Körper Glycidol freisetzen, welches die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstuft.

WISSEN

Protein und Pflanzenfett

Weniger Eiweiß

Experten wie Professor Berthold Koletzko von der Universität München empfehlen für Anfangsnahrung Eiweißgehalte von nicht mehr als zwei Gramm pro 100 Kilokalorien.

Der Grund: Zu viel Protein erhöht wahrscheinlich das Risiko für späteres Übergewicht. Muttermilch ist nach den ersten Wochen deutlich proteinärmer als Fertignahrung. Die Expertenempfehlung erfüllen die meisten Produkte im Test. Nur die von Milasan, Bebivita, Löwenzahn und Nestlé Mini Steps liegen leicht drüber.

Weniger Palmöl

Palmöl hat einen schlechten Ruf, weil dem Anbau der Ölpalmen oft Regenwälder zum Opfer fallen.

Viele Verbraucher versuchen deshalb, Palmöl zu meiden. Einige Hersteller haben ihre Säuglingsmilchen auf Gemische pflanzlicher Öle ohne Palmöl umgestellt. ÖKO-TEST wertet Palmöl aber nicht per se ab. Denn der Anbau anderer Ölpflanzen ist nicht automatisch nachhaltiger.

Gesundheitlich haben die Palmölanteile in der Säuglingsmilch übrigens keine Nachteile.

Wer Säuglingsnahrung ohne Palmöl möchte: Die beiden „sehr guten“ Produkte im Test zählen zu den palm ölfreien.

„Viele Säuglinge bekommen Tag und Nacht nur dieses eine Fertiglebensmittel. Zum Glück sind die Mineralöl-Belastungen insgesamt etwas gesunken.“

Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin

Holle mit Perchlorat

Auch Desinfektionsmittelrückstände bemängeln wir, anders als in früheren Tests, nur einmal. Die Holle Bio Anfangsmilch Pre enthält nach unserer Bewertung „erhöhte" Mengen an Perchlorat. Perchlorat hemmt auf Dauer die Jodaufnahme der Schilddrüse. Die Firma Holle kündigte an, herausfinden zu wollen, woher die Belastung stammt.

Neue Vorgaben 

Muttermilch lässt sich in ihrer komplexen Zusammensetzung und Wirkung für das Immunsystem nicht nachbauen. Aber zum Glück gelingt die Annäherung bei der industriell hergestellten Säuglingsmilch so weit, dass nicht gestillte Babys damit gut versorgt sind.

Für die Nährwerte gibt es klare gesetzliche Vorgaben. Seit 2020 gehört ein relativ hoher Mindestgehalt der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) dazu. Hersteller durften vorher schon freiwillig DHA über Fischöl zusetzen, aber nur in Kombination mit mindestens genauso viel von der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure (ARA). Sie lässt sich aus dem Pilz Mortierella alpina gewinnen. Muttermilch enthält in der Regel mehr ARA als DHA.

Einige, aber nicht alle Studien zeigten für den Zusatz der beiden Fettsäuren eine positive Wirkung auf die Reifung des Sehvermögens und die kognitive Entwicklung.

An der falschen Stelle gespart 

Zahlreiche europäische Wissenschaftler protestierten gegen die Entscheidung, DHA ohne gleichzeitigen ARA-Zusatz vorzuschreiben. Die Sicherheit der Zusätze sei nur in der Kombination belegt, erklärte etwa die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin 2020 in einer Stellungnahme. Dagegen hätten vergleichende Studien bei Affen und Säuglingen bei einem geringeren ARA-Anteil Nachteile für die neurologische Entwicklung und die Hirnzusammensetzung gezeigt. Die Experten empfehlen deshalb dringend, dass die Säuglingsmilch mindestens ebenso viel ARA wie die vorgeschriebene DHA enthalten sollte. Das ist auch in der Babynahrungsbranche bekannt. Umso ärgerlicher ist es, dass die Hersteller nur der Hälfte der Produkte in unserem Test freiwillig entsprechend ARA zugesetzt haben.

Einige bessern jetzt nach. So haben Holle und Nestlé (Mini Steps) jüngst Nachfolgeprodukte mit ausgeglichenem ARA-DHA-Verhältnis herausgebracht. Dm kündigt das für eine neue, ab diesen Juli produzierte Bio Anfangsmilch Pre ebenfalls an, nicht aber für die konventionelle Eigenmarke Babylove Anfangsmilch Pre.

So haben wir getestet

Anfangsmilch Pre ist für Säuglinge ab Geburt sowie im ganzen ersten Lebensjahr geeignet. Wir haben 16 Pre-Nahrungen eingekauft, darunter sechs Bio-Produkte.

Ein akkreditiertes Labor untersuchte die Pulver für uns auf Verunreinigungen mit Mineralöl. Hierfür wurden die Proben zunächst so aufgereinigt, dass etwa pflanzliche Inhaltsstoffe nicht fälschlicherweise als Mineralölbestandteile erfasst werden konnten. Wir ließen die Anfangsmilchen außerdem auf Chlorat und Perchlorat untersuchen, die als Rückstände aus Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen können, zudem auf Fettschadstoffe wie Glycidylfettsäureester, aus denen das wahrscheinlich krebserregende Glycidol entstehen kann. In puncto Keimfreiheit waren ausnahmslos alle Pulver in Ordnung.

Das Labor analysierte außerdem das Fettsäurespektrum der Nahrungen. Unterschiede gibt es besonders bei der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure (ARA), die in Muttermilch enthalten und wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen ist. Während die meisten wichtigen Nährstoffe klar gesetzlich geregelt sind, können Hersteller Anfangsnahrungen derzeit freiwillig das Öl des Pilzes Mortierella alpina als Quelle für ARA zusetzen.